Marktbericht 20:05 Uhr

Dax befreit sich am Nachmittag Bullen bekommen wieder Oberwasser

Stand: 30.10.2014, 20:05 Uhr

Die amerikanische Börse könnte auch bei uns dafür sorgen, dass die skeptischen Stimmen leiser werden. In New York steigen die Kurse nach guten Konjunkturdaten und diesem Sog kann sich der heimische Markt natürlich nicht entziehen.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Wieder einmal durchlebten die Anleger am deutschen Aktienmarkt eine wahres Wechselbad der Gefühle. Der Leitindex Dax bewegte sich am Donnerstag in einer großen Schwankungsbreite von rund 250 Punkten zwischen 8.899 und 9.146 Punkten. Am Ende stand ein Tagesgewinn von 0,35 Prozent auf 9.114 Punkte.

Nach zunächst freundlichem Start sackte das Börsenbarometer bis zum Mittag deutlich ab, um sich danach wieder ebenso kräftig zu erholen. Im Späthandel setzte sich die freundliche Tendenz fort, der L/E-Dax stieg beflügelt von einem freundlichen US-Markt auf 9.130 Punkte.

Der Handel war laut Händlern geprägt von zunehmender Nervosität bei stark anziehenden Umsätzen - im Dax stieg das Handelsvolumen um 40 Prozent. Während einige auf eine Jahresendrally setzten, waren andere pessimistischer. "Die Aussagen der Fed waren etwas zuversichtlicher als erwartet, und das hat Spekulationen geschürt, die Notenbank könnte doch früher als gedacht an der Zinsschraube drehen", fasste ein Händler zusammen. Diese Nervosität könnte nach der Wende in der US-Geldpolitik noch weiter anhalten, erklärte Analyst Jens Klatten von DailyFX und warnte vor Rückschlägen, wenn das billige Notenbankgeld künftig ausbleibt.

Zwischen Bilanzflut und Konjunkturdaten

Der Tag bot nahezu alles, was Börse zu bieten hat. Eine Vielzahl von Unternehmensberichten, darunter die von vier Dax-Konzernen, bei denen sowohl Bullen als auch Bären auf ihre Kosten kamen. Dazu eine Vielzahl von Quartalszahlen aus der zweiten und dritten Reihe.

Entscheidend für den besseren Nachmittagstrend waren dann die mit einem Wachstum von 3,5 Prozent besser als erwartet ausgefallen amerikanischen BIP-Daten für das dritte Quartal. Experten hatten nur mit einem Wachstum von 3,0 Prozent gerechnet. "Die Zahlen bestätigen die hohe Dynamik der US-Konjunktur", kommentierte Analyst Johannes Jander von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba).

US-Börsen im Aufwind

Zwar dürften nach den gestrigen Kommentaren der Fed im Gegenzug auch die Zinsängste an der Wall Street steigen, die Investoren können aber mit dem Wechsel von liquiditäts- zur fundamental getriebenen Börse offensichtlich gut leben. Der Dow-Jones-Index hat seine Gewinne mittlerweile weiter ausgebaut und legt aktuell gut ein Prozent auf gut 17.150 Punkte zu. Damit hat der US-Leitindex im Gegensatz zum Dax alle Verluste seit Monatsanfang wieder aufgeholt, das Rekordhoch steht bei 17.350 Punkten. Auch der breiter gefasste S&P-500-Index nähert sich wieder der Marke von 2.000 Punkten, die allerdings bisher ein starker charttechnischer Widerstand war. Das Rekord- und Jahreshoch des S&P 500 vom 19. September liegt bei 2.019 Zählern.

Der gestiegene Konjunkturoptimismus ist auch an den guten Zahlen der Kreditkartenunternehmen Visa und Mastercard abzulesen die zeigen, dass Amerikas Verbraucher wieder mehr konsumieren. Visa-Aktien liegen rund acht Prozent besser im Markt, nachdem der Gewinn im Quartal um 14 Prozent auf 1,4 Milliarden Dollar angezogen hatte. Auch Mastercard-Papiere legen in der gleichen Größenordnung kräftig zu, nachdem der Nettogewinn um 15 Prozent auf eine Milliarde Dollar zugelegt hat.

Muskelspiele des Greenback, Goldpreis fällt

Die guten BIP-Daten haben den Euro zunächst deutlich geschwächt und unter die Marke von 1,26 Dollar gedrückt. Das waren fast zwei Cent weniger als zum Wochenbeginn. Aktuell hat sich die Gemeinschaftswährung aber etwas erholt und liegt leicht über der Hürde bei 1,26 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,2598 (Mittwoch: 1,2737) Dollar fest.

Trotzdem, der Greenback ist nach den guten Konjunkturdaten im Aufwind. Experten erklärten den starken Dollar besonders mit Aussagen der US-Notenbank zum Arbeitsmarkt in den USA. "Der geldpolitische Rat schlug hier leicht optimistischere Töne an", meinte Expertin Esther Reichelt von der Commerzbank. Gute Stimmungsdaten aus Europa haben sich heute hingegen nicht ausgewirkt.

Die starken Wirtschaftsdaten aus Amerika haben auch für Verluste beim Gold gesorgt. Der Preis für die Feinunze (rund 31 Gramm) fiel zwischenzeitlich unter die Marke von 1.200 Dollar und nähert sich dem Jahrestief vom 6. Oktober bei 1.183 Dollar. Silber rutschte auf den tiefsten Stand seit März 2010.

Kursgewinne am Rentenmarkt

Am Rentenmarkt zogen die Kurse kräftig an, der Bund-Future stieg um 0,39 Prozent auf 150,92 Prozent. Händler begründeten die Entwicklung mit der Aussicht auf eine weiter schwache Inflation in der Eurozone und möglichen neuen Maßnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB) im Kampf gegen die niedrige Teuerung. Zehnjährige Bundesanleihen rentierten mit 0,84 Prozent.

Die Verbraucherpreise stiegen in Deutschland im Oktober nur um 0,8 Prozent. Damit stagniert die Inflation auf niedrigem Niveau und liegt auf dem tiefsten Stand seit Februar 2010. Sehr zum Missfallen der EZB, weshalb die Wahrscheinlichkeit steigt, dass die Notenbanker alsbald auch mit dem Kauf von Staatsanleihen beginnen werden.

Lufthansa hält die rote Laterne

Aktien der Fluglinie lagen deutlich am Dax-Ende, nachdem der Konzern erneut die Prognose für 2015 gesenkt hat. Auch die Zahlen des Industriegasespezialisten Linde enttäuschen, die Linde-Aktie lag hinter der Lufthansa an zweiter Stelle der Verlierer. Der Konzern rechnet für das laufende Jahr nur noch mit einem Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) bereinigt um Währungseffekte auf dem Niveau des Vorjahres. Bislang hatte das Unternehmen einen leichten Anstieg prognostiziert. Bankaktien, die am Vormittag ebenfalls unter Druck geraten waren, haben sich mittlerweile etwas erholt, bleiben aber im Minus.

VW jubelt wegen China

Aber es gab auch gute Nachrichten. Der Volkswagen-Konzern hat seinen Gewinn im Sommerquartal um 58 Prozent auf 2,93 Milliarden Euro verbessert. Vor allem die gute Geschäftsentwicklung in China trieb die Wolfsburger dabei an. Schwach schnitt erneut die Kernmarke VW ab, während Audi und Porsche zulegen konnten. Auch Skoda überraschte positiv mit einer hohen Marge. Die im Dax enthaltenen VW Vorzugsaktien gewannen 1,88 Prozent hinzu.

Tagesgewinner war aber die Bayer-Aktie. Der Pharma- und Chemiekonzern hat seine Jahresprognose angehoben, was an der Börse gut ankommt. Zudem schnitt der Konzern im dritten Quartal besser als erwartet ab. Das Dax-Unternehmen profitierte von einer starken Pharma- und Pflanzenschutzsparte.

Stahlwerte nach Prognosesenkung schwächer

Der Brancheverband der europäischen Stahlhersteller, Eurofer, hat am Nachmittag die Erwartungen der Branche für die kommenden beiden Jahre zurückgenommen. Für 2014 wird nur noch ein Nachfragewachstum von 2,6 nach bisher 3,7 Prozent und für 2015 ebenfalls ein Wachstum von 2,6 nach bisher 3,0 Prozent erwartet. Begründet wurde die eingetrübte Prognose mit der Konjunkturabkühlung sowie dem wachsenden Anteil außereuropäischer Anbieter. Zu Eurofer gehören Branchengrößen wie ThyssenKrupp, ArcelorMittal oder VoestAlpine.

Evonik nicht gut genug

Im MDax hat der Spezialchemiekonzern Evonik im dritten Quartal besser als erwartet abgeschnitten. Bei einem Umsatzanstieg von einem Prozent auf 3,24 Milliarden Euro sank das bereinigte Ebitda um drei Prozent auf 501 Millionen Euro. Evonik bestätigte zudem seine Prognose. Die Anleger waren aber trotzdem nicht zufrieden, Evonik-Papiere waren schwächster MDax-Wert.

Solargeschäft hilft Wacker Chemie

Am anderen Ende des Index der mittelgroßen Werte standen Wacker Chemie mit einbem Aufschlag von 4,67 Prozent. Der Spezialchemiekonzern Wacker Chemie hat auch im dritten Quartal von Sonderzahlungen im Zusammenhang mit der Auflösung von langfristigen Verträgen für Solarsilizium profitiert. Der Gewinn explodierte vom niedrigen Niveau des Vorjahres von 5 auf 119 Millionen Euro.

Aareal lässt Finanzkrise endgültig hinter sich

Die Hypothekenbank Aareal hat ihre letzten Staatshilfen zurückgezahlt. Die verbliebene Stille Einlage von 300 Millionen Euro sei an den Finanzmarktstabilisierungsfonds (SoFFin) zurücküberwiesen worden, teilte das im MDax notierte Unternehmen mit.

Drägerwerk erheblich verbessert

Der Medizin- und Sicherheitstechnik-Hersteller Drägerwerk hat im dritten Quartal seinen Umsatz um knapp sieben Prozent auf 592 Millionen Euro verbessert. Das TecDax-Mitglied profitierte von besseren Geschäften in Europa und geringeren Währungsbelastungen. "Aus unserer Sicht ist das dritte Quartal 2014 ein Wendepunkt", urteilte Equinet-Analyst Konrad Lieder. Die Marktposition des Unternehmens sei stärker als angenommen. Die Börse honorierte das Ergebnis, Dräger-Aktien waren mit einem kräftigen Plus von 6,88 Prozent bester Wert im Technologieindex TecDax.

Billig-Konkurrenz belastet Samsung stark

Der koreanische Elektronikkonzern Samsung hat ein schlimmes Quartal hinter sich gebracht. Das Unternehmen hat im dritten Quartal wegen schwacher Geschäfte mit Smartphones einen Rückgang beim Nettogewinn von um 49 Prozent auf 4,2 Billionen Won (etwa 3,2 Milliarden Euro) hinnehmen müssen. Der Umsatz ging um 20 Prozent auf 47,5 Billionen Won zurück. Vor allem preiswerte Mobiltelefone aus chinesischer Produktion machen Samsung immer stärker zu schaffen.

Teva erfolgreich auf Sparkurs

Papiere von Teva Pharmaceutiovals, der weltgrößten Hersteller von Nachahmer-Arzneien, sind in New Yorker nach positiv aufgenommenen Quartalszahlen gefragt. der Überschuss legte im dritten Quartal um 23 Prozent auf 876 Millionen Dollar zu. Das israelische Unternehmen, zu dem seit 2010 auch die Ulmer Tochtergesellschaft Ratiopharm gehört, profitierte vor allem von gesunkenen Kosten, nachdem mehrere Werke geschlossen wurden. Der Umsatz stagnierte bei 5,1 Milliarden Dollar.

"Wir haben unsere Rentabilität in allen Geschäften verbessert, vor allem im weltweiten Generikageschäft", erklärte Konzernchef Erez Vigodman. Das Unternehmen sei auf Kurs, bis Jahresende wie geplant die Kosten um etwa 650 Millionen Dollar zu senken.

rm

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Von Annington bis Vossloh Gemischte Zahlen der Hinterbänkler

Vossloh: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Jahr

Vossloh

Tagestermine am Dienstag, 18. Dezember

Unternehmen:
FedEx: Q2-Zahlen
Navistar: Q4-Zahlen
Micron Technology: Q1-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Ifo-Geschäftsklima 12/18, 10:00 Uhr
USA: Baubeginne und Genehmigungen 11/18, 14:30 Uhr