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Dax bäumt sich wieder auf China-Vorstoß beflügelt die Börsen

Stand: 09.10.2019, 15:10 Uhr

Die Hoffnung stirbt zuletzt - auf eine Einigung im Handelsstreit! Vor der neuen Gesprächsrunde in Washington ist China offenbar zu Zugeständnissen bereit und will mehr US-Sojabohnen kaufen. Die Börse jubelt.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Nach einem zaghaften Handelsbeginn ist der Dax im Laufe des Tages richtig in Schwung gekommen. Bis zum frühen Nachmittag steigt er um 1,2 Prozent und klettert auf über 12.100 Punkte. Gestern war der deutsche Leitindex unter die runde Marke von 12.000 Zählern abgesackt.

China will mehr US-Agrarprodukte kaufen

Am Dienstag noch gab es Zweifel an einer Annäherung zwischen China und den USA im Handelsstreit, nun keimt wieder neue Hoffnung auf. Peking sei zu einer Teilvereinbarung im Konflikt mit den USA bereit, meldete die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf Insider. Zudem geht China einen Schritt auf die USA zu. Die Volksrepublik bietet an, mehr amerikanische Agrarprodukte zu kaufen, berichtet die "Financial Times", ohne genaue Quellen zu nennen. So zeigt sich China bereit, künftig pro Jahr 30 Millionen Tonnen Sojabohnen aus den USA zu beziehen – zehn Millionen mehr als bisher.

US-Börsen dürften freundlich eröffnen

Dow Jones Ind.: Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
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An der Wall Street sieht es ebenfalls nach einer Erholung aus. Die Futures signalisieren einen freundlichen Handelsbeginn. Der Dow dürfte um 0,8 Prozent zulegen, nachdem er am Dienstag um 1,2 Prozent abgetaucht war.

"Anleger zwischen den Stühlen"

Die Anleger sitzen derzeit zwischen zwei Stühlen", sagte Timo Emden, Marktanalyst bei Emden Research. Der politische Schlingerkurs im Handelskonflikt sorge für ein Auf und Ab der Gefühle auf Investorenseite. "Je näher der Termin um die anstehenden Handelsgespräche heranrückt, desto größer dürfte die Anspannung und die damit einhergehende Zurückhaltung werden." Am Donnerstag und Freitag treffen sich hochrangige Vertreter aus China und den USA, um den seit Monaten andauernden Zollkonflikt zu entschärfen.

Rückschlag möglich

Händler warnen vor überzogenen Erwartungen. Es bestehe das Risiko, dass der Waffenstillstand erneut bricht und auf Sanktionen wieder Gegenmaßnahmen folgen, auf Strafzölle wieder Gegenzölle", sagte Jochen Stanzl, Marktbeobachter beim Brokerhaus CMC Markets. Zudem seien zahlreiche Streitpunkte offen. Dazu gehörten das geistige Eigentum und erzwungene Technologietransfers, Dumpingpreise und der Vorwurf der Währungsmanipulation, sagte er. Ein neuer Streitpunkt sind die jüngsten Visa-Beschränkungen der USA für chinesische Regierungsbeamte und Unternehmen, die in China umgehend auf Kritik stießen.

"Die Hoffnungen auch nur auf eine kleine Lösung sollten nicht zu hoch aufgehängt werden", warnte bereits Ende der vergangenen Woche Analyst Christian Schmidt von der Landesbank Helaba. Auch BayernLB-Analyst Manuel Andersch ist skeptisch. "Die USA betonten unzählige Male, dass ein partielles Abkommen mit China nicht ausreiche." Und die chinesische Seite scheine zu strukturellen Veränderungen zumindest noch nicht bereit.

Warten auf das Fed-Protokoll

Abseits des Zollstreits wird am Mittwoch noch gespannt auf das am Abend veröffentlichte Protokoll der letzten Sitzung der US-Notenbank Fed geblickt, das neue Eindrücke für die künftige Geldpolitik vermitteln könnte. Die britische Bank HSBC verspricht sich davon mehr Aufschluss über die Haltung der einzelnen Währungshüter. Ähnlich wie im Rat der Europäischen Zentralbank herrsche auch dort Uneinigkeit über den eingeschlagenen geldpolitischen Kurs.

Ölpreise legen deutlich zu

Die Hoffnung auf eine Annäherung im Handelsstreit treibt auch die Rohstoffmärkte an : Die Ölpreise ziehen deutlich an, die US-Sorte WTI steigt auf über 53 Dollar je Barrel, die Nordseesorte Brent klettert auf gut 58 Dollar.

Der "sichere Hafen" Gold ist in einem solchen Umfeld nicht gefragt. Der Goldpreis hat zur Mittagszeit ins Minus gedreht und verliert 0,1 Prozent auf knapp 1.504 Dollar je Feinunze.

Der Euro zieht an auf 1,0979 Dollar.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Thyssenkrupp: Blut-Schweiß-und-Tränen-Brief von der Chefin

Die neue Thyssenkrupp-Chefin Martina Merz hat die Mitarbeiter des kriselnden Konzerns auf harte Einschnitte eingeschworen. "Zur Wahrheit gehört, dass es in einigen Bereichen nicht ohne signifikanten Stellenabbau gehen wird", schrieb Merz in einem Brief des Vorstands an die Mitarbeiter. Zahlen nannte sie nicht. Die ehemalige Bosch-Managerin hatte Anfang vergangener Woche den Chefposten von Guido Kerkhoff übernommen, der nach 14 Monaten im Amt auf Druck von Investoren gehen musste.

Interessenskonflikt bei Deutsche-Bank-Aufsichtsrat?

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die Aufsichtsgremien der EZB und der BaFin tendieren nach einem Bericht der "Financial Times" dazu, Jürg Zeltner als Mitglied des Aufsichtsrats der Deutschen Bank wegen Interessenskonflikten abzulehnen. Die Luxemburger Privatbankengruppe KBL, deren Chef Zeltner ist, konkurriere im Bereich der Vermögensverwaltung direkt mit der Deutschen Bank, berichtet die Zeitung. Hinter KBL steht die katarische Herrscherfamilie Al-Thani, die wiederum Großaktionär bei der Deutschen Bank ist.

Commerzbank vor Stellenstreichungen in "vierstelliger Höhe"?

Der Privat- und Geschäftskundensparte der Commerzbank drohen einem Medienbericht zufolge harte Einschnitte. Demnach sollen unter Berücksichtigung der geplanten Comdirect-Integration Stellen in "vierstelliger" Höhe abgebaut werden. Das gehe aus einem Schreiben des Gremiums an Mitarbeiter hervor, berichtete das "Handelsblatt". Die Bank wolle rund 250 Zweigstellen dichtmachen und zugleich 50 Filialen "an interessanten Lokationen" neu eröffnen.

Deutz setzt auf klimaschonende Technologien

Der Motorenhersteller Deutz baut durch einen Zukauf sein Geschäft mit Elektroantrieben für Bau- und Landmaschinen aus. Der Konzern übernimmt den Batteriespezialisten Futavis aus Alsdorf. Futavis beschäftige rund 30 Mitarbeiter und peile im laufenden Jahr einem Umsatz von fünf Millionen Euro an, so Deutz. Über die Höhe des Kaufpreises sei Stillschweigen vereinbart worden. Deutz will sich im Geschäft mit Komponenten für elektrische Antriebe ein weiteres Standbein aufbauen.

Tom Tailor vorerst gerettet

Die angeschlagene deutsche Modekette kommt einer längerfristig gesicherten Finanzierung näher. Das Unternehmen habe sich mit seinen Konsortialbanken und dem chinesischen Mehrheitsaktionär Fosun auf eine neue Finanzierungsstruktur geeinigt, erklärte Tom Tailor am Mittwoch. Die Eckpunktevereinbarung mit einer Laufzeit bis Ende September 2022 sieht ein Gesamtvolumen von 365 Millionen Euro vor.

Zugleich korrigierte Tom Tailor vorläufige Zahlen für das Geschäftsjahr 2018, da Rückstellungen wegen einer künftig schlechteren Geschäftsentwicklung gestiegen seien. So erwartet das Unternehmen ein operatives Ergebnis von nur noch 64 Millionen Euro statt 70,6 Millionen Euro.

Derweil wackeln die Stühle des Top-Managements. Der Aufsichtsrat führe derzeit Gespräche mit dem Vorstandsvorsitzenden Heiko Schäfer und dem Finanzvorstand Thomas Dressendörfer "hinsichtlich des vorzeitigen Ausscheidens aus der Gesellschaft".

Boeing: Nur eine 737 MAX bestellt

Der Flugzeugbauer hat zum ersten Mal seit Monaten wieder einen seiner Problemjets vom Typ 737 MAX verkauft. Ein ungenannter Kunde habe eine Maschine bestellt, teilte Boeing mit. Die 737 MAX war nach zwei Abstürzen mit Hunderten Todesopfern mit einem weltweiten Flugverbot belegt worden.

Das bremste Boeings Geschäfte in den vergangenen Monaten drastisch aus: In den ersten neun Monaten 2019 brachen die Flugzeugauslieferungen verglichen mit dem Vorjahreszeitraum um 47 Prozent ein, wie die am Dienstag veröffentlichte Statistik des US-Konzerns zeigt. Damit fällt Boeing weiter hinter den europäischen Erzrivalen Airbus zurück.

Boeing: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Airbus: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Johnson & Johnson: Milliardenstrafe wegen Männer-Brüsten

Der US-Pharmakonzern Johnson & Johnson ist zu einer Schadenersatzzahlung in Milliardenhöhe verurteilt worden. Ein Geschworenengericht im US-Bundesstaat Pennsylvania entschied am Dienstag, dass J&J wegen fehlender Informationen über die Nebenwirkungen eines bei Schizophrenie eingesetzten Medikaments acht Milliarden Dollar zahlen müsse.

Geklagt hatte ein Mann, der das Psychopharmakum Risperdal eingenommen hatte, das bei Schizophrenie und bipolaren Störungen verschrieben wird. Er wirft dem Pharmakonzern vor, ihm seien dadurch Brüste gewachsen. J&J kündigte umgehend an, in Berufung zu gehen. Die J&J-Aktie fällt um rund zwei Prozent.

Apple: Kritik aus China an Polizei-Tracking-App

Der US-Technologiekonzern wird in der Zeitung der Kommunistischen Partei Chinas kritisiert. In dem Blatt wird die Zulassung einer bestimmten App auf Apple-Geräten beanstandet, die die Bewegung der Polizei in Hongkong verfolgt und von Protestlern während der regierungskritischen Demonstrationen verwendet wird. Die App "HKmap.live" öffne in der chinesischen Sonderverwaltungszone gewalttätigen Demonstranten die Tür, heißt es in der Zeitung.

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Womit Apple sein Geld verdient Viel mehr als iPhone und iPad

Apple-Logo am Sternenhimmel

Apple ist der Gigant unter den weltweit agierenden Technologieunternehmen: Der Umsatz lag im vergangenen Jahr bei 265,6 Milliarden Dollar, der Gewinn bei 59,5 Milliarden. Der Löwenanteil kommt dabei immer noch vom iPhone.

Tagestermine am Montag, den 14. Oktober

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Fraport: Verkehrszahlen 09/19, 7 Uhr

Konjunktur:
EU: Industrieproduktion 08/19, 11 Uhr

Sonstiges:
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