Marktbericht 20:00 Uhr

Dax steigt 330 Punkte Brexit-Ängste schwinden

Stand: 20.06.2016, 20:06 Uhr

Umfragen und Wettbüros deuten es an - der Brexit droht zu scheitern. Sofort wittert die Börse Morgenluft und setzt ihre Hoffnungsrally der letzten Tage fort. Der Dax legt kräftig zu bis fast an die 10.000 Punkte.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Immerhin bis 9.996 Punkte ist es am Montag mit dem Dax in der Spitze bergauf gegangen. Damit lag das Tageshoch nur einen Hauch entfernt von der Rückkehr in den fünfstelligen Bereich. Aber auch wenn die psychologisch wichtige Marke im Dax letztlich nicht genommen werden konnte - an der Börse ist so manchem angesichts des stärker gewordenen Rückenwinds für einen Verbleib Großbritanniens in der EU wohl ein großer Stein vom Herzen gefallen.

"Das ist eine Erleichterungs-Rally", sagte Marktstratege Heino Ruland vom Brokerhaus ICF. "Die Finanzmärkte hängen mittlerweile ausschließlich an den Brexit-Umfragen." Diese Erleichterung trieb den Dax letztlich auf eine Schlussniveau von 9.962 Punkten und damit einem Tagesgewinn von beachtlichen 3,43 Prozent. Im Späthandel tat sich dann kaum noch etwas, der L/E-Dax schloss bei 9.963 Punkten.

Hörfunk-Moderatorin Ulla Herrmann
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Börse 18.00 Uhr

Noch am Donnerstag lag das Börsenbarometer im Tief bei 9.432 und damit mehr als 500 Punkte unter dem heutigen Niveau. Besonders deutlich abzulesen war die kurzfristige Beruhigung des Marktes auch am als Angstbarometer bezeichneten Volatilitäts-Dax (VDax), der über zehn Prozent fiel. Auch der europäische Auswahlindex Euro Stoxx 50 legte 3,4 Prozent zu und schloss bei 2.942 Zählern.

Brexit-Thema überragt alles

EuroStoxx 50: Kursverlauf am Börsenplatz DJ Stoxx für den Zeitraum Intraday
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3.485,08
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Die Schwankungen zeigen, wie stark das Thema eines möglichen Brexit die Gemüter an der Börse erregt. Neueste Umfragen signalisieren, dass immer mehr Briten einen solchen Schritt ablehnen. Broker und Wettbüros in Großbritannien gehen mittlerweile von einer deutlichen Mehrheit für die Ablehnung eines Austritts des Landes aus der EU aus.

Brexit-Schriftzug

Brexit. | Bildquelle: colourbox.de

"Die Quoten der 21 größten Wettbüros in Vereinigten Königreich zeigen aktuell eine Austrittswahrscheinlichkeit von gut 35 Prozent an", so Investmentanalyst Clemens Bundschuh von der LBBW. Aber erst wenn am Morgen des 24. Juni die endgültigen Ergebnisse vorliegen, wird die Unsicherheit endgültig weichen. Insgesamt bleibt Großbritannien in der Frage einer EU-Zugehörigkeit nämlich tief gespalten.

Euro und Pfund legen zu

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Auch am Devisenmarkt tat sich so Einiges. Die geringer gewordenen Brexit-Sorgen trieben vor allem das britische Pfund an, sowohl gegen den Dollar als auch gegen den Euro. Der Euro konnte seine anfängliche Stärke zum Dollar allerdings nicht behaupten und kämpft aktuell wieder mit der Marke von 1,13 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs aber auf 1,1332 Dollar fest und damit höher als am Freitag, als der Kurs bei 1,1254 Dollar lag.

Der Austritt erscheine nun nicht mehr als wahrscheinlichstes Szenario, kommentierte Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann. "Freilich weiß niemand, ob dieser Stimmungsumschwung bis Donnerstag trägt." Sollten die Umfragen jedoch nahelegen, dass der Stimmungsumschwung von Dauer ist, dann könnte der Euro zum Pfund weiter fallen, erwartet Leuchtmann.

Gute Stimmung an der Wall Street

in New York herrscht ebenfalls gute Stimmung. Der Leitindex Dow Jones notiert aktuell gut ein Prozent höher. Im bisherigen Tageshoch standen bisher mit 17.946 Zählern schon rund 100 Punkte mehr auf dem Laufband. 28 von 30 Dow-Werten liegen derzeit im Plus, lediglich Telekom-Riese Verizon und Cisco geben minimal ab. Nennenswerte Konjunkturdaten erwartet der US-Markt heute keine.

Deutsche Bank führt den Dax an

Im Dax hielten sich Deutsche-Bank-Aktien an der Indexspitze und legten deutlich um 5,89 Prozent zu. Commerzbank-Papiere blieben zwar ebenfalls gefragt, fielen aber nach anfänglicher Stärke aber im weiteren Verlauf zurück. Trotzdem gab es noch ein veritables Plus von 2,74 Prozent. Die Papiere der Geldhäuser stehen derzeit besonders im Fokus der Investoren.

"Banken gelten als größte Leidtragende im Falle eines Ausstiegs der Briten aus der EU", sagte ein Händler. Entsprechend hätten hier viele Marktteilnehmer auf fallende Kurse eingestellt. Diese Positionen würden nun seit Ende der Vorwoche abgebaut. Ansonsten gingen die Gewinne quer durch alle Branchen. "Schlusslicht" waren Linde, die "nur" gut zwei Prozent zulegten.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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10,35
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+1,83%
Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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8,53
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Linde: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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214,40
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VW-Aktie auf der Überholspur

Volkswagen-Vorzugsaktien gehörten ebenfalls zu den größten Gewinnern und stiegen gut fünf Prozent. Sie profitierten unter anderem von einer JPMorgan-Studie. Zudem will VW noch in diesem Monat einen Plan präsentieren, mit dem Rechtsstreitigkeiten in den USA beigelegt werden sollen, berichtet "Bollomberg".

Am Nachmittag kam dann noch die Nachricht, dass Ex-Chef Martin Winterkorn ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten ist. Es geht um den Vorwurf der Marktmanipulation bei Wertpapieren. Nachgegangen wird dem Vorwurf, ob die Börse am 22.9.2015 rechtzeitig über den Diesel-Abgasskandal informiert wurde oder ob die Verluste bereits früher abzusehen gewesen wären. VW sieht keine Pflichtverletzung.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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147,32
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VW-Chef Müller stellt derweil eine Abkehr von der Dieseltechnologie in Aussicht. Durch die strengeren Abgaswerte in den USA ab dem Jahr 2020 werde die Technologie wahrscheinlich enorm teuer, sagte Müller dem "Handelsblatt".

Adidas sponsort weiter den DFB

Adidas: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
189,25
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Die deutschen Nationalfußballer werden bis 2022 weiter in Trikots mit den drei Streifen von Adidas auflaufen. Die Herzogenauracher verlängerten den Sponsorenvertrag mit dem Deutschen Fußballbund am Montag in Paris um vier Jahre, wie das Unternehmen mitteilte. Entsprechende Gerüchte, die es schon im Vorfeld der heutigen Entscheidung gab, wurden damit bestätigt. Der nun verlängerte Vertrag mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) habe ein Volumen von 50 Millionen Euro pro Jahr, sagte Vorstandschef Herbert Hainer. Die Aktie stieg heute auf ein neues Rekordhoch.

Merck will Krebsmittel auf den Markt bringen

Merck KGaA: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
85,50
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0,00%

Der Darmstädter Pharma- und Spezialchemiekonzern aus dem Dax kündigte an, im zweiten Halbjahr einen Zulassungsantrag für das Krebsmittel Avemulab zu stellen. Behandelt werden soll das Merkelzellkarzinom, eine seltene Form von Hautkrebs. Merck gibt heute einen Überblick über seine Präparate-Pipeline.

HeidelbergCement kommt voran

Der Baustoffkonzern HeidelbergCement hat die letzten Hürden für die milliardenschwere Übernahme des italienischen Zementherstellers Italcementi aus dem Weg geräumt. Es lägen alle notwendigen kartellrechtlichen Freigaben vor, teilte das Unternehmen am Sonntag mit.

Kritk an Kuka-Chef Till Reuter wächst

Ein weiterer Kuka -Großaktionär kritisiert den Chef des Roboterbauers für dessen Haltung dem chinesischen Übernahme-Interessenten Midea gegenüber. Er habe die wohlwollende Einschätzung der Midea-Offerte durch Vorstandschef Till Reuter als "nicht ganz glücklich" empfunden, sagte der Investor Friedhelm Loh dem "Handelsblatt" (Dienstagausgabe) laut Vorabmeldung. er kontrolliert zehn prozent an Kuka. Zuvor hatte schon Voith-Chef Hubert Lienhard, dessen Unternehmen 25,1 Prozent an Kuka hält, positive Äußerungen Reuters zu der chinesischen Offerte kritisiert. Ein Gegenangebot zu den 115 Euro, die Midea offiziell bietet, schloss Loh aber aus.

Schaeffler steigt auf

Der Autozulieferer Schaeffler ersetzt heute im MDax den Kassensystemhersteller Wincor Nixdorf. Wegen der fortschreitenden Übernahme von Wincor Nixdorf durch den US-Geldautomatenhersteller Diebold erfüllt das Paderborner Unternehmen nicht mehr alle erforderlichen Kriterien für einen Verbleib im MDax. Wincor notiert ab heute im SDax.

Boeing hebt ab

Boeing: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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310,51
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+1,74%

An der Nyse legen Boeing-Aktie derzeit rund 2,4 Prozent zu und sind damit bester Dow-Wert. Nach iranischen Angaben steht ein Deal zwischen Iran und dem US-Flugzeughersteller für den Kauf von 100 Maschinen kurz vor dem Abschluss. Das gab der Chef der zivilen Luftfahrtbehörde, Ali Abedsadeh, in einem Zeitungsinterview bekannt.

rm

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 19. Juli

Unternehmen:
Volvo Car: Halbjahreszahlen, 6:00 Uhr
Volvo AB: Q2-Zahlen, 7:20 Uhr
Kuehne & Nagel: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
Givaudan: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
ABB: Q2-Zahlen, 6:50 Uhr
Adva Optical: Q2-Zahlen, 7 Uhr
SAP: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Amadeus Fire: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Villeroy & Boch: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Unilever: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Südzucker: HV, 10 Uhr
Bank of New York: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Blackstone: Q2-Zahlen
Microsoft: Q4-Zahlen, 22:09 Uhr

Konjunktur:
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Philly Fed Index 07/18, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren, 06/18, 16 Uhr