Marktbericht 20:10 Uhr

Geringe Kurseinbußen China kann Dax & Co kaum noch schocken

Stand: 18.08.2015, 20:10 Uhr

Anders als vor einer Woche haben die neuerlichen Turbulenzen an Chinas Aktienmärkten die Börsen in Europa und den USA nicht in die Tiefe gerissen. Der Dax zeigte sich erstaunlich standfest - und gab nur leicht nach. Als Stütze erwies sich der schwächere Euro.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Zwar hat China immer noch die Weltbörsen fest im Griff. Doch die Sogwirkung, die vom Reich der Mitte ausgeht, nimmt offenbar ab. Während die Shanghaier Börse mit einem Minus von über sechs Prozent den größten Kursrutsch seit Ende Juli erlebte, traten die internationalen Leitbörsen auf der Stelle. Der Dax verlor lediglich 0,2 Prozent und schloss bei 10.915 Punkten. Der Dow büßte 0,1 Prozent ein und behauptete sich bei über 17.500 Zählern.

Dax zeigt Nehmerqualitäten

Dass sich der Dax dem chinesischen Abwärtssog weitgehend entzogen habe, sei ein starkes Zeichen, meinte Analyst Jens Klatt von Daily FX. Nun dürfte der deutsche Leitindex eher Richtung 11.000 Punkte steigen als noch weiter nach unten abzudriften, glaubt er.

ARD-Börsenstudio: Mischa Erhard
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Börse 20.15 Uhr

Viele Händler haben sich inzwischen auf eine Abkühlung der chinesischen Konjunktur eingestellt. Die Frage ist nur, wie stark diese sein wird und wie massiv Peking einschreiten wird. Am Dienstag gab es Spekulationen um einen allmählichen Rückzug staatlicher Finanzhilfen.

Rohstoffpreise weiter auf Talfahrt

Die Sorgen um China belasteten mehr die Rohstoff- als die Aktienmärkte. Kupfer verbilligte sich um bis zu 2,6 Prozent und war so billig wie zuletzt vor mehr als sechs Jahren. Der Preis für ein Barrel der Nordsee-Ölsorte Brent sank um ein Prozent auf 48,25 Dollar.

Hiobsbotschaft von Wal-Mart

Nicht einmal eine Gewinnwarnung von Wal-Mart brachte die Anleger aus der Fassung. Der US-Einzelhandelsriese senkte seine Gewinnprognose für das laufende Jahr. Im zweiten Quartal brach der Überschuss um gut 15 Prozent ein. Als Grund nannte Wal-Mart unter anderem den starken Dollar. Die Erlöse stragnierten bei 120,2 Milliarden Dollar. Die Aktie gab im frühen Handel über zwei Prozent nach.

Wohnungsbau in den USA boomt

Dagegen profitierte die weltgrößte Baumarktkette von der Renovierungslust amerikanischer Hauseigentümer. Nach einem überraschend guten zweiten Quartal erhöhte Home Depot seine Prognose für das Gesamtjahr. Die Aktie zog an. Wie sehr der Wohnungsbau in den USA boomt, belegt die Zahl der neu begonnen Gebäude. Sie stieg um 0,2 Prozent auf eine Jahresrate von 1,21 Millionen Einheiten. Ökonomen hatten nur mit 1,19 Millionen gerechnet. Im Juli wurden insgesamt so viele Wohnungen gebaut wie seit fast acht Jahren nicht mehr. Da konnte auch der zweistellige Einbruch der Baugenehmigungen die Stimmung nicht trüben.

Euro fällt

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Die neuesten Immobiliendaten beflügelten den US-Dollar. Der Euro rutschte bis zum Abend auf 1,1027 Dollar. Noch stärker geriet die europäische Gemeinschaftswährung gegenüber dem britischen Pfund unter Druck. Der Euro fiel auf 0,7026 Pfund. Nach den neuesten Inflationsdatzen in Großbritannien rechnen mehrere Devisenexperte mit einer Leitzinsanhebung der britischen Notenbank Anfang 2016.

Hochstufung beflügelt Merck

Im Dax waren Pharma- und Gesundheitstitel die Favoriten. Zum Spitzenreiter avancierte Merck mit einem Plus von über zwei Prozent. Grund: Die französische Investmentbank Exane BNP Paribas hat den Pharma-Titel von "Neutral" auf "Outperform" hochgestuft und das Kursziel von 106 auf 107 Euro angehoben. Der Konzern befinde sich auf einem guten Weg.

K+S setzt ein Zeichen gegen Potash

Ungeachtet der Übernahmeofferte des Konkurrenten Potasher treibt der Düngemittelkonzern K+S sein Geschäft in Nordamerika voran. Der Dax-Konzern vereinbarte mit dem US-Unternehmen Koch Fertilizer, künftig Kali-Düngemittel aus der kanadischen K+S-Mine "Legacy" in den USA zu vertreiben. Nach Einschätzung von Analysten der Scotiabank macht sich K+S durch diesen Deal als Übernahmeziel für Potash weniger interessant. K+S-Aktien verloren zeitweise knapp zwei Prozent und gehörten zu den größten Verlierern im Dax.

RWE fällt in Ungnade

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Dax-Schluslicht war dagegen einmal mehr RWE. Nach den am Donnerstag vorgelegten Geschäftszahlen für das erste Halbjahr haben sich abermals Analysten skeptisch zu den Aussichten für den Versorger geäußert. So reduzierte etwa die Privatbank Berenberg ihr Kursziel und die Société Générale stufte die Papiere sogar von "Hold" auf "Sell" ab.

Wirecard schafft Klarheit

Aus dem TecDax ragte die Wirecard-Aktie mit einem Plus von acht Prozent positiv heraus. Mit der Vorlage des endgültigen Quartalsberichts habe sich die Verständlichkeit der Geschäftszahlen des Konzerns verbessert, lobte ein Händler. Der Gewinn des Zahlungsabwicklers schoss um gut 36 Prozent auf 32,35 Millionen Euro in die Höhe.

QSC traut sich mehr zu

Angesichts der Fortschritte beim Konzernumbau hat der Telekom-Dienstleister QSC seine Jahresprognose angehoben. Das Betriebsergebnis (Ebitda) soll im laufenden Jahr bei mehr als 42 Millionen Euro liegen, kündigte QSC an. Bisher hatte der Vorstand ein Ebitda von mehr als 40 Millionen angepeilt. Die im TecDax gelisteten Aktien zogen zeitweise um zwei Prozent an.

Bald grünes Licht für Fraport in Griechenland?

Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport steht unmittelbar vor dem Zuschlag für 14 griechische Regionalflughäfen. Die Athener Regierung ebnete den Weg für eine endgültige Einigung in den nächsten Wochen. Noch seien keine Verträge unterschrieben, sagte ein Fraport-Sprecher. Der Gesamtkaufpreis für die Betreiberkonzessionen beträgt 1,234 Milliarden Euro. Es ist eine der größten Privatinvestitionen seit Ausbruch der Finanzkrise in dem hoch verschuldeten Land. Die Aktie schloss unverändert.

Indus wächst weiter zweistellig

Die im SDax notierte Indus Holding AG hat im ersten Halbjahr ihren Umsatz um 13 Prozent auf 675,6 Millionen Euro gesteigert. Das Periodenergebnis lag mit 32,0 Millionen Euro 14 Prozent über dem Vorjahr. Vorstandschef Jürgen Abromeit bestätigte den Ausblick: "Trotz der aktuellen Schwäche Chinas ist unsere Auftragslage gruppenweit gut bis sehr gut." Die Aktie schloss etwas fester.

ProSieben und Springer steigen bei Deag ein

Die Deutsche Entertainment AG (Deag) legte am Dienstag um über fünf Prozent zu. Die beiden Medienkonzerne ProSiebenSat.1 und Axel Springer verkündeten eine gemeinsame Beteiligung am Online-Ticket-Anbieter Myticket.de der Deag. Springer und ProSiebenSat.1 übernehmen je 20 Prozent der Myticket-Anteile und stellen dem Unternehmen dafür Werbeplätze in Print, Online und TV im Wert von 18 Millionen Euro zur Verfügung.

Bohrerlaubnis für Shell in der Arktis

Der Energiekonzern Royal Dutch Shell darf in der Arktis nach Öl bohren. Das US-Innenministerium erteilte dem britisch-niederländischen Ölmulti am Montag die Genehmigung für das umstrittene Vorhaben im ölreichen Chukchi-See vor der Nordwest-Küste Alaskas, um das jahrelang gerungen wurde.

Wienerberger hebt Prognose an

Der weltgrößte Ziegelhersteller Wienerberger hat dank guter Geschäfte in Nordwesteuropa und Sondererträgen aus Immobilienverkäufen seine Gewinnprognose erhöht. Im laufenden Jahr erwartet das Unternehmen nun ein operatives Ergebnis (Ebitda) von 375 statt zuvor 350 Millionen Euro sowie einen Nettogewinn. Die Aktie sprang kräftig an.

Flughafen Wien hält an Prognose fest

Der Flughafen Wien hat nach einem Gewinnzuwachs im ersten Halbjahr seine Prognose bekräftigt. Für das Gesamtjahr gehe das Unternehmen weiterhin von einer Umsatzsteigerung auf über 645 Millionen Euro und einem Nettogewinn von über 85 Millionen Euro aus. Im ersten Halbjahr stieg der Gewinn um 8,1 Prozent auf 47,6 Millionen Euro.

Süße Zahlen von Lindt&Sprüngli

Mit Lindor-Kugeln und in Goldpapier verpackten Schokoladehasen hat Lindt & Sprüngli im ersten Halbjahr weltweit den Geschmack der Konsumenten getroffen. Trotz Franken-Stärke verdiente der Schweizer Edelschokolade-Hersteller mit 65,0 Millionen Franken fast 16 Prozent mehr als ein Jahr zuvor und übertraf die Erwartungen der Experten deutlich. Die Aktie stieg um knapp drei Prozent.

nb

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"