Marktbericht 20:14 Uhr

Dax verliert über 300 Punkte China sorgt für Börsen-Gewitter

Stand: 11.08.2015, 20:14 Uhr

Einmal mehr hat China den Anlegern die Stimmung verdorben. Die Abwertung des Yuan drückte die Börsen in Europa und den USA in die Tiefe. Denn Exporte nach China werden nun teurer. Darunter leiden besonders Auto- und Luxusaktien.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Wie gewonnen, so zerronnen: die Kursgewinne im August sind wieder aufgebraucht. Der Dax schloss am Dienstag nahezu auf dem Niveau, auf dem er den Monat begonnen hatte: bei knapp unter 11.300 Punkten. Mit einem Minus von 2,7 Prozent verzeichnete der deutsche Leitindex den größten Tagesverlust seit über zwei Wochen. Der Weg Richtung 12.000 Zähler oder gar neues Allzeithoch ist damit vorerst gestoppt. "Das Rennen von Bullen und Bären um eine Korrektur oder neue Höchstkurse am deutschen Aktienmarkt ist nun wieder völlig offen", sagte Analyst Andreas Paciorek von CMC Markets.

Der EuroStoxx50 fiel um knapp zwei Prozent auf 3.605 Zähler. Und auch an der Wall Street ging es abwärts. Zwei Stundfen vor Handelsschluss lag der Dow 1,3 Prozent im Minus.

Chinas Notenbank wertet den Yuan ab

Der Rückschlag kam am Morgen aus China: Ziemlich unerwartet beschloss die chinesische Notenbank eine Abwertung der Landeswährung Yuan um rund zwei Prozent zur Ankurbelung der heimischen Konjunktur. Umgekehrt wird die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen und amerikanischen Konzerne auf dem chinesischen Markt geschwächt. Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen wie Euro oder Yen widerspiegelt, zog leicht an. Gegenüber dem Yuan wertete der Dollar auf ein Dreijahres-Hoch auf.

Kommt die Zinswende nun erst 2016?

ARD-Börsenstudio: Jan Plate
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Börse 20.15 Uhr

Der Eingriff der Notenbank schürt Sorgen vor einem neuen Währungswettlauf – und einer neuerlichen Verschiebung der Zinswende in den USA. Wegen des starken Dollars rechnen einige Börsianer nun erst 2016 mit einer Anhebung der Leitzinsen.

Euro lachender Dritter

Diese Spekulationen trieben den Euro an. Die Gemeinschaftswährung kletterte im Tagesverlauf auf bis 1,1080 Dollar, verlor dann aber wieder an Schwung. Die Erholung des Euro wurde gestützt von positiven Nachrichten aus Griechenland: Athen hat mit sich mit seinen Geldgebern endlich auf ein neues Hilfspaket verständigt.

ZEW-Index trübt sich weiter ein

Selbst der schwache ZEW-Index konnte dem Euro nichts anhaben. Das Konjunkturbarometer fiel im August bereits den fünften Monat in Folge auf 25,0 Punkte. Ökonomen hatten dagegen mit einem Plus auf 32,0 Zähler gerechnet. Börsenprofis bewerten also die Aussichten für die deutsche Wirtschaft überraschend schlecht.

Rohstoffpreise auf Talfahrt

Dagegen brachte die Yuan-Abwertung die Rohstoffe weltweit unter Druck. Der Kupferpreis stürzte um 3,8 Prozent auf ein Sechsjahres-Tief von 5109 Dollar. China ist mit 40 Prozent des weltweiten Angebots der größte Kupfer-Verbraucher der Welt. Aluminium verbilligte sich um 2,8 Prozent auf 1.573,50 Dollar je Tonne. Ebenfalls deutlich gaben die Ölpreise nach. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostete nur noch 48,90 Dollar- gut drei Prozent weniger als am Vortag. Durch die Yuan-Abwertung wird für China der Import von den in Dollar abgerechneten Rohstoffen teurer. "Viele fürchten, dass sich das auf die Nachfrage auswirkt", meinte ein Händler.

Auto-Aktien im Sog von China

Vor allem die Aktien der Autobauer litten unter der Yuan-Abwertung, denn ausländische Autos werden teurer. Die Titel von Daimler, BMW, Conti und VW waren mit einem Minus von vier bis fünf Prozent die größten Kursverlierer im Dax. Kaum eine deutsche Exportbranche ist so abhängig vom Reich der Mitte wie die Autobauer. Wie stark die Autokonjunktur in China jetzt schon schwächelt, zeigen die neuesten Absatzzahlen für Juli. Demnach verkauften Daimler und BMW vier Prozent weniger Fahrzeuge im Reich der Mitte.

Luxusaktien ohne Bling-bling

Ähnlich große Kursverluste gab es für die Luxus-Aktien. Die Titel von LVMH, Swatch, Burberry und Kering büßten gut vier Prozent ein. Für die Luxusgüter-Branche sind die Chinesen derzeit die wichtigste Zielgruppe.

Nur Lufthansa im Plus

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Einziger Gewinner im Dax war die Lufthansa-Aktie. Der Dax-Konzern zeigt sich drei Monate vor dem ersten Langstreckenflug der Billigtochter Eurowings zufrieden mit den Buchungen. Der Ticketverkauf sei vielversprechend angelaufen, sagte Karl Ulrich Garnadt, Vorstand des Passagiergeschäfts der Lufthansa. Eurowings startet in drei Monaten die ersten Billig-Flüge von Köln in die Karibik, nach Thailand und Dubai. Im Juli beförderte die Lufthansa 4,6 Prozent mehr Passagiere. Die Auslastung der Maschinen erhöhte sich um 2,3 Prozentpinkte auf 86,9 Prozent.

BMW-Aktionäre sortieren ihr Erbe

Bei BMW haben die beiden Quandt-Geschwister ihren Einfluss ausgebaut. Stefan Quandt und Susanne Klatten erben die Anteile der verstorbenen Mutter Johanna Quandt. Damit dürfte Stefan Quandt künftig 26 Prozent Anteile an BMW, Susanne Klatten knapp 21 Prozent halten. Bei den Stimmrechten hat Stefan Quandt gar mit 34,2 Prozent die Schwelle von 30 Prozent überschritten. Ein Übernahmeangebot für den Konzern will er freilich vermelden. Bei der Bafin beantragte er, von der Pflicht befreit zu werden.

Drohende Imtech-Pleite könnte Commerzbank belasten

Der Commerzbank droht neues Ungemach: Wegen akuter Finanzierungsprobleme hat der niederländische Gebäudeausrüster Imtech Gläubigerschutz beantragt. Imtech, dessen deutsche Tochter bereits in der vergangenen Woche Insolvenzantrag gestellt hatte, ist eine der wichtigsten Baufirmen am künftigen Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg (BER). Die Commerzbank ist laut Insidern bei Imtech mit einem hohen zweistelligen Millionenbetrag engagiert.

Kaufempfehlung für die Deutsche Post

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Die Aktie der Deutschen Post hielt sich mit einem Minus von 0,8 Prozent deutlich besser als der Dax. Die Commerzbank hat den Dax-Titel von "Hold" auf "Buy" hochgestuft und das Kursziel von 29 auf 32 Euro angehoben. Nach jahrelangen Problemen könnte sich das Speditionsgeschäft nun erholen, hieß es. Zudem seien solide Fortschritte im Briefgeschäft und auch in der Sparte Express zu sehen.

Jungheinrich-Aktie auf Höchstkurs

Im Blickpunkt standden am Dienstag Nebenwerte. Star des Tages im MDax war Jungheinrich. Die Aktie kletterte auf ein Rekordhoch. Nach einem starken zweiten Quartal hat der Jungheinrich-Konzern seine Jahresprognose angehoben. Demnach soll der Auftragseingang zwischen 2,7 bis 2,8 Milliarden Euro betragen. Das Ebit werde zwischen 195 und 205 Millionen Euro liegen.

Leoni trotzt China-Flaute

Der Kabelhersteller und Autozulieferer Leoni hat im abgelaufenen Quartal dank des starken Dollar und brummender Geschäfte mit den Fahrzeugbauern mehr verdient. Das Betriebsergebnis (Ebit) kletterte binnen Jahresfrist um sechs Prozent auf 50,4 Millionen Euro. Der Umsatz legte um 13 Prozent auf 1,16 Milliarden Euro zu. Die Aktie lag zeitweise im Plus, schloss aber über drei Prozent im Minus.

Aareal Bank wird vorsichtiger

Die rote Laterne im MDax ging an die Aareal Bank. Sie verlor fast fünf Prozent. Der Kauf der früheren WestLB-Tochter Westimmo verhalf der Immobilienbank zwar im zweiten Quartal zu einem Rekordgewinn von 200 Millionen Euro. Der harte Wettbewerb macht aber die Aareal Bank vorsichtiger. Vorstandschef Wolf Schumacher warnte vor einem größeren Druck auf die Margen.

Manz in den roten Zahlen

Im TecDax war die Manz-Aktie mit einem Minus von fast sieben Prozent Schlusslicht. Verschobene und stornierte Aufträge haben wie befürchtet den Maschinenbauer im ersten Halbjahr in die roten Zahlen gerissen. Unter dem Strich stand ein Verlust von 15 Millionen Euro nach einem Mini-Gewinn ein Jahr zuvor. Der Umsatz sackte um gut ein Viertel auf 122 Millionen Euro ab. An der Ende Juni gesenkten Prognose hielt der Vorstand fest.

Solides Wachstum von Jenoptik

Auf der Gewinnerseite im TecDax stand dagegen Jenmoptik. Der Technologie- und Rüstungskontzern hat im zweiten Quartal den Gewinn um 17 Prozent auf 11,9 Millionen Euro gesteigert. Die Erlöse zogen äebenfalls zweistellig an auf 170,4 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr wurde die Prognose bekräftigt.

Cewe will jüngere Zielgruppen gewinnen

Der Fotokonzern Cewe nimmt mit dem Kauf des Internetportals DeinDesign für die Gestaltung von Handy-Hüllen Kurs auf jüngere Kundschaft. Der Kaufpreis wurde nicht genannt. Der SDax-Konzern konnte seinen operativen Verlust (Ebit) im zweiten Quartal um 2,8 Prozent auf 3,3 Millionen Euro verringern. Die Cewe-Aktie gab leicht nach.

Deutsche Office hält sich bedeckt

Die im SDax notierte Büro-Immobilienfirma Deutsche Office berichtete über einen sinkenden Leerstand und ein anziehendes Vermietungsgeschäft. Das operative Ergebnis aus dem Vermietungsgeschäft (FFO) verbesserte sich im ersten Halbjahr um knapp 18 Prozent auf 24,8 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr werden nun 52 Millionen Euiro angepeilt. Zum Übernahmeangebot der Konkurrentin Alstria Office will sich die Deutsche Office wérst äußern, wenn die vollständigen Angebotsunterlagen Ende August veröffentlicht seien. Großaktionär Oaktree, der 60,5 Prozent hält, hat aber bereits erklärt, die Offerte anzunehmen.

Highlight vertröstet aufs zweite Halbjahr

Nach Xetraschluss meldete das Medienuznternehmen Highlight Communications Halbjkahreszahlen. Wegen des schrumpfenden Filmgeschäfts brachen die Erlöse um über 40 Prozent auf 126,7 Millionen Franken ein. Das Betriebsergebnis (Ebit) sank von 9,7 auf 7,2 Millionen Franken. Unterm Strich blieben wegen der Franken-Aufwertung nur 0,7 Millionen als Gewinn übrig. Dennoch hältz Highlight an der Jahresprognose fest. Im zweiten Halbjahr setzt Highlight auf neue Kino-Kassenschlager wie Fack Ju Göhte 2" und "Er ist wieder da".

Adecco steigert Wachstumstempo

Der Personalvermittler Adecco hat im zweiten Quartal dank der wirtschaftlichen Erholung in Europa sein Wachstumstempo im Vergleich zum Jahresauftakt beschleunigt. Die Erlöse stiegen aus eigener Kraft um vier Prozent auf 5,58 Milliarden Euro. Der Gewinn stieg um gut ein Fünftel auf 177 Millionen Euro. Mit den vorgelegten Zahlen traf Adecco die Schätzungen von Analysten.

Aus Google wird Alphabet

Gesprächsthema Nummer 1 an der Wall Street war heute Google. Der Internet-Riese wird radikal umgebaut. Das angestammte Web-Geschäft mit der Suchmaschine und der Online-Werbung soll von neuen Unternehmungen wie selbstfahrenden Autos oder Drohnen abgetrennt werden. Es heißt weiterhin Google, wandert aber unter das Dach einer neu geschaffenen Konzern-Holding mit dem Namen Alphabet. Alle Google-Aktien werden zu Alphabet-Aktien umgewandelt. Die Google-Aktien springen um über sechs Prozent hoch.

Kranhersteller wollen fusionieren

In der Baumaschinen-Brache bahnt sich derweil eine neue Mega-Fusion an. Die beiden Kranhersteller Terex aus den USA und Konecranes aus Finnland wollen sich zusammenschließen. Die Anleger reagierten erfreut: die Konecranes-Aktien sprangen um 18 Preozent nach oben, die Titel von Terex zogen um 17 Prozent an.

nb

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 24. September

Unternehmen:
Lonza Group: Kapitalmarkttag
Deutsche Börse: Regeländerungen für die Indizes MDax, TecDax und SDax sowie die Indexänderungen werden wirksam

Konjunktur:
Deutschland: Ifo-Geschäftsklimindex 9/18, 10:00 Uhr
USA: CFNA-Index 8/18, 14:30 Uhr

Sonstiges:
Japan/Korea: Feiertag, Börsen geschlossen