Börse setzt auf Griechenland-Hilfe

Stand: 31.05.2011, 20:04 Uhr

Die Aussicht auf ein schnelles zweites Hilfspaket für Griechenland haben den Dax am Dienstag gestützt. Schwache amerikanische Konjunkturdaten traten in den Hintergrund. Die Mai-Bilanz bleibt dennoch durchwachsen.

Der Mai ist ein Monat, den Börsianer einem alten Sprichwort zufolge meiden sollten. Der Mai 2011 fiel vor allem durch hohe Volatilität auf, und Kursverluste von 200 Punkten für den Dax. Kein schöner Mai war dies also für die Anleger, der letzte Handelstag des Monats allerdings rückte einiges wieder gerade.

Der Auslöser für den Optimismus am Dienstag, der den Dax um 1,9 Prozent auf 7.294 Punkte steigen ließ, war ein Zeitungsbericht des "Wall Street Journal". Dort hieß es, auch Deutschland wolle sich nun, ohne eine Beteiligung privater Gläubiger, an zusätzlichen Hilfen für Griechenland beteiligen.

Weltweit waren Finanzwerte deswegen gefragt, der Euro steig auf zweitweise mehr als 1,44 Dollar und auch an der Wall Street war Erleichterung zu spüren. Dort notierte der Dow Jones bei Handelsschluss in Frankfurt etwa ein halbes Prozent im Plus, trotz sehr schwacher Konjunkturdaten aus dem eigenen Land. Der Case-Shiller-Index demonstrierte, dass die Immobilienpreise in den großen US-Metropolen weiter gefallen sind, seit vergangenem Jahr um 3,6 Prozent. Der Chicagoer Einkaufsmanagerindex fiel mit 56,6 Punkten deutlich schwächer aus als erwartet (62,6 Punkte). Und auch das Verbrauchervertrauen des Conference Boards verfehlte mit 60,8 Punkten die Prognose (66,5 Punkte) klar.

Schön im Plus
Bis auf VW schlossen alle Dax-Titel mit Kursgewinnen. Am meisten legte das Papier von BASF zu, das 3,8 Prozent gewann. Die Fachleute von Goldman Sachs hatten ihr Kursziel auf 93 Euro angehoben und die BASF-Aktie als "Conviction Buy" bezeichnet.

Die Aktien der beiden Gesundheitskonzerne Fresenius Medical Care und Fresenius wurden ebenfalls von Goldman Sachs neu bewertet. Beiden Aktien gesteht Goldman Sachs Aufholpotenzial zu, die Analysten erhöhten am Morgen ihre Kursziele.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
143,92
Differenz relativ
-2,52%

VW bietet für MAN
Volkswagen legte am Dienstag pflichtgemäß ein Übernahmeangebot für den Lkw-Hersteller MAN vor. Anfang Mai hatte VW seinen Anteil an MAN auf über 30 Prozent erhöht und musste daher ein Pflichtangebot abgegeben. VW ist derzeit nicht daran gelegen, MAN komplett zu übernehmen, daher sind die gebotenen 95 Euro für die MAN-Aktie ziemlich unattraktiv, MAN notiert schon leicht darüber.

Eon verlangt Ausgleich
Der Energiekonzern Eon verlangt von der Bundesregierung einen finanziellen Ausgleich für die durch den beschlossenen Atomausstieg zu erwartenden "Vermögensschäden in Milliardenhöhe". Man habe im Vertrauen auf die im Herbst beschlossene Laufzeitverlängerung "Investitionsentscheidungen in erheblichem Umfang" getroffen, teilte Eon mit. Außerdem will der Konzern gegen die Atomsteuer klagen.

Demag lehnt Terex-Angebot ab
Die Geschäftsführung des Kranherstellers Demag aus dem MDax hat das Übernahmeangebot des amerikanischen Konkurrenten Terex abgelehnt. Das Angebot von 41,75 Euro je Aktie sei dem geschäftlichen Erfolg von Demag nicht angemessen. Demag präzisierte zugleich die Jahresprognose. Der Umsatz soll auf 1,06 Milliarden Euro steigen, die operative Marge am oberen Ende der bisher angegebenen Marge von 6,1 bis 6,5 Prozent liegen.

Dürr und VTG erweitern
Zwei SDax-Unternehmen meldeten, dass sie sich durch Firmenkäufe vergrößern werden. Der Analagenbauer Dürr wird 50 Prozent am Technologieunternehmen Cyplan übernehmen, Cyplan stellt Anlagen her, die aus Abwärme Strom erzeugen. Der Schienenlogistiker VTG meldete die Übernahme des osteuropäischen Konkurrenten Railcraft. Railcraft vermietet Kesselwagen und sei, so VTG, hauptsächlich in Russland und der Ukraine unterwegs.

Kleine Bilanzen
Außerhalb der Dax-Indizes legten ein paar kleinere Firmen ihre Zahlen vor. Der Küchenbauer Alno berichtete über einen leicht verschlechterten Umsatz von 467 Millionen Euro im Jahr 2010. Der Verlust ging aber um zwei Drittel auf 13,1 Millionen Euro zurück. Die Finanzholding Aragon legte im ersten Quartal beim Umsatz deutlich auf 27,8 Millionen Euro zu. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern erreichte immerhin 400.000 Euro. Aragon bestätigte seine Ziele für 2011.

Die Immobiliengesellschaft GSW legte im ersten Quartal ebenfalls zu. Das Ebit stieg um 12,4 Prozent, die Mieteinnahmen um neun Prozent. Die Berliner Firma gab zugleich einen guten Jahresausblick bekannt, was einige Analysten dazu bewegte, die Firma als Nachfolger der Hornbach Holding im SDax zu sehen.

ZhongDe Waste Technology hat wegen der Verzögerung von Bauprojekten im ersten Quartal weniger umgesetzt als vor einem Jahr. Die Erlöse schrumpften deswegen von 3,7 Millionen Euro vor einem Jahr auf nun 2,4 Millionen Euro. Dennoch verringerte der Müllverbrennungsanlagenbetreiber seine Nettoverluste deutlich auf 1,4 Millionen Euro.

Nokia gibt Gewinnziel auf
18 Prozent Kursverlust mussten die Nokia-Aktionäre einstecken. Die Firma senkte am frühen Nachmittag ihre Prognose für das laufende Geschäftsjahr. Bisher peilte Nokia für die beiden Kerngeschäftsfelder Devices und Services einen Umsatz von bis zu 6,6 Milliarden Euro an. Dies sei, angesichts der gegenwärtigen Geschäftsentwicklung, nicht mehr möglich, teilte Nokia mit. Auch die bisherigen Planungen für das dritte und vierte Quartal seien hinfällig. Nokia kämpft seit geraumer Zeit gegen übermächtige Konkurrenz im Smartphone-Bereich, wo Apple- und Android- Geräte die Nase vorn haben.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"