Marktbericht 20:10 Uhr

Unsicherheit über Notenbank-Kurs Börsen gehen auf Tauchstation

Stand: 05.06.2013, 20:10 Uhr

Die Angst vor einer weniger lockeren Geldpolitik sitzt tief. Die Anleger halten die Füße still und verkaufen Aktien. Weltweit gingen die Börsen auf Tauchstation. Da halfen auch neue US-Konjunkturdaten nicht.

Tut sie’s oder tut sie’s nicht? Anleger fragen sich, ob schon bald die Fed die geldpolitischen Zügel anzieht und die Anleihenkäufe drosselt. Seit Tagen halten sich die Spekulationen über eine Änderung der Fed-Strategie hartnäckig. Das führt zu paradoxen Reaktionen: "Negative Konjunkturdaten werden gefeiert, positive gestraft", schreibt Hans A. Bernecker in seinem Börsenbrief. Denn erholt sich die amerikanische Wirtschaft, steigt der Druck auf die Fed, die Märkte mit weniger billigem Geld zu fluten.

Weniger neue Jobs in den USA als erwartet

Am Mittwoch wurde an der Börse nicht gefeiert, obwohl der Arbeitsmarktbericht von ADP schlechter ausfiel als erwartet. Zudem ging die Arbeitsmarktkomponente im ISM-Einkaufsmanagerindex deutlich auf 50,1 Punkte zurück. Experten sahen indes in den Daten Hinweise auf eine anhaltende Erholung des Arbeitsmarkts. Mit 135.000 Stellen wurden mehr Jobs geschaffen als noch im April.

Dow unter 15.000

Der ADP-Bericht ließ die Anleger im Dunkeln - und lieferte keine echten Impulse für die zentralen Mai-Arbeitsmarktdaten, die am Freitag veröffentlicht werden. Angesichts der anhaltenden Unsicherheit konsolidierten die Börsen weiter. Der Dax rutschte unter die Marke von 8.200 Punkten. Auch die Wall Street zeigte sich in schwacher Verfassung. Der Dow lag zwei Stunden vor Handelsschluss über ein Prozent niedriger und fiel unter 15.000 Punkte. "Die Aktienmärkte sind derzeit angeschlagen", meinte ein Marktteilnehmer.

Fed: Nur mäßige Konjunkturerholung

Auch vom Fed Beige Book gab es am Abend keine eindeutigen Hinweise zur künftigen Geldpolitik. Die Notenbank wies auf eine mäßige Konjunkturerholung seit April hin und bemängelte vor allem die geringe Zahl neuer Jobs. Beunruhigend sind die Auftragseingänge der US-Industrie im April. Die Firmen zogen nur ein Prozent mehr Aufträge an Land. Volkswirte hatten mit einem Zuwachs von 1,5 Prozent gerechnet. Dagegen hellte sich die Stimmung der Dienstleister auf. Der Einkaufsmanagerindex ISM stieg stärker als prophezeit.

Euro wieder obenauf

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Der Euro profitierte von den trüben US-Daten. Er kletterte zeitweise auf über 1,31 Dollar. Der Goldpreis zog ebenfalls an und überwand die 1.400 Dollar.

Deutsche Bank mag Deutsche Post

Im Dax gab es nur fünf Gewinner, darunter die Deutsche Post, die mit einem Plus von einem Prozent herausragte. Grund: Die Deutsche Bank hat ihre Kaufempfehlung für den Dax-Titel bekräftigt und das Kursziel von 20,50 auf 25 Euro angehoben. Ebenfalls von Analysten wurde die Akztie von Conti getrieben. Die HSBC hievte das Kursziel auf 123 Euro je Aktie.

ThyssenKrupp einig mit Brasilianern?

Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Gute Zahlen des Konkurrenten Voestalpine und neue Berichte über den Verkauf des defizitären Stahlwerks in Brasilien heizten die Aktie von ThyssenKrupp an. Laut "Handelsblatt" soll sich ThyssenKrupp mit dejm brasilianischen Stahlkonzern CSN Einig sein. Der "Platow Brief" meldete gar, dass ThyssenKrupp 3,8 Milliarden Euro mit dem Stahlwerk in Brasilien und dem Werk in den USA erlösen wird. Der österreichische ThyssenKrupp-Konkurrent Voest Alpine steigerte im abgelaufenen Geschäftsjahr das operative Ergebnis (Ebit) um rund ein Fünftel auf knapp 854 Millionen Euro.

SAP kauft in der Schweiz zu

SAP

SAP: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die Aktie von SAP schloss gut zwei Prozent tiefer. Der Software-Riese setzt seine Einkaufstour fort und expandiert in der Schweiz. Die Walldorfer übernehmen den E-Commerce-Spezialisten Hybris. Ein Kaufpreis wurde nicht genannt. Ein SAP-Sprecher bezeichnete den Deal als die bislang größte Übernahme von SAP in diesem Jahr. 2012 hatte der Software-Konzern fast acht Milliarden Dollar für Zukäufe ausgeben.

Gewinnmitnahmen bei BASF