Marktbericht 20:45 Uhr

Dax büßt fast 500 Punkte ein. China-Crash lässt auch Dax kollabieren

Stand: 24.08.2015, 20:45 Uhr

Heute waren bei den Anlegern Nerven aus Stahl gefragt. Zeitweise stürzte der Dax um mehr als sieben Prozent ab. Die Ursachen der Panik waren die Furcht vor einer chinesischen Konjunkturschwäche und die Angst vor der US-Zinswende. Manche Experten sprechen von einer übertriebenen Reaktion.

Der Dax bricht nach einem atemberaubend volatilen Handel und einer Panik an Asiens Börsen um 4,7 Prozent auf 9.648,43 Punkte ein. Den tiefsten Stand des Tages erreichte er bei 9.338,20 Punkten - ein Minus von mehr als sieben Prozent. Das sind satte 600 Punkte Differenz zum Tageshöchststand bei 9.935,53 Zählern. Der L-Dax büßte 2,4 Prozent auf 9.846,84 Punkte ein.

Eine schwache Wall Street zog den deutschen Leitindex tiefer und tiefer, bis sich die Lage schließlich etwas beruhigte. Der Dow Jones lag am Abend um mehr als drei Prozent im Minus, nachdem er bis zu sechs Prozent verloren hatte. Das Tempo der Korrektur an den Märkten deute auf eine Übertreibung hin, so Andreas Paciorek, Marktexperte bei CMC Markets.

Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum 6 Monate
Kurs
25.162,41
Differenz relativ
-0,54%

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
12.163,01
Differenz relativ
-1,58%
S&P 500: Kursverlauf am Börsenplatz S&P Indizes für den Zeitraum 6 Monate
Kurs
2.818,37
Differenz relativ
-0,76%

Der EuroStoxx 50 schloss wegen der Furcht vor einer neuen Asienkrise mit einem Minus von 5,4 Prozent bei 3.073,39 Punkten und damit auf dem tiefsten Stand seit Mitte Januar. In Paris sackte der CAC 40 ebenfalls um 5,4 Prozent auf 4.383,46 Punkte ab. Der Londoner FTSE 100 büßte 4,7 Prozent auf 5.898,87 Punkte ein. Weitere Informationen zur Lage in China lesen sie im Interview mit DWS-Fachmann Xueming Song.

Abschied von den 12.000?

"Die Aktienmärkte befinden sich derzeit fest im Griff von Wachstumssorgen", kommentiert Bernd Hartmann, Leiter Group Investment Research bei der VP Bank. "Die Spekulationen über Chinas Wirtschaftsverfassung werden nicht so schnell ausgeräumt sein, aus fundamentaler Sicht erachten wir die Marktreaktion jedoch als überzogen", meint der Experte. Panik ist jedenfalls bestimmt die falsche Reaktion, wie Sie hier nachlesen können.

Die Fachleute der DZ Bank reagierten prompt und senkten ihre Dax-Prognose von 12.500 auf 11.000 Punkte: "Nach unserer Einschätzung hat das Marktgeschehen in China schneller als bisher erwartet dazu beigetragen, Kursniveau und Erwartungen an das fundamental gerechtfertigte Niveau anzupassen, inklusive einer üblichen Übertreibung nach unten." Die Dynamik des Abwärtstrends habe ihre Erwartungen deutlich überstiegen - vermutlich nicht nur die Erwartungen der DZ-Bank-Fachleute.

"Zu früh um wieder einzusteigen"

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Börse 20.15 Uhr

Technisch stünden jetzt die Marken zwischen 9.220 und 8.900 im Fokus, schreibt Helaba-Chefvolkswirtin Gertrud Traut. "Nur weil heute die Marke von 10.000 fiel und der Jahresanfangsstand durchbrochen wurden, heißt das noch nicht, dass die Abwärtsbewegung zu Ende ist", heißt es in ihrem Kommentar. "Es ist definitiv noch zu früh, um schon wieder einzusteigen!"

Trotz der zunehmenden Marktschwankungen sprächen Unternehmensdaten und globales Umfeld weiter für Aktien, meint Carsten Roemheld, Kapitalmarktstratege bei Fidelity Worldwide Investment . "Was wir sehen, ist eine Korrektur und nicht der Start eines Bärenmarkts."

Euro kurz auf höchstem Stand seit Januar

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1385
Differenz relativ
+0,35%

Den Euro jagte die Anleger dagegen aufwärts. Den höchsten Stand des Tages markierte er bei 1,1711 Dollar, danach fiel er wieder etwas zurück. Die Gemeinschaftswährung setzte den Dax zusätzlich unter Druck. "Auslöser war die von China ausgehende weltweite Aktienmarkttalfahrt, die sich am Nachmittag beschleunigt hat", sagte Devisenexperte Stephan Rieke von der BHF-Bank. "Offenbar haben dann automatisch ausgelöste Käufe zu dem starken Kurssprung geführt." Die Aussicht auf eine spätere US-Zinswende hatte dem Euro zuletzt Auftrieb verliehen.

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Die schwärzesten Börsentage seit 1987 Historie

Black Monday 1987, New York

19. Oktober 1987
An diesem denkwürdigen Tag lassen Spekulationen auf höhere US-Zinsen die Kurse weltweit einbrechen. Der Dow-Jones-Index stürzt um 22,6 Prozent ab. Selbst nach den Anschlägen vom 11. September 2001 war der Einbruch nicht so hoch. In Frankfurt purzeln die Kurse gemessen an dem zurückberechneten Dax - der Index wurde erst am 1. Juli 1988 eingeführt - um durchschnittlich 9,4 Prozent nach unten.

RWE übernimmt rote Laterne

Größter Verlierer im Dax war die RWE-Aktie. Die Commerzbank hat den Versorger-Titel von "Buy" auf "Hold" abgestuft und das Kursziel von 23 auf 17 Euro gesenkt. Außerdem reagiert RWE scharf auf seine aktuellen Vertriebsprobleme in Großbritannien. Der Vorstand der britischen RWE-Tochter npower werde ausgetauscht. Ziel sei es, die Probleme bis Ende 2016 in den Griff zu bekommen. "Großbritannien bleibt für uns ein wichtiger Markt", betonte RWE-Vize Rolf Martin Schmitz.

Henkel mit Analysten-Bonus

Bester Dax-Wert war die Aktie von Henkel. Analyst Mitch Collett von der US-Investmentbank Goldman Sachs hat in einer Studie seine Verkaufsempfehlung für die Papiere des Konsumgüterkonzerns gestrichen und sie auf "Neutral" hochgestuft. Das Kursziel senkte er um 1 Euro auf 95,50 Euro.

Übler Verdacht

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,79
Differenz relativ
-2,51%

Die Deutsche Bank verdächtigt im Geldwäsche-Skandal in Russland einem Insider zufolge einen hochrangigen Mitarbeiter der Bestechlichkeit. Die Untersuchung sei noch in einem frühen Stadium. Auf den Konten des nicht namentlich genannten Managers und seiner Ehefrau seien nicht erklärbare Summen entdeckt worden. Und die in unzählige Rechtsstreitigkeiten verwickelte Deutsche Bank hat jetzt zu einem ungewöhnlichen Mittel gegriffen: Sie hat einige ihrer eigenen Kunden angezeigt.

Großes Interesse an Here

Continental und Bosch prüfen einem Medienbericht zufolge eine Mitarbeit beim Kartendienst Here von BMW, Daimler und Audi. Bosch sei "sehr daran interessiert, maßgeblich an einem offenen Standard beteiligt zu sein", zitiert die "Automobilwoche" eine Bosch-Managerin.

BVB hält sich einigermaßen

Die Aktien von Borussia Dortmund zählten zu relativ starken Werten. Der BVB belegt derzeit die Bundesliga-Tabellenspitze. Bereits nach dem Auftaktsieg gegen Borussia Mönchengladbach hatte Marktbeobachter Daniel Saurenz von Feingold Research davon gesprochen, dass bei Anlegern wohl verstärkt Hoffnung auf eine neue Ära unter dem neuen Dortmunder Trainer Thomas Tuchel herrsche.

Greiffenberger wächst im zweiten Quartal

Im ersten Halbjahr 2015 liegt der Umsatz knapp unter Vorjahr bei 74,4 Millionen Euro. nach einem Rückgang im ersten Quartal verzeichneten die Erlöse im zweiten wieder ein Plus von 4,9 Prozent. Das operative Ergebnis erreichte 0,7 Millionen Euro und lag damit auf Vorjahresniveau.

Monsanto erhöht Angebot für Syngenta

Der US-Agrochemiekonzern Monsanto bessert einem Insider zufolge sein Angebot für den Schweizer Konkurrenten Syngenta nach. Die Amerikaner erhöhen die Offerte auf 470 Franken je Aktie von bisher 449 Franken, sagte eine mit der Sache vertraute Person zu Reuters. Monsanto wollte sich nicht dazu äußern, Syngenta konnte für eine Stellungnahme vorerst nicht erreicht werden. Monsanto hatte Syngenta im Mai ein Angebot über insgesamt rund 45 Milliarden Dollar unterbreitet. Die Schweizer wiesen es als zu niedrig zurück.

Verdammter Franken!

Der Schweizer Uhrenkonzern Swatch rechnet in diesem Jahr nur mit einem einstelligen Umsatzwachstum. Als Grund dafür nannte Konzernchef Nick Hayek in einem Interview mit dem "Wall Street Journal" (online) den anhaltend starken Schweizer Franken, welcher der Branche zu schaffen mache.

Apple-Chef will Anleger beruhigen

Apple -Chef Tim Cook tritt Sorgen von Anlegern an der Börse entgegen. Der iPhone-Hersteller habe in China im Juli und August ein "starkes Wachstum" verzeichnet, schrieb Cook dem Sender CNBC. In den vergangenen Wochen habe sich die Zahl der iPhone-Aktivierungen beschleunigt, und auch der App-Store laufe gut. Die Aussagen stehen im Kontrast zum jüngsten Crash an den weltweiten Börsen, hinter dem die Sorge steht, die Konjunktur in China könnte sich stärker abkühlen und damit auch die Weltwirtschaft bremsen.

Wer hat Angst vor Google und Apple?

Volvo-Chef Hakan Samuelsson ist vor Apple und Google als neuen Konkurrenten für Autohersteller auf der Hut. "Ich glaube, man sollte das nicht unterschätzen", sagte er im Gespräch mit dpa-AFX. In der Autobranche ist umstritten, ob die beiden US-Unternehmen den etablierten Autoherstellern ernsthaft Konkurrenz machen wollen, oder eher ins Geschäft mit Daten rund um das Auto und seine Fahrer drängen.

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Das Google-Universum Mehr als eine Suchmaschine

Total vernetzt im Google-Netz

ts

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 16. August

Unternehmen:

Carlsberg: Halbjahreszahlen, 7:00 Uhr
Swisscom: Q2-Zahlen, 7:15 Uhr
Aegon: Halbjahreszahlen, 7:30 Uhr
Wirecard: Halbjahreszahlen (endg.), 7:30 Uhr
Henkel: Q2-Zahlen, 7:30 Uhr
Sixt: Q2-Zahlen (endg.), 7:30 Uhr
Walmart: Q2-Zahlen, 12:00 Uhr
Nvidia: Q2-Zahlen, 22.20 Uhr

Konjunktur
Japan: Handelsbilanz 07/18, 01:50 Uhr
EU: Handelsbilanz 06/08, 11:00 Uhr
USA: Philadelphia Fed Index 08/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Baubeginne und -genehmigungen, 14:30 Uhr