Marktbericht 20:08 Uhr

Längste Gewinnserie des Jahres Börsen bleiben in Feierlaune

Stand: 25.11.2014, 20:08 Uhr

BIP, BIP hurra: Die starke Konjunkturbelebung in den USA hält die Wall Street auf Rekordniveau. Davon profitierte am Dienstag auch der Dax, der seinen atemberaubenden Höhenflug fortsetzte. Viele Anleger bleiben aber skeptisch.

Wie hoch geht's noch? Das fragen sich immer mehr Börsianer. Denn allmählich wird die Gewinnserie am deutschen Aktienmarkt unheimlich. Der Dax stieg am Dienstag den neunten Tag in Folge und näherte sich den 10.000 Punkten. Mit 9.861 Zählern blieb zum Xetra-Schluss ein Plus von 0,8 Prozent. "Das sieht so aus, als würde der Dax doch noch zu einer Jahresend-Rally ansetzen", meinte ein Marktteilnehmer. Der EuroStoxx50 legte um 0,4 Prozent auf 3.226 Punkte zu.

US-Wirtschaft kommt immer mehr in Schwung

Die Wall Street setzte ihre Rekordjagd mit angezogener Handbremse fort. Dow und S&P 500 erreichten neue Allzeithochs. Allerdings wird die Luft nach oben immer dünner. Für neuen Schub sorgten starke Konjunkturdaten aus Amerika. Im dritten Quartal legte die US-Wirtschaft um 3,9 Prozent zu - laut der  zweiten Schätzung. In der ersten Schätzung lag das BIP-Plus noch bei 3,5 Prozent. Volkswirte waren eigentlich davon ausgegangen, dass das Wachstum auf 3,3 Prozent herabgesetzt wird.

Verbraucherstimmung verschlechtert sich kurz vor Thanksgiving

Doch die überraschend eingetrübte Verbraucherstimmung dämpfte am späten Nachmittag die Kauflaune der Anleger etwas. Das Konsumbarometer des Conference Board fiel deutlich von 94,1 Punkten auf 88,4 Zähler. Experten hatten mit einem Anstieg gerechnet. So kurz vor dem Auftakt zum Weihnachtsgeschäft seien die Daten irritierend, meinte ein Händler.

Deutschland im Mini-Wachstum

In Europa wäre man schon über ein moderates Wachstum froh. Wenigstens schaffte es Deutschland, im dritten Quartal der Rezession zu entgehen. Konsumfreudige Verbraucher und anziehende Exporte trieben das BIP um 0,1 Prozent nach oben.

Wann kommt die Atempause?

Die warnenden Stimmen vor einem Rückschlag an den Börsen werden lauter. Eine Atempause sei überfällig, hieß es in den Handelssälen. Der Dax habe in den vergangenen Wochen schließlich nur die vorherigen Verluste aufgeholt, erklärte Chefanalyst Jens Klatt von DailyFX. Geopolitische Risiken würden weiter bestehen, und die Zinswende werde früher oder später kommen.

Ölpreise unter Druck

Der Euro legte eine Berg- und Talfahrt hin. Erst rutschte er auf bis 1,2410 Dollar, dann erholte er sich auf 1,2470 Dollar. Viel Bewegung gab es auch an der Ölfront. Zwei Tage vor der mit Spannung erwarteten Opec-Sitzung in Wien gaben die Ölpreise kräftig nach. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Januar verbilligte sich drastisch auf 78,45 Dollar. Bei einem Vor-Treffen haben sich Venezuela, Saudi-Arabien, Mexiko und Russland offenbar (noch) nicht auf eine Reduzierung der Fördermenge einigen können.

Versorger schieben sich nach vorn

Im Dax hatten ausnahmsweise mal die Versorger die Nase vorn. Eon und RWE zogen um über drei Prozent an. Am Montag hatte noch die Diskussion um die Zukunft der Kohlekraftwerke die Versorgertitel belastet. Laut Medienberichten kommt Eon mit dem Verkauf der Geschäfte in Italien und Spanien, voran. Es soll mehrere Interessenten geben. RWE bekräftigte derweil auf einer Investorenveranstaltung in London, die Dividende nicht zu kürzen.

Bankaktien mit Nachholbedarf

Neben den Versorgern standen die Banken-Titel ganz opben auf der Kaufliste der Anleger. Die Aktien der Deutschen Bank und der Comerzbank stiegen um knapp zwei Prozent Nach Ansicht von Händlern gibt es hier viel Nachholpotenzial. Seit Jahresbeginn haben die Aktien der Deutschen Bank 20 Prozent eingebüßt.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
10,38
Differenz relativ
-0,61%
Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Analystenstudie bremst Infineon

Zu den wenigen Verlierern im Dax gehörte die Infineon-Aktie. Im Vorfeld der für Donnerstag anstehenden Zahlen für das vierte Quartal bezeichnete ein Analyst der Deutschen Bank die Gewinnschätzungen für 2015 als "scheinbar zu optimistisch". Er hält einen vorsichtigeren Ausblick des Managements für möglich und schraubte seine Margen-Erwartungen zurück.

Bayer will raus aus dem Diabetes-Geschäft

Der Leverkusener Konzern erwägt laut Insiderkreisen den Verkauf von Unternehmensteilen. Wie die Nachrichtenagentur "Bloomberg" berichtet, steht das Diabetes-Geschäft zur Disposition. Mit dem Verkauf könnten ein bis zwei Milliarden Euro erlöst werden. Die Bayer-Aktie schloss leicht im Plus.

MTU macht Hoffnung auf mehr Rendite

Zum Spitzenreiter im MDax avancierte MTU. Die Aktie gewinnt rund 2,5 Prozent. Der Triebwerksbauer stellt für die kommenden zehn Jahre steigende Renditen in Aussicht. Bis 2017 werde der Zuwachs wegen hoher Investitionen in neue Triebwerksprogramme moderat ausfallen. Diese Investitionen werden sich dann ab 2018 auszahlen, verkündete MTU.

Metro verlässt Griechenland...

0,4 Prozent im Plus schloss die Metro-Aktie. Der Handelsriese zieht sich mit seinen Großmärkten aus Griechenland zurück. Die neun Märkte und die zugehörigen Immobilien wurden an den griechischen Wettbewerber Sklavenitis veräußert. Der Unternehmenswerte liege bei rund 65 Millionen Euro. Dennoch erwartet die Metro nur einen neutralen Effekt aus dem Verkauf für das operative Ergebnis (Ebit).

...und Fraport geht nach Griechenland

Dagegen sieht Fraport in Griechenland interessantes Potenzial. Der Frankfurter Flughafenbetreiber hat das höchste Gebot für den Betrieb von 14 griechischen Regionalflughäfen vorgelegt, darunter die Airports der Ferieninseln Rhodos, Korfu, Mykonos und Santorin. Im Rahmen eines Konsortiums mit der griechischen Slentel bietet Fraport 1,23 Milliarden Euro. Der Deal wird voraussichtlich erst im Herbnst nächsten Jahres abgeschlossen. Die Fraport-Aktie schloss 0,7 Prozent tiefer.

Aktienplatzierung belastet Drillisch

1&1 Drillisch: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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41,48
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+0,05%

Die Aktie von Drillisch büßte fast zwei Prozent ein und zählte zu den größten TecDax-Verlierern. Das Mobilfunkunternehmen will eigene Aktien aus dem Bestand im Wert von rund 150 Millionen Euro bei institutionellen Investoren platzieren. Das Paket entspricht rund zehn Prozent des Grundkapitals. Das Geld soll für allgemeine Zwecke, aber auch für Firmenzukäufe verwendet werden.

Curasan erhält Patent

Aus der dritten Reihe kam von der Pharmafirma Curasan eine Erfolgsmeldung. Nach eigenen Angaben hat sie ein europäisches Patent auf eine Paste zum Knochenaufbau erhalten. Das Patent schütze das Produkt Cerasorb und auch andere Knochenaufbau-Pasten. Die Aktie schoß um elf Prozent auf 1,36 Euro in die Höhe.

Schoeller-Bleckmann schlägt in Kanada zu

Der österreichische Ölfeldausrüster Schoeller-Bleckmann kündigte am Abend die mehrheitliche Übernahme des kanadischen Ölfeld-Dienstleisters Ressource Well Completion Technologies an. Der Kaufpreis von mindestens knapp 50 Millionen Dollar soll in zwei Tranchen erfolgen.

Kingfisher hat Probleme in Frankreich

Schlechte Zahlen gab Europas größte Baumarktkette am Dienstag bekannt. Die britische Kingfisher litt unter dem stockenden Geschäft in Frankreich und negativen Wechselkurseffekten. Das Ergebnis schrumpfte um fast zwölf Prozent und der Umsatz um 3,6 Prozent. Die Kingfisher-Aktie büßte rund vier Prozent ein und war Schlußlicht im Londoner "Footsie".

Glänzende Zahlen von Tiffany

An der Wall Street waren vor dem kommenden "Black Friday", dem Einkaufstag nach dem Thanksgiving-Fest, besonders Einzelhandelswerte gefragt. So legten die Titel von J.C. Penney um über drei Prozent zu. Die Aktien von Tiffany glänzten mit einem Kursplus von 2,5 Prozent und einem Rekordhoch. Der Schmuckhändler steigerte dank der neuen Kollektionen Atlas und Tiffany T den Umsatz um gut fünf Prozent auf knapp 960 Millionen Dollar.

Apple über 700 Milliarden Dollar wert

Apple: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
189,19
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+0,96%

Als Weihnachts-Gewinner gilt auch Apple. Die Aktien des iPhone-Herstellers zogen um 0,5 Prozent auf ein neues Alklzeithoch von 119,20 Dollar an. Damit war Apple an der Börse über 700 Milliarden Dollar wert - so viel wie noch kein anderes Unternehmen je zuvor. Zum Vergleich: Bayer bringt es gerade mal auf einen Marktwert von 120 Milliarden Dollar.

nb

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 26. September

Unternehmen:
Deutsche Bank: Rede von Bank-Chef Sewing bei der Schmalenbach-Gesellschaft
Nestlé: Rede von Vorstandschef Schneider zum Thema "Nestle - current growth strategies in the food and beverage industry", 18:00 Uhr

Konjunktur:
USA: Zinsentscheid der Fed, 20 Uhr, Pk ab 20:30 Uhr
Deutschland: DIW-Konjunkturbarometer
USA Eigenheimabsatz, August, 16 Uhr

Sonstiges:
Hannover: Fortsetzung der IAA Nutzfahrzeuge 2018 (bis 27. September)