Marktbericht 20 Uhr

Dax kann China-Crash abschütteln Anleger nutzen Sommerschlussverkauf

Stand: 28.07.2015, 20:00 Uhr

Wenn's billig wird, erwacht das Schnäppchenfieber. Nach dem gestrigen Börsenbeben schlug das heute an der Börse durch. Anleger deckten sich mit Aktien ein. Das half dem Dax wieder auf die Beine.

Der Deutsche Aktienindex beendete den Handel mit einem Tagesgewinn von gut einem Prozent beim Stand von 11.174. Der L-Dax legte sogar noch weiter zu auf 11.226 Punkte. Investoren haben ihre China-Angst besiegt. Die Shopping-Laune war nach drei Verlusttagen und dem gestrigen Dax-Minus von zwei Prozent einfach größer. "Schnäppchenjäger haben dem Dax ersteinmal wieder nach oben geholfen", sagte Aktienhändler Markus Huber vom Londoner Handelshaus Peregrine & Black. Auch der schwächere Eurokurs, der deutsche Produkte im Ausland billiger erscheinen lässt, habe geholfen. Hinzu komme eine Stabilisierung an den chinesischen Börsen.

Die Angst der Chinesen

Siemens-Forschungszentrum in München-Neuperlach
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Börse 11.00 Uhr Massiver Stellenabbau bei Siemens

Warum sind die chinesischen Börsen seit Wochen auf Talfahrt? Es heißt, das Vertrauen der Chinesen in die heimische Wirtschaftskraft schwindet - deshalb beben die Börsen. Die zweistelligen Wachstumsraten sind in der Tat vorbei. Dieses Jahr erwartet die Regierung in Peking nur sieben Prozent Wachstum. Etliche Schwächesignale etwa aus der Industrie haben jedes Mal zu Kursverlusten bei Aktien geführt. Da sich China anschickt, die größte Volkwirtschaft der Welt zu werden, beunruhigt das auch den Rest der Welt, daher beben auch dort die Börsen.

Doch gut denkbar, dass chinesische Investoren einfach alles zum Anlass nehmen, um aus dem Markt zu gehen. Viele haben nämlich Aktien auf Pump gekauft. Da ist man hochgradig nervös. Und sie haben auch viel zu verlieren. Chinesische Aktien hatten seit Mitte vorigen Jahres zunächst eine beindruckende Rally hingelegt. Der Leitindex in Shanghai schoss in nicht einmal einem Jahr rund 140 Prozent in die Höhe.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Ab Mitte Juni war es auf einen Schlag vorbei mit der Euphorie. Der Shanghai Composite brach um ein Drittel ein. Das gestrige Minus von 8,5 Prozent machte Hoffnungen auf vorherige Erholungsversuche zunichte. Es war der größte Tagesverlust seit acht Jahren. Heute gab der Index noch einmal 1,7 Prozent ab. Von einigen Marktexperten wird das kleiner werdende Minus als eine Art Entspannung interpretiert, wovon der Dax heute profitierte. Aber sollte jetzt wirklich Schluss sein mit den Verlusten? Die chinesische Regierung kämpft natürlich mit aller Macht gegen den Ausverkauf. Sie drängt institutionelle Anleger zu Stützungskäufen, erschwert oder verbietet bestimmte Geschäfte und hat ein milliardenschweres Konjunkturprogramm aufgelegt. Außerdem pumpt die Notenbank verstärkt billiges Geld in die Finanzmärkte. Und doch ist fraglich, ob an der Börse in Shanghai für längere Zeit wieder Ruhe einkehrt. Investoren in China sind einfach hochgradig nervös.

Augen auf die Wall Street

Förderlich für den Dax waren heute die Kursgewinne an der Wall Street. Konjunkturnachrichten sorgten zeitweise für etwas Ernüchterung: Das Verbrauchervertrauen für Juli blieb hinter den Erwartungen zurück, die Häuserpreise gingen überraschend zurück.Da jedoch zugleich der Richmond-Fed-Index des verarbeitenden Gewerbes für Juli deutlich zulegte, glich sich das aus. Auf neue Konjunkturdaten reagieren Investoren immer sensibler mit Blick auf die bevorstehende Zinswende in den USA. Entsprechende Signale erhofft man sich morgen Abend von der amerikanischen Notenbank Fed. Als wahrscheinlichste Termine gelten September und Dezember dieses Jahres.

Nervosität am Devisenmarkt

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Analysten der Postbank sehen wegen der Fed auch Nervosität an den Devisenmärkten. Investoren befänden sich in Hab-Acht-Stellung, so die Experten. Der Eurokurs verlor heute einen Teil der deutlichen Zuwächse vom Vortag, rutschte zwischenzeitlich auf ein Tagestief von 1,1023 Dollar. Am Abend notierte der Euro bei 1,1053 Dollar.

Positives von Ford, Merck und Pfizer

Aus den USA gab es am frühen Nachmittag zudem noch eine Reihe positiver Unternehmensnachrichten: Ford überraschte mit einem kräftigen Gewinnsprung, ebenso Paketdienst UPS. Die Pharmakonzerne Merck und Pfizer glänzten mit einer verbesserten Jahresprognose. Auch Tabakkonzern Reynolds wurde optimistischer mit seiner Prognose.

Schlappes von DuPont und Baidu

Dagegen kappte Chemieriese DuPont seine Prognose. Die Geschäfte mit der Landwirtschaft schwächelten. Auch der starke Dollar hinterließ seine Spuren in der Bilanz des weltgrößten Chemiekonzerns. Unter den Technologiefirmen patzte Baidu. Der chinesische Suchmaschinenbetreiber, dessen Aktien an der Nasdaq notiert sind, verfehlte die Umsatzerwartungen des Marktes. Die Aktie brach mehr als 16 Prozent ein.

VW überholt Toyota, Goldman schiebt Daimler

Zu den größten Dax-Gewinnern gehörten Volkswagen und Daimler. VW zieht zur Halbzeit 2015 an Toyota vorbei und übernimmt den Titel "weltgrößter Autobauer". Bei Daimler hatte Goldman Sachs beflügelnde Wirkung, Analyst Stefan Burgstaller erhöhte das Kursziel für die Aktien von 107 auf 113 Euro und ließ sie auf seiner "Conviction Buy List": Daimler dürfte im Vergleich zu den Markterwartungen weiterhin für positive Überraschungen sorgen. Viel wurde geschrieben über die Absatzschwäche bei VW. Doch ein Ziel haben die Wolfsburger erreicht: Im ersten Halbjahr konnten sie die Konkurrenz hinter sich lassen: Toyota verkaufte im ersten Halbjahr 5,02 Millionen Fahrzeuge, wie die Japaner am Dienstag mitteilten, und blieb damit hinter VW (5,04 Millionen) zurück.

HeidelCement in Kauflaune

HeidelbergCement: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Gefragt auch die Aktie von HeidelbergCement. Laut einem Insider verhandelt der Dax-Konzern über einen milliardenschweren Zukauf. Die Deutschen führten Gespräche mit dem italienischen Wettbewerber Italcementi, sagte die mit der Angelegenheit vertraute Person am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. An der Börse ist Italcementi rund 2,3 Milliarden Euro wert.

Deutsche Börse gibt Gas

Deutsche Börse: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Der neue Vorstandschef der Deutschen Börse, Carsten Kengeter, hat am Montagabend ein "Beschleunigungsprogramm" ("Accelerate") angekündigt, zu dem weitere Sparmaßnahmen sowie Ziele für das Jahr 2018 gehören. Bis dahin sollen die Nettoerlöse pro Jahr um fünf bis zehn Prozent klettern, der Gewinn um zehn bis 15 Prozent.

Harmonie bei der Lufthansa?

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Bei der Lufthansa sehen die Flugbegleiter Chancen auf eine baldige Beilegung des Tarifkonflikts. "Am 6. August sitzen wir mit dem Konzernvorstand noch einmal zusammen und könnten im Idealfall den Sack zumachen", sagte der Chef der Flugbegleitergewerkschaft Ufo, Nicoley Baublies, der Zeitung "Rheinische Post" laut Vorabbericht.

Juristischer Sieg für Bayer

Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Im Patentstreit mit dem indischen Pharmahersteller Glenmark hat Bayer einen juristischen Sieg in den USA erzielt. Ein Bundesgericht in Wilmington urteilte am Montag, dass Glenmarks Nachahmerversion des Bayer-Hautgels Finacea Schutzrechte verletzt. Finacea wird zur Behandlung der Hauterkrankung Rosacea eingesetzt.

Gerresheimer-Aktie im Freudentaumel

Im MDax machte Gerresheimer mit einem Zukauf von sich reden. Der Verpackungshersteller hat für 725 Millionen Dollar den US-Konzern Centor gekauft. Dank verbessertem Ausblick reagierten Anleger begeistert, die Aktie schoss 12 Prozent aufwärts und markierte ein neues Rekordhoch.

Loh erhöht Anteil an KlöCo

Auch die Aktie von Klöckner & Co war gefragt. Die familiengeführte Friedhelm Loh Group hat ihre Beteiligung an dem Duisburger Stahlhändler erhöht auf über 10 Prozent.

Brasilianischer Blues bei MAN

Nur wenig zulegen konnte die MAN-Aktie. Der Lastwagen- und Maschinenbaukonzern leidet weiter massiv unter der Rezession in Brasilien. Die VW-Tochter kündigte einen sinkenden Jahresumsatz an und eine nur halb so hohe operative Rendite. Im ersten Halbjahr gab's bei den Nutzfahrzeugen rote Zahlen, die Diesel- und Turbo-Sparte glich das aber auch.

Aixtron und GFT unter Druck

Im TecDax rutschte Aixtron fiefer in den roten Bereich. Der Chipanlagenbauer weitete den Verlust von 23,4 auf 27,6 Millionen Euro aus. Immerhin macht der gestiegene Auftragseingang Hoffnung auf die zweite Jahreshälfte. Der IT-Dienstleister GFT Technologies muss dagegen seine Jahresprognosen senken. Das liegt aber Verkauf des Personaldienstleisters Emagine. Ohne ihn sind beim Umsatz 2015 nur noch rund 340 Millionen Euro drin, und ein Ergebnis vor Steuern (EBT) von 29 Millionen Euro.

Grenkeleasing träumt vom Rekordgewinn

Ein Gewinnsprung im ersten Halbjahr macht den badischen IT-Vermieter Grenkeleasing optimistischer. 2015 soll ein neuer Rekordgewinn von 74 bis 78 Millionen Euro rausspringen, also 14 bis 20 Prozent mehr als im bisherigen Rekordjahr.

Talanx schreibt Millionen ab

Am Abend setzte Talanx noch seine Jahresprognose herab. Der Versicherer richtet sein Lebensversicherungsgeschäft neu aus, was mit einer Goodwill-Abschreibung von 155 Millionen Euro einhergeht. Daher wird der Jahresgewinn nur bei 600 bis 625 Millionen Euro liegen, statt bisher erwarteter 700 Millionen.

Talanx: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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31,02
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Interessant aus den hinteren Reihen: Vita34 zahlt erstmals eine Dividende. 15 Cent je Aktie, was immerhin rund 2,5 Prozent Rendite entspricht. Alno hat es aus der Verlustzone rausgeschafft, was die Aktie heute beflügelte.

RSA ist heißt begehrt

In London stiegen Aktien des Versicherers RSA in der Spitze um 20 Prozent auf ein Zwei-Jahres-Hoch von 525 Pence. Der Schweizer Konkurrent Zurich Insurance hat ein Auge auf den britischen Versicherer geworfen. Dessen Papiere gaben dagegen rund zwei Prozent nach.

Puma zehrt an Kering-Gewinn

Der französische Kering-Konzern kann sich wieder über besser laufende Geschäfte bei seiner Luxusmarke Gucci freuen. Allerdings lastete die Ertragsschwäche der im SDax notierten Sporttochter Puma im ersten Halbjahr auf dem Gewinn, der um 13 Prozent auf 489 Millionen Euro sank.

Sanofi steckt Milliardenbetrag in Krebsforschung

Der französische Pharmakonzern Sanofi will zukünftig gemeinsam mit dem Biotechnologie-Unternehmen Regeneron nach neuen Krebstherapien forschen. Sanofi plant, bis zu knapp 2,2 Milliarden US-Dollar in die Zusammenarbeit zu investieren. Darin enthalten ist eine Vorauszahlung an Regeneron in Höhe von 640 Millionen Dollar.

Syngenta bleibt skeptisch

Der Schweizer Agrarchemiekonzern Syngenta weist die Übernahmeofferte des US-Saatgutkonzerns Monsanto weiter zurück und sieht auch in der angebotenen Gebühr für ein Scheitern der Fusion Risiken: Sollten die Aufsichtsbehörden ein Zusammengehen der Firmen untersagen, könnten die Anteilseigner von Syngenta leer ausgehen und keine Entschädigungszahlung erhalten.

Michelin bleibt vorsichtig

Michelin: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Michelin hat seinen Gewinn im ersten Halbjahr um 13 Prozent auf 624 Millionen Euro gesteigert. Allerdings warnte der Continental-Rivale vor Belastungen, unter anderem durch steigende Rohstoffkosten. Gleichwohl hält der französische Reifenhersteller an seinen Jahreszielen fest.

Orange auf Erholungskurs

Der größte französische Telekomkonzern Orange befindet sich nach einem heftigen Preiskrieg mit dem Rivalen Iliad auf Erholungskurs. Im zweiten Quartal ging zwar der Umsatz zurück. Ohne Sonderbelastungen wäre aber ein Plus von 0,4 Prozent herausgekommen, der erste Anstieg seit 2011.

Ölkatastrophe belastet BP

BP

BP: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Der niedrige Ölpreis macht BP zu schaffen. Der britische Ölkonzern hat im zweiten Quartal mit einem Gewinn von 1,3 Milliarden Dollar die Analystenerwartungen verfehlt. Die jüngste Einigung im Streit über die Folgen der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko belastete zusätzlich, allein in diesem Quartal vor Steuern mit 9,8 Milliarden Dollar.

Statoil: Rückkehr in Gewinnzone

Nach drei verlustreichen Quartalen in Folge hat sich der norwegische Öl- und Gaskonzern Statoil wieder in die schwarzen Zahlen gekämpft. Unter dem Strich verdiente das Unternehmen im zweiten Quartal zwar mit 10,1 Milliarden Kronen rund 15 Prozent weniger als im Vorjahr. Trotzdem übertraf Statoil damit die Erwartungen von Analysten.

bs

Tagestermine am Montag, 22. Oktober

Unternehmen:
Philips Quartalszahlen Q3, 7 Uhr
Ryanair Halbjahreszahlen, 7 Uhr
Halliburton Quartalszahlen Q3, 12.45 Uhr
Munich Re Rückversicherertreffen Baden-Baden, 9.30 Uhr
Hannover Rück Rückversicherertreffen Baden-Baden, 12 Uhr
Hasbro Quartalszahlen Q3

Konjunktur:
Deutschland Monatsbericht Bundesfinanzministerium 0.01 Uhr
Deutschland Monatsbericht Bundesbank 10 Uhr

Sonstiges:
Bundesverband öffentlicher Banken Pressegespräch zu bevorstehendem Banken-Stresstest
Stahlgipfel u.a. mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier