Marktbericht 20:30 Uhr

Dax-Erholung gestoppt Börsen geht die Puste aus

Stand: 20.08.2014, 20:30 Uhr

Anleger haben am Mittwoch Kasse gemacht und die Kursgewinne der letzten Tage mitgenommen. Selbst eine im Fed-Sitzungsprotokoll angedeutete frühere Zinswende in den USA konnte die Börsen nicht beeindrucken.

Die Zentralbanker räumten in den "Fed-Minutes" ein, dass die Erholung des Arbeitsmarkts stärker als von ihnen erwartet ausgefallen sei. Allerdings sei er noch weit von normalen Zuständen entfernt, hieß es im Abend veröffentlichten Fed-Sitzungsprotokoll. Die Mehrheit des geldpolitischen Ausschusses der Fed will zunächst weitere Daten abwarten. Sollte die Erholung schneller als prognostiziert voranschreiten, halten viele Mitglieder des Ausschusses eine frühere Anhebung der Leitzinsen als bisher erwartet für möglich.

Fed-Protokoll lässt Anleger relativ kalt

Die Anleger zeigten sich zunächst davon kaum beeindruckt. Die US-Börsen gaben nur einen kleinen Teil ihrer Gewinne ab. Eineinhalb Stunden vor Handelsschluss notierte der Dow 0,1 Prozent im Plus. Der S&P 500 legte leicht zu und blieb in Reichweite der 2.000 Punkte.

Dax schließt leicht im Minus

Im Sog der freundlichen Wall Street konnten die europäischen Aktienmärkte ihre Verluste eingrenzen. Der Dax schloss auf Xetra 0,2 Prozent tiefer bei knapp 9.315 Punkten. Der L-Dax verabschiedete sich bei 9.324 Zählern. Am frühen Nachmittag war der deutsche Leitindex noch um bis zu ein Prozent abgerutscht. Der EuroStoxx50 büßte rund 0,3 Prozent ein.

Hoffen auf klare Worte aus Jackson Hole

Vor dem Fed-Protokoll und dem Treffen der führenden Notenbanker in Jackson Hole "nahmen viele Marktakteure lieber an der Seitenlinie Platz", meinte Analyst Christian Henke von IG Markets. Am Donnerstag eröffnet Fed-Präsidentin Janet Yellen das Wirtschaftssymposium in den Rocky Mountains. Sollte sie dort Signale in Richtung rasche Zinswende in den USA senden, dürften die Märkte wieder ins Strudeln geraten. Danach sieht es freilich momentan nicht aus. Nach Einschätzung von Helaba-Analyst Ulrich Wortberg wird "Yellen weiterhin bemüht sein, Erwartungen einer raschen Zinswende im Zaum zu halten."

Euro auf Jahrestief

Die Spekulationen auf eine näher rückende Zinswende in den USA drückten den Euro auf ein neues Jahrestief. Der Euro rutschte unter die Marke von 1,33 Dollar und notierte am Abend bei 1,3265 Dollar. Nur das britische Pfund zeigte Stärke und kletterte zeitweise auf ein Tageshoch von 1,6680 Dollar. In der britischen Notenbank ist eine Kontroverse über den geeigneten Zeitpunkt für höhere Zinsen ausgebrochen. Zwei von neun Zentralbankern stimmten für eine sofortige Anhebung der Leitzinsen.

Analysten beflügeln Siemens und Eon

Schwergewichte wie Siemens, VW und die Deutsche Bank retteten den Dax vor größeren Kursverlusten. Die Titel von VW legten fast ein Prozent zu und führten die Gewinnerliste in der ersten deutschen Börsenliga an. Die Papiere von Siemens stiegen um 0,2 Prozent - dank einer Kaufempfehlung von Goldman Sachs. Ein positiver Analysten-Kommentar beflügelte Eon. Die französische Großbank Société Générale hat die Verkaufsempfehlung für den Energietitel gestrichen.

Bund bleibt Commerzbank treu

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,53
Differenz relativ
-0,35%

Papiere der Commerzbank standen hingegen auf der Verlierer-Liste. Die Bundesregierung will ihre Beteiligung an der Commerzbank nicht vor dem Abschluss des groß angelegten Konzernumbaus verkaufen. "Wir sind kein Eigentümer auf Dauer. Aber ich sehe keinen Grund, ausgerechnet jetzt auszusteigen", sagte Finanzstaatssekretär Thomas Steffen dem "Manager Magazin" laut einem Vorabbericht vom Mittwoch.

Milliarden-Coup von Infineon

Infineon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
23,05
Differenz relativ
+3,09%

Der Chiphersteller gab nach Xetra-Schluss einen Milliarden-Zukauf bekannt. Die Münchner übernehmen für rund drei Milliarden Dollar den US-Rivalen International Rectifier. Der Deal wird mit Schulden von 1,5 Milliarden Euro und Barmitteln finanziert. Die Aktie weitete am Abend ihre Kursverluste auf minus drei Prozent aus.

Hochtief hochgestuft

Im MDax war vor allem die Aktie von Fraport gefragt - allerdings ohne relevante Nachrichten. Auch die Aktie von Hochtief zog um 0,6 Prozent an - dank einer Hochstufung durch die UBS auf "Neutral". Der Kurs bewege sich auf dem Niveau seines um einen auf 58 Euro gesenkten Kursziels, schrieb Analyst Daniel Porter von der UBS in einer Studie. Daher sei eine Verkaufsempfehlung nicht mehr angemessen.

Zitzewitz neuer Osram-Chef?

Spekulationen über einen neuen Chef beim kriselnden Beleuchtungshersteller Osram konnten der Aktie nicht helfen. Sie büßte rund 0,3 Prozent ein. Laut "Manager Magazin" soll der frühere Infineon-Chef Andreas von Zitzewitz Wolfgang Dehen an der Spitze von Osram in eineinhalb Jahren ablösen. Dehens Vertrag läuft bis März 2016. Zunächst soll von Zitzewitz den Posten von Technologieverstand Peter Laier übernehmen. Osram wollte zu den Personal-Spekulationen keine Stellung nehmen. Die Suche nach einem Nachfolger von Laier sei in vollem Gange, hieß es nur.

Ströer kann sich wieder sehen lassen

Eine Berg- und Talfahrt legten die Aktien von Ströer im SDax hin. Nach den vorgelegten Halbjahreszahlen büßte die Aktie erst kräftig ein, schloss dann aber knapp zwei Prozent im Plus. Der Werbespezialist hat dank eines starken Digital-Geschäfts seinen Nettogewinn auf 3,4 Millionen Euro gesteigert. Im Vorjahr war noch ein Verlust von 1,7 Millionen Euro angefallen.

BVB vor Kapitalerhöhung?

Im späten Frankfurter Handel geriet die Aktie von Borussia Dortmund unter Druck. Der Fußball-Bundesligist will laut einem Vorab-Bericht des "Handelsblatt" am Donnerstag eine umfangreiche Kapitalerhöhung ankündigen. Bis zu 24,6 Millionen neue Aktien sollen ausgegeben werden. Der BVB hofft auf einen Erlös von bis zu 110 Millionen Euro.

LPKF erholt sich

Die LPKF-Aktie setzte ihren Erholungskurs fort und machte weiter Boden gut nach den Kursverlusten im Jahresverlauf. Mit einem Plus von fast drei Prozent eroberte der Laser-Titel die TecDax-Spitze. Ein Analyst sieht weiter Luft nach oben für die Aktie.  

Krebs-Deal schiebt Morphosys an

Ebenfalls im Plus schloss Morphosys. Das Biotechnologie-Unternehmen wird mit der amerikanischen Energent Biosolutions bei der Entwicklung eines Medikaments gegen Prostatakrebs zusammenarbeiten. Der zu erforschende Antikörper werde aber erst in den kommenden Monaten in klinischen Studien erprobt und befinde sich damit in einer frühen Phase der Forschung, gibt Commerzbank-Analyst Daniel Wendorff zu bedenken.

Air Berlin schafft die Wende

Kurz nach Xetra-Schluss gab Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft ihre Quartalszahlen bekannt. Überraschend flog die Airline einen Nettogewinn von 8,6 Millionen Euro ein. Operativ fielen aber erneut rote Zahlen an. Die angeschlagene Airline will nun vor allem Reiseziele im deutschsprachigen Raum und Mallorca ansteuern. Die übrigen Strecken sollen in einmer engeren Kooperation mit Großaktionär Etihad und Alitalia angeboten werden. Die Aktie schoss um über zehn Prozent in die Höhe.

Uzin Utz auf Expansionskurs

Jenseits der großen Indizes legte Uzin Utz Zahlen vor. Der Bauchemiehersteller steigerte seinen Umsatz in der ersten Jahreshälfte nach vorläufigen Zahlen um 8,4 Prozent auf 113,3 Millionen Euro. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit kletterte um knapp 17 Prozent auf 5,7 Millionen Euro. Die Aktie fiel dennoch.

Apple auf Allzeithoch

An der US-Börse stand die Apple-Aktie im Rampenlicht. Mit 101,09 Dollar knackte der Nasdaq-Titel sein zwei Jahre altes Rekordhoch von 100,72 Dollar - unter Berücksichtigung der Aktiensplits. Seit Monaten befindet sich Apple im Höhenflug. Allein in den letzten vier Monaten hat der Kurs gut 30 Prozent zugelegt. Anleger und Apple-Fans warten gespannt auf das neue iPhone und andere neue Modelle, die am 9. September präsentiert werden sollen.

Hertz-Schock in den USA

Mehrere US-Firmen senkten derweil am Mittwoch ihre Jahresprognose. So reduzierte der Autovermieter Hertz seine Gewinnziele wegen operativer Probleme und Kosten für die Bilanz-Korrektur der vergangenen drei Jahre. Anleger reagierten entsetzt: die Hertz-Aktie stürzte um elf Prozent ab. Auch der Einzelhändler Target senkte den Gewinn-Ausblick für das laufende Jahr. Die Baumarktkette Lowe's kappte die Umsatzprognose für das Geschäftsjahr. Die Aktien gaben nach.

Bank of America vor Rekordstrafe

Im Streit um den Verkauf riskanter Hypotheken-Papiere, die zum Ausbruch der Finankrise führten, hat sich offenbar die Bank of America mit den US-Behörden auf einen Vergleich in Höhe von 17 Milliarden Dollar (!) geeinigt. Das wäre der höchste jemals bezahlte Betrag in einer zivilrechtlichen Auseinandersetzung zwischen der US-Regierung und einem Unternehmen. Am Donnerstag soll laut US-Medien die Rekordstrafe verkündet werden.

Euro bremst Schoeller-Bleckmann

In Wien legte am Morgen Schoeller-Bleckmann seine Zahlen zum ersten Halbjahr vor. Demnach hat der österreichische Ölfeldausrüster beim operativen Ergebnis (Ebitda) zwar einen Rückgang um fast vier Prozent auf 65,9 Millionen Euro hinnehmen müssen, seinen Gewinn unterm Strich aber um acht Prozent auf 30,3 Millionen Euro steigern können. Dem Unternehmen machte der starke Euro zu schaffen. Die Aktie gab leicht nach.

Luxxotica-Chef vor Abgang?

An der Mailander Börse trübten Rücktrittsgerüchte den Blick auf den Brillenhersteller Luxxotica. Die Aktien sackten zeitweise um sieben Prozent ab. In der Presse wurde über einen Abschied von Vorstandschef Andrea Guerra spekuliert. Der angesehene Manager habe angeblich Firmengründer Leonardo del Vecchio verärgert mit seiner Kooperation mit Google bei internet-fähigen Datenbrillen.

Heineken top, Carlsberg flop

Freud und Leid liegen in der Bierbranche dicht beieinander. Während beim Rivalen Heineken dank der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien die Kassen klingeln, schwächelt die Carlsberg-Aktie. Wegen schwacher Geschäfte in Russland haben die Dänen ihr Gewinnziel für das laufende Jahr kassiert.

Vestas macht viel Wind

Ein anderes dänisches Unternehmen machte es besser: Der Windkraftanlagenhersteller Vestas hat seine Prognose für das laufende Jahr nach oben geschraubt. Nach verlustreichen Jahren hat der weltgrößte Windkraftanlagenhersteller den dritten Quartalsgewinn in Folge verzeichnet. Die Aktie schloss jedoch knapp zwei Prozent im Minus. Der Wind-Titel hat sich seit seinem Tief 2012 bei 3,13 Euro mehr als verzehnfacht.

Glencore spart sich reich

Die Aktie von Glencore zog um fast ein Prozent an. Der schweizerisch-britische Rohstoffkonzern hat sich erfolgreich gegen den allgemeinen Rückgang der Rohstoffpreise gestemmt. Dank Kosteneinsparungen und einer Ausweitung der Förderung kletterte der um Sondereffekte bereinigte Überschuss auf vergleichbarer Basis um acht Prozent auf 2,01 Milliarden US-Dollar. Damit traf Glencore die Erwartungen von Analysten.

nb

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 19. Juli

Unternehmen:
Volvo Car: Halbjahreszahlen, 6:00 Uhr
Volvo AB: Q2-Zahlen, 7:20 Uhr
Kuehne & Nagel: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
Givaudan: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
ABB: Q2-Zahlen, 6:50 Uhr
Adva Optical: Q2-Zahlen, 7 Uhr
SAP: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Amadeus Fire: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Villeroy & Boch: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Unilever: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Südzucker: HV, 10 Uhr
Bank of New York: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Blackstone: Q2-Zahlen
Microsoft: Q4-Zahlen, 22:09 Uhr

Konjunktur:
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Philly Fed Index 07/18, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren, 06/18, 16 Uhr