Marktbericht 20:05 Uhr

10.000 Dax-Punkte in Sicht Bullen wittern wieder Morgenluft

Stand: 26.01.2016, 20:05 Uhr

Ein Turnaround bei den Ölpreisen und gute Nachrichten von Siemens sorgten am Dienstag dafür, dass der Dax kräftig die Kurve kriegte. Sogar die Marke von 10.000 Punkten ist nun wieder drin.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Wer hätte das noch vor einer Woche gedacht? Der Dax, vor kurzem noch technisch angeschlagen und auf dem Weg, unter die wichtige technische Unterstützungsmarke bei 9.325 Punkten zu fallen, hat sich seitdem um gut 500 Punkte wieder deutlich befestigt. Im Späthandel ging es mit der anziehenden Wall Street weiter bergauf. Der L/E-Dax legte auf 9.847 Punkte zu.

Zunächst sah es heute aber gar nicht nach einem Happy-End für den deutschen Aktienmarkt aus. Die schwachen Vorgaben aus Asien lasteten zunächst schwer und drückten den Dax am Morgen im Tief bis zu 1,8 Prozent auf 9.563 Punkte. Vor allem der Ausverkauf in China, wo die Börse in Shanghai 6,4 Prozent verlor, sorgte für miese Stimmung.

Eine sukzessive Erholung der Ölpreise und überraschend gute Nachrichten von Indexschwergewicht Siemens leiteten dann aber für die Wende ein und trieben den Leitindex am Ende auf 9.822 Punkte, ein Tagesgewinn von 0,89 Prozent. Das Tageshoch lag bei 9.867 Zählern noch ein Stück darüber.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Auftrieb erhielten die Kurse für das schwarze Gold von Aussagen des irakischen Ölministers, demzufolge eine Abkommen zwischen den Opec-Staaten und den Nicht-Opec-Ländern zur Drosselung der Förderung möglich ist. "Ohne eine Einigung deutet alles auf weitere fallende Preise hin", sagte Rohstoff-Experte David Hufton vom Erdöl-Broker PVM. "Mit einer Einigung kehrt Rohöl in den Bereich von 40 bis 60 Dollar zurück."

Siemens überstrahlt alle

Siemens-Aktien hatten ebenfalls entscheidenden Anteil am Dax-Höhenflug, sie legten am Ende 8,62 Prozent auf 90,60 Euro zu und waren damit der Star des Tages. Grund für die Hausse war eine Anhebung der Jahresprognose, die die Aktionäre auf der heutigen Hauptversammlung des Konzerns gerne gehört haben dürften. Siemens schüttet für das vergangene Geschäftsjahr (per 30.9.) übrigens 3,50 Euro aus und eröffnet morgen die milliardenschwere Dividendensaison im Dax.

ARD-Börsenstudio: Mischa Erhard
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Börse 19.00 Uhr

Ansonsten lagen noch die Versorger und die beiden Banken vorne. Im Laufe des Nachmittagshandels weitete sich die Gewinnerliste immer weiter aus. Schwächster Wert war die Aktie der Deutschen Post nach einem negativen Analystenkommentar.

Wall Street nach Zahlenreigen im Plus

Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
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Die US-Börsen tendieren aktuell ebenfalls freundlich. Der Leitindex Dow Jones baut aktuell seine anfänglichen Kursgewinne sogar aus und liegt 1,7 Prozent vorne. Die Anleger blicken neben neuen Konjunkturdaten auf zahlreiche Unternehmensergebnisse, unter anderem auch aus dem Dow Jones. Auch die neuen Konjunkturdaten helfen. So verbesserte sich die Konsumentenstimmung im Januar nach Angaben des privaten Datenermittlers Conference Board deutlich. Vor allem die künftige Lage stufen die US-Verbraucher besser ein. Auch der Hauspreisindex Case-Shiller für die zwanzig größten Ballungsräume in den USA legte im November stärker zu als von Analysten erwartet.

Experten erwarten nicht, dass die neuen Daten Einfluss auf die Zinsentscheidung der US-Notenbank haben werden. Heute tritt der FOMC-Ausschuss zusammen, der über die Zinspolitik der Fed entscheidet. Mit Ergebnissen wird morgen Abend nach Börsenschluss in Europa gerechnet.

Viele Investoren erhoffen sich wegen der Kursturbulenzen von den US-Zentralbankern nach Abschluss der zweitägigen Zinssitzung am Mittwoch beschwichtigende Töne. "Wenn wir nicht bald eine Trendwende bei den chinesischen Konjunkturdaten sehen, müssen wir unsere Erwartung zweier US-Zinserhöhungen im Juni und im vierten Quartal ernsthaft überdenken." Die von der Fed bislang angedeuteten vier Anhebungen erschienen "völlig unrealistisch", erklärte Rob Carnell, Chef-Ökonom der ING Bank.

Vonovia lässt sich mehr Zeit

Der Immobilienkonzern Vonovia hat die Annahmefrist für das feindliche Übernahmeangebot für den Konkurrenten Deutsche Wohnen-Aktionäre um zwei Wochen bis zum 9. Februar verlängert. Außerdem senkte Vonovia die Mindestannahmeschwelle des Übernahmeangebots von 57 auf 50 Prozent auf unverwässerter Basis. Die Anleger gingen heute jedenfalls auf Distanz. Mit einem Abschlag von 1,01 Prozent waren Vonovia-Anteile zweitschlechtester Dax-Wert.

Deutsche Bank weniger kreditwürdig

Die Ratingagentur Moody's hat die Bonitätsnote der Deutschen Bank für die langfristigen Schuldtitel des Instituts wegen des künftigen Insolvenzrechts für deutsche Banken um eine Stufe auf "Baa1" gesenkt. Der Ausblick bleibt "negativ". Grund sind die Unsicherheiten über noch drohende Kosten bei den vielen Rechtsstreitigkeiten der Bank sowie über den laufenden Konzernumbau.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Für Noch-Co-Chef Jürgen Fitschen sowie frühere Top-Manager der Bank deutet sich derweil ein positives Ende im Münchener Betrugsprozess an. Denn Richter Peter Noll erklärte in seiner Zwischenbilanz, dass die gehörten Zeugen die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft nicht hätten untermauern können. Er will die Beweisaufnahme bis zum 23. Februar abschließen. Fitschen und seinen Ex-Kollegen Ackermann und Breuer wird vorgeworfen, im Schadenersatzprozess um den Zusammenbruch der Kirch-Medien-Gruppe vor Gericht die Unwahrheit gesagt zu haben.

SMA Solar übertrifft die Erwartungen

Praktisch mit der Schlussglocke legten SMA Solar vorläufige Jahreszahlen vor. Der Wechselrichterhersteller aus Nordhessen hat bei einem Umsatz von rund einer Milliarde Euro und einem Ebit von 30 bis 33 Millionen Euro die Prognosen des Vorstandes für 2015 übertroffen. Die Aktie, die schon während der regulären Handelszeit zu den stärksten TecDax-Werten gehört hatte, legte im Späthandel weiter zu.

Jenoptik nicht gut genug

Der Technologiekonzern Jenoptik ist im vergangenen Jahr ebenfalls deutlich gewachsen. Der Umsatz stieg von 590 auf rund 670 Millionen Euro. Das operative Ergebnis kletterte von 51,6 auf rund 61 Millionen Euro. Von Reuters befragte Analysten hatten allerdings bei beiden Kennzahlen etwas mehr erwartet. Im laufenden Jahr sollen Umsatz und Ergebnis moderat zunehmen. Den Anlegern war das insgesamt zu wenig, die Aktie verlor 1,26 Prozent und gehörte damit zu den größten Verlierern im TecDax.

Gerry Weber plant Umbau

Auch schwache Aktien können mal irgendwann steigen. Ein gute Beispiel waren heute die Papier von Gerry Weber, die 18,22 Prozent zulegten und damit den MDax souverän anführten. Ende Februar will der Modekonzern ein Programm zu Neuausrichtung vorstellen. Das erscheint auch dringend notwendig zu sein. Denn das Unternehmen hat im vergangenen Jahr einen Rückgang beim operativen Ergebnis um 28 Prozent auf 79 Millionen Euro hinnehmen müssen. Der Umsatz legte dank der übernommenen Kette Hallhuber um rund acht Prozent auf 920 Millionen Euro zu.

Chinesen verkaufen BHF Kleinwort-Anteil

Das Rennen um die deutsch-britische Bank BHF Kleinwort Benson ist endgültig entschieden. Die chinesische Beteiligungsgesellschaft Fosun erklärte am Dienstag, sie wolle ihre Beteiligung von 28,6 Prozent an BHF Kleinwort Benson an die französische Privatbank Oddo verkaufen. Für die gut 200 Millionen Euro schwere Transaktion steht noch die Zustimmung der Finanzaufsicht BaFin aus.

Die Chinesen, die selber an einer Übernahme der BHF Bank interessiert gewesen waren, können sich über einen Gewinn von 48 Millionen Euro vor Steuern freuen. Auch Milliardär Stefan Quandt will seinen 11,3-prozentigen Anteil an die Franzosen verkaufen, die dann über 82 Prozent am Unternehmen halten. Oddo will den britischen Teil des Konzerns an die französische Großbank Societe Generale weiterreichen.

Cyto Tools stellt richtig

Die Aktie des Beteiligungsunternehmens legte nach einer Klarstellung zur missglückten europäischen Phase-III-Prüfung zum diabetischen Fuß eines ihrer Wirkstoffe kräftig zu. Cyto Tools erklärte, der Grund für den Fehlschlag sei die viel zu geringe Wirkstoffkombination gewesen. Dabei geht es um das Wundheilungspräparat DermaPro(R). Der Fehler lag in der Herstellung, Patienten seien nicht zu Schaden gekommen. Der Wirkstoff soll nun neu getestet werden, mit einer kleineren Patientengruppe. Das Papier des Darmstädter Unternehmens war nach der Meldung über den Fehlschlag der Behandlung mit dem Wirkstoff Ende November dramatisch abgestürzt.

Generali-Chef zu Zurich

In der europäischen Versicherungslandschaft bahnt sich ein spektakulärer Personalwechsel an. Wie heute unter Berufung auf Insider bekannt wurde, wechselt Generali-Chef Mario Greco auf den Chefsessel der Zurich Insurance Group. Er soll dort Martin Senn ersetzen, der im Dezember das Unternehmen verlassen hatte. Grund für den Abgang des langjährigen Chefs war eine Gewinnwarnung wegen hoher Schadenzahlungen sowie die misslungene Übernahme des britischen Sachversicherers RSA.

Syngenta-Großaktionär zieht sich zurück

Der Investor Capital Group hat seinen Anteil am Agrarchemiekonzern Syngenta nach Angaben der Schweizer Börse von 4,98 auf 2,97 Prozent abgebaut. Händler spekulierten, dass Capital Group die Geduld verloren haben könnte. "Die angebliche Übernahme von Syngenta scheint sich zu einer unendlichen Geschichte zu entwickeln", sagte ein Händler. Der Positionsabbau erkläre auch, warum die Aktie jüngst unter Druck gestanden habe. Syngenta wird schon länger als Übernahmekandidat gehandelt. Der Konzern sieht sich nach eigenen Angaben nach Partnern um. Im vergangenen Jahr wurde ein Angebot des US-Konkurrenten Monsanto abgeblockt.

Neues aus dem Dow Jones

Zahlreiche US-Unternehmen aus dem Leitindex Dow Jones legen heute ihre Zahlen vor. Der Mischkonzern 3M hat im vierten Quartal unter dem starken Dollar gelitten und 5,5 Prozent weniger auf 7,3 Milliarden Dollar umgesetzt. Der Gewinn ging auf 1,04 Milliarden Dollar zurück. Der Pharma- und Konsumgüter-Konzern Johnson & Johnson hat trotz eines Umsatzrückgangs seinen Gewinn gesteigert. Unter dem Strich verdiente das Unternehmen 3,22 Milliarden Dollar, im Vorjahr waren es 2,52 Milliarden. Der Umsatz ging auf 17,81 Milliarden Dollar zurück. Auch Procter & Gamble legten Zahlen vor. Dem Pampers-Hersteller hat der starke Dollar ebenfalls zu schaffen gemacht. Die Erlöse gingen im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres auf 16,9 Milliarden Dollar von 18,5 Milliarden vor Jahresfrist zurück. Der Gewinn stieg zugleich um 840 Millionen auf 3,21 Milliarden Dollar.

Der Chemieriese DuPont rutschte wegen der ungünstigen Währungsentwicklung sogar ins Minus. Unter dem Strich fiel im Schlussquartal 2015 ein Verlust von 253 Millionen Dollar an. Der Nettoumsatz sank um 9,4 Prozent auf 5,3 Milliarden Dollar. Gleichzeitig wurde bekannt, dass die ebenfalls im Leitindex Dow Jones enthaltene Großbank JPMorgan Altlasten loswerden will. Das Geldhaus will 1,42 Milliarden Dollar zahlen, um Schadenersatzforderungen im Zuge der Lehman-Pleite aus der Welt schaffen. Der im S&P-500-Index enthaltene Rüstungskonzern Lockheed Martin hat zum Jahresschluss positiv überrascht. Je Aktie lag der Gewinn im vierten Quartal bei gut drei Dollar, von Reuters befragte Analysten hatten nicht mit so viel gerechnet. Die Auftragsbücher sind so gut gefüllt wie nie zuvor.

rm

Tagestermine am Donnerstag, 15. November

Unternehmen:
K+S: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Sixt: Q3-Zahlen (endg.), 07:30 Uhr
Henkel: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Bouygues: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Ferratum: Neunmonatszahlen, 07:30 Uhr
LPKF: Neunmonatszahlen (endg.), 08:00 Uhr
Singulus: Neunmonatszahlen (endg.), 08:15 Uhr
Walmart: Q3-Zahlen, 13:00 Uhr
Vallourec: Q3-Zahlen, 17:45 Uhr
Vivendi: Q3-Zahlen, 18:00 Uhr
Mayr-Melnhof: Q3-Zahlen
Applied Materials: Q4-Zahlen
Nvidia: Q3-Zahlen
Sonos: Q3-Zahlen
Acea: Kfz-Neuzulassungen 10/18, 08:00 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Beschäftigte Verarb. Gewerbe 09/18, 08:00 Uhr
EU: Handelsbilanz 09/18, 11:00 Uhr
USA: Empire State Index 11/18, 14:30 Uhr
USA: Im- und Exportpreise 10/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Lagerbestände 09/18, 16:00 Uhr
USA: Ölbericht (Woche) Industrieproduktion Euro-Zone im September, 11:00 Uhr