Marktbericht 20:06 Uhr

Dax kaum verändert Bullen und Bären geben sich keine Blöße

Stand: 22.07.2016, 20:06 Uhr

Zum Wochenschluss haben sich die Anleger bedeckt gehalten. Der Dax schloss zwar wenig verändert, es gab aber trotzdem wichtige Erkenntnisse.

Denn das Tagestief lag heute bei 10.073 Punkten und damit bis fast genau an der charttechnischen Unterstützung der 200-Tage-Linie (bei 10.017 Punkten). Die Unterstützung hat gehalten, was bei den Bullen Hoffnung auf mehr macht.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
12.561,42
Differenz relativ
-0,98%

Nach dem erfolgreichen Test drehte der Markt am Vormittag dann nach oben bis auf 10.181 Punkte in der Spitze, um schließlich bei 10.147 Zählern aus dem Handel zu gehen. Ein Mini-Minus von 0,1 Prozent. Im Wochenvergleich steht damit für den Dax ein kleiner Gewinn von 0,8 Prozent, der damit aber immer noch unter seinem "Vor-Brexit-Niveau" vom 23. Juni bei 10.257 Punkten bleibt.

Im Späthandel tat sich nicht mehr viel, obwohl es nach Xetra-Schluss Nachrichten über einen möglicherweise terroristischen Anschlag in München gab. Die Lage ist derzeit unklar. Der L/E-Dax schloss bei 10.142 Punkten.

Wall Street etwas besser

Der lustlose Handel hierzulande dürfte maßgeblich auch davon beeinflusst gewesen sein, dass sich an der Wall Street trotz zahlreicher Quartalsberichte kaum etwas tut. Die New Yorker Börse bleibt aber auf hohem Niveau, auch wenn neue Rekordstände derzeit nicht in Sicht sind.

Immerhin hat sich der Markt im Sitzungsverlauf etwas nach oben bewegt, an der Nasdaq geht es derzeit sogar gut ein halbes Prozent nach oben. Der Leitindex Dow Jones liegt aktuell 0,15 Prozent im Plus bei 18.544, der S&P 500 gut 0,3 Prozent bie 2.171,83 Zählern. Beim Dow liegt die Bestmarke bei 18.622, beim breiter aufgestellten S&P-500-Index bei 2.173,65 Punkten.

Euro unter 1,10 Dollar, britisches Pfund unter Druck

Die Gemeinschaftswährung rutschte am Nachmittag nach einem besser als erwartet ausgefallenen Markit-Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe in den USA im Juli unter die Marke von 1,10 Dollar - und hat danach ihre Verluste ausgebaut bis in Richtung 1,0950 Dollar. Der Index lag bei 52,9 Punkten, erwartet war nur ein Indexstand von 51,5 Punkten.

ARD-Börsenstudio: Mischa Erhard
Audio

Börse 19.00 Uhr

Positive US-Wirtschaftsdaten schüren die Aussicht auf eine Zinserhöhung durch die Notenbank, die dann doch schneller kommen könnte als erwartet. Das wiederum stärkt den Dollar. Der Markt rechnet nach dem Brexit derzeit mehrheitlich nicht mehr mit einem Zinsentscheid der Fed vor Dezember. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuvor auf 1,1014 (Donnerstag: 1,1015) Dollar festgesetzt.

Thema des Tages am Devisenmarkt war derweil der neue Schwächeanfall des britischen Pfundes. Es fiel zwischenzeitlich über zwei Cent und damit unter 1,31 Dollar zurück. Dies nach einem sehr schwach ausgefallenen Markit-Einkaufsmanagerindex in Großbritannien für den Juli. Dieser fiel von 52,4 Punkten im Juni auf 47,7 Punkte und sank damit auf den niedrigsten Stand seit 2009.

Damit bekommt die britische Wirtschaft nun die negativen Folgen des Brexit-Votums immer mehr zu spüren. Die Geschäftsaktivitäten seien so stark zurückgegangen wie seit der Weltfinanzkrise 2008 nicht mehr, sagte Markits Chefökonom Chris Williamson. Egal ob Aufträge storniert, laufende Projekte gestoppt oder verschoben oder neue Geschäfte ausgeblieben seien - fast immer sei dies allgemein auf das Ja der britischen Wählermehrheit zum EU-Austritt Großbritanniens zurückzuführen.

Tagesverlierer Commerzbank, Telekom gefragt

Größter Dax-Verlierer waren Commerzbank, gefolgt von Lufthansa. Wie zuletzt auch das Papier der Bank belastete die Lufthansa-Aktie ein negativer Analystenkommentar. Die britische Investmentbank HSBC hat das Kursziel für den Titel nach der Gewinnwarnung von 7,50 auf 7,25 Euro gesenkt und die Einstufung auf "Reduce" belassen. Die kolportierte Übernahme von Air-Berlin-Teilen sei strategisch logisch, berge aber auch Risiken, heißt es in einer Studie vom Freitag.

Im Gegenzug gehören Telekom zu den größten Dax-Gewinnern und wechseln sich mit Vonovia an der Spitze ab. Eine gute Umsatzentwicklung des britischen Konkurrenten Vodafone vor allem in Europa sowie technische Fortschritte beim Internetzugang in Autos, sorgen für eine gute Nachrichtenlage bei den Bonnern.

Vodafone konnte vor allem in Deutschland, Italien und Spanien zulegen, in Großbritannien sank der Umsatz um drei Prozent. Die sogenannten Service-Erlöse, bei denen Geräte-Subventionen heraus gerechnet werden, seien zum achten Mal in Folge geklettert, teilten die Briten mit. Das Plus habe bei 2,2 Prozent gelegen. Vodafone weist seine Geschäftszahlen seit kurzem in Euro aus und Firmenchef Vittorio Colao - ein Italiener - spielt seit dem Brexit-Votum mit dem Gedanken, die Firmenzentrale nach Europa zu verlegen.

VW stoppt den Verkauf in Südkorea

Volkswagen stoppt ab Montag wegen des Abgasskandals den Verkauf der meisten Modelle in Südkorea, teilte ein Konzernsprecher am Freitag mit. In den kommenden Wochen will das südkoreanische Umweltministerium entscheiden, ob es die Zulassung von 32 Modellen der Marken VW, Audi und Bentley rückgängig macht. Dem deutschen Autobauer wird vorgeworfen, gefälschte Dokumente über Abgase und Lärmpegel eingereicht zu haben. Eine Wiederzulassung könnte Monate dauern.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
144,66
Differenz relativ
-2,26%

Die LKW-Tochter Scania hat derweil wegen Kartellvorwürfen 400 Millionen Euro (3,8 Milliarden Kronen) zurückgestellt. Das schwedische Unternehmen weist aber Vorwürfe zurück, an Kartellabsprachen beteiligt gewesen zu sein und will den Rechtsweg voll ausschöpfen. An 17:00 Uhr MEU wird dann noch ein Gerichtsentscheid aus den USA zum Milliardenvergleich für 500.000 Fahrzeuge mit 2.0-Liter-Motor erwartet.

Schwarzer Tag für ElringKlinger

Im SDax brach die ElringKlinger-Aktie prozentual zweistellig um 13,23 Prozenbt ein und zierte mit großem Abstand das SDax-Ende. Der Autozulieferer hat seine Ergebnisprognose für das laufende Jahr nach unten korrigiert. Wie das Unternehmen am Donnerstagabend mitteilte, erwartet es 2016 nur noch ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) in Höhe von 140 bis 150 Millionen Euro. Zuvor waren es 160 bis 170 Millionen Euro gewesen.

Noch ein Weltmeister zum BVB

Nach der Rückkehr von Stürmer Mario Götze von Bayern München hat Borussia Dortmund mit Andre Schürrle den zweiten Weltmeister und ebenfalls ein Angriffsspieler verpflichtet. Schürrle kommt für eine nicht genannte Ablöse vom Ligakonkurrenten VfL Wolfsburg. Im Raum stehen rund 30 Millionen Euro. Für Götze zahlt der BVB zwischen 22 und 25 Millionen Euro.

Die Dortmunder reinvestieren damit einen Teil der Mittel, die ihnen aus dem Abgang so wichtiger Stammkräfte wie Mats Hummels (zu Bayern) sowie Ilkay Gündogan und Henrich Mchitarjan (beide nach England) zugeflossen waren. Die Aktie des einzigen börsennotierten deutsche Fußballvereins legte im SDax im Handelsverlauf zu und schloss 1,82 Prozent fester bei 4,02 Euro.

Heideldruck-Chef geht

Indexkollege Heidelberger Druck muss sich personell ebenfalls neu aufstellen. Denn der amtierende Firmenchef Gerold Linzbach erklärte heute gegenüber dem Aufsichtsrat, dass er seinen bis August 2017 laufenden Vertrag nicht verlängern werde. Er stehe dem Unternehmen aber für einen geordneten Übergang weiter zur Verfügung. Eng mit Linzbachs Namen ist die Neuausrichtung des lange kriselnden Druckmaschinenherstellers verbunden. Der 60-jährige wolle sich nach dem Abschluss des Umbaus nun anderen unternehmerischen Zielen widmen, hieß es am Freitag weiter.

Atoss Software: äußerst ertragsstark

Jenseits der großen Indizes weiß die Atoss Software AG zu begeistern. Die Münchner Softwareschmiede hat ihre dynamische Entwicklung fortgesetzt und ihren Umsatz im ersten Halbjahr um zehn Prozent auf 23,9 Millionen Euro gesteigert. Das operative Ergebnis wuchs um zwölf Prozent auf 6,2 Millionen Euro. Die Ebit-Marge von 26 Prozent zeigt eine hohe Ertragsstärke.

Telekom Austria erhöht die Dividende

Die Telekom Austria hat dank Einsparungen und guten Geschäften im Heimatmarkt Österreich mehr verdient. Der Nettogewinn kletterte im zweiten Quartal um 4,9 Prozent auf 82,4 Millionen Euro, wie die Tochter des mexikanischen Mobilfunkkonzerns America Movil am Freitag mitteilte. Den Anlegern stellte die Telekom Austria für 2016 mit 20 Cent je Aktie eine deutlich höhere Dividende in Aussicht. Seit 2012 lag die Gewinnausschüttung bei fünf Cent je Aktie. Auch für dieses Jahr waren fünf Cent je Aktie das ursprüngliche Ziel.

Philips Lightning strahlt hell

Der Osram-Konkurrent, eine Tochter des niederländischen Philips-Konzerns und seit Mai an der Börse, überzeugte die Märkte mit guten Zahlen zum zweiten Quartal. Das operative Ergebnis (Ebita) stieg um 16 Prozent auf 161 Millionen Euro. Der Umsatz ging um sechs Prozent auf 1,7 Milliarden Euro zurück, soll aber, so der Ausblick des Managements, in diesem Jahr wieder auf eine vergleichbare Basis zurückkehren. Philips hält noch 70 Prozent an seiner Lichtsparte. Aktien des deutschen Konkurrenten Osram legten im MDax 0,52 Prozent zu.

Nintendo startet "Pokémon Go" in Japan

Rund zwei Wochen nach dem Start in den USA ist das bereits in vielen Ländern enthusiastisch gefeierte Handyspiel "Pokémon Go" von Nintendo auch auf dem Heimatmarkt verfügbar. Mehrere Tage nach der ursprünglich erwarteten Einführung konnten sich Japaner am Freitag erstmals das Spiel herunterladen. Für den Start tat sich Nintendo mit McDonald's Japan zusammen.

General Electric verdient mehr als erwartet

Florierende Geschäfte im Energiegeschäft haben dem Siemens-Rivalen General Electric im zweiten Quartal kräftig auf die Sprünge geholfen. Umsatz und Gewinn lagen über Erwartungen. Die Aktie, die im Juli bei rund 30 Dollar auf das Niveau von vor der Finanzkrise im Jahr 2007 geklettert war, konsolidiert derzeit auf hohem Niveau.

Mit dem Mischkonzern Honeywell und dem Hausgerätehersteller Whirlpool legten am frühen Nachmittag noch zwei Zykliker ihre Quartalszahlen vor. Honeywell wies mit einem Plus von 7,4 Prozent auf 1,3 Milliarden Dollar einen unerwartet deutlichen Gewinnzuwachs aus. Vor allem die Sparten Automation und Klimaanlagen legten zu. Der Umsatzanstieg von 2,2 Prozent auf zehn Milliarden Dollar war indes schwächer als erwartet. Die Bauknecht-Mutter Whirlpool hat die unvorteilhafte Wechselkursentwicklung durch Sparmaßnahmen und einen höheren Umsatz in Nordamerika ausgeglichen. Der US-Konzern steigerte den Nettogewinn im zweiten Quartal binnen Jahresfrist um gut 80 Prozent auf 320 Millionen Dollar und lag damit über den Expertenerwartungen.

Bandelt Yahoo mit Verizon an?

Insider berichten, dass der Telekomriese der wohl wahrscheinlichste Käufer des Kerngeschäftes von Internet-Pionier Yahoo sein dürfte. Verizon passe als Käufer am besten, die Verhandlungen dauerten allerdings noch an, sagten mit der Situation vertraute Personen am Freitag der Nachrichtenagentur "Reuters". Unklar blieb zunächst, wie viel Verizon in der finalen Runde der Auktion geboten hat. Der Internet-Konzern schwächelt seit langem in seinem angestammten Such- und Werbegeschäft und will es deswegen abstoßen. Denn Yahoo kann Google und Facebook kaum noch etwas entgegensetzen. Ebenfalls nach Insiderinformationen sind auch noch Verizon-Rivale AT&T sowie andere milliardenschwere Investoren an Yahoo interessiert.

Visa und PayPal gehen zum Angriff über

Der Internet-Bezahlanbieter PayPal will mit der weltweit führenden Kreditkartenfirma Visa zusammenarbeiten und verspricht sich davon höhere Einnahmen. Damit werde es Kunden erleichtert, ihre PayPal-Konten im Einzelhandel einzusetzen. PayPal und Visa bringen sich mit dem Schritt nach Einschätzung von Fachleuten gegen die digitalen Brieftaschen von Apple und Google in Stellung.

Die Integration des Europa-Geschäfts drückt den Gewinn beim Finanzkonzern Visa. Im vergangenen Quartal gab es einen Gewinn von 412 Millionen Dollar. Dabei schlugen die Belastungen im Zusammenhang mit der Eingliederung von Visa Europe mit knapp 1,9 Milliarden Dollar zu Buche. Im Vorjahresquartal hatte es noch einen Gewinn von 1,7 Milliarden Dollar gegeben.

Gewinneinbruch bei American Airlines

Die US-Fluglinie musste im zweiten Quartal dem heftigen Preiskampf bei den Flugscheinen sowie hohen Steuerforderungen Tribut zollen. Im zweiten Quartal blieb unter dem Strich ein Gewinn von 950 Millionen US-Dollar (862 Mio Euro) übrig und damit rund 44 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Analysten hatten allerdings schon mit einem niedrigeren Ergebnis gerechnet, da im Vergleichszeitraum vor Jahresfrist fast keine Steuern angefallen waren.

Gleichzeitg gab die Fluglinie bekannt, dass sich die Abnahme neuer Airbus A350-Jets verzögern werde. Die 22 Maschinen vom Typ A350 sollen nun in den Jahren 2018 bis 2022 ausgeliefert werden - im Schnitt gut zwei Jahre später als geplant. Die amleger hatten wohl noch Schlimmeres erwartet, die an der Nasdaq gehandelte Aktie liegt derzeit über zwei Prozent besser im Markt.

Starbucks und die Grenzen des Wachstums

Das Geschäft der Kaffeehaus-Kette Starbucks wächst langsamer. Im vergangenen Quartal erzielten die seit 13 Monaten geöffneten Geschäfte ein Umsatzplus von vier Prozent. Im Vorjahresquartal hatte das Wachstum auf dieser vergleichbaren Basis bei sieben Prozent gelegen. Die Aktie liegt derzeit schwächer im Markt.

rm

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 23. Juli

Unternehmen:
Daimler: Weltpremiere des ersten Elektroautos der neuen Marke EQ in Stockholm
Ryanair: Q1-Zahlen, 07:00 Uhr
Philips: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Julius Bär: Halbjahreszahlen, 07:00 Uhr
Hasbro: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Halliburton: Q2-Zahlen, 12:45 Uhr
Kering: Q2-Zahlen, 16:00 Uhr
Michelin: Q2-Zahlen, 17:45 Uhr
Luxxotica: Halbjahreszahlen, 17:45 Uhr
Alphabet (Google): Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
Amgen: Q2-Zahlen
AMD: Q2-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Bundesbank-Monatsbericht Juli, 12:00 Uhr
USA: CFNA-Index für Juni, 14:30 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser im Juni, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen in der Euro-Zone im Juli, 16:00 Uhr