Börsen im Kriechgang

Stand: 10.08.2012, 20:05 Uhr

Die nachlassende Exportstärke der chinesischen Wirtschaft hat am Freitag die Anleger aufgeschreckt und die positive Bilanz der Börsenwoche getrübt. Dax, Dow & Co gaben leicht nach. Ein Lichtblick aus Griechland verhinderte deutlichere Kursverluste.

Kaum etwas kann derzeit die Anleger aus ihrer Lethargie holen. Der Dax setzte auch am Freitag seine Ruhepause fort, die seit Mittwoch andauert. Der deutsche Leitindex schloss erneut fast unverändert bei 6.945 Punkten im Xetra-Handel und büßte 0,3 Prozent ein. Im späten Parketthandel tat sich wenig. Der L-Dax stagnierte bei 6.940 Punkten. Auch an der Wall Street hielten sich die Marktteilnehmer zurück. Der Dow trat bei gut 1.3150 Punkten auf der Stelle.

Trotz des kleinen Kursrücksetzers bleibt die Börsenwoche erfreulich. Der Dax legte gut ein Prozent zu. Damit beendete der deutsche Leitindex die fünfte Woche in Folge mit einem Plus. Seit Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank, vor gut zwei Wochen ein stärkeres Eingreifen der Notenbank in der Schuldenkrise signalisiert hat, gewann der Dax gut acht Prozent.

Chinas Wachstumslok lahmt

Selbst erschreckend schwache Daten aus China brachten die Börsen nur ein bisschen aus dem Tritt. Die chinesische Wirtschaft steigerte die Exporte nur um einen Prozent. Volkswirte hatten mit einem Anstieg um neun Prozent gerechnet. "Die Diskrepanz zwischen Prognose und Realität ist diesmal schon fast erschreckend", sagte ein Händler.

Auch aus den USA gab es Gegenwind. Die Einfuhrpreise im Juli sind überraschend erneut deutlich um 0,6 Prozent gefallen. Volkswirte hatten einen Zuwachs von 0,2 Prozent vorhergesagt.

Griechisches Defizit sinkt
Für Entlastung sorgte eine Nachricht aus Athen. Das Haushaltsdefizit Griechenlands hat sich in den ersten sieben Monaten dieses Jahres auf 13,2 Milliarden Euro verringert. Das Defizitziel lag bei 14,8 Milliarden Euro. Händler sprachen von einem "ersten Signal, das anzeigt, dass die eingeleiteten Maßnahmen zu greifen beginnen".

Der Euro berappelte sich ein wenig und stieg auf knapp 1,23 Dollar. Die Renditen der spanischen und italienischen Anleihen bewegten sich kaum. Die zehnjährigen spanischen Titel rentierten bei knapp unter sieben Prozent, die italienischen Papiere bei rund 5,9 Prozent.

Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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ThyssenKrupp übertrifft Erwartungen
Star des Tages war die Aktie von ThyssenKrupp. Sie legte um fünf Prozent zu und führte mit Abstand den Dax an. Die Anleger reagierten erleichtert auf die Zahlen des Mischkonzerns. Das bereinigte operative Ergebnis ging zwar um 80 Prozent auf 122 Millionen Euro zurück. Analysten hatten noch Schlimmeres befürchtet. Positiv wurde registriert, dass es reges Interesse an der zum Verkauf stehenden Sparte Steel Americas gibt. Zudem bekräftigte ThyssenKrupp seine Jahresprognose.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Commerzbank wieder ganz hinten
Erneut Schlusslicht im Dax war die Aktie der Commerzbank. Sie rutschte um drei Prozent ab. Nach der Vorlage der Quartalszahlen am Donnerstag wenden sich Analysten von dem Titel ab. Die DZ Bank hat das Papier von "Kaufen" auf "Halten" abgestuft, die Société Générale sogar eine Verkaufsempfehlung ausgesprochen.

Deutz erholt sich
Gestern noch unter den größten Verlierern, heute wieder obenauf: die Aktie des Motorenbauers Deutz mauserte sich zum größten MDax-Gewinner mit einem Plus von über fünf Prozent. Analyst Stephan Klepp von der Berenberg Bank hat den Titel nun auf "hold" aufgestuft.

Dämpfer von Rheinmetall
Eine Berg- und Talfahrt legte die Aktie des Rüstungskonzerns Rheinmetall hin. Nach zwischenzeitlichen Gewinnen schloss sie zwei Prozent im Minus. Analysten zeigten sich enttäuscht über Aussagen des Vorstands, dass es in der Rüstungssparte schwieriger werde. Dank guter Geschäfte in der Autosparte stieg der Umsatz von Rheinmetall im ersten Halbjahr um neun Prozent auf 2,25 Milliarden Euro. Unter dem Strich verdiente das MDax-Unternehmen 82 Millionen Euro.

Hannover Rück wird abgehängt
Größter MDax-Verlierer war die Aktie der Hannover Rück mit einem Minus von mehr als zwei Prozent. Der zweitgrößte deutsche Rückversicherer hat im abgelaufenen Quartal die Analystenerwartungen verfehlt und 13 Prozent weniger verdient als im Vorjahreszeitraum. Damit schnitt Hannover Rück deutlich schlechter ab als Konkurrent Münchener Rück, der im zweiten Quartal den Gewinn um zehn Prozent steigerte.

Rekordmonat von Fraport
Wenig euphorisch reagierten Anleger auf Rekord-Passagierzahlen des Flughafenbetreiber Fraport, die Aktie gab leicht nach. Fraport hat im Monat Juli in Frankfurt fast 5,8 Millionen Passagiere befördert und damit einen neuen Bestwert erzielt, ein Zuwachs von 3,2 Prozent. Insgesamt nutzen 11,8 Millionen Fluggäste die Airports von Fraport.

Bechtle und Euromicron nicht gut genug
Kursabschläge nach Quartalszahlen verbuchten die Aktien der beiden TecDax-Mitglieder. Vor allem der IT-Dienstleister Bechtle verlor deutlich. Das Unternehmen hat im zweiten Quartal seinen Umsatz um 8,4 Prozent auf 495,3 Millionen Euro gesteigert. Vor Zinsen und Steuern sank das Ergebnis im Quartal allerdings von 19,6 auf 15,4 Millionen Euro. Hohe Personalkosten und der Preisdruck im E-Commerce-Geschäft seien dafür verantwortlich.

Netztechnik-Ausrüster Euromicron hat mit einer Umsatzrendite von 6,3 Prozent im Halbjahr die eigenen Vorgaben nicht erreicht. Die Geschäfte laufen allerdings gut, der Umsatz wurde um 19 Prozent auf 153 Millionen Euro gesteigert. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) stieg von 8,6 auf 9,7 Millionen Euro.

Drillisch leidet unter Freenet
Der Mobilfunk-Dienstleister Drillisch hat im zweiten Quartal wegen Bewertungsabschlägen auf seine Freenet-Beteiligung einen Gewinnrückgang von 24,4 auf 3,9 Millionen Euro hinnehmen müssen. Bereinigt um den Effekt hätte sich ein Gewinnanstieg ergeben, teilte Drillisch mit. Wie bereits gemeldet, wurde der Umsatz im Quartal von 80,1 auf 83,4 Millionen Euro gesteigert. Die TecDax-Aktie schloss fast unverändert.

IVG verspricht Wende
Der Immobilien-Konzern aus dem SDax hat seine Verschuldungsquote erstmals seit Jahren unter 70 Prozent gesenkt. Allerdings machte das Unternehmen auch im zweiten Quartal Verluste in Höhe von 11,2 Millionen Euro. IVG will im Gesamtjahr 2012 weiterhin ein "nahezu ausgeglichenes Ergebnis" erreichen. Die Aktie war mit einem Plus von drei Prozent einer der größten SDax-Gewinner.

Zahlen aus der dritten Reihe
Die Modekette Adler hat im ersten Halbjahr mit 7,1 Millionen Euro einen deutlich größeren Verlust gemacht als ein Jahr zuvor. Das Unternehmen litt nach eigenen Angaben unter Kaufzurückhaltung bei den Kunden. Die Aktie gibt leicht nach. Der Klinikbetreiber Mediclin hat seine Erlöse im Halbjahr um 11,2 Prozent auf 254,1 Millionen Euro angehoben. Unter dem Strich blieb dem Konzern aus dem Prime Standard aber nur ein Gewinn von 1,1 Millionen Euro. Die Aktie gewinnt leicht.

Für Berentzen war's nicht heiß genug
Das kühle Frühjahrswetter und die Auslandsexpansion haben den Gewinn des Getränkeherstellers Berentzen im ersten Halbjahr geschmälert. Das operative Ergebnis brach um über 60 Prozent auf 1,8 Millionen Euro ein. Vor allem alkoholfreie Getränke verkauften sich wegen der schlechtren Wiierung schlecht. Dagegen wurde deutlich mehr Wodka der Marke Puschkin verkauft. Die Berentzen-Aktien sacken um über acht Prozent ab.

Keine fetten Zahlen von Petrotec
Um fünf Prozent schmiert die Aktie von Petrotec ab. Der Hersteller von Biodiesel aus Frittenfett ist in die roten Zahlen gerutscht. Im zweiten Quartal fiel ein Verlust von 0,2 Millionen Euro an - nach einem Gewinn von 0,8 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) brach von 1,4 auf 0,3 Millionen Euro ein. Für das Gesamtjahr erwartet der Vorstand nun nur noch eine Ebit-Marge von 1,5 bis zwei Prozent und einen Umsatz am unteren Ende der Spanne von 150 bis 190 Millionen Euro.

Alphaform zurück in der Gewinnzone
Gute Zahlen hat hingegen das Fertigungsunternehmen Alphaform präsentiert. Der Medizintechnik- und Autozulieferer kehrte zurück im ersten Halbjahr zurück in die schwarzen Zahlen und erwirtschaftete ein Ergebnis von 0,4 Millionen Euro. Der Umsatz stieg um zehn Prozent auf 14,1 Millionen Euro. Die Prognose für das Gesamtjahr wurde bekräftigt. Das Konzernergebnis soll positiv ausfallen, und der Umsatz soll über dem Vorjahresniveau liegen. Die Alphaform-Aktie legte fünf Prozent zu.

Österreichische Post liefert mehr Gewinn
Ähnlich wie die Deutsche Post leidet auch die Österreichische Post unter der Internet-Konkurrenz. Der Umsatz stagnierte im zweiten Quartal bei 567 Millionen Euro. Dank des Stellenabbaus erhöhte sich aber das operative Ergebnis um zwölf Prozent auf 36,4 Millionen Euro. Für 2012 peilt die Österreichische Post eine Ergebnisverbesserung und stabile bis steigende Erlöse an. Die Aktie konnte leicht zulegen. Seit einem Jahr hat der Titel ein Drittel an Wert gewonnen.

ManchesterUnited stolpert an die Börse
Der englische Fußball-Rekordmeister hat sein Comeback an der Börse geschafft, wenn auch mit Mühe. Die Aktie startete am Freitag in New York knapp über dem Ausgabekurs von 14 Dollar. ManU nahm freilich weniger Geld ein als erhofft. Die Anleger konnten nur mit einem Abschlag zum Kauf der Fußball-Titel angelockt werden.

Tagestermine am Mittwoch, 21. November

Unternehmen:
ThyssenKrupp: Q4-Zahlen, 7.30 Uhr
Deutsche Bank: Platform Economy Summit, Berlin
CA Immo: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Paris: Vorstellung des OECD-Wirtschaftsausblicks, 11 Uhr
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Woche, 14:30 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen, November endgültig, 16 Uhr
USA: Frühindikatoren, Oktober, 16 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Abschluss der Handelsblatt-Tagung zum Thema "European Banking Regulation" mit Deutsche-Bank-Compliance-Vorständin Matherat