Börsen-Optimismus nimmt zu

Mark Ehren

Stand: 17.04.2007, 20:05 Uhr

Der Dax hat sein hohes Kursniveau auch am Abend verteidigen können. Während des Xetra-Handels hatte sich der Dax sogar schon der 7.400-Punkte-Marke genähert. Marktbeobachter rechnen sogar mit noch höheren Kursen.

Besonders optimistisch ist die der Schweizer Bank Credit Suisse (CS). Sie rechnet mit weiteren Kursgewinnen in den nächsten Monaten. "Den Dax sehe ich im Laufe des Jahres gegen die 8000 Punkte laufen", sagte Chef-Stratege sagte Stefan Keitel am Dienstag in Frankfurt. Spekulationen auf Übernahmen und Zusammenschlüsse blieben ein verlässlicher Kurstreiber.

Im späten Handel auf dem Frankfurter Parkett notierte der L-Dax mit 7.339 Punkten ungefähr auf dem Niveau des Vortags. Während des Xetra-Handels erreichte der Index kurzzeitig sogar ein Niveau von knapp 7.366 Punkten und stand damit so hoch wie zuletzt im September 2000.

"Die Inflationsdaten in den USA haben keine negative Überraschung gebracht und damit Spekulationen über steigende Zinsen gedämpft", sagte ein Händler.

Banken-Landschaft in Bewegung

In den Übernahmekampf um die niederländische Bank ABN Amro kommt Bewegung. Die ABN will sich Anfang kommender Woche mit ihren möglichen Käufern Fortis, Royal Bank of Scotland und Santander treffen. Damit bekommt die britische Barclays Bank starke Konkurrenz im Ringen um die ABN.

Anleger greifen bei Maxdata zu
Am Abend machte die Maxdata-Aktie einen kräftigen Kurssprung - bei allerdings relativ niedrigen Umsätzen. Der Computerhersteller hat im ersten Quartal seinen Verlust mehr als halbiert. Der Fehlbetrag lag bei 7,2 Millionen Euro. Der Umsatz sank von 150 auf 115 Millionen Euro.

Adidas im Übernahme-Visier?
Die größten Kursgewinne im Dax verbuchten Adidas-Aktien. An der Börse machen Gerüchte die Runde, nach denen ein nicht genannter Finanzinvestor bei dem Sportartikelhersteller einsteigen möchte. Angeblich will dieser 25 Prozent an Adidas für 50 Euro je Aktie kaufen.

VW wird angetrieben
VW-Stammaktien ließen sich ebenfalls nicht lumpen und machten kräftig Boden gut. "Einige setzen auf weitere Zukäufe durch Porsche. Aber auch die Möglichkeit, dass die WestLB beginnt, ihre Short-Position bei den Stämmen aufzulösen, wird derzeit gespielt. Etwas Konkretes gibt es aber nicht," sagte ein Börsianer. Am Nachmittag gab es dann immerhin handfeste Neuigkeiten. Der Wolfsburger Konzern hat im ersten Quartal 2007 weltweit mit 1,47 Millionen Fahrzeugen so viele wie nie zuvor verkauft. Das waren knapp acht Prozent mehr als im Vorjahr.

Bayer-Papiere profitierten von Morgan Stanley. Die Analysten der Bank haben die Aktien in das so genannte "Core Global Portfolio" aufgenommen.

Deutsche Telekom macht Vorstöße
Die T-Aktie lag zum Handelsschluss ebenfalls im Plus. Für Unterstützung sorgte ein Zeitungsbericht, nach der die Deutsche Telekom ein Angebot für die tschechische Telekomfirma GTS Central European Holding abgeben möchte. Außerdem steht der Konzern weiter unter dem Eindruck der Tarifverhandlungen mit der Gewerkschaft Verdi. Am Dienstagmorgen schlug die Unternehmensführung einen Kündigungsverzicht bis 2010 für ausgegliederte Mitarbeiter vor. Die unterbrochenen Verhandlungen mit Verdi sollen "bald" fortgesetzt werden. Sollten die Warnstreiks jedoch flächendeckend ausgeweitet würden, werde man sich juristische Schritte vorbehalten, so die Telekom.

Auf der Verliererseite stachen insbesondere Henkel-Vorzüge hervor. Allerdings war darin auch ein Dividendenabschlag in Höhe von 1,50 Euro enthalten.

Euro nicht zu bremsen
Am Devisenmarkt machte der Euro einen weiteren Satz nach oben. Die Gemeinschaftswährung stieg in Spitze bis auf 1,3594 Dollar und damit auf den höchsten Stand seit Ende 2004.

Ölpreis geht ab
Auch der Ölpreis legte weiter zu. Ein Barrel der Nordsee-Sorte Brent kostete mehr als 67 Dollar je Barrel. Händler begründeten den Zuwachs mit der Sorge vor einem knapperen Angebot kurz vor Beginn der Urlaubssaison in den USA. Dazu sorgte noch ein Leck in einer Pipeline in Kanada laut Beobachtern für Preisdruck.

Anleger lässt ZEW-Indikator ungerührt
Auf den am Vormittag veröffentlichten ZEW-Indikator hatte der Dax kaum reagiert, obwohl der deutsche Konjunkturindex ein rosiges Bild zeichnet. Die mittelfristigen Konjunkturerwartungen von Analysten und institutionellen Investoren verbesserten sich im April stärker als erwartet. Der entsprechende Index stieg von 5,8 Punkten im März auf 16,5 Punkte. Das war bereits der fünfte Anstieg in Folge. Volkswirte hatten im Durchschnitt einen Anstieg auf 10,9 Punkte erwartet.

Gute Quartalsberichte
Der amerikanische Getränkekonzern Coca-Cola hat im ersten Quartal vor Sonderposten deutlich mehr verdient als erwartet. Analysten hatten nur mit 53 Cent je Aktie gerechnet. Tatsächlich wies der Konzern 56 Cent aus. Beim Umsatz übertraf das Unternehmen mit einem Umsatz von 6,1 Milliarden Dollar die durchschnittliche Analystenerwartung von 5,64 Milliarden Dollar.

Gut lief es auch für die Aktie des Pharma- und Medizintechnikkonzern Johnson & Johnson (J&J) nach überraschend starken Quartalszahlen. Das Ergebnis je Aktie vor Sonderposten erhöhte sich in den ersten drei Monaten um gut 17 Prozent auf 1,16 Dollar. Analysten hatten nur mit 1,05 Dollar je Anteilsschein gerechnet.

Premiere hebt ab
Aktien des Bezahl-TV-Senders legten im MDax fast sieben Prozent zu. Möglich machte das eine Hochstufung des Kursziels für die Aktie durch die Deutsche Bank - von 12,50 Euro auf 24 Euro.

Salzgitter gut in Form
Die Kursgewinne beim Stahl- und Röhrenhersteller Salzgitter waren auf Aussagen von Vorstandschef Wolfgang Leese zurückzuführen. Dieser zeigte sich am Rande der Hannover Messe für das erste Quartal optimistischer als bisher und deutete eine Erhöhung der Prognose für das Gesamtjahr an.

Gea wird Lurgi los
Der Mischkonzern Gea hat einen Käufer für seine Großanlagenbau-Tochter Lurgi gefunden. Die französische Air Liquide wird Lurgi für insgesamt 550 Millionen Euro kaufen. Offenbar zu wenig aus Sicht von Anlegern. Die Gea-Aktie geriet im MDax unter Druck.

Nordex und Solarworld gefragt
Die Aktie des Windanlagen-Spezialist Nordex, die seit Wochen im Höhenflug ist, legte auch am Dienstag zu. Der Konzern hat sich vorgenommen, mittelfristig seinen Umsatz alle zwei Jahre zu verdoppeln. Titel von Solarworld freuten sich über einen positiven Analystenkommentar von HSBC. Hier wurde das Kursziel von 65 auf 80 Euro erhöht.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 20. September

Unternehmen:
Rocket Internet: Q2-Zahlen, 08:00 Uhr
Schaeffler: Kapitalmarkttag
Nfon: Q2-Zahlen
Ryanair: HV in Dublin
GlaxoSmithKline: HV
Micron Technology: Q4-Zahlen, nach US-Börsenschluss

Konjunktur:
Deutschland: Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums, 08:00 Uhr
Schweiz: Zinsentscheid und geldpolitische Lagebeurteilung der Schweizerischen Nationalbank (SNB), 09:30 Uhr
USA: Wöchentliche Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr
USA: Industrie-Index Philly Fed für September, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren für August, 16:00 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser für August, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen Euro-Zone, September, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Salzburg: Informeller EU-Gipfel
Hannover: Eröffnung der IAA Nutzfahrzeuge 2018 (bis 27. September), mit Bundesverkehrsminister Scheuer
Frankfurt: 4. Konferenz für Finanztechnologie "Fintech-Revolution"