Böses Erwachen

Detlev Landmesser

Stand: 05.03.2009, 20:29 Uhr

Wer noch am Mittwoch von einer Wende zum Besseren geträumt hatte, wurde am Donnerstag rüde geweckt. Ohne echte Gegenwehr stürzte der Dax um fünf Prozent ab. Die Äußerungen der EZB trugen nicht zur Beruhigung bei.

Von der Euphorie zur Wochenmitte war schon am Morgen nicht mehr viel zu spüren. Der L-Dax beendete den Abendhandel 4,6 Prozent tiefer bei 3.696,22 Punkten.

Denn auch die Wall Street stand bis zum Abend stark unter Druck. Die größte Belastung stellte General Motors dar. Der nur noch durch Staatshilfen am Leben gehaltene US-Autobauer hat vor der eigenen Insolvenz gewarnt. Es bestünden grundsätzliche Zweifel, ob das Unternehmen fortgeführt werden könnte, sollte es nicht in der Lage sein, die Verluste zu beschränken und neue Barmittel zu generieren, teilte GM mit. Die GM-Aktie stürzte in New York um mehr als 17 Prozent ab. Auch die Aktie der teilverstaatlichten Citigroup brach zweistellig ein und kostete damit erstmals weniger als ein Dollar. Die Sorge geht um, dass die Ratingagentur Moody's ihre Bonitätsnoten für die Branche weiter senken wird.

US-Auftragseingänge höher als gedacht

Wie am Mittwoch wurden wichtige Konjunkturdaten erfolgreich ignoriert - diesmal aber eher tröstliche. Im Januar gingen die amerikanischen Industrieaufträge mit minus 1,9 Prozent weniger stark zurück als befürchtet. Volkswirte hatten mit einem Minus von 3,5 Prozent gerechnet. Im Dezember waren die Auftragseingänge noch um revidiert 4,9 Prozent gesunken. Auch die wöchentliche Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe lag mit 639.000 niedriger als befürchtet. Der Rückgang der Produktivität um 0,4 Prozent im vierten Quartal überraschte dagegen negativ. In der Erstschätzung war noch ein Anstieg um 3,2 Prozent ermittelt worden.

Trüber Konjunkturausblick der EZB
Wie erwartet, senkten die europäischen Währungshüter ihren Leitzins am Donnerstag um 0,5 Prozentpunkte auf nunmehr 1,50 Prozent. Das ist das niedrigste Niveau seit dem Start der Währungsunion vor zehn Jahren. Auf der nachfolgenden Pressekonferenz sprach EZB-Präsident Jean-Claude Trichet von "neuen unkonventionellen Maßnahmen", wollte diese aber nicht näher ausführen. Erst für 2010 stellte Trichet eine "schrittweise Erholung der wirtschaftlichen Aktivität" in Aussicht. Der EZB-Stab senkte seine Wachstumsprognosen für die Eurozone für 2009 und 2010 auf minus 2,7 beziehungweise 0,0 Prozent. Die alten Prognosen lauteten auf minus 0,5 und plus 1,0 Prozent. Der Euro rutschte daraufhin vorübergehend unter die Marke von 1,25 Dollar.

Salzgitter hart bestraft
Am Ende blieb mit Volkswagen nur ein Gewinner im Dax. Mit einem drastischen Kursminus von 16,1 Prozent gab die Salzgitter-Aktie ihren Vortagesgewinn wieder vollständig ab. Der Stahl- und Röhrenhersteller meldete für 2008 einen Rückgang des Vorsteuerergebnisses von 1,31 auf 1,0 Milliarden Euro. Analysten hatten mit 1,12 Milliarden gerechnet. Die derzeitigen Aussichten sind trübe. "Das erste Halbjahr wird voraussichtlich nicht mit einem ausgeglichenen Konzernergebnis abgeschlossen werden", teilte Salzgitter mit. "Im Falle einer spürbaren Belebung insbesondere der Walzstahlmärkte erscheint die Erreichung eines in etwa ausgeglichenen Vorsteuerergebnisses in 2009 noch möglich."

Analystenstimme drückt K+S
Die Aktie des Salz- und Düngemittelkonzerns K+S büßte 9,1 Prozent ein. Die Analysten von JP Morgan senkten das Kursziel von 50 auf 45 Euro. Das Urteil blieb bei "Neutral". Die Unnachgiebigkeit der Kalisalz-Hersteller bei den Preisen dürfte in der verbleibenden Saison in Europa weiter zu einem Käuferstreik führen und die Gewinne des Kasseler Unternehmens belasten, meinten die Analysten.

Dax & Co. ändern ihr Antlitz
Am späten Mittwochabend hatte die Deutsche Börse über die Veränderung in ihren wichtigsten Indizes entschieden. Sowohl der Gesundheitskonzern Fresenius als auch die Hannover Rück steigen in den Dax auf. Sie ersetzen den Chipkonzern Infineon und die Postbank, die in den TecDax bzw. MDax wechseln. Für Infineon muss im TecDax Manz Automation wieder weichen. Zudem steigen der Autozulieferer ElringKlinger und der Großküchengerätehersteller Rational in den MDax auf, während die Aareal Bank den Index verlassen muss und zukünftig im SDax notiert ist. Zudem kehrt der Fotodienstleister Cewe Color in den SDax zurück. Alle Änderungen werden zum 23. März wirksam.

Fraport hält Dividende stabil
Die Fraport-Aktie verlor mit einem Minus von vier Prozent weniger stark als der MDax (!). Der Flughafenbetreiber schnitt im vergangenen Jahr trotz eines Umsatzrückgangs um 9,8 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro operativ besser als im Vorjahr und als erwartet ab. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) kletterte um 3,5 Prozent auf 601 Millionen Euro. Der Jahresüberschuss ging um knapp 16 Prozent auf 180,2 Millionen Euro zurück, im vierten Quartal gab es sogar rote Zahlen. Die Dividende bleibt bei 1,15 Euro je Aktie. Für das laufende Jahr rechnet Fraport mit einem weiteren Rückgang bei Umsatz und Gewinn.

ProSieben-Aktie auf Rekordtief
Die Vorzugsaktie des Fernsehkonzerns ProSiebenSat.1 setzte ihren Absturz fort. Mit zeitweise 0,98 Euro lag der Wert am Donnerstag erstmals unter der Ein-Euro-Marke. Händler verwiesen darauf, dass die Aktien im Dow Jones Germany Select Dividend 20 Index durch die Papiere von Rheinmetall ersetzt werden. Dagegen rücke der überraschende Verbleib im MDax in den Hintergrund.

Conergy gewohnt schlecht
Im TecDax gehörte die Conergy-Aktie zu den schwächsten Titeln. Das angeschlagene Solarunternehmen ist 2008 noch tiefer in die roten Zahlen gerutscht. Unter dem Strich lag der Verlust bei 252 Millionen Euro nach 248 Millionen Euro im Jahr 2007. Der Umsatz stieg um 40 Prozent auf knapp über eine Milliarde Euro. Die Finanzkrise habe Conergy im vierten Quartal unerwartet stark getroffen, sagte Firmenchef Dieter Ammer. Nachdem das erste Quartal sehr mühsam verlaufen sei, hofft der Manager auf eine Belebung im zweiten Halbjahr.

Trüber Blick bei Tipp 24
Die Aktie von Tipp24 gab 9,1 Prozent ab. Der Glückspielanbieter hat wenig spektakuläre Jahreszahlen vorgelegt, die nach Händler-Angaben leicht unter den Prognosen lagen. Doch der Ausblick ist ziemlich durchwachsen: "Vor dem Hintergrund der erheblichen rechtlichen Unsicherheiten im bisherigen Kernmarkt Deutschland ist eine verlässliche Umsatz- und Ertragsprognose für das Geschäftsjahr 2009 nicht möglich", teilte das Unternehmen mit.

GDF Suez gefragt
GDF Suez gehörte zu den stärksten Werten im EuroStoxx 50. Der französische Energieriese hat zwar seine Gewinnziele für 2009 wegen der Wirtschaftskrise zurückgeschraubt, will aber seinen Sparkurs beschleunigen.

Anheuser-Busch InBev schlägt sich gut
Auch der größte Bierbrauer der Welt, der frisch fusionierte belgisch-amerikanische Konzern Anheuser-Busch InBev, kommt bislang gut durch die Krise. Bei einem Umsatzplus von gut vier Prozent auf 5,25 Milliarden Euro stieg das operative Ergebnis (Ebitda) im vierten Quartal um mehr als fünf Prozent auf 1,72 Milliarden Euro. Im November hatte der belgische InBev-Konzern die Übernahme seines US-Rivalen Anheuser-Busch für 52 Milliarden Dollar abgeschlossen.

Westag & Getalit rechnet mit schwächerem Geschäft
Eine ordentliche Bilanz für 2008 präsentierte auch Westag & Getalit. Dass die Aktie des Herstellers von Sperrholz- und Kunststofferzeugnissen dennoch unter Druck stand, lag vor allem an dem verhaltenen Ausblick für 2009. In den ersten beiden Monaten 2009 sei der Umsatz um 14,4 Prozent geschrumpft, teilte das Unternehmen mit. Das vergangene Jahr hatte noch einen stabilen Umsatz von 226,2 Millionen Euro und eine Gewinnsteigerung von 9,5 auf 10,8 Millionen Euro gebracht.

Tagestermine am Montag, 22. Oktober

Unternehmen:
Philips Quartalszahlen Q3, 7 Uhr
Ryanair Halbjahreszahlen, 7 Uhr
Halliburton Quartalszahlen Q3, 12.45 Uhr
Munich Re Rückversicherertreffen Baden-Baden, 9.30 Uhr
Hannover Rück Rückversicherertreffen Baden-Baden, 12 Uhr
Hasbro Quartalszahlen Q3

Konjunktur:
Deutschland Monatsbericht Bundesfinanzministerium 0.01 Uhr
Deutschland Monatsbericht Bundesbank 10 Uhr

Sonstiges:
Bundesverband öffentlicher Banken Pressegespräch zu bevorstehendem Banken-Stresstest
Stahlgipfel u.a. mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier