China treibt den Dax

Stand: 12.04.2012, 20:00 Uhr

Nach einer Berg- und Talfahrt hat der Dax am Donnerstag erneut mit klaren Gewinnen geschlossen. Beflügelt wurde der Leitindex von der an der Wall Street aufgekommenen Hoffnung auf ein stärkeres Wachstum in China.

Danach rechnen die Anleger damit, dass die chinesische Wirtschaft im ersten Quartal um neun Prozent zugelegt haben könnte. Am Markt war bislang ein Wachstum von etwas mehr als acht Prozent erwartet worden. Ob sich ihre Hoffnungen bestätigen, erfahren die Anleger am frühen Freitagmorgen. Dann will China die BIP-Zahlen sowie die Entwicklung der Industrieproduktion im ersten Quartal bekanntgeben.

getrieben von diesen positiven Erwartungen beendet der Dax am Nachmittag seine Berg- und Taöfahrt und steigt bis zum Handelsschluss auf 6.743 Punkte, 1,0 Prozent oder 68 Punkte mehr als am Mittwoch. Im Abendhandel kommt es zu einem ähnlichen Anstieg. der Euro baut seine Gewinne aus und wird mit bis zu 1,318 Dollar bewertet.

Dabei hatten zunächst die schlechter als erwartet ausgefallenen Arbeitslosenzahlen für Enttäuschung gesorgt und den Leitindex auf einen Tagestiefstand von 6.651 Punkte gedrückt. Doch dann fasten die Anleger wieder Mut und trieben den Dax in der Spitze bis auf 6.762 Punkte.

Schwacher US-Arbeitsmarktbericht
Die Erstanträge auf US-Arbeitslosenhilfe summierten sich in der vergangenen Woche auf 380.000, so viele wie seit Januar nicht mehr. Dennoch zeigte sich die Wall "Die Erstanträge fielen höher aus als erwartet, aber das ändert nichts am Trend", versicherte ein Marktstratege.

Für Erleichterung sorgte auch eine Anleiheauktion Italiens. Das Land muss zwar inzwischen mit 3,9 Prozent deutlich höhere Zinsen zahlen als zuvor, hatte aber keine Mühe knapp 4,9 Milliarden Euro am Kapitalmarkt einzusammeln. Die Renditen sind nicht optimal, aber gut genug, um keine Panik auszulösen", sagte ein Händler.

Deshalb geht es auch an den US-Börsen weiter aufwärts. Der Dow Jones-Index der amerikanischen Standardwerte notiert bei Börsenschluss in Frankfurt 170 Punkte oder 1,3 Prozent höher als am Vortag bei 12.976 Punkten.

Infineon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
17,64
Differenz relativ
-0,76%

Deutsche Bank hebt Infineon an Dax-Spitze
Größter Gewinner im Leitindex mit einem Plus von knapp sechs Prozent ist die Aktie des Chip-Herstellers Infineon. Die Deutsche Bank hält den Titel für einen Kauf und hat ihr Kursziel deutlich von 6,70 auf 9,70 Euro angehoben.

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
70,10
Differenz relativ
-2,25%
Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
140,98
Differenz relativ
-1,74%

Autoaktien geben weiter Gas
Auch die Autowerte BMW und VW schieben sich erneut vorwärts. Beide Konzerne hatte am Mittwoch imposante Absatzzahlen für das erste Quartal 2012 veröffentlicht und finden nun offenbar weitere Käufer.

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
18,95
Differenz relativ
-0,99%

Lufthansa transportiert mehr Passagiere
Überdurchschnittlich voran kommt auch die Aktie der Lufthansa. Trotz des Streiks am Drehkreuz Frankfurt sind im Auftaktquartal 2012 mehr Passagiere mit der Airline geflogen als im Vorjahr. Insgesamt beförderten die Gesellschaften des Konzerns 21,9 Millionen Fluggäste und damit 4,8 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Bei der Fracht gab es allerdings einen Rückgang um 9,3 Prozent.

Ceconomy ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
3,74
Differenz relativ
-1,96%

Metro wieder unter Druck
Größter Verlierer der insgesamt vier Verlierer im Dax ist die Metro-Aktie. Die Berenberg Bank hat das Papier von "Hold" auf "Sell" abgestuft und das Kursziel von 33,00 auf 29,00 Euro gesenkt. Die Metro-Aktien dürften sich schlechter entwickeln als der europäische Lebensmittelhandel-Sektor, schrieb Analystin Niamh McSherry in einer am Donnerstag vorgelegten Branchenstudie. Eigentlich seien die Papiere attraktiv bewertet, doch gebe es im laufenden Jahr kaum Kurstreiber.

Gedrückt wird Metro auch von den schwachen Quartalsumsätzen des französischen Konkurrenten Carrefour. Der hatte seine Erlöse nur durch ein gutes Geschäft in Lateinamerika steigern können.

UBS mag Sky
Aktien des Bezahlsenders Sky aus dem MDax schrauben sich um 14,5 Prozent in die Höhe. Die Analysten der Schweizer Großbank UBS haben den Titel auf ihre Favoritenliste gesetzt. Der Aktie attestieren sie "hohes Risiko, aber hohe Belohnung". Über Wohl und Wehe des Titels dürfte die Rechtevergabe für die Fußball-Bundesliga entscheiden, bei der auch die Deutsche Telekom und Axel Springer mitbieten.

Gerresheimer profitiert von Indien
Zweistellige Zuwachsraten verzeichnet auch die Aktie von Gerresheimer. Der Spezialverpackungshersteller aus dem MDax ist nach einem Zukauf in Indien für das laufende Geschäftsjahr optimistischer. Das Unternehmen hob seine Umsatzprognose leicht an und sorgt damit an der Börse für einen Kurssprung. Konzernchef Uwe Röhrhoff erklärte, Anfang des Monats den Kaufvertrag für die indische Neutral Glass unterzeichnet zu haben. Die Übernahme in dem rasch wachsenden Markt sei ein strategisch wichtiger Schritt für Gerresheimer.

Rhön-Klinikum warnt
Verschmäht werden dagegen die Papiere des Klinik-Betreibers Rhön-Klinikum. Sie sind die größten Verlierer im MDax. Das Unternehmen erwartet wegen Verzögerungen bei seinen Universitätskliniken Gießen und Marburg negative Effekte für das erste Quartal. Der Gewinn dürfte in den ersten drei Monaten des Jahres um fünf bis neun Millionen Euro niedriger ausfallen als geplant. Die Jahresziele bleiben aber unberührt.

Voestalpine hebt an
Dagegen rechnet der österreichische Stahlkonzern Voestalpine mit einem deutlich anziehenden Stahlgeschäft. "Ich traue mir zu sagen, das erste Halbjahr des neuen Geschäftsjahres wird deutlich besser sein als das zweite Halbjahr 2011/12", sagte Firmenchef Wolfgang Edern. Grund seien Preiserhöhungen, von denen der Linzer Konzern profitieren könne. Im vergangenen Winter hatten viele Stahlkonzerne wegen einer vorübergehenden Nachfragedelle ihre Kapazitäten gekürzt. Nun müssen die Kunden ihre Läger jedoch wieder füllen und bescheren den Konzernen gute Geschäfte. Die Aktie legt zu.

Shell: Ölteppich drückt Aktie
Ein Ölfilm im Golf von Mexiko belastet die Aktien von Royal Dutch Shell. Im zentralen Golf von Mexiko war ein Ölteppich in der Nähe von Plattformen des Unternehmens gesichtet worden. Nach Angaben von Shell ist die Ursache für den Ölteppich nicht bekannt. Die Kursverluste weckten bei den Anlegern Erinnerungen an die Katastrophe von Deepwater Horizon von BP im Jahr 2010, sagten Händler.

Tagestermine am Dienstag, 11. Dezember

Unternehmen:
Lufthansa: Verkehrszahlen November
Aurubis: Q4-Zahlen, 7 Uhr
VDMA: Jahres-Pk, 10 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: ZEW-Konjunkturerwartungen, 11 Uhr
USA: Erzeugerpreise, November, 14:30 Uhr


Sonstiges:
Großbritannien: May sagt Parlamentsvotum über Brexit ab und will nachverhandeln