Marktbericht 20:08 Uhr

Talfahrt geht weiter Börsen in der Fed-Falle

Stand: 12.12.2013, 20:08 Uhr

Tut sie's oder tut sie's nicht? Seit Tagen fragen sich die Anleger, ob die Fed schon in der nächsten Woche ihre Geldflut drosselt. Die Angst vor einem baldigen "Tapering" drückte den Dax den dritten Tag in Folge ins Minus.

Die Hoffnungen auf eine "Weihnachtsrally" schwinden. Auch am Donnerstag ging die Talfahrt an den Börsen weiter. Der Dax sackte erneut um 0,7 Prozent ab und fiel auf 9.017 Punkte. Im späten Parketthandel ging es noch weiter nach unten, der L-Dax schloss bei 9.005 Zählern. Zeitweise war das deutsche Börsenbarometer erstmals seit Ende Oktober unter die runde Marke gerutscht. "Viele machen kurz vor Weihnachten einfach Kasse oder schichten um", sagte ein Börsianer. Die Umsätze gingen spürbar zurück.

Starker Start ins US-Weihnachtsgeschäft

Gegenwind kam auch aus Amerika. Die Wall Street lag zwei Stunden vor Handelsschluss im Minus. Der Dow büßte rund 0,6 Prozent ein. Der S&P500 verlor 0,2 Prozent. Gute Einzelhandelsdaten schürten Spekulationen auf eine baldige Straffung der US-Geldpolitik. Im November zog der Umsatz im Einzelhandel um 0,7 Prozent an. Das ist der kräftigste Anstieg seit fünf Monaten. Allerdings stieg die Zahl der wöchentlichen Erstanträge auf US-Arbeitslosenhilfe viel stärker als erwartet um 68.000 auf 368.000.

"Tapering" schon ab nächster Woche?

Nach der überraschenden Einigung im US-Haushaltsstreit spekulieren Investoren zunehmend darauf, dass die Fed schon am Mittwoch nächster Woche die Geldpolitik straffen und die milliardenschweren Anleihenkäufe drosseln könnte ("Tapering"). Da passt auch ins Bild, dass vermutlich Stanley Fischer zum stellvertretenden Fed-Chef nominiert wird. Fischer gilt geldpolitisch als deutlich strenger als Janet Yellen, die ab nächstem Jahr die US-Notenbank führen wird.

Rückschlag für Europas Wirtschaft

In Europa hingegen kochten Spekulationen wieder hoch, dass die Europäische Zentralbank (EZB) die Geldpolitik weiter lockern könnte. Denn die Produktion in der Eurozone brach im Oktober unerwartet um 1,1 Prozent ein. Ökonomen hatten mit einem Wachstum von 0,3 Prozent gerechnet. Präsident Mario Draghi sagte in Straßburg, mögliche Liquiditätshilfen müssten so gestaltet sein, dass das Geld auch in der Realwirtschaft ankomme.

Renditen von Staatsanleihen in Südeuropa steigen

Nach dem Willen der EZB müssen die Banken auch künftig für Staatsanlkeihen Eigenkapital vorhjalten, berichtete die "Financial Times". Dies würde vor alölem die südeuzropäusvchen Geldinstitute treffen. Die Renditen für spüanische und italienische Staatsanleihen zogen deshalb am Donnerstag an.

Euro und Gold unter Druck

Der Euro beendete seinen jüngsten Höhenflug. Die Gemeinschaftswährung fiel auf unter 1,38 Dollar und notierte am Abend bei 1,3740 Dollar. Auch Gold verbilligte sich um über ein Prozent. Eine Feinunze des gelben Edelmetalls kostete am Abend nur noch 1.226 Dollar.

Nur defensive Titel gefragt

Im Dax gab es nur zwei Gewinner: die defensiven Titel von Fresenius und Fresenius Medical Care. Bayer und die Deutsche Post schlossen fast unverändert.

Vorsichtiger Ausblick der Chemie-Branche

Ein gedämpft optimistischer Ausblick drückte die Chemiewerte. Die Aktien Lanxess verloren knapp zwei Prozent, die Titel von BASF büßten fast ein Prozent ein. Laut dem Chef des Branchenverbandes VCI, Karl-Ludwig Kley, geht es im kommenden Jahr mit der Branche zwar aufwärts, "aber nur langsam". Die Chemikalienpreise würden 2014 sogar zurückgehen.

Bloß weg mit den Underperformern!

Vor allem die Underperformer des Jahres wurden gemieden. Die Aktien von K+S gaben über zwei Prozent nach, die Titel der Commerzbank waren mit einem Minus von 2,5 Prozent Dax-Schlusslicht.

Metro glänzt

Im MDax ragte Metro als Spitzenreiter heraus. Die Zahlen des Handelskonzerns waren zwar durchwachsen, beim operativen Ergebnis vor Sonderfaktoren übertraf Metro aber die Erwartungen. Der Verlust von 71 Millionen Euro war zu verschmerzen.

SGL Carbon-Chef versilbert seine Anteile

Auf der Verliererseite notierten die Aktien der SGL Group mit eiunem Minus von über sechs Prozent. Der scheidende Chef des Grafitelektroden-Herstellers hat in den letzten Tagen für fast eine MIllion Euro SGL-Aktien abgestoßen. Moody's hatte jüngst die Bonitätsnote von SGL gesenkt. Ende November war das Wiesbadener Unternehmen in den SDax aufgestiegen.

Anleger bejubeln BVB-Weiterkommen

Mit einem Kursplus von bis zu vier Prozent reagierte die Aktie von Borussia Dortmund auf den Einzug des Teams ins Achtelfinale der Champions League . Durch einen späten Sieg in Marseille hat sich der Vorjahresfinalist in die K.o.-Runde gezittert.

Dividenden-Bonbon von Balda

Überflieger des Tages war im SDax Balda. Die Aktie rauschte um knapp 18 Prozent nach oben. Balda hat eine Sonderdividende von 1,50 Euro je Aktie in Aussicht gestellt. Im Geschäftsjahr 2012/13 kehrte das Unternehmen operativ in die schwarzen Zahlen zurück. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) betrug 4,1 Millionen Euro.

Bertrandt gut in Fahrt

Mit dem Ingenieur-Dienstleister Bertrandt hat am Donnerstag ein weiteres SDax-Unternehmen Zahlen vorgelegt. Im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr 2012/13 kletterte der Umsatz um über zehn Prozent auf 782,4 Millionen Euro. Nach Steuern verdiente Bertrandt 57,2 Millionen Euro. Die Aktie gab nach.

MVV in der Strompreis-Falle

Der Verfall der Großhandelspreise und die sinkenden Margen in der Stromerzeugung haben den regionalen Energieversorger MVV belastet. Das operative Ergebnis schrumpfte im abgelaufenen Geschäftsjahr 2012/13 um sechs Prozent auf 210 Millionen Euro. Unterm Strich verdiente MVV aber sechs Prozent mehr. Für das gerade angelaufene Geschäftsjahr rechnet MVV-Chef Georg Müller mit einer anhaltenden Durststrecke. Erst 2014/15 soll es wieder aufwärts gehen. Die Aktie stieg um ein Prozent. In der nächsten Woche muss MVV aus dem SDax absteigen.

QSC dreht ins Plus

Eine regelrechte Achterbahnfahrt erlebte die Aktie von QSC im TecDax. Nach anfänglichem Minus drehte der Titel kräftig ins Plus und beendete den Tag mit einem Plus von fast sechs Prozent als TecDax-Spitzenreiter. Der Telekom-Dienstleister bekräftigte das vor einiger Zeit ausgegebene Umsatzziel von 800 Millionen bis eine Milliarde Euro für 2016. Wirklich daran geglaubt habe bisher kaum jemand, meinte ein Händler.

Kapitalerhöhung von Nanogate

Stark unter Druck geriet die Aktie von Nanogate am Donnerstag. Sie büßte acht Prozent ein. Am Abend gab das Nano-Unternehmen eine Kapitalerhöhung bekannt. Zum Preis von 35 Euro je Titel sollen über 268.000 neue Aktien ausgegeben werden. Mit den Mitteln aus der Kapitalerhöhung soll die Expansion von Nanogate vorangetrieben werden.

GM steigt bei Peugeot aus

Im Ausland schockte Peugeot die Anleger mit seinen Plänen zur Kapitalerhöhung. Die Aktie brach um über sieben Prozent ein. Der französische Autohersteller sucht einen Retter und will offenbar den Einstieg des chinesischen Herstellers Dongfeng vorantreiben. Entsprechende Gespräche bestätigte der Verwaltungsrat. Am Abend gab General Motors (GM) bekannt, seine Anteile an Peugeot abzugeben. An der Kooperation mit den Franzosen halten die Amerikaner aber fest.

Hilton kehrt an die Börse zurück

Dem Hotelkonzern Hilton gelang ein starkes Debüt an die New Yorker Börse. Die Aktie startete sechs Prozent über dem Ausgabekurs von 20 Dollar. Mit einem Volumen von 2,3 Milliarden Dollar ist Hilton der zweitgrößte Börsengang des Jahres. Die Erlöse sollen zur Hälfte Großaktionär Blackstone und dem Hotelkonzern zufließen.

Facebook steigt in S&P 500 auf

Die Aktien von Facebook stiegen im US-Handel um über vier Prozent. Die Titel des weltgrößten Online-Netzwerks sollen ab Freitag kommender Woche in den renommierten S&P 500-Index aufgenommen werden.

Cisco warnt erneut

Die Papiere von Cisco büßten dagegen rund zwei Prozent ein. Der Netzwerkspezialist hat eine Umsatz- und Gewinnwarnung ausgeben.  Wegen "extremer Probleme" in Schwellenländern wie Russland oder Brasilien würden Umsatz und Gewinn längerfristig weniger stark zulegen als bislang angenommen, kündigte das US-Unternehmen an. In den kommenden drei bis fünf Jahren werde der Umsatz nur um drei bis sechs Prozent zulegen. Bislang ging der Konzern von fünf bis sieben Prozent aus.

nb

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 19. Juli

Unternehmen:
Volvo Car: Halbjahreszahlen, 6:00 Uhr
Volvo AB: Q2-Zahlen, 7:20 Uhr
Kuehne & Nagel: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
Givaudan: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
ABB: Q2-Zahlen, 6:50 Uhr
Adva Optical: Q2-Zahlen, 7 Uhr
SAP: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Amadeus Fire: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Villeroy & Boch: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Unilever: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Südzucker: HV, 10 Uhr
Bank of New York: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Blackstone: Q2-Zahlen
Microsoft: Q4-Zahlen, 22:09 Uhr

Konjunktur:
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Philly Fed Index 07/18, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren, 06/18, 16 Uhr