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Dax im Plus Börsen stecken Brexit-Chaos weg

Stand: 16.01.2019, 20:05 Uhr

Trotz der Unsicherheiten um den Brexit - die Aktienmärkte witterten am Mittwoch Morgenluft. Der Dax schloss im Gefolge gut aufgelegter US-Märkte höher. Derweil schlagen in London die Wogen wieder hoch.

Das Misstrauensvotum gegen Premierministerin Theresa May ist gescheitert. Die Abstimmung gegen die Regierungschefin hatte nach Expertenschätzungen keine große Chance auf Erfolg, da sich die Konservativen bereits zu ihrer Unterstützung bekannt hatten. Welchen Weg der Brexit in den kommenden Tagen und Wochen aber nehmen wird, steht dahin. Die Gefahr eines "No-Deal-Brexit" schwebt weiter über den Märkten. Inzwischen horten etwa britische Unternehmen nach Medienberichten bereits Lagerbestände, weil sie bei einem Austritt ohne Abkommen von ihren Lieferanten abgeschnitten werden könnten.

11.000 wieder in Reichweite

Die Börsen steckten die unklare Lage am Mittwoch aber erstaunlich gut weg. Der Dax näherte sich bis zum Parkettschluss am Abend sogar der Marke von 11.000 Punkten wieder an. An der Wall Street bauten die Indizes ihre Zugewinne leicht aus. Der Dow-Jones-Index brachte die Marke von 24.000 Punkten deutlich auf Abstand. Vor allem gute Zahlen der US-Bankengrößen Goldman Sachs und Bank of America halfen dabei.

Goldman Sachs: Überraschung gelungen

Goldman Sachs: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Die US-Großbank Goldman Sachs hat 2018 von brummenden Geschäften an den Aktienmärkten und niedrigeren Steuern profitiert. Unter dem Strich verdiente die Bank knapp 10 Milliarden Dollar und damit 168 Prozent mehr als das Jahr zuvor. Aber auch ohne die Steuerreform von US-Präsident Donald Trump, die das Ergebnis 2017 belastet hatte und 2018 begünstigte, zog der Gewinn an. Vor Steuern legte der Gewinn um zwölf Prozent auf 12,5 Milliarden Dollar zu. Die Erträge legten um zwölf Prozent auf knapp 37 Milliarden Dollar zu. Die Zahlen der Bank waren damit vor allem auf der Ertragsseite besser, als Experten erwartet hatten.  | mehr

Blackrock leidet unter Börsenturbulenzen

Die Börsenturbulenzen zum Jahresende haben dagegen dem weltgrößten Vermögensverwalter im Schlussquartal das Ergebnis vermasselt. Der Gewinn des weltgrößten Vermögensverwalters ging den Angaben vom Mittwoch zufolge von Oktober bis Dezember um knapp 60 Prozent auf 927 Millionen Dollar zurück. Grund für den Rückgang des Ergebnisses war auch, dass Anleger Kapital von klassischen Investmentfonds abzogen und in börsennotierte Fonds (ETFs) steckten, für die Blackrock deutlich weniger Provisionen kassiert.

Ford tut nicht genug

Der US-Autobauer Ford hat im Schlussquartal deutlich weniger verdient. Der bereinigte Konzerngewinn fiel ersten Berechnungen zufolge im vierten Quartal um mehr als 20 Prozent auf 1,2 Milliarden Dollar. Mit 30 Cent lag das bereinigte Ergebnis pro Aktie unter den von Analysten erwarteten 32 Cent. Im Gesamtjahr rechnet Ford nun bei einem Umsatz von rund 160 Milliarden Dollar mit einem bereinigten Gewinn pro Aktie von 1,30 Dollar. Für 2019 stellte Finanzchef Bob Shanks einen höheren Umsatz und Gewinn in Aussicht. Die Aktie fällt im New Yorker Handel.

Euro weiter an der 1,14

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Das britische Pfund notiert bei 1,2872 Dollar nahezu unverändert. Auch Devisenanleger warten offenbar in relativer Ruhe auf weitere Signale aus London. Der Euro notiert um die Marke von 1,14 Dollar. Einige Marktteilnehmer sehen jetzt sogar offenbar die Chance für ein zweites Referendum, was für das britische Pfund positiv wäre. Die hohe Volatilität in der Währung dürfte auf jeden Fall anhalten.

Ölpreise kaum bewegt, Gold Richtung 1.300

Die Notierungen für Öl schoben sich am Nachmittag noch einmal ein wenig nach oben. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete am frühen Abend 60,30 US-Dollar, der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) 51,02 Dollar. Die Lagerbestände für Rohöl sind in den USA etwas stärker zurückgegangen als erwartet, wie das Energieministerium bekannt gab.

Der Goldpreis macht sich derweil an den nächsten Angriff auf die Marke von 1.300 Dollar. Am Abend lauerte die "Krisenwährung" bei knapp 1.294 Dollar. Das Tageshoch lag noch ein wenig darüber.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Lufthansa auf Platz zwei

Im Dax schlossen Lufthansa-Aktie fast ganz oben im Index. Die Papiere profitierten von guten Zahlen des US-Konkurrenten United Continental. Klare Verluste im Dax verbuchen die Aktien von ThyssenKrupp. Laut Analysten sorgt hier die Unsicherheit über die geplante Zusammenlegung der Stahlsparte mit Tata für ein Ende der Erholungsbewegung.

Deutsche Bank-Aktie heiß begehrt

Die Deutsche Bank-Aktie legte eine kleine Himmelfahrt aufs Börsenparkett und schloss acht Prozent höher. Neben den guten Quartalsergebnissen der US-Bankenvertreter sorgen auch neue Fusionsspekuklationen dafür. Die Bundesregierung wirbt laut einem Bericht des "Handelsblatts" für eine Fusion der beiden Geldhäuser. Vertreter der Bundesregierung hätten nach Informationen der Zeitung bei der Bankenaufsicht wegen eines möglichen Zusammenschlusses der Institute vorgefühlt. Am Nachmittag kamen dazu noch Spekulationen, wonach die Bank mit einem europäischen Player fusionieren könnte.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Milliardenübernahme im Logistiksektor geplant

Auch die Post-Aktie war am Mittwoch im Aufwind. In der Branche herrscht Fusionsstimmung. Der dänische Transport- und Logistikkonzern DSV greift nach dem Konkurrenten Panalpina. Der Schweizer Konzern erhielt nach eigenen Angaben ein unaufgefordertes und unverbindliches Kaufangebot von dem dänischen Unternehmen. DSV biete pro Panalpina-Aktie 170 Franken je Aktie, bestehend aus einer Kombination aus Bargeld und DSV-Aktien, teilte Panalpina am Mittwoch in Basel mit. Mit der Offerte werden die Panalpina-Aktien mit zirka vier Milliarden Franken (rund 3,6 Milliarden Euro) bewertet.

Osram verkauft Tochter

Osram: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Der MDax-Konzern kommt mit seinem Umbauprozess voran. Das Unternehmen verkauft nach eigenen Angaben US-Servicetochter Sylvania Lighting Solutions (SLS) an den US-Dienstleistungskonzern Wesco International. Der Verkaufspreis soll im zweistelligen Millionen-Euro- Bereich. Der Verkauf soll noch im ersten Quartal 2019 abgeschlossen werden. Auf die Bilanz des Gesamtkonzerns wirke sich die Veräußerung nur gering aus, hieß es weiter. Die Aktie legt am Nachmittag um 2,5 Prozent zu. Osram will in den kommenden fünf Jahren unabhängiger vom aktuell vorherrschenden Automobilgeschäft werden.

Home24 wird vermöbelt

Die e-commerce-Plattform Home24, deren Aktie im Prime Standard der Frankurter Börse notiert ist, erwartet für das Gesamtjahr 2018 weniger Umsatz als bisher erwartet. Zur Begründung hieß es am Abend in einer Pflichtmitteilung, dass nicht alle Bestellungen eines starken vierten Quartals 2018 (besonders die Woche rund um den "Black Friday") ausgeliefert werden konnten. Ein Teil des für Dezember vorgesehenen Umsatzes werde daher erst im ersten Quartal 2019 realisiert. Die mittelfristige Ertrags- und Wachstumserwartung bleibt unverändert. Danach will das Unternehmen 2019 auf Ebitda-Basis schwarze Zahlen erreichen.

Für 2018 erwartet Home24 nunmehr einen Umsatz zwischen 312 und 315 Millionen Euro, ein währungsbereinigtes Plus von 18 bis 19 Prozent. Zuvor waren zwischen 315 bis 323 Millionen Euro Umsatz und ein Zuwachs zwischen 25 bis 31 Prozent erwartet worden.  | mehr

Cancom gut aufgestellt?

Die Cancom-Aktien legten im TecDax um zwei Prozent zu und haben damit ihr jüngstes Zwischentief vom Wochenanfang hinter sich gelassen. Das Bankhaus Lampe sieht den IT-Dienstleiser gut aufgestellt im Fall einer wirtschaftlichen Abkühlung. Analyst Wolfgang Specht stufte die Anteile von "Hold" auf" Buy" hoch, senkte aber das Kursziel nach dem insgesamt schwachen Kursverlauf seit Sommer 2018 von 49 auf 40 Euro. Specht hält die unterdurchschnittliche Kursentwicklung für nicht gerechtfertigt, denn das Unternehmen wachse stärker als die Konkurrenz.

Snap verliert den Finanzchef

Snap-Aktien verlieren im US-Handel mehr als zehn Prozent. Die Anleger drücken den Verkaufsknopf, nachdem bekannt wurde, dass der Finanzchef des Facebook-Rivalen nach weniger als einem Jahr seinen Posten aufgibt. Time Stone wolle das US-Unternehmen verlassen, teilte der Betreiber des Messengerdienstes Snapchat mit. Stone wolle aber bei der Suche nach einem Nachfolger behilflich sein.

AB

Tagestermine am Donnerstag, 17. Januar

Unternehmen:
Metro: Q1 Trading Update, 7:30 Uhr
Alstom: Q3-Umsatz, 7:30 Uhr
Beiersdorf: Umsatz 2018, 8:00 Uhr
Morgan Stanley: Q4-Zahlen, 13:00 Uhr
Netflix: Q4-Zahlen, 22:00 Uhr
American Express: Q4-Zahlen, 22:00 Uhr
Rio Tinto: Operation Report 2018, 22:30 Uhr
Schoeller-Bleckmann: Jahreszahlen
Symrise: Capital Markets Day

Konjunktur:
Deutschland: Verarbeitendes Gewerbe (Auftragsbestand), 11/18, 08:00 Uhr
Deutschland: Baugenehmigungen, Januar - November, 08:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 12/18, 11:00 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Philly Fed Index 01/19, 14:30 Uhr
USA: Baubeginne und -genehmigungen 12/18, 14:30 Uhr