Bundestag und US-Daten bringen Dax in Schwung

Stand: 29.09.2011, 20:05 Uhr

Die breite Zustimmung des Bundestags zum Ausbau des Euro-Rettungsschirms und erfreuliche US-Konjunkturdaten haben die Anleger in Kauflaune versetzt. Der Dax stieg auf den höchsten Stand seit Anfang September. Nur im Hightech-Bereich gab es einen Dämpfer.

Nach dem gestrigen Rücksetzer hat sich der Dax am Donnerstag wieder gefangen. Zeitweise kletterte er auf über 5.700 Punkten. Den Xetra-Handel beendete der deutsche Leitindex schließlich rund ein Prozent höher bei 5.639 Zählern - im Sog der freundlichen Wall Street. Im späten Parketthandel bröckelten die Kursgewinne etwas. Der L/E-Dax schloss bei knapp 5.608 Punkten.

Der Dow Jones büßte bis zum Abend einen Teil seiner Kursgewinne ein und lag zum Börsenschluss in Frankfurt 0,6 Prozent noch im Plus. Die Nasdaq drehte ins Minus und notierte gut ein Prozent tiefer.

Positive US-Konjunktursignale
Überraschend gute US-Konjunkturdaten gaben den Aktienmärkten den erhofften zusätzlichen Schub. Das amerikanische Bruttoinlandsprodukt wuchs nach endgültigen Berechnungen im zweiten Quartal stärker als prognostiziert um 1,3 Prozent. Erwartet worden war ein Plus von 1,2 Prozent. Das Quartal sei zwar nicht berauschend, aber auch nicht so schlimm wie befürchtet gewesen, meinte Postbank-Analyst Thilo Heidrich. Auch von der Immobilienfront gab es Entlastung. Die Zahl der schwebenden Hausverkäufe sank weniger stark als befürchtet. Zudem fielen die Arbeitsmarktdaten positiv aus. Die Zahl der wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe fiel deutlich um 37.000 auf 391.000 unter die vielbeachtete Marke von 400.000. Volkswirte hatten nur mit einem leichten Rückgang auf 420.000 Anträge gerechnet. Ob das die Wende für die US-Wirtschaft ist, bleibe aber abzuwarten, meinte ein Händler.

Kanzlerin erhält Rückendeckung für EFSF-Aufstockung
Für Erleichterung sorgte auch die Nachricht, dass die wiederaufgenommenen Gespräche zwischen Griechenland und der Gläubiger-Troika aus IWF, EU und EZB positiv verlaufen seien. Die Befürchtungen, dass es für die Griechen-Hilfen in der Bundesregierung keinen Rückhalt mehr gebe, bewahrheiten sich nicht. Nicht nur der Bundestag, sondern auch eine Mehrheit von Union und FDP stimmten am Donnerstag für die Aufstockung des Euro-Rettungsschirms EFSF. "Die extreme Verunsicherung dürfte nun etwas abflauen", meinte Chefvolkswirt Jochen Intelmann von der Hamburger Sparkasse. Allerdings sei das Votum des Bundestags "nur ein Schritt auf dem Weg zu einer Lösung". Spekulationen über mögliche Hebelgeschäfte beim EFSF erteilte indes Bundeswirtschaftsminister Peter Rösler (FDP) eine Absage.

Prima Klima nur in Deutschland
Gemischte Konjunktursignale gab es aus Europa. Einerseits trübte sich das Wirtschaftsklima in der Euro-Zone im September deutlicher als erwartet ein. Das Barometer sackte von 98,4 auf 95,0 Punkte ab. Nur in Deutschland hielt sich das Stimmungsbarometer über seinem langjährigen Durchschnitt.

Auch bei der Arbeitslosigkeit erweist sich Deutschland als Fels in der Brandung. Die Zahl der Arbeitslosen sank im September erstmals seit 20 Jahren auf unter 2,8 Millionen.

Hochzeitssaison macht Gold attraktiver
Der Ölpreis zog am Donnerstag wieder an. Die Rohöl-Sorte WTI verteuerte sich um 1,6 Prozent auf 82,54 Dollar. Auch der Goldpreis nahm wieder Fahrt auf. Das Edelmetall stieg auf 1.620 Dollar je Feinunze. Die Preisaufschläge für Goldbarren lagen in Singapur und Hongkong auf dem höchsten Stand seit mindestens Februar. In Indien, dem weltgrößten Gold-Markt, war das Edelmetall so teuer wie seit mehr als einem Jahr nicht mehr. Denn dort steht die Hochzeitssaison bevor - Brautpaare werden traditionell mit Goldschmuck beschenkt.

Doch kein "schwarzer September"?
Die Befürchtungen vor dem schwarzen September sind bisher nicht eingetreten. Zwar hat der Dax seit Monatsbeginn 100 Punkte verloren. In dieser Woche hat er aber kräftig aufgeholt. Seit Montag hat der Dax über acht Prozent zugelegt. Sollte es am Freitag keine größeren Rückschläge geben, wäre das die beste Börsenwoche seit November 2008.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,57
Differenz relativ
-0,91%
Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,50
Differenz relativ
-0,97%

Guter Tag für Finanzwerte
Ganz vorne in der Anlegergunst standen am Donnerstag die zuletzt arg gebeutelten Finanzwerte. Die Aktien der Commerzbank waren mit einem Plus von fast fünf Prozent Dax-Spitzenreiter und kletterten erstmals seit Anfang September wieder über die Marke von zwei Euro. Die Papiere der Deutschen Bank und Allianz gewannen gut vier Prozent. Im MDax sprangen die Aktien der Aareal Bank um mehr als neun Prozent nach oben.

Ceconomy ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
4,61
Differenz relativ
-2,85%

Metro geht gen Osten
Stark gefragt waren auch die Aktien der Metro. Der Handelskonzern gab am Donnerstag den Verkauf von Immobilien in Italien bekannt. Mit dem Erlös von 300 Millionen Euro will Metro seine Expansion in Asien und Osteuropa finanzieren. In Indonesien ist der erste Metro-Großhandelsmarkt geplant.

K+S

K+S: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
16,98
Differenz relativ
-2,41%

Mosaic zieht K+S nach unten
Zu den schwächsten Werten im Dax gehörten dagegen die Aktien von K+S. Sie büßten drei Prozent ein. Nach Händlerangaben belasteten die enttäuschenden Quartalszahlen des US-Konkurrenten Mosaic den K+S-Kurs. Zwar steigerte Mosaic Umsatz und Gewinn zweistellig, der Gewinn je Aktie lag aber unter den Erwartungen.

Adidas: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
202,20
Differenz relativ
+1,74%

Werbung für straffen Po belastet Reebok
Mit einem Minus von vier Prozent war Adidas Dax-Schlusslicht. Der Sportartikler litt unter seiner US-Tochter Reebok. Das Unternehmen einigte sich mit der Handelsbehörde FTC auf eine Zahlung von 25 Millionen Dollar, um den Vorwurf irreführender Werbung aus der Welt zu schaffen. Reebok wirbt für Sportschuhe, die angeblich schon beim Gehen Po und Beine straffen sollen.

Deutsche Börse im Steuer-Dilemma
Die Aktien der Deutsche Börse gaben erneut um fast drei Prozent nach. Sie litten weiter unter der geplanten Einführung einer EU-weiten Finanztransaktionssteuer. Bereits am Mittwoch waren die Papiere der Deutschen Börse gefallen. "Eine Besteuerung wäre sehr negativ für die Handelsvolumina und die Marktliquidität", schrieb die Credit Suisse in einem Kommentar. Da konnten auch die Beteuerungen von Geschäftsführer Rainer Riess nicht helfen. Auf der Tagung des Fondsverbands BVI bestätigte er, dass die Deutsche Börse am Zeitplan festhalte, bis zum Ende des Jahres die Fusion mit der New Yorker Börse abzuschließen.

Vossloh hat ein Problem
Größter Verlierer im MDax war Vossloh. Die Aktien stürzten um fast zehn Prozent ab. Grund: Das Unternehmen hat seine Umsatz- und Ergebniserwartungen erneut nach unten revidiert. Wegen Problemen in China und in Russland erwartet das Bahntechnik-Unternehmen für 2011 einen Umsatz von rund 1,2 Milliarden Euro sowie ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) zwischen 90 und 100 Millionen Euro. Zuletzt war Vossloh von 1,25 Milliarden Euro Umsatz und einem Ebit in Höhe von 120 bis 130 Millionen ausgegangen.

Tui streicht 550 Jobs
Gut aufgenommen wurde an der Börse die Umstrukturierung bei der Tui. Die Aktien stiegen um knapp zwei Prozent. Wegen des harten Wettbewerbs auf dem Pauschalreise-Markt streicht Deutschlands größter Urlaubsveranstalter insgesamt 550 Jobs in Deutschland. Weil immer mehr Bürger ihre Reisen selbst organisieren, richtet die Tui ihre Geschäfte neu aus und setzt auf eine Online-Reiseplattform. Zudem stellt sich die Tui mit neuen Hotels auf die wachsende Zielgruppe der Individualreisenden ein.

Böse Spekulationen um Balda
Im SDax fiel Balda in Ungnade. Die Aktien des Handyausrüsters brachen zeitweise zweistellig ein. Zum Xetra-Schluss notierten sie über fünf Propzent tiefer und waren größter SDax-Verlierer. Laut einem Bericht des "Handelsblatts" soll sich das Unternehmen mehrere Millionen Euro unberechtigte Subventionen von chinesischen Behörden erschlichen haben. Um Hilfen in Höhe von 6,2 Millionen Euro zu erhalten habe Balda in China eine Fabrik angemeldet, die es aber nur auf dem Papier gegeben habe. Balda wies per Ad-hoc-Mitteilung den Bericht zurück und versicherte: "Es gibt dort eine Fabrik, und diese hat auch produziert."

IVG bekommt Aufschub für "The Squaire"
Positive Nachrichten gab es indes von IVG: Der Immobilienkonzern hat sich in letzter Minute mit den Banken über die Refinanzierung des Geschäfts- und Hotelkomplexes "The Squaire" am Frankfurter Flughafen geeinigt. Die Konsortialbanken verlängern das Darlehen von über 500 Millionen Euro bis Ende 2013. Die Finanzierung wäre am morgigen Freitag ausgelaufen. Die IVG-Aktien legten sechs Prozent zu. Wegen der Probleme mit dem Geschäfts- und Hotelkomplex drohen der IVG rote Zahlen im Gesamtjahr. Nachdem die Lufthansa im Sommer als weiterer Großmieter gefunden wurde, liegt die Vermietungsquote im "Squaire" mittlerweile bei über 80 Prozent.

AMD drückt Dialog
Der US-Chiphersteller AMD hat seine Umsatz- und Gewinnziele für das dritte Quartal gekappt. Der Umsatz werde im Vergleich zum zweiten Jahresviertel lediglich um vier bis sechs Prozent wachsen, teilte der Intel-Konkurrent nach US-Börsenschluss mit. Hauptgrund seien Produktionsprobleme im Dresdner Werk des AMD-Partners Globalfoundries, die die Produktion der "Llano"-Prozessoren gebremst hätten. Die Aktien von AMD brachen um zwölf Prozent ein. Im Sog von AMD purzelten die Aktien von Dialog Semiconductor um über zehn Prozent nach unten. Damit waren sie klares Schlusslicht im TecDax.

H&M überrascht
Die schwedische Modekette Hennes & Mauritz hat im dritten Quartal einen Gewinnrückgang von 15 Prozent hinnehmen müssen. Mit dem Vorsteuergewinn von umgerechnet 525 Millionen Euro übertraf der weltweit zweitgrößte Mode-Einzelhändler aber die Erwartungen der Experten, die den Schweden nur 4,66 Milliarden Kronen zugetraut hatten. Hohe Kosten für Rohstoffe wie Baumwolle und ungünstige Währungseffekte lasteten auf dem Geschäft. Die Aktie legte kräftig zu.

Nokia schließt Werk in Rumänien
Die Aktie von Nokia stieg um über zwei Prozent. Der kriselnde Handy-Gigant setzt erneut den Rotstift an und streicht 3.500 Jobs. Das für 60 Millionen Euro errichtete Werk in Rumänien, in das erst 2008 die Handy-Produktion von Bochum aus verlagert wurde, wird dichtgemacht. Die Einfach-Handys von Nokia verkaufen sich derzeit vor allem in Schwellenländern wie Indien, China sowie in Afrika. Dafür die Bauteile erst nach Rumänien zu verschiffen, mache überhaupt keinen Sinn, hieß es. Der Marktanteil der Finnen fiel im zweiten Quartal nach Angaben des Marktforschers Gartner auf 22,8 Prozent.

HP fürchtete Oracle-Übernahme
Neue Enthüllungen gab es am Abend zum Chefwechsel von Hewlett-Packard der vergangenen Woche. Laut einem Bericht der Finanznachrichtenagentur Bloomberg soll der Verwaltungsrat besorgt gewesen, dass HP angesichts des niedrigen Aktienkurses schutzlos einem Übernahmeangriff von Oracle ausgeliefert gewesen sei. Seit dem Antritt von Léo Apotheker als HOP-Chef verloren die HPO-Aktien fast die Hälfte ihres Werts. Aus dem Oracle-Umfeld hieß es jedoch, ein Angebot in absehbarer Zeit sei unwahrscheinlich. Oracle könne höchstens an dem Geschäft von HP mit Servern, Speichern und Netzwerk-Technik interessiert sein.

Anleger fliehen aus BVB-Aktie
Heftige Nachwirkungen an der Börse hatte die 0:3-Auswärtsniederlage von Borussia Dortmund in der Fußball-Champions-League in Marseille. Die BVB-Aktien fielen um acht Prozent auf 2,06 Euro. Sollte Dortmund in der Vorrunde der Champions League ausscheiden, entgehen dem Klub erhoffte Millioneneinnahmen. Seit Anfang der aktuellen Saison im August haben die Papiere des BVB gut 20 Prozent eingebüßt.

m4e macht Verlust
Dagegen legten die Aktien von m4e am Donnerstag 16 Prozent zu. Das Medienunternehmen hat den Umsatz im ersten Halbjahr um 42 Prozent auf 6,4 Millionen Euro gesteigert. Unterm Strich rutschte m4e aber in die roten Zahlen. Der Verlust betrug 0,16 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum hatte es noch einen Überschuss von 0,18 Millionen Euro gegeben.

Tagestermine am Freitag, 19. Oktober

Unternehmen:
Procter & Gamble: Q1-Zahlen
Villeroy&Boch: Neunmonatszahlen
Schlumberger: Q3-Zahlen
Software AG: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Remy Cointreau: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
London Stock Exchange: Trading Update, 08:00 Uhr
State Street Corp: Q3-Zahlen, 14:30 Uhr
Honeywell: Q3-Zahlen, 14:30 Uhr

Konjunktur:
China: Industrieproduktion, September, 04:00 Uhr