Marktbericht 20:05 Uhr

Marktbericht positiv Daumen rauf
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Dax klettert auf Sechswochen-Hoch Börsen feiern die vorletzte Draghi-Show

Stand: 12.09.2019, 20:05 Uhr

Mit einem geldpolitischen Feuerwerk hat EZB-Präsident Mario Draghi die gute Laune an den Börsen weiter angefacht. Zudem gab's Entspannungssignale im Zollstreit zwischen USA und China. Wie lange hält die September-Rally noch?

Während deutsche Sparer über den lockeren Kurs von "Super Mario" Draghi stöhnen, dürften sich Aktienbesitzer freuen - zumindest ein bisschen. Denn der oberste Währungshüter der Euro-Zone hört nicht auf, billiges Notenbankgeld in die Märkte zu pumpen. Am Donnerstag lieferte er ein verfrühtes Abschiedsgeschenk.

EZB öffnet die Geldschleusen

Die Europäische Zentralbank (EZB) brachte am Donnerstag ein umfassendes Paket zur Stützung der Wirtschaft auf den Weg, das eine weitere Zinssenkung, erneute Anleihenkäufe und Erleichterungen für Banken enthält. Die Währungshüter hoben die Strafzinsen für Banken an, wenn diese überschüssige Gelder bei der Notenbank parken. Der sogenannte Einlagensatz wurde auf minus 0,5 Prozent von bislang minus 0,4 Prozent gesenkt. Um die Folgen für die Institute abzumildern, kündigte die EZB eine Staffelung der Strafzinsen an-

ARD-Börsenstudio: Jan Plate
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B5 Börse 16.14 Uhr: Nach EZB-Entscheid starke Bewegung und Kritik

Gleichzeitig nimmt die EZB die in Deutschland umstrittenen Anleihenkäufe wieder auf. Ab November sollen pro Monat neue Zukäufe im Umfang von 20 Milliarden Euro hinzukommen. Die Käufe sollen erst dann gestoppt werden, wenn die EZB kurz vor einer Zinserhöhung steht - also am Sankt-Nimmerleins-Tag.

Siebter Dax-Gewinntag in Folge

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Das angekündigte EZB-Paket sorgte zunächst für Jubel an den Börsen. Zunächst schoss der Dax auf bis 12.471 Punkte nach oben, büßte dann zeitweise wieder komplett seine Gewinne ein, bevor er sich wieder aufrappelte und schließlich 0,4 Prozent höher schloss. Damit beendete der deutsche Leitindex den siebten Tag hintereinander im Plus und erreichte den höchsten Stand seit Ende Juli. Der EuroStoxx50 legte um 0,6 Prozent zu.

Reicht das?

Allerdings stieß die neue Lockerungsrunde der EZB nicht nur auf Lob, sondern auch auf Skepsis. "Die große Frage bleibt aber, ob dies genug ist, um Inflation und Wachstum wieder in die Spur zu bringen", sagte Carsten Brzeski, Chef-Volkswirt der ING Bank in Deutschland. "Denn das eigentliche Problem ist die Haushaltspolitik. Ohne steuerfinanzierte Konjunkturprogramme führt Draghis Schachzug nicht zwangsläufig zu einem Happy End."

Hoffnung auf Deal zwischen USA und China

Als der "Draghi-Effekt" am Nachmittag nachließ, kam Rettung aus den USA. Dort machen sich Anleger Hoffnung auf einen baldigen Deal zwischen Peking und Washington. Insidern zufolge erwägen Berater des US-Präsidenten Donald Trump eine Aufschiebung angedrohter Strafzölle. Die Überlegungen sähen vor, neue Strafzölle auf chinesische Waren zeitlich zu verschieben oder rückgängig zu machen, wenn China im Gegenzug zu Zugeständnissen bereit ist. Der Dow zog daraufhin an und nahm Kurs Richtung Rekordhoch. Zwei Stunden vor Handelsschluss lag er 0,5 Prozent höher.

S&P 500 Ind.: Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
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Dow Jones Ind.: Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
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Nasdaq 100: Kursverlauf am Börsenplatz NASDAQ Indizes für den Zeitraum Intraday
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Euro berappelt sich

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Der Euro legte eine Berg- und Talfahrt hin. Nach dem EZB-Entscheid sackte die europäische Gemeinschaftwährung zeitweise auf unter 1,10 Dollar ab. Am Nachmittag fing sich der Euro wieder und notiert aktuell bei 1,1070 Dollar. US-Präsident Donald Trump warf der EZB nach der jüngsten Zinssitzung vor, der amerikanischen Wirtschaft zu schaden. Die EZB habe erfolgreich den Euro gegenüber dem "sehr starken Dollar" abgewertet, twitterte er wenige Minuten nach dem Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank. Dies schade den US-Exporteuren.

Deutsche Inflation sinkt

In Deutschland hat sich die Inflation im August wie erwartet deutlich abgeschwächt. Das allgemeine Preisniveau erhöhte sich im Vergleich zum Vorjahresmonat um 1,4 Prozent, wie das Statistische Bundesamt nach einer zweiten Schätzung mitteilte. Damit bestätigte die Behörde wie von Analysten erwartet eine erste Erhebung. Im Juli hatte die Inflationsrate noch bei 1,7 Prozent gelegen.

Türkische Notenbank senkt Leitzins

Die türkische Notenbank hat den Leitzins trotz der hohen Inflation erneut gesenkt. Die jüngste Änderung sieht eine Senkung um 3,25 Punkte auf 16,5 Prozent vor. Im Juli hatte die Zentralbank die Zinsen überraschend stark von 24 auf 19,75 Prozent gesenkt. Experten sind auch vor der heutigen Entscheidung von einer weiteren starken Senkung ausgegangen. So drastisch wie erwartet fiel die Entscheidung letztlich aber nicht aus.

Bei der aktuellen Zinssenkung habe die Notenbank bei ihrer Entscheidung nicht zum Extrem tendiert, sagte Commerzbank-Analystin Thu Lan Nguyen. Dies sei der Grund, weshalb die Lira momentan steige und gegenüber dem US-Dollar zulegt. Sinkt die Inflation in nächster Zeit weiter, habe die Notenbank in den kommenden Monaten noch Spielraum für weitere Zinssenkungen.

Gold und Anleihen zeitweise gefragt

Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Die Aussicht auf eine weitere Flut billigen Notenbank-Geldes der EZB trieb die Anleger zeitweise verstärkt in europäische Anleihen und in Gold. Das oft zur Inflationsabsicherung genutzte Edelmetall verteuerte sich um bis 1,3 Prozent auf 1517,28 Dollar je Feinunze. Am Abend schmolzen die Gewinne dahin. Auch die Nachfrage nach europäischen Anleihen verebbte rasch. Die Rendite der zehnjährigen italienischen Bonds stieg auf 0,862 Prozent, nachdem sie zuvor auf ein Rekordtief von 0,758 Prozent gefallen war. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen kletterte auf minus 0,52 Prozent.

Ölpreise auf Talfahrt

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Die Ölpreise hingegen gaben kräftig nach wegen schwindender Hoffnungen auf eine Verschärfung der Förderbremse. Die Nordsee-Sorte Brent verbilligte sich um 1,3 Prozent auf rund 60 Dollar je Barrel. Anleger seien enttäuscht, dass die Opec und ihre Verbündeten nur über die Einhaltung der bisherigen Förderquoten und nicht über eine erneute Senkung diskutiert haben, sagen Börsianer.

Deutsche Bank im Minus

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die Freude der Anleger über den Staffelzins auf Einlagen bei der EZB währte nur wenige Minuten: Der Index für die Banken der Euro-Zone drehte ins Minus. Die Strafzinsen auf Notenbank-Einlagen seien quasi eine Steuer, sagte Artur Baluszynski, Chef-Analyst des Vermögensverwalters Henderson Rowe. Sie könnten die schwächelnde europäische Konjunktur zusätzlich belasten. Die Titel der Deutschen Bank fielen um knapp ein Prozent.

VW-Aktien: Neue Abgas-Vorwürfe

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Mit neuen Vorwürfen sieht sich VW konfrontiert. Laut SWR-Recherchen haben die Wolfsburger offenbar auch bei neueren Dieselmotoren Vorrichtungen eingesetzt, um Abgastests automatisch zu erkennen. Der Konzern dementierte. Nach aktuellem Stand sei "nichts Illegales passiert", sagte ein VW-Sprecher. Die Aktien von VW legten leicht zu - auch dank einer positiven Studie der Barclays Bank. Sie sieht VW beim Trend zur E-Mobilität am besten aufgestellt in Europa.

Gen-Sojabohne von Monsanto darf weiter vertrieben werden

Bayer darf aufatmen: Der Europäische Gerichtshof hat eine Klage dreier deutscher Nicht-Regierungsorganisationen zurückgewiesen. Sie argumentierten, dass gesundheitliche Risiken vor der Zulassung nicht ausreichend geprüft worden seien. Die EU-Kommission hatte den Vertrieb von Futter- und Lebensmitteln, die eine bestimmte Sojabohne der Bayer-Tochter Monsanto enthalten, 2012 erlaubt. Monsanto hatte die Bohne so verändert, dass sie zum einen für Schädlinge unattraktiv ist, zum anderen gegen das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat resistent ist.

Ferien bringen Lufthansa mehr Passagiere

Der Ferienmonat August hat der Lufthansa mehr Passagiere und besser gefüllte Maschinen gebracht. Im abgelaufenen Monat beförderte Europas größte Fluggesellschaft samt ihrer Töchter wie Swiss, Austrian Airlines und Eurowings gut 14,1 Millionen Fluggäste. Das sind 2,9 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Auslastung der Sitzplätze verbesserte sich um 0,8 Prozentpunkte auf 87,2 Prozent. Im Frachtgeschäft blieb die Entwicklung hingegen mau. Die Auslastung der Frachträume verschlechterte sich um 4,2 Prozentpunkte auf 58,8 Prozent.

Knorr-Bremse: Gutes Halbjahr, maue Aussichten

Der Zug- und Nutzfahrzeugzulieferer hat im ersten Halbjahr Umsatz und Gewinn deutlich gesteigert. Der Konzern profitierte von Trends zur Digitalisierung und zum automatisierten Fahren profitiert. Der Umsatz stieg um 8,4 Prozent auf 3,6 Milliarden Euro, das Ebitda um knapp 15 Prozent auf 669 Millionen Euro. Die Ebitda-Marge wuchs auf 18,6 Prozent von 17,5 Prozent. Das ist mehr als Analysten erwartet hatten. Sie monierten aber den schwachen Auftragseingang. Die Aktien büßten 0,4 Prozent ein.

Unternehmszentrale Knorr-Bremse in München Audio

B5 Börse 10.44 Uhr: Knorr-Bremse glänzt mit Halbjahresbilanz

CTS Eventim schneller im MDax

CTS Eventim: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Der Ticket-Vermarkter CTS Eventim steigt schneller in den MDax auf. Schon zum 16. September und nicht wie bisher angekündigt erst zum 23. September wird CTS Eventim Mitglied im MDax. CTS ersetzt dort Innogy. Der Versorger werde den Angaben zufolge mit der Übernahme durch Eon zu wenig Streubesitz haben.

Die VW-Abspaltung Traton steigt dadurch auch früher in den SDax für CTS auf, wie es weiter heißt. Wegen dieses außerplanmäßigen Wechsels werde Rational am 23. September in den MDax aufsteigen und Dermapharm Holding werde dann Rational im SDax ersetzen.

Die übrigen Wechsel, die am 4. September bekanntgegeben wurden, blieben unverändert, hieß es weiter.

Jungheinrich empfohlen

Im SDax lag die Jungheinrich-Aktie weit vorne. Die Experten der Investmentbank Morgan Stanley nahmen die Papiere mit "Overweight" in ihre Empfehlungsliste auf und setzen ein Kursziel bei 26 Euro.

Dermapharm wächst

Das Arzneiunternehmen Dermapharm ist in der ersten Jahreshälfte dank Zukäufen und neuer Produkte weiter gewachsen. Der Umsatz legte im Vorjahresvergleich um 18,9 Prozent auf 333 Millionen Euro zu. Das um Einmaleffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) wuchs um 27,1 Prozent auf 90,1 Millionen Euro. Unter dem Strich verdiente Dermapharm mit 39,4 Millionen Euro leicht mehr. Das Unternehmen steigt am 23. September in den SDax auf.

Apple wieder über eine Billion wert

Seit Apple am Montag die Neuheiten in der Apple-Welt präsentiert hat, ist die Apple-Aktie abgehoben. Der Technogietitel erreichte seinen höchsten Stand seit mehreren Monaten. Außerdem erreichte der Konzern wieder eine Marktkapitalisierung von einer Billion US-Dollar.

Im Dezember des vergangenen Jahres lieferten sich die Technologiekonzerne Amazon, Apple und Microsoft ein enges Rennen um die Spitzenpostion als wertvollstes Unternehmen der Welt. Schlussendlich war Amazon erstmals in der Geschichte Spitzenreiter und schlug mit einer Marktkapitalisierung von 865 Milliarden Dollar Apple, mit 864,8 Milliarden Dollar, nur knapp. Mittlerweile liegt Apple wieder vor Amazon, aber hinter Microsoft.

Oracle-Chef nimmt Auszeit

Der Chef des SAP-Rivalen Oracle, Mark Hurd, hat überraschend eine Auszeit angekündigt. "Ich habe entschieden, dass ich Zeit brauche, um mich auf meine Gesundheit zu konzentrieren", sagte Hurd. Seine Aufgaben sollen zunächst von Oracle-Gründer und Tech-Vorstand Larry Ellison sowie Co-Konzernchef Safra Catz mit übernommen werden. Anleger reagierten nervös, die Aktie fiel um rund vier Prozent.

Zudem legte Oracle nach Börsenschluss auch seinen Quartalsbericht vor - einen Tag früher als eigentlich geplant. In den drei Monaten bis Ende August sank der Nettogewinn demnach im Jahresvergleich um sechs Prozent auf 2,1 Milliarden Dollar. Die Erlöse stagnierten trotz guter Zuwächse im Cloud-Geschäft bei 9,2 Milliarden Dollar. Analysten hatten mit mehr gerechnet.

Teamviewer: Milliardenschwerer Softwareanbieter aus Schwaben

Das Softwareunternehmen Teamviewer strebt an die Frankfurter Börse. Erster Handelstag ist für den 25. September geplant. Das Unternehmen hat eine Preisspanne von 23,50 bis 27,50 Euro je Aktie angeboten. Der Emissionserlös wird bei mindestens 1,41 Milliarden Euro liegen. Im besten Fall wären es 2,3 Milliarden Euro. Das Unternehmen wird damit zwischen 4,7 bis 5,5 Milliarden bewertet. Die Angebotsfrist beginnt voraussichtlich am 12. September 2019 und endet
voraussichtlich am 24. September 2019.  | mehr

TeamViewer-Zentrale in Göppingen Audio

B5 Börse 12.20 Uhr: Schwäbischer Milliarden-Börsengang

nb

Tagestermine am Dienstag, den 17. September

Unternehmen:
Apple: Beginn der Verhandlung am EU-Gericht in Luxemburg zum Steuerbeschluss der EU-Kommission gegen Apple und Irland, 09:30 Uhr
FedEx: Q1-Zahlen, 22:15 Uhr
Bechtle: Kapitalmarkttag in Frankfurt
Adobe: Q3-Zahlen
Konjunktur:
Deutschland: ZEW-Konjunkturerwartungen, 11:00 Uhr
USA: Industrieproduktion 08/19, 14:30 Uhr
USA: NAHB-Wohnungsmarktindex, 16:00 Uhr
Sonstiges:
London: Das höchste britische Gericht beschäftigt sich mit der Zwangspause des Parlaments