Marktbericht 20:07 Uhr

Wall Street beflügelt Dax Börsen starten schwungvoll ins zweite Halbjahr

Stand: 01.07.2014, 20:07 Uhr

Der Börsenmonat Juli hat vielversprechend begonnen. Mit einem starken Schlussspurt überwand der Dax wieder die Marke von 9.900 Punkten. Kursgewinne an der Wall Street gaben Auftrieb.

Ist das das Ende der Sommerflaute? Nach den jüngsten Trippelschritten hat der Dax am Dienstag wieder einen kräftigen Sprung von 0,7 Prozent nach vorne gemacht. Er schloss bei 9.902 Punkten. Im späten Handel ging es weiter aufwärts. Der L-Dax beendete den Tag bei fast 9.913 Zählern. Das lässt auf ein gutes zweites Halbjahr hoffen. In den ersten sechs Monaten 2014 gab's ein Plus von 2,9 Prozent.

S&P 500 knackt neuen Rekord

Auch an den anderen europäischen Börsenplätzen gab's kräftige Kursgewinne. Für den entscheidenden Schub sorgte die Wall Street. Der Dow lag zwei Stunden vor Handelsschluss 0,9 Prozent höher und näherte sich den 17.000 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 Index rückte um 0,8 Prozent auf ein neues Rekordhoch von 1.978 Punkten vor. Die Nasdaq stieg um über ein Prozent.

US-Daten vertreiben Zinswende-Gespenst

Die aufgehellte Stimmung in der chinesischen Wirtschaft lieferte positive Impulse. Selbst die schwächer als erwartet ausgefallenen US-Konjunkturdaten wurden positiv aufgenommen. Die Sorgen vor einer rascheren Zinswende in den USA träten so in den Hintergrund, meinten Börsianer. Der ISM-Einkaufsmanagerindex für die amerikanische Industrie sank leicht von 55,4 Punkten im Mai auf 55,3 Zähler im Juni. Volkswirte hatten einen Anstieg auf 55,9 Punkte prophezeit. Auch die Bauausgaben im Mai enttäuschten. Sie stiegen um nur 0,1 Prozent. Erwartet worden war ein Plus von 0,5 Prozent.

Rückschlag für Europas Konjunktur

Die neuen Konjunkturdaten aus dem Euro-Raum hatten dagegen am Vormittag die Anleger noch verunsichert. Die Stimmung bei den Einkaufsmanagern europäischer Industrie-Unternehmen trübte sich überraschend ein. Der von Markit berechnete Index sank von 52,2 auf 51,8 Punkte und damit auf den tiefsten Stand seit sieben Monaten.

"Super-Thursday" wirft seine Schatten

Am deutschen Aktienmarkt blieben die Umsätze aber niedrig. "Viele Anleger warten auf den sogenannten Super-Donnerstag, an dem die Europäische Zentralbank den Leitzinsentscheid und die weitere geldpolitische Marschroute verkündet", ", sagte Analyst Gregor Kuhn von IG Markets. Zudem stehe der monatliche US-Arbeitsmarktbericht für den Monat Juni an.

Euro lugt über 1,37 Dollar

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Der Euro zeigte sich von den enttäuschenden Konjunkturdaten im Euro-Raum unbeeindruckt. Die Gemeinschaftswährung lugte kurz über die Marke von 1,37 Dollar, rutschte dann aber wieder auf 1,3680 Dollar.

So viele Wetten auf steigende Ölpreise wie noch nie

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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An der Ölfront herrschte Ruhe vor dem nächsten Sturm. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im August stagnierte bei 112,33 US-Dollar. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte WTI fiel um sechs Cent auf 105,31 Dollar. Der Vormarsch islamistischer Kämpfer im Irak schürt aber weiter die Furcht vor einem Ölpreis-Schock. Laut der Börse Intercontinental Exchange habe es in der vergangenen Woche so viele Wetten auf einen steigenden Ölpreis gegeben wie nie zuvor.

Grünes Licht für Bayer aus den USA

Im Dax war vor allem Bayer gefragt. Mit einem Plus von über zwei Prozent führten die Aktien die Gewinnerliste an. Die amerikanische Kartellbehörde hat den Leverkusenern grünes Licht für die Übernahme des Geschäfts mit rezeptfreien Arzneimitteln von Merck & Co gegeben. Der Pharma- und Chemiekonzern will an allen zugekauften großen Marken festhalten. Dax-Schlusslicht war hingegen Fresenius Medical Care. Händler sprachen von Gewinnmitnahmen.

Bankaktien trotzen BNP-Rekordstrafe

Von den gestrigen Kursverlusten erholten sich die Bank- und Finanzaktien, sie schlossen leicht im Plus. Offenbar ging im Sektor Erleichterung um, nachdem die französische Großbank BNP Paribas die Milliardenstrafe durch die US-Behörden akzeptiert hat. Neun Milliarden Dollar an Buße zahlt die Bank wegen des Verstoßes gegen amerikanische Handelssanktionen. Die Aktie von BNP selbst stieg um fast vier Prozent. Das Geldhaus hatte am Morgen mitgeteilt, 2014 die Dividende stabil halten zu wollen.

Daimler und BMW fahren in den USA VW davon

Die deutschen Premium-Autobauer konnten in den USA im Juni erneut mehr Neuwagen verkaufen. Daimler setzte neun Prozent mehr Autos ab, BMW sechs Prozent. Nur VW verlor den Anschluss. Die Wolfsburger mussten erneut einen Absatzrückgang von 22 Prozent hinnehmen. Lediglich die Töchter Audi und Porsche schafften zweistellige Zuwächse.

Schwarzer Tag für Bilfinger

Einen schwarzen Tag erlebte Roland Koch, Chef des Baukonzerns Bilfinger. Nach der überraschenden Gewinnwarnung stürzte die Aktie um fast 18 Prozent in die Tiefe und war mit Abstand größter Verlierer im MDax. Bilfinger hat seine Ergebniserwartungen für das laufende Jahr deutlich zurückgeschraubt. Statt einer angestrebten "deutlichen Ergebnissteigerung", wird es laut Bilfinger nur zu einem Ebita von 380 bis 400 Millionen Euro reichen. 2013 lag das Ergebnis 419 Millionen Euro.

Qatar Airways droht Airbus mit Boykott

Unter Druck standen die Aktien von Airbus. Sie büßten zwei Prozent ein. Die arabische Fluggesellschaft Qatar Airways droht für den Fall weiterer Flugbeschränkungen in Europa mit Konsequenzen bei seinen Airbus-Bestellungen. Schon jetzt wachse die Gesellschaft oft nur dank größerer Flugzeuge, weil die Start- und Landerechte an den europäischen Flughäfen begrenzt seien, sagte Qatar-Airways-Chef Akbar Al-Baker dem "Handelsblatt". "Wenn dies weiter begrenzt wird, werden wir aufhören, europäische Flugzeuge zu kaufen."

BVB buhlt um Puma

Neben den Papieren von CTS Eventim gehörten Aktien des SDax-Neulings Borussia Dortmund zu den stärksten Titeln im Nebenwerte-Index SDax. Die Papiere des Fußball-Bundesligisten steigen auf fast fünf Euro und notieren auf dem höchsten Niveau seit 2002. Der BVB will laut dem "Handelsblatt" auch den Sportartikel-Hersteller Puma als Investor gewinnen. Mit dem Chemiekonzern Evonik war bereits in der vergangenen Woche ein Einstieg vereinbart worden.

Aurelius ist mehr wert

Gut sechs Prozent gewannen die Aktien von Aurelius. Der Beteiligungskonzern hat erstmals den Net Asset Value des Konzerns und seiner Töchter veröffentlicht. Der Gesamt-NAV liegt mit rund 1,068 Milliarden Euro um 26 Prozent - über der aktuellen Marktkapitalisierung von rund 850 Millionen Euro.

GoPro ist der neue Star an der Nasdaq

An der Nasdaq setzten die Aktien von GoPro ihren Höhenflug fort. Sie schossen erneut um über 20 Prozent nach oben auf 49,39 Dollar. Damit hat sich der Kurs des Helm-Kameraherstellers seit dem Debüt am Aktienmarkt in der vergangenen Woche mehr als verdoppelt. Der Ausgabepreis der GoPro-Aktie hatte bei 24 Dollar gelegen. Die Helmkameras von GoPro sind besonders bei Extremsportlern beliebt. Auch Michael Schumacher soll bei seinem tragischen Unfall in den französischen Alpen eine GoPro-Kanmera getragen haben.

Twitter findet neuen Finanzchef

Um fast drei Prozent stiegen die Aktien von Twitter. Der Kurznachrichten-Dienst hat mit dem Ex-Goldman-Sachs-Investmentbanker Anthony Noto einen neuen Finanzchef gefunden. In den letzten Wochen hatten mehrere Top-Manager die Firma verlassen. Der Aktienkurs von Twitter hat sich in den vergangenen sechs Monaten nahezu halbiert.

nb

Tagestermine am Dienstag, 20. November

Unternehmen:
Dermapharm: Q3-Zahlen, 7.30 Uhr
Westwing: Q3-Zahlen, 7.30 Uhr
Easyjet: Jahreszahlen, 8 Uhr
Porsche Automobil Holding: Q3-Zahlen
The Gap: Q3-Zahlen
BASF: Pressekonferenz zu aktuellen Entwicklungen

Konjunktur:
Deutschland: Erzeugerpreise gewerbliche Produkte, 8 Uhr
Deutschland: Baugenehmigungen, 8 Uhr
USA: Baubeginne, -genehmigungen, 14.30 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"