Börsen-Kater nach der Griechen-Rettung

Stand: 21.02.2012, 20:05 Uhr

Das beschlossene zweite Rettungspaket für Griechenland hat an den Aktienmärkten nur kurz für gute Stimmung gesorgt. Gewinnmitnahmen und Skepsis über Griechenlands Reformfähigkeit drückten den Dax nach unten. Der Euro und der Ölpreis zogen hingegen an.

Zwar ging es beim traditionellen Börsenfasching an der Frankfurter Börse nicht ganz so ernst wie sonst zu. Doch die gute Laune der Börsenmakler griff nicht auf die Anleger über. Nachdem der Dax seit Donnerstag 200 Punkte zugelegt hatte, strichen viele Börsianer erstmal Gewinne ein. Der Dax ging mit einem Minus von 0,6 Prozent bei 6.908 Punkten aus dem Xetra-Handel. Im späten Parketthandel weiteten sich die Verluste aus. Der L/E-Dax schloss bei knapp 6.893 Zählern.

Der kurzzeitige Rückenwind von der Wall Street ließ bis zum Abend nach. Der Dow büßte nahezu komplett wieder seine Gewinne ein. Zeitweise war er auf über 13.000 Punkte und damit auf den höchsten Stand seit Mai 2008 gestiegen. Die Nasdaq gab leicht nach.

"Pyrrhussieg" für Griechenland?
Der Griechen-Deal konnte nur am Morgen den Dax nach oben hieven - auf ein neues Sechsmonatshoch von 6.971 Punkten. Dann war die Luft raus. "Die Einigung auf die neuen Milliardenhilfen für Griechenland hatte sich in den vergangenen Tagen bereits angedeutet und war keine Überraschung mehr", meinten Händler. Marktstratege Robert Halver von der Baader Bank sprach von einem "Pyrrhus-Sieg". Es sei zwar positiv, dass das zweite Rettungspaket für Griechenland nun auf den Weg gebracht sei. Dennoch hätte das Land in der Euro-Zone kaum Überlebenschancen. "Das Land braucht eine Perspektive, aber private Investoren fehlen zurzeit noch, und solange Griechenland im Euro bleibt, werden die nicht kommen."

In der Nacht zum Dienstag hatten sich die Euro-Länder nach einer wochenlangen Hängepartie auf neue Hilfen für Griechenland in Höhe von 130 Milliarden Euro verständigt. Damit soll erreicht werden, dass Griechenlands Schuldenstand bis 2020 von derzeit mehr als 160 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) auf gut 120 Prozent des BIP gesenkt wird.

Gläubiger müssen auf über die Hälfte verzichten
Um dem Mittelmeer-Anrainer wieder auf die Sprünge zu helfen, sollen Privatinvestoren auf mehr als die Hälfte ihrer Forderungen verzichten - nämlich 53,5 Prozent. Durch den Umtausch in niedriger verzinste Griechen-Anleihen würden die Abschreibungen aber in Wirklichkeit bei 73 bis 74 Prozent liegen, meinten Ökonomen. Das ist mehr als ursprünglich gedacht.

Euro und Ölpreis steigen
An den europäischen Devisenmärkten sorgte der Griechen-Deal für Entspannung: Der Euro stieg auf 1,3260 Dollar. Gleichzeitig trieb die Einigung auf ein neues Hellas-Hilfspaket auch den Ölpreis weiter an. Denn die Befürchtungen seien nun gesunken, dass die Schuldenkrise in der Eurozone die Weltwirtschaft und die Ölpreise belasten könnten. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostete am Dienstag 1,2051 Dollar - 46 Cent mehr als am Montag.

Deutsche Telekom: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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14,92
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+1,57%

Telekom wird von Sky umgarnt
Im Dax gab es nur eine Handvoll Gewinner. Spitzenreiter war die BASF-Aktie mit einem Plus von 0,5 Prozent, gefolgt von VW, Beiersdorf und der Deutschen Telekom. Für die T-Aktie gab es zwei gute Nachrichten: Laut Bankern hegt die Telekom Pläne für einen Ausstieg in Großbritannien. Eine Börsenplatzierung des Mobilfunk-Joinmt-Ventures Everything Everywhere sei erwogen worden, wegen des schlechten Marktumfelds aber abgeblasen worden. Zudem will sich laut einem Medienbericht der Bezahlsender Sky bei der Vergabe der Fußball-Bundesliga-Übertragungsrechte mit den Telekom- und Kabelanbietern verbünden und so ein Bietergefecht mit der Telekom vermeiden. Sky könnte die Telekom oder Vodafone mit Inhalten beliefern.

Linde: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Konkurrent stützt Linde
Auch die Linde-Aktie konnte sich knapp behaupten. Das Papier profitierte laut Händlern von guten Zahlen des britischen Konkurrenten Croda. Außerdem habe die Aktie jüngst ein Sechsmonatshoch erreicht, was weitere Käufer anlocke.

Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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ThyssenKrupp am Dax-Ende
Schlusslicht im Dax war die ThyssenKrupp-Aktie, die fast drei Prozent einbüßte. Die Schweizer Großbank UBS hat den Titel zum Verkauf empfohlen und damit ihre "Neutral"-Bewertung revidiert. Die Gewinne in den Übersee-Werken blieben weiter unter Druck, so die Begründung.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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8,82
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+1,71%
Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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8,53
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Bankaktien unter Druck
Unter dem "Haircut" Griechenlands litten die Bankaktien. Die Papiere der Deutschen Bank verloren über zwei Prozent. Auch die Aktie der Commerzbank gab 0,6 Prozent nach. Sie reagierte nur kurzzeitig positiv auf eine Heraufstufung durch die Analysten der Citigroup. Privatinvestoren müssen beim griechischen Schuldenschnitt auf mehr Geld als bislang geplant verzichten. Zudem könnte Griechenland als "technische Blaupause für Portugal genutzt werden", befürchtet Marktstratege Halver. Ohne nachhaltige Lösung für die prekären Euro-Länder wäre dann für Banken "das ganze Jahr Aschermittwoch".

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Streik trifft Lufthansa und Fraport
Im Sinkflug befand sich die Lufthansa-Aktie mit einem Minus von rund 1,6 Prozent. Die Ausweitung der Streiks am Frankfurter Flughafen bis zum Wochenende hinterließ ihre Spuren. Je länger der Streit mit den Vorfeld-Beschäftigten am Flughafen andauere, desto mehr trübe sich die Stimmung in der Luftfahrtbranche ein, meinte ein Händler. Auch der MDax-Titel Fraport büßte gut 1,5 Prozent ein.

Kleiner Makel in der Fresenius-Familie
Nicht ganz überzeugen konnte die Fresenius-Familie mit ihren Zahlen. Vor allem der Dialyse-Konzern Fresenius Medical Care (FMC) schrammte an den Erwartungen vorbei. FMC hat zwar seinen Umsatz um sechs Prozent auf 12,8 Milliarden Dollar und den Gewinn um neun Prozent auf 1,07 Milliarden Dollar gesteigert. Analysten hatten sich aber etwas mehr versprochen.

FMC-Konzernmutter Fresenius profitierte im vergangenen Jahr von guten Geschäften bei der Generika-Tochter Kabi und dem Krankenhaus-Geschäft der Helios Kliniken profitiert. Der Gesamtumsatz wurde von 16 auf 16,5 Milliarden Euro gesteigert, das Nettoergebnis kletterte von 660 auf 770 Millionen Euro. Die Dividende für 2011 soll 0,95 Euro je Aktie betragen. Während die Aktien von Fresenius fast unverändert schlossen, verloren die Titel von FMC rund ein Prozent.

Aareal Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Aareal enttäuscht beim Ausblick
Schlusslicht im MDax war die Aktie des Immobilienfinanzierers Aareal Bank. Sie brach um über neun Prozent ein. Aareal hat im vergangenen Jahr sein Konzernergebnis zwar auf 93 Millionen Euro glatt verdoppelt. Für 2012 sieht das Unternehmen allerdings Rahmenbedingungen, die sich "verschlechtert" hätten, und stellt ein niedrigeres Betriebsergebnis als 2011 in Aussicht.

VTG

VTG: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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VTG bleibt in der Spur
Gut unterwegs war der Waggonvermieter VTG im vergangenen Jahr. Das SDax-Unternehmen steigerte den Umsatz erneut zweistellig um 19 Prozent auf 750 Millionen Euro. Dabei halfen auch Zukäufe in Russland und Nordamerika. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) legte um rund neun Prozent auf 169 Millionen Euro zu - etwas weniger als von Analysten vorhergesagt. Die Reaktion kam prompt: Die Aktien rutschten um drei Prozent ab und waren Schlusslicht im SDax.

Dürr verspricht Rekorddividende
Die Zahlen von Dürr ließen die Anleger ebenfalls relativ kalt. Die Aktie verlor gut ein Prozent. Dabei will der Maschinen- und Anlagenbauer aus dem SDax für das abgelaufene Jahr eine Rekorddividende von 1,20 Euro je Aktie ausschütten. Das wäre vier Mal so viel wie im Vorjahr. Dank der guten Nachfrage aus Schwellenländern wie China verneunfachte sich der Gewinn auf 64,3 Millionen Euro. Dürr hatte bereits Ende Januar Eckdaten zu 2011 veröffentlicht.

TAG lockt Anleger an
Auf der Gewinnerseite standen dagegen die Aktien von TAG Immobilien mit einem Plus von 1,5 Prozent. Das Immobilien-Unternehmen aus dem SDax hat die eigene Vorgabe für das Vorsteuerergebnis (Ebt) von 50-60 Millionen Euro übertroffen: Bei 80 Millionen Euro lag der Wert für 2011. In diesem Jahr peilt das Unternehmen 75 Millionen beim Ebt an. Die Dividende für das abgelaufene Jahr soll 0,20 Euro je Aktie betragen.

Alstria setzt Einkaufstour fort
Eine weitere SDax-Immobilienfirma - Alstria Office - legte am Dienstag Jahreszahlen vor, allerdings nach Xetra-Schluss. Die in der Immobilienbranche wichtige Kennzahl, das operative Ergebnis (FFO) stieg demnach 2011 um knapp ein Viertel auf knapp 35 Millionen Euro. Dabei schlug sich die Einkaufstour der Hamburger positiv nieder. Der Expansionshunger von Alstria ist noch nicht gestillt. Zeitgleich mit den Zahlen gab die Firma die Übernahme von sechs weiteren Büroimmobilien für 95 Millionen Euro bekannt. Die Hälfte des Kaufpreises wird über eine Kapitalerhöhung gestemmt. Bis zu sieben Millionen neue Aktien werden ausgegeben. Im späten Parketthandel rutschte die Alstria-Aktie ins Minus.

Kaufempfehlung für Software AG
Aus dem TecDax stach die Aktie der Software AG mit einem Plus von fast zwei Prozent heraus. Die Deutsche Bank hat den Titel am Dienstag zum Kauf empfohlen. Klar im Minus schlossen hingegen die Aktien von Aixtron, Q-Cells und SMA Solar.

Home Depot & Co profitieren von Kauflaune der Amerikaner
Aus den USA servierten mehrere Handelskonzerne am Dienstag ihre Bilanz. Diese zeigten, dass die Amerikaner wieder in Kauflaune sind. Vor allem Home Depot glänzte. Die größte US-Baumarktkette steigerte den Gewinn um fast ein Drittel auf 774 Millionen Dollar und den Umsatz um sechs Prozent auf 16 Milliarden Dollar. Der Kaufhaus-König Macy's setzte sechs Prozent mehr um (8,7 Milliarden Dollar) und verbesserte den Gewinn um zwölf Prozent auf 745 Millionen Dollar. Auch der Einzelhandelskoloss Wal-Mart konnte seinen Umsatz um sechs Prozent auf 122,3 Milliarden Dollar erhöhen. "Schnäppchenkäufe" schmälerten aber den Gewinn. Dieser schmolz um 15 Prozent auf 5,2 Milliarden Dollar. Während die Aktien von Wal-Mart deutlich verloren, stiegen die Papiere von Macy's und HomeDepot.

Tagestermine am Dienstag, 13. November

Unternehmen:
Fraport: Verkehrszahlen 10/18, 7:00 Uhr
Grammer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Bauer: Neun-Monats-Zahlen, 7:00 Uhr
1&1 Drillisch: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Cewe Stifung: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Evotec: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr (Call: 14:00 Uhr)
Innogy: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Tom Tailor: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
United Internet: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Ströer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Areal Bank: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Hello Fresh: Q3-Zahlen, 7:15 Uhr
Medigene: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
VTG: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
HHLA: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Uniper: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Jenoptik: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Nordex: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Bayer: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
Bilfinger: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
OHB: Neun-Monats-Zahlen, 8:00 Uhr
Vodafone: Halbjahreszahlen, 8:00 Uhr
Home Depot: Q3-Zahlen, 15:00 Uhr
Wüstenrot & Württembergische: Q3-Zahlen
Nemetschek: Kapitalmarkttag

Konjunktur:
Italien: Frist der EU-Kommission zur Überprüfung des Haushaltsentwurfs läuft aus
Deutschland: Verbraucherpreise 10/18 (endgültig), 8:00 Uhr
Deutschland: Insolvenzen 8/18, 8:00 Uhr
Deutschland: Erwerbstätigkeit Q3/18, 8:00 Uhr
Großbritannien: Arbeitslosenzahl 10/18, 10:18
Deutschland: ZEW-Konjunkturerwartungen 10/18, 11:00 Uhr