Börse im Überschwang

Detlev Landmesser

Stand: 19.05.2008, 20:32 Uhr

Vielleicht hält sich die amerikanische Konjunktur ja doch besser als befürchtet. Diese Hoffnung beflügelte am Montag die ohnehin technisch gut aufgelegten Indizes. An der Wall Street erlahmte die Euphorie allerdings im Verlauf.

Nach Kurszuwächsen von über einem Prozent setzten an den US-Märkten gegen Abend Gewinnmitnahmen ein. Der L-Dax schloss 0,9 Prozent höher bei 7.230,26 Punkten. Schon am Freitag hatte der Dax mit der 7.100-Punkte-Marke einen wichtigen charttechnischen Widerstand überwunden. Dem MDax gelang es heute zudem, die psychologisch bedeutsame Marke von 10.000 Punkten wieder zu nehmen.

Unterstützung kam vor allem vom aktuellen US-Index der Frühindikatoren, der im April gegenüber dem März um 0,1 Prozent stieg. Diesen zweiten leichten Anstieg in Folge feierten die Investoren recht überschwänglich, weil damit erneut die latenten Rezessionssorgen gedämpft wurden. Dem Euro bekam dieses wichtige Konjunkturdatum nicht gut, er rutschte zeitweise unter 1,55 Dollar.

Microsoft und Yahoo verhandeln "Plan B"

Der Softwareriese Microsoft hat sein Bemühen um den Internetkonzern Yahoo erneuert. Man habe Yahoo einen Alternativ-Vorschlag gemacht, teilte Microsoft mit, ohne Einzelheiten zu nennen. Eine neue Kaufofferte für Yahoo schloss Microsoft allerdings derzeit aus. Yahoo erklärte, es prüfe die Vorschläge von Microsoft. Der Softwarekonzern hatte Anfang Mai sein 47,5 Milliarden Dollar schweres Übernahmeangebot zurückgezogen, nachdem Yahoo dieses abgelehnt hatte. US-Medien berichteten, Microsoft plane nun, künftig die Werbeeinblendungen rund um die Suchergebnisse bei Yahoo zu vermarkten.

MAN wieder über 100 Euro
Mit fünf Prozent Kursplus führte MAN die Gewinnerliste im Dax an. Die Analysten von Goldman Sachs hatten ihr Kursziel von 90 auf 132 Euro heraufgesetzt. Die Nachricht, dass VW keine Fusion zwischen den Lkw-Sparten von VW, MAN und Scania wünsche, bremste den Kurs kaum.

Die Infineon-Aktie verteuerte sich um drei Prozent. Offenbar steht Vorstandschef Wolfgang Ziebart kurz vor seiner Ablösung. Im Gespräch als Nachfolger ist laut dem "Spiegel" der ehemalige Siemens-Vorstand Klaus Wucherer. Außerdem hat sich Infineon laut einer Marktstudie zum viertgrößten Handychiphersteller vorgearbeitet.

Eon und RWE gefragt
Auch die Energieriesen Eon und RWE spielten ganz vorne in der Dax-Gewinnerliste mit. Händler verwiesen insbesondere auf die Erwartung weiter steigender Strompreise, die sich beispielsweise in den zuletzt deutlich anziehenden Preisindizes der Energie-Broker zeigten. Dazu kam die gute charttechnische Verfassung der beiden Titel. Die drohenden Warnstreiks bei Eon nahm die Börse dagegen gelassen.

SAP erhält Großauftrag von Daimler
Die SAP-Aktie stieg um 1,9 Prozent. Der Softwarekonzern ist zuversichtlich, was die eigenen Geschäfte angeht. "Europa und Asien sind noch immer stark", sagte SAP-Chef Henning Kagermann am Sonntag. Auch in den USA gebe es keine Anzeichen für eine Verschlechterung, obwohl die Geschäftsbedingungen durch die Finanzkrise weiterhin herausfordernd seien. Zudem gab SAP einen Auftrag von Daimler bekannt. Im Rahmen eines fünfjährigen Serviceauftrages werde SAP die Informationstechnik bei Daimler vereinheitlichen und 65.000 Nutzer des Autobauers beraten. Das Volumen des Auftrages belaufe sich auf mindestens 20 Millionen Euro im Jahr, teilte SAP mit.

Dividendenabschläge
Die Metro-Aktie lag nur optisch im Minus. Der Dax-Titel notierte ex Dividende; rechnet man die 1,35 Euro je Aktie heraus, ergibt sich bei der Aktie des Handelskonzern ein Kurszuwachs.

Dividendenabschläge gab es auch bei den Aktien von Gildemeister und MLP. Gildemeister zahlte eine Dividende von 0,35 Euro und MLP 0,50 Euro je Aktie.

Boss weiter gefragt
Im MDax stieg die Vorzugsaktie von Hugo Boss um 5,8 Prozent - und wurde dabei nur von der weiter haussierenden K+S-Aktie überflügelt. Schon am Freitag hatte die Boss-Aktie deutlich zugelegt, weil der Modekonzern den vakanten Chefposten neu besetzen konnte.

Murdoch sichert sich Sperrminorität bei Premiere
Der Medienmogul Rupert Murdoch hat seinen Anteil an Premiere auf 25,01 Prozent erhöht. Dies teilte Murdochs News Corp am Montagabend mit. Erst kürzlich hatte das zu Murdochs Medienimperium gehörende "Wall Street Journal" über entsprechende Pläne berichtet. Im April hatte der Australier seinen Anteil an dem deutschen Bezahlfernsehsender auf damals 22,7 Prozent aufgestockt. Dieser Schritt rief die Wettbewerbshüter in Brüssel auf den Plan: Die EU-Kommission untersucht die Anteilsübernahme seit vergangener Woche.

Fortress stößt Gagfah-Anteile ab
Im Frankfurter Parketthandel geriet die Gagfah-Aktie unter Druck. Unmittelbar nach Xetra-Schluss wurde laut Händlern bekannt, dass Goldman Sachs 15 Millionen Gagfah-Aktien aus dem Bestand von Fortress zum Festpreis von 11,00 Euro platziert.

IVG-REIT kommt erst 2009 an die Börse
Der Immobilienkonzern IVG verschiebt seinen seit mehr als einem Jahr geplanten REIT-Börsengang auf 2009. Im laufenden Jahr werde der Immobilienfonds nicht mehr an die Börse kommen, sagte IVG-Vhef Wolfhard Leichnitz der "Welt" (Dienstagausgabe). "Dazu ist das Kapitalmarktumfeld einfach zu schlecht. Ich hoffe nun auf 2009." Ursprünglich hatte das Unternehmen den REIT im Frühjahr 2008 am Kapitalmarkt platzieren wollen, den Termin aber dann auf unbestimmte Zeit verschoben.

Repower-Spekulation geht weiter
Um fast neun Prozent ging es im TecDax mit Repower nach oben. Am 25. Mai läuft die Verkaufsoption des französischen Areva-Konzerns aus. Diesen Anteil könnte sich der indische Großaktionär Suzlon einverleiben, wird spekuliert. Deswegen könnte auch Areva an einem höheren Kurs des Windkraftanlagenherstellers interessiert sein.

Epcos sucht Schutzschild
Auch die Epcos-Aktie war gefragt. Der Chef des Herstellers von elektronischen Bauteilen, Gerhard Pegam, rechnet mit einem Aufschwung des Geschäfts im Bereich mobile Kommunikation. Pegam sagte, die Auftragslage sei sehr zufriedenstellend. Er zeigte sich in der Anlegerzeitung "Euro am Sonntag" allerdings besorgt, dass Epcos übernommen werden könne, da die Marktkapitalisierung trotz einer guten Geschäftsentwicklung gesunken sei. Epcos sei daher auf der Suche nach einem strategischen Investor, um sich gegen eine feindliche Übernahme zu wappnen.

ING will Interhyp übernehmen
Bei der Interhyp ist es schon so weit: Ein Übernahmeangebot verhalf der Aktie des Baufinanzierungsvermittlers zu einem Kurssprung von rund 37 Prozent. Der niederländische Finanzkonzern ING Direct will für das SDax-Unternehmen 64 Euro pro Aktie bieten. Die Hauptaktionäre Haselsteiner und Wolsdorf, die zusammen 35 Prozent an der Interhyp halten, verpflichteten sich, das Angebot anzunehmen.

Thielert weiter hochgezockt
Auch die Aktie des insolventen Flugzeugmotorenherstellers Thielert sprang zeitweise um bis zu 35 Prozent nach oben, nachdem sie am Freitag bereits rund 22 Prozent zugelegt hatte. Der SDax-Titel ist seit Jahresbeginn um mehr als 95 Prozent eingebrochen und mittlerweile Spielball von Daytradern.

ElringKlinger hat neue Freunde
Beim Autozulieferer ElringKlinger machte sich eine positive Analystenstimme bemerkbar. Der SDax-Titel stieg um 6,8 Prozent, nachdem das Bankhaus Kepler das Papier mit einer Kaufempfehlung und einem Kursziel von 88 Euro in den Kreis seiner analysierten Titel aufgenommen hatte.

Bavaria "sehr zufrieden"
Bavaria Industriekapital hat das erste Quartal mit deutlich mehr Gewinn und Umsatz abgeschlossen. Die Beteiligungsgesellschaft setzte mit 117 Millionen Euro 24 Prozent mehr um als vor einem Jahr. Das operative Ergebnis (Ebitda) verbesserte sich von 0,6 Millionen Euro auf 4,7 Millionen. Der Vorstand des Münchener Unternehmens bezeichnete die Bilanz als "sehr zufrieden stellend".

Mifa kommt operativ voran
Auch Mifa steigerte im ersten Quartal das operative Ergebnis, setzte aber deutlich weniger ab. Der Fahrradhersteller verkaufte von Januar bis Ende März 221.000 Fahrräder, 28.000 weniger als im ersten Quartal 2007. Damit fiel der Umsatz um 10,9 Prozent auf 29,96 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) kletterte dagegen um 20,4 Prozent auf 3,92 Millionen Euro.

Ehlebracht hats gut gemacht
Die Aktie von Ehlebracht legte um mehr als zehn Prozent zu. Der Möbelzulieferer hat im ersten Quartal seinen Umsatz um fünf Prozent auf 15,8 Millionen Euro gesteigert. Das Vorsteuerergebnis kletterte um ein Drittel auf 0,8 Millionen Euro. Das Unternehmen bestätigte die Jahresprognose von mindestens 60 Millionen Euro Umsatz und einem Vorsteuerergebnis von bis zu drei Millionen Euro.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 18. Juli

Unternehmen:
NovartisVW: Q2-Zahlen, 6:45 Uhr
Cassiopea: Halbjahreszahlen, 7 Uhr
Software: Q2-Zahlen, 7 Uhr
ASML: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Akzo Nobel: Q2-Zahlen, 7:30 Uhr
Ericsson: Q2-Zahlen, 8 Uhr
Easyjet: Q3-Zahlen, 8 Uhr
Morgan Stanley: Q2-Zahlen, 13 Uhr
Abott Laboratories: Q2-Zahlen, 13:45 Uhr
American Express: Q2-Zahlen, 22 Uhr
Alcoa: Q2-Zahlen, 22:05 Uhr
Ebay: Q2-Zahlen, 22:15 Uhr
IBM: Q2-Zahlen, 22:30 Uhr

Konjunktur:
EU: Verbraucherpreise (endgültig), 06/18, 11 Uhr
USA: Baubeginne- und genehmigungen 06/18, 14:30 Uhr
USA: Kapazitätsauslastung im Juni, 15:15 Uhr
USA: NAHB-Index Juli, 16:00 Uhr
USA: Rede von Fed-Chef Powell vor dem Bankenausschuss des Senats, 16:00 Uhr