Marktbericht 20:11 Uhr

Dax weiter auf dem Vormarsch Börsen quälen sich ins Plus

Stand: 02.03.2016, 20:11 Uhr

Die Angst vor einer Konjunkturabkühlung in den USA lässt zunehmend nach - zur Freude der Anleger. Der Dax setzte am Mittwoch seine kleine Rally fort - wenn auch mit gebremster Dynamik. Einige Börsianer warnen vor zu viel Optimismus.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Ein Hauch von Frühjahrsmüdigkeit lähmte am Mittwoch zeitweise die Anleger. Am späten Nachmittag kamen die Börsen dann aber doch noch in Schwung. Der Dax legte einen kleinen Schlussspurt hin und beendete den Xetra-Handel um 0,6 Prozent höher bei 9.776 Punkten. Der EuroStoxx50 zog ebenfalls kräftig an - um 0,8 Prozent.

Beige Book zeichnet positives Konjunkturbild in den USA

ARD-Börsenstudio: Dorothee Holz
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Börse 20.15 Uhr

Dagegen blieb die Wall Street in der Warteschleife. Der Dow notierte zwei Stunden vor Handelsende moderat im Minus, nachdem er gestern kräftig nach oben geschnellt war. Positive Impulse von der US-Konjunktur halfen nicht. In ihrem am Abend veröffentlichten Beige Book berichtete die Fed über eine Ausweitung der wirtschaftlichen Aktivität in den meisten Regionen. Die Arbeitsmarkt-Bedingungen hätten sich weiter verbessert, die Konsumausgaben steigen. Allerdings belaste der starke Dollar die Exporte.

US-Wirtschaft schafft mehr Jobs

Neueste Daten vom privaten Arbeitsvermittler ADP zeigen, dass die Dynamik am Arbeitsmarktmarkt anhält. Die US-Firmen schufen im Februar 214.000 neue Jobs. Ökonomen hatten lediglich mit 190.000 Stellen gerechnet. Das ist ein gutes Omen für den am Freitag anstehenden Arbeitsmarktbericht der US-Regierung.

Warnende Stimmen

Die Angst vor einer Konjunkturflaute oder gar Rezession in den USA scheint also übertrieben. Doch die Stimmung könnte schnell wieder kippen. "Die Kursbewegung der vergangenen Tage basiert auf der Annahme, dass die großen Zentralbanken die Weltwirtschaft stabilisieren und die USA nicht in eine Rezession abrutschen", sagte Markus Huber vom Brokerhaus City of London. Da es bislang aber kaum harte Fakten gebe, um diese These zu stützen, sei die Gefahr von Rückschlägen groß. Die Helaba-Experten sprachen vom "Monatsanfangseffekt". Es werde sich nun zeigen müssen, wie viel der Anstieg der vergangenen Tage wert ist.

Kupfer und Öl verteuern sich

Der neu entfachte Konjunkturoptimismus beflügelte die Rohstoffpreise. Kupfer verteuerte sich um fast zwei Prozent auf 4.085 Dollar je Tonne. Dagegen kamen die Ölpreise nur schleppend voran - wegen des anhaltenden Überangebots. Ein Barrel der Nordsee-Sorte Brent kostete am Abend 37,21 US-Dollar. Das ist ein Plus von 40 Cent.

Gold glänzt

Gleichzeitig stieg der Preis für die Feinunze Gold heute bis auf 1.244 Dollar. Auch in Euro konnte das gelbe Edelmetall zulegen, verharrte aber unterhalb seines erst gestern markierten 14-Monats-Hochs. Aus technischer wie fundamentaler Sicht hat Gold noch weiteres Aufwärtspotenzial.

Euro rappelt sich auf

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Der Euro legte am Mittwoch eine Berg- und Talfahrt hin. Zunächst sackte er ab, erholte sich dann aber wieder und notierte am Abend in etwa da, wo er am Morgen gestanden war: bei 1,0870 Dollar. In den vergangenen Tagen hatten robustere Wirtschaftsdaten aus den USA den Dollar gestärkt. Zudem lastet die Aussicht auf eine weitere geldpolitische Lockerung der Europäischen Zentralbank (EZB) auf dem Euro. Am Donnerstag in einer Woche kommen die europäischen Währungshüter zusammen, um über weitere Schritte zur Stützung der Konjunktur in Europa zu beraten. Eine neuerliche Senkung der Einlagenzinsen für Banken gilt als wahrscheinlich.

Schweiz trotzt der Franken-Stärke

Gegenüber dem Schweizer Franken verlor der Euro leicht an Boden. Ein Euro kostete am Abend 1,0824 Franken. Überraschend deutlich ist die Schweizer Wirtschaft 2015 gewachsen - um 0,9 Prozent. Viele Experten hatten mit tieferen Bremsspuren wegen des teureren Frankens gerechnet. "Die schlimmsten Befürchtungen einer Rezession haben sich nicht bewahrheit", sagte UBS-Ökonom Allessandro Bee.

Deutsche-Bank-Chef verbreitet moderaten Optimismus

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Besonders gefragt waren am Mittwoch die Bankwerte. Die Aktien der Deutschen Bank gewannen rund fünf Prozent und führten den Dax an, die Titel der Commerzbank stiegen um über vier Prozent. Auf zwei Finanzkonferenzen in Frankfurt zeichnete Deutsche-Bank-Chef John Cryan ein optimistischeres Bild als zuletzt. "Ich sehe uns nicht im Verteidigungsmodus", sagte er. Und: "Unsere Strategie ist nicht langweilig." Cryan versprach, dass der deutsche Branchenprimus künftig effizienter und transparenter werden solle.

Rückenwind für die Deutsche Börse

Deutsche-Bank-Chef Cryan stellte sich zudem hinter die geplante europäische Superbörse zwischen Frankfurt und London. "Dieser Zusammenschluss ist sehr sinnvoll", sagte er. Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter verteidigte die Fusion mit London. Banken und der Finanzplatz Frankfurt würden profitieren. Teilen Sie diese Ansicht? Hier können Sie abstimmen. Die Deutsche Börse und die London Stock Exchange (LSE) rüsten sich Kreisen zufolge für den Fall eines möglichen Gegenangebotes.

Deutscher "Autofrühling" im Februar

Auch die Autoaktien liefen rund. Die Titel von Daimler, BMW und VW legten knapp zwei Prozent zu. Der Pkw-Absatz in Deutschland ist im Februar so stark wie lange nicht mehr gewachsen. Im vergangenen Monat wurden zwölf Prozent mehr Neuwagen registriert als vor einem Jahr. In den USA dagegen mussten die deutschen Autobauer Einbußen hinnehmen. Während die Branche im Schnitt acht Prozent mehr Fahrzeuge verkaufte, erlitt VW einen Einbruch von 13 Prozent. BMW setzte 12 Prozent weniger Autos ab. Vor allem deutsche Diesel-Fahrzeuge wurden gemieden.

Am Abend teilte VW mit, dass die Aktionärsklagen unbegründet seien. Der Vorstand habe seine Publizätspflicht ordnungsgemäß erfüllt. Einige Aktionäre monieren, dass VW deutlich früher über den Abgasskandal hätte informieren müssen, weil Kursverluste drohten.

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Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Bill Gross schießt gegen Allianz

Im Rechtsstreit mit der Allianz-Tochter Pimco geht der bekannte Anleihe-Investor Bill Gross in die Offensive. Pimco habe ihn fälschlicherweise bezichtigt, das Unternehmen abrupt verlassen zu haben. Diese Behauptung sei für ihn extrem rufschädigend gewesen und habe ihn hohe Geldsummen gekostet. Die Allianz-Aktie stieg dennoch - dank einer Hochstufung durch Bernstein.

Teure Klage gegen K+S

Zu den größten Verlierern im Dax zählte K+S. Die Aktie büßte 1,3 Prozent ein. Laut einem Bericht der "Wirtschaftswoche" fordert die Staatsanwaltschaft Meiningen in ihrer Anklage gegen K+S-Manager 325 Millionen Euro. Der Kalispezialist soll rund 9,5 Millionen Kubikmeter Salzabwasser rechtswidrig versenkt haben. K+S droht seinen Platz im Dax zu verlieren. Am Donnerstagabend prüft die Deutsche Börse die Neuzusammensetzung der Aktienindizes.

Lob für die Deutsche Pfandbriefbank

Im MDax ragte die Aktie der Deutschen Pfandbriefbank (pbb) mit einem Plus von fast fünf Prozent positiv hervor. Das Nachfolgeinstitut der in der Finanzkrise vom Staat geretteten Krisenbank Hypo Real Estate hat das beste Ergebnis seit dem Neustart vor sieben Jahren erzielt. Der Überschuss verdoppelte sich aufgrund von Steuererträgen auf 230 Millionen Euro. Aktionäre sollen 43 Cent je Aktie an Dividende erhalten. Analyst Michael Dunst von der Commerzbank lobte den unerwartet hohen Überschuss und die Dividende.

Befreiungsschlag von Morphosys

Im TecDax war Morphosys am Mittwoch der Star. Die Aktie sauste um über zehn Prozent nach oben. Der Biotech-Konzern hat mit einem Ebit von 17,2 Millionen Euro im Jahr 2015 die Finanzprognosen übertroffen. Für das laufende Jahr geht das Unternehmen nun aber wieder von tiefroten Zahlen und rückläufigen Umsätzen aus. Es werde nun mit einem Ebit von minus 58 bis minus 68 Millionen Euro gerechnet.

Banken rennen GFT die Türen ein

Im späten Handel zog der Kurs von GFT Technologies deutlich an. Der Finanzsoftware-Spezialist profitiert vom Digitalisierungstrend bei Banken. Der Umsatz kletterte im abgelaufenen Jahr um gut ein Drittel auf 373,5 Millionen Euro. Das operative Ergebnis (Ebitda) erhöhte sich gar um 36 Prozent auf 44,6 Millionen Euro. Die eigenen Prognosen wurden übertroffen. Den Aktionären winkt eine Dividende von 30 Cent je Aktie - fünf Cent mehr als 2015.

Cancom kündigt Kapitalerhöhung an

Schlusslicht im TecDax war Cancom mit einem Minus von fast vier Prozent. Der IT-Dienstleister Cancom will sich über eine Kapitalerhöhung frisches Geld ins Haus holen. Bis zu 1,49 Millionen neue Aktien oder 10 Prozent des Grundkapitals sollen in einem schnellen Bookbuilding-Verfahren bei institutionellen Anlegern platziert werden. Mit dem Erlös will das Unternehmen das eigene Wachstum vorantreiben sowie auch Zukäufe finanzieren. Die Anzahl der auszugebenden Aktien sowie der Platzierungspreis sollen voraussichtlich am 3. März bekanntgegeben werden.

Braas Monier bleibt in Kauflaune

Im SDax kamen die Zahlen von Braas Monier gut an. Die Aktie gewann knapp drei Prozent. Der Dachziegel- und Schornsteinhersteller hat 2015 von seinen jüngsten Übernahmen profitiert und strebt weitere Zukäufe an. Der Umsatz des SDax-Konzerns stieg nach vorläufigen Zahlen um 3,8 Prozent auf 1,26 Milliarden Euro. Der Überschuss erhöhte sich um 38,6 Prozent auf 55,1 Millionen Euro.

Hochprozentiger Kursrückgang bei Berentzen

Der Teilausstieg des Großaktionärs Aurelius bei Berentzen setzte die Aktie des Spirituosen-Herstellers unter Druck. Sie brach um 14 Prozent ein. Der Finanzinvestor hatte 2,1 Millionen Berentzen-Titel im Rahmen einer Privatplatzierung an institutionelle Investoren veräußert.

Trübe Sicht bei Luxottica

Gesenkte Gewinnziele und gedämpfte Fusionsfantasien schickten im Ausland die Luxottica-Aktie auf Talfahrt. Der Kurs büßte fünf Prozent ein. Dem Produzenten von Brillen der Marke "Ray Ban" zufolge wird der Gewinn in den kommenden Jahren nur noch etwa eineinhalb Mal so stark steigen wie der Umsatz.

Zumtobel kehrt in Gewinnzone zurück

Der österreichische Leuchtenhersteller Zumtobel hat im dritten Quartal zugelegt. Unter dem Strich wurde ein Nettogewinn von 1,7 Millionen Euro erzielt nach einem Verlust von 13,4 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Damals waren aufgrund des Konzernumbaus hohe Sondereffekte angefallen.

Monsanto rudert zurück

An der Wall Street rutschten die Aktien von Monsanto um fast acht Prozent ab. Der Saatgutriese hat wegen des Preisdrucks in der Branche und des starken Dollars seine Gewinnprognose gesenkt. Demnach soll der bereinigte Gewinn je Aktie im Geschäftsjahr 2015/16 nur noch bei 4,40 bis 5,10 Dollar liegen. Im Dezember hatte Monsanto noch 5,10 bis 5,60 Dollar je Aktie in Aussicht gestellt.

nb

Tagestermine am Montag, 17. Dezember

Unternehmen:
Hennes & Mauritz: Q4-Umsatz, 08:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Handelsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 11/18 (vorl.), 11:00 Uhr
USA: Empire-State-Index 12/18, 14:30 Uhr
USA: NAHB-Index 12/18, 16:00 Uhr