Marktbericht 20:08 Uhr

Dax verliert 2,5 Prozent Börsensturm

Stand: 24.01.2014, 20:08 Uhr

Das haben die Hausse-verwöhnten Börsianer schon lange nicht mehr erlebt. Zum Wochenschluss ist eine Ausverkaufswelle über den Aktienmarkt hereingebrochen und hat für eine kräftige Korrektur gesorgt.

Nach einer wechselhaften Woche, in der der deutsche Leitindex Dax in der Spitze schon bis auf fast 9.800 Punkte gestiegen war, haben sich zum Wochenschluss die Bären eindrucksvoll zurückgemeldet. Der Dax verlor im Wochenverlauf 3,6 Prozent.

Der Leitindex ging mit einem kräftigen Tagesverlust von 2,48 Prozent aus dem Handel bei 9.392 Punkten. Der L/E-Dax schloss nachbörslich bei 9.391 Punkten nahezu unverändert. Ebenfalls nachbörslich äußerte sich dann noch EZB-Chef Mario Draghi, der keine Inflationsgefahren für die Eurozone sieht und möglichen deflationären Tendenzen den Kampf an.

Fast 300 Punkte Handelsspanne

Noch am Morgen hatte nichts auf einen solchen Ausverkauf hingedeutet, das Tageshoch lag bei immerhin 9.664 Zählern, das Tagestief betrug 9.374 Zähler - damit ergibt sich eine ungewöhnlich hohe Handelsspanne von 290 Punkten, die die hohe Nervosität der Anleger aufzeigt. Die Kursverluste bringen nun auch die technischen Analysten auf den Plan, da sich das Chartbild des Dax nach dem heutigen Tag eingetrübt hat. Dabei sehen die Experten von UBS und HSBC weiteres Abwärtspotenzial.

Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
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Am Nachmittag hatte sich der Abgabedruck im Zuge einer nachgebenden Wall Street deutlich erhöht. Aktuell verliert der Dow-Jones-Index 1,3 Prozent und kämpft mit Marke von 16.000 Punkten. Die Berichtssaison geht derweil auch heute mit Volldampf weiter, größere Enttäuschungen gab es aber bisher nicht.

Sorgen um die Schwellenländer

Zwar gebe es für den sich beschleunigenden Kursverlust im Handelsverlauf keinen konkreten neuen Anlass, sagte Händler Markus Huber vom Londoner Broker Peregrine & Black. Die allgemeine Stimmung habe sich jedoch ausgehend von einer sehr positiven Haltung in den vergangenen Tagen normalisiert.

Insbesondere die anhaltende Kapitalflucht aus den Schwellenländern wie Brasilien, Südafrika, der Türkei oder zuletzt besonders Argentinien hat jetzt auch die etablierten Börsen der Industriestaaten getroffen. Heute waren es vor allem Hiobsbotschaften aus Argentinien und der Türkei, wo die Landeswährungen gegen den Dollar heftig einbrachen. Auch die schwachen Konjunkturdaten aus China vom Vortag lasteten weiter auf dem Markt.

Blick auf die Fed

Die Probleme der Schwellenländer sind natürlich eng mit der weiteren Geldpolitik der US-Notenbank verbunden. Die nächste Sitzung der Fed in der kommenden Woche wirft schon ihre Schatten voraus. Die Anleger sorgen sich, dass die Washingtoner Notenbanker dabei den Geldhahn weiter zudrehen könnten. Dadurch dürfte sich der Abgabedruck in den aufstrebenden Ländern weiter verstärken, wenn vor allem US-Investoren ihre Gelder dort abziehen und an den Heimatmarkt zurückkehren.

Sicherer Hafen wieder gefragt

Alles schon mal dagewesen. Der Ausverkauf am Aktienmarkt beflügelte den heimischen Rentenmarkt. "Die starke Verunsicherung an den Anleihe-, Aktien- und Währungsmärkten von großen Schwellenländern stützt die Nachfrage nach sicheren Anlageformen", sagte Rainer Sartoris, Volkswirt beim Bankhaus HSBC Trinkaus. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe fiel auf 1,65 Prozent. Dies ist der niedrigste Stand seit August 2012.

Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Sogar der Goldpreis konnte sich in volatilem Handel zwischenzeitlich bis auf 1.272 Dollar je Feinunze erholen, fiel danach aber wieder zurück. Experten der Commerzbank rechnen aber vorerst nicht mit einer Trendwende am Goldmarkt. "Es ist unseres Erachtens jedoch fraglich, ob der Preisanstieg nachhaltig ist", heißt es in einer Analyse. Sie erklärten dies unter anderem mit hohen Abflüssen aus Goldanlagen in den vergangenen Tagen vor der aktuellen Nervosität am Markt. "Vielmehr dürfte die jüngste Entwicklung spekulativ getrieben sein", schreiben die Commerzbank-Experten

Euro schon über der Marke von 1,37 Dollar

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Von Schwäche kann beim Euro zum Leidwesen besonders der deutschen Exportwirtschaft keine Rede sein. Die Gemeinschaftswährung steht wie ein Fels in der Brandung auf hohem Niveau. Sie lag im Tageshoch schon über der Marke von 1,37 Dollar, fiel dann aber wieder zurück. Die EZB setzte den Referenzkurs bei 1,3687 Dollar und damit gut einen halben Cent höher als am Vortag fest. Aktuell steht der Euro bei 1,3681 Dollar.

Rote Laterne für Adidas, keine Gewinner im Dax

Die Aktie des Sportartikelkonzerns verlor deutliche 5,46 Prozent und war damit schwächster Wert im Dax. Adidas dürften mit Blick auf die Umsatzentwicklung weiter die Wertverluste wichtiger Währungen zu schaffen machen, hieß es in dem Kommentar der Deutschen Bank. Deshalb reduzierten die Analysten ihre Gewinnschätzungen für 2014 und 2015. Bei 83 Euro sei die Aktie fair bewertet, so die Experten.

Auch Lufthansa-Aktien wurden nach kritischen Analystenkommentaren verkauft und gehörten mit einem Minus von 3,46 Prozent zu den schwächsten Titeln. Vor allem die lange Suche nach einem neuen Chef wird kritisiert, zumal mit Passagechef Carsten Spohr ja ein Kandidat bereit steht. Selbst die Absage des für den 29. Januar geplanten einstündigen Fluglotsenstreiks half nicht.

Gewinner gab es im Dax keine. Auch die Kandidaten, die zunächst noch des Öfteren das Vorzeichen gewechselt hatten, schlossen im Minus. Besonders deutlich wurde dies bei Siemens. Die Aktie wurde zunächst noch gegen den Trend durch zuversichtliche Aussagen zu den am 28. Januar anstehenden Quartalszahlen gestützt, ehe sie am Nachmittag nach Eröffnung der Wall Street einbrach. Am Ende sackte das Dax-Schwergewicht um 1,7 Prozent ab, lag aber damit immer noch besser als der Gesamtmarkt.

Deutsche Börse zieht Iran-Konsequenzen

Der Börsenbetreiber will als Konsequenz der saftigen 152 Millionen Dollar-Strafe der US-Export-Kontrollbehörde OFAC seine Compliance-Aktivitäten deutlich erhöhen. Insgesamt zehn neue Mitarbeiter werden eingestellt die kontrollieren sollen, ob sich die Börse an die Regeln guter Unternehmensführung hält. Die OFAC wirft der Tochter Clearstream vor, in den Jahren 2007 bis 2008 gegen US-Handelssanktionen gegen den Iran verstoßen zu haben.

Neues Ungemach für ThyssenKrupp

Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Der Konzern muss sich nach einem Pressebericht auf weitere Forderungen im Zusammenhang mit dem Schienenkartell-Skandal einstellen. Im Raum steht ein zweistelliger Millionenbetrag, berichtet die "Rheinische Post". Ein Sprecher erklärte, dass das Unternehmen bereits ausreichend Risikovorsorge gebildet habe. Mit der Bahn hat sich ThyssenKrupp schon auf rund 160 Millionen Euro Schadenersatz geeinigt. Die Aktie fiel mit dem Markt über zwei Prozent.

RTL-Platzierung drückt auf den Kurs

RTL-Titel gaben im MDax über vier Prozent nach und gehörten zu den größten Tagesverlierern. Die US-Investmentbank Morgan Stanley verkaufte im Auftrag von RTL-Investoren bis zu eine Million Aktien, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg. Das entspricht einem Volumen von rund 90 Millionen Euro und nur rund 0,6 Prozent der RTL-Aktien. Die Papiere wurden zu 89,50 Euro platziert.

McKeeson kauft Celesio

Der US-Pharmagroßhändler McKesson übernimmt im zweiten Anlauf den MDax-Konzern Celesio. Den übrigen Aktionären wollen die Amerikaner 23,50 Euro je Aktie bieten, wie McKesson am Donnerstagabend mitteilte. Die Aktie war einer der wenigen Kursgewinner.

Gewinnwende bei Sino

Gestützt durch die wieder anziehende Handelsaktivitäten der Kunden schreibt der Spezialbroker wieder schwarze Zahlen. Im Jahresvergleich stand im ersten Geschäftsquartal ein Ergebnis von 59.000 Euro nach einem Verlust von 243.000 Euro im Vorjahr. Im Ausblick für das weitere Geschäftsjahr zeigte sich der Vorstand zudem zuversichtlich. Größter Aktionär bei Sino ist HSBC Trinkaus mit etwas über 25 Prozent, über 61 Prozent sind im Streubesitz.

Ziggo: Obermann in Übernahmeverhandlungen

Ex-Telekom-Chef René Obermann steckt in seinem neuen Job gleich mitten in einem Übernahmepoker. Der von Obermann seit Jahresbeginn gelenkte niederländische Kabelbetreiber Ziggo führt Verhandlungen mit dem US-Konzern und Großaktionär Liberty Global. Dabei seien inzwischen Fortschritte erzielt worden, teilte Ziggo mit. Noch sei man sich aber nicht einig. Die vom US-Tycoon John Malone kontrollierte Firma Liberty Global ist bereits mit knapp 29 Prozent an Ziggo beteiligt.

Procter-Zahlen überzeugen

Das Zahlenwerk des amerikanischen Multis aus dem Dow-Jones-Index kommt aktuell an der New Yorker Börse gut an. Die Aktie legt gegen den Markt über zwei Prozent zu. Mit 1,18 Dollar Gewinn je Aktie und 22,3 Milliarden Dollar Umsatz im zweiten Geschäftsquartal lagen die Zahlen des Konsumgüterkonzerns im Rahmen der Erwartungen. Für das zweite Geschäftsjahreshalbjahr äußerte sich das Unternehmen zudem zuversichtlich.

Microsoft stark dank Xbox One

Microsoft: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Der weltgrößte Softwareanbieter Microsoft hat seinen Gewinn dank einer starken Nachfrage nach seinem Office-Paket und der neuen Spielkonsole Xbox One stärker als erwartet gesteigert. Im abgelaufenen Quartal betrug der Überschuss 6,56 Milliarden Dollar. Zu dem Ergebnis trug auch bei, dass im Weihnachtsgeschäft viele Käufer zum iPad-Konkurrenten Surface griffen.

Menschen mögen Starbucks - weltweit

Der gute Lauf der amerikanischen Kaffeehaus-Kette Starbucks hält an. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um zwölf Prozent auf 4,2 Milliarden Dollar. Der Gewinn verbesserte sich um ein Viertel auf unterm Strich 541 Millionen Dollar. Insgesamt kam Starbucks zum Jahreswechsel auf fast 20.200 Läden weltweit. Das waren rund 1.900 mehr als im Jahr zuvor.

Weitere Quartalszahlen aus Amerika

Der Pharma-Konzern Bristol Myers Squibb hat im vierten Quartal mit 842 Millionen Dollar vor Sonderposten mehr verdient als erwartet. Vor allem Krebs- und Hepatitis-C-Medikamente trugen zum guten Ergebnis bei, die Erlöse stiegen um sechs Prozent auf 4,4 Milliarden Dollar. Konzernchef Lamberto Andreotti zeigte sich zuversichtlich.

Nach einem guten Jahresabschluss blickt auch der Mischkonzern Honeywell zuversichtlich ins Jahr 2014. Im Schlussquartal wurden 947 Millionen Dollar verdient, viemal so viel wie im Vorjahr. De Prognose wurde bestätigt.

Der Druckhersteller Xerox hat im vierten Quartal hingegen schlechter abgeschnitten und dabei die Analystenerwartungen verfehlt. Der Umsatz sank um drei Prozent auf 5,57 Milliarden Dollar. Konzernchefin Ursula Burns kündigte Kostensenkungsmaßnahmen an. Der Smartphone-Boom führt dazu, dass immer weniger ausgedruckt wird. Xerox will mit neuen Serviceangeboten dagegen halten.

Apple: Größere iPhones und Druck von Icahn

Aufregende Nachrichten für alle Apple-Fans: Die Hinweise auf größere iPhone-Handys verdichten sich. Das "Wall Street Journal" berichtet von Plänen Apples über zwei neue Modelle mit Bildschirm-Diagonalen von gut 4,5 und 5 Zoll. Und: Der für seine harte Gangart berüchtigte US-Investor Carl Icahn setzt die Apple-Führung weiter unter Druck. Jetzt erhöhte er seine Beteiligung um eine halbe Milliarde Dollar. Damit sei ihr Wert auf 3,6 Milliarden Dollar angewachsen, teilte Icahn mit. In einem offenen Brief an Apple bekräftigte Icahn danach abermals die Forderung nach einer deutlich höheren Ausschüttung an die Aktionäre.

Samsung präsentiert endgültige Zahlen

Nachdem der Elektronikkonzern Samsung bereits vorläufige Zahlen gemeldet hatte, gab es nun das endgültige Ergebnis. Trotz eines Rückgangs im wichtigen Schlussquartal hat der Smartphone-Marktführer Samsung seinen Jahresgewinn 2013 gesteigert. Im Gesamtjahr erwirtschaftete der Apple-Konkurrent einen Gewinn in Höhe von knapp 30,5 Billionen Won (20,5 Milliarden Euro) - ein Plus von 27,7 Prozent.

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Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 23. Juli

Unternehmen:
Daimler: Weltpremiere des ersten Elektroautos der neuen Marke EQ in Stockholm
Ryanair: Q1-Zahlen, 07:00 Uhr
Philips: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Julius Bär: Halbjahreszahlen, 07:00 Uhr
Hasbro: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Halliburton: Q2-Zahlen, 12:45 Uhr
Kering: Q2-Zahlen, 16:00 Uhr
Michelin: Q2-Zahlen, 17:45 Uhr
Luxxotica: Halbjahreszahlen, 17:45 Uhr
Alphabet (Google): Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
Amgen: Q2-Zahlen
AMD: Q2-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Bundesbank-Monatsbericht Juli, 12:00 Uhr
USA: CFNA-Index für Juni, 14:30 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser im Juni, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen in der Euro-Zone im Juli, 16:00 Uhr