Börse feiert SAP

Detlev Landmesser

Stand: 19.07.2007, 18:00 Uhr

Dank SAP ist der Start in die deutsche Berichtssaison hervorragend geglückt. Der Dax erholte sich nach zwei Verlusttagen kräftig, wobei auch die Quartalsberichte aus den USA mithalfen.

Der L-Dax schloss 1,4 Prozent höher bei 7.997,24 Punkten. Das sechsprozentige Plus der SAP-Aktie bescherte dem Dax allein 20 Punkte Plus.

In den USA konnten die meisten Quartalsberichte ebenfalls überzeugen. Die New Yorker Börsen legten daraufhin deutlich zu. Über vier Prozent ging es mit der Aktie von IBM nach oben. Der Computerriese hat mit seinem Gewinn- und Umsatzwachstum im zweiten Quartal die Analystenprognosen übertroffen. Die Ebay-Aktie konnte sich nach den Quartalszahlen dagegen nicht im Plus halten. Die US-Anleger waren enttäuscht, dass sich das Online-Auktionshaus angesichts der guten Geschäfte für dieses Jahr keine ehrgeizigeren Ziele setzte. Dagegen begeisterte Juniper Networks die Börsianer mit seinem optimistischen Ausblick.

Wie schon vergangene Woche angekündigt, ist Motorola wegen der Schwäche seiner Handy-Sparte im zweiten Quartal in die roten Zahlen gerutscht, was die Börse aber offensichtlich schon verdaut hatte.

US-Konjunkturdaten fast ignoriert

Auch den schwachen Index der Frühindikatoren steckte die Wall Street gut weg. Der Index sei im Juni um 0,3 Prozent zum Vormonat gefallen, teilte das Forschungsinstitut Conference Board mit. Analysten hatten hingegen nur mit minus 0,1 Prozent gerechnet. Zudem wurde der Vormonatswert von plus 0,3 auf plus 0,2 Prozent nach unten revidiert. Geradezu ignoriert wurde auch der aktuelle Konjunkturindex der Fed von Philadelpia, "Philly Fed" genannt. Dessen Juli-Wert lag mit 9,2 Punkten deutlich unter den Erwartungen von 12 Zählern, was an der Wall Street aber niemand zu stören schien.

Um 20:00 Uhr wurde noch das Protokoll der Fed-Sitzung vom 27. und 28. Juni veröffentlicht. Darin heißt es, die Gefahren eines schwächeren Wachstums durch die Entwicklung am Immobilienmarkt seien im Juni "ausgeglichener" gewesen als noch im Mai. Die Teilnehmer seien sich aber zugleich einig darin gewesen, dass die Inflation nicht so stark abnehme wie erwartet. Das sorgte zumindest für einen kleinen Dämpfer beim Dow-Jones-Index.

SAP überrascht auf ganzer Linie
Nach dem jüngsten Ärger mit Oracle hat SAP die Börsianer wieder besänftigt. Der deutsche Software-Primus überzeugte mit seinem Ausweis für das zweite Quartal. "Die SAP-Zahlen sind durch die Bank besser als erwartet ausgefallen", sagte ein Analyst. Der Überschuss legte um acht Prozent auf 449 Millionen Euro zu. Zudem verkaufte SAP 18 Prozent mehr Software-Lizenzen und erlöste damit 715 Millionen Euro. Von Reuters befragte Analysten hatten nur mit Software-Verkäufen im Volumen von 674 Millionen Euro und mit einem Überschuss von 392 Millionen Euro gerechnet. Wegen der juristischen Auseinandersetzung mit Oracle hat der Konzern nach Angabe von SAP-Chef Henning Kagermann Rückstellungen in Höhe von "unter zehn Millionen Euro" gebildet.

Conti im Visier von Blackstone?
Übernahmefantasien gaben der Aktie von Continental Auftrieb. Diese Gerüchte brachte das Unternehmen selbst in Umlauf. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" zitierte einen Manager, er befürchte, Blackstone könnte nach Siemens VDO ein noch größeres Übernahmeziel ins Visier nehmen, nämlich Conti. Für die Siemens-Autozuliefersparte bieten sowohl Conti als auch Blackstone.

Siemens lachender Dritter?
Die Aussicht auf einen höheren Erlös für VDO beförderte die Siemens-Aktie rund 2,8 Prozent nach oben. Womöglich könnte Conti im Rahmen einer Abwehrstrategie gegen eine drohende Übernahme die Zahlungsbereitschaft für VDO erhöhen, sagte ein Händler. Siemens würde durch den Verkauf der Autozuliefersparte also mehr einnehmen als bisher zu erwarten war. Angeblich ist Conti bereit, elf Milliarden Euro zu bezahlen.

Deutz haussiert
Platz eins im MDax belegte die Aktie von Deutz mit einem Plus von 6,0 Prozent. Händler verwiesen auf positive Kommentare von Credit Suisse und der BHF-Bank. Die Aktie von Wincor Nixdorf gewann 3,4 Prozent, nachdem die Deutsche Bank ihre "Hold"-Einschätzung bestätigt hatte. Das Unternehmen sei für künftiges Wachstum besser positioniert als die Wettbewerber NCR und Diebold. Am nächsten Dienstag werden Anleger erfahren, wie das dritte Quartal für Wincor gelaufen ist.

Premiere senkt Ergebnisprognose
Schlusslicht im MDax war die Aktie von Premiere, die nach Vorlage der Zwischenbilanz zeitweise sechs Prozent verlor. Das lag weniger an den Eckdaten zum zweiten Quartal als an den Prognosen. Der Bezahlsender senkte die Ergebnisziele für das laufende und das nächste Geschäftsjahr. Positiv werteten Analysten hingegen den prognostizierten Anstieg der Kundenzahl auf 4,75 Millionen. Das Unternehmen demonstriert derweil Zuversicht. Sein Sender zahle für die Rückkehr der Fußball-Bundesliga keinen überhöhten Preis, sagte Premiere-Chef Georg Kofler. Die Lizenzgebühren an den Konkurrenten Arena würden nicht "unerheblich" unter den Preisen für die Spielzeit 2005/06 liegen.

Affi erhöht Cumerio-Anteil
Leichte Verluste steckte auch die Aktie der Norddeutschen Affinerie ein. Der Kupferkonzern teilte mit, er verfüge nun über mehr als 15 Prozent der Stimmrechte an der belgischen Cumerio. Zuletzt hatte der Anteil etwas mehr als zehn Prozent betragen. Die österreichische A-Tec, mit der man sich um das belgische Unternehmen streitet, hält allerdings eine Sperrminorität von gut 25 Prozent an Cumerio und ist mit gut 15 Prozent auch größter NA-Einzelaktionär.

Große Nachfrage nach Nordex
Größter Gewinner im TecDax war der Titel von Nordex, der nach der erfolgreichen Kapitalerhöhung um 5,5 Prozent zulegte. Der Windanlagenbauer braucht frisches Geld für das weitere Wachstum und platzierte daher 2,5 Millionen neue Aktien bei "qualifizierten Anlegern". Bereits am frühen Vormittag waren die Bücher wegen hoher Nachfrage geschlossen. Die Papiere wurden zu je 30,30 Euro verkauft, teilte Nordex mit.

Drillisch stockt bei Freenet auf
Einen Tag vor der mit Spannung erwarteten Hauptversammlung von Freenet hat sich Drillisch noch mehr Stimmen besorgt. Der Mobilfunkdienstleister teilte mit, er habe seinen Anteil an dem TecDax-Unternehmen um 2,077 Prozent auf 10,077 Prozent aufgestockt. Drillisch gilt als einer der Hauptverfechter einer Zerschlagung von Freenet.

Donnerschlag bei H&R Wasag
Im SDax stand die Aktie von H&R Wasag gehörig unter Druck. Vorstandschef Horst Hollstein verlässt im Streit mit dem Aufsichtsrat überraschend den Spezialchemiekonzern. Hollstein werde zum 10. August gehen, teilte das Unternehmen während der Hauptversammlung in Hamburg mit. Den Wechsel habe das Kontrollgremium am gleichen Tag beschlossen. "Die Trennung resultiert aus unterschiedlichen Auffassungen zwischen dem Aufsichtsrat und dem Vorstandsvorsitzenden über die künftige Geschäftspolitik des Unternehmens", hieß es in einer Mitteilung. Hollsteins Nachfolger soll Gert Wendroth werden. Der 48-Jährige war zuletzt Geschäftsführer von euroShell Deutschland.

Mit Amadeus und Biotest legten zwei im Prime Standard geführte Unternehmen ihre Halbjahresbilanzen vor. Beide wurden an der Börse goutiert, die Aktien legten kräftig zu.

Mehr Kunden für Vodafone
Die Titel von Vodafone legten nach den Quartalszahlen leicht zu. Das Umsatzwachstum sei zwar insgesamt leicht hinter den eigenen Erwartungen zurückgeblieben, hieß es von Nomura. Allerdings zeige der starke Kundenzuwachs, dass die Werbe-Aktionen des britischen Mobiltelefonie-Riesen Früchte getragen hätten.

Roche überzeugt
Gestützt von starken Halbjahreszahlen legte die Roche-Aktie deutlich zu. Der weltweit fünftgrößte Pharmakonzern hat erneut vom Umsatzwachstum seiner Krebsmedikamente profitiert und fast 30 Prozent mehr verdient als im Vorjahr.

Punktlandung für m4e
Die Aktie des Lizenzvermarkters m4e ist mit einem ersten Kurs von 6,94 Euro an der Börse in Frankfurt gestartet, fiel aber bis zum Frankfurter Parkettschluss auf 6,50 Euro zurück. Damit landete der Titel genau auf seinem Ausgabepreis von 6,50 Euro. Die Preisspanne hatte 6,25 bis 7,25 Euro betragen. Mit m4e ist das hundertste Unternehmen im Entry Standard notiert.

Tagestermine am Dienstag, 23. Oktober

Unternehmen:
Sartorius: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Talanx: Telefon-Pk zum Kapitalmarkttag, 7:30 Uhr
Anglo American: Q3 Production Report, 8:00 Uhr
Eli Lilly: Q3-Zahlen, 12:25 Uhr
United Technologies: Q3-Zahlen, 12:55 Uhr
Lockheed Martin: Q3-Zahlen, 13:30 Uhr
Verizon Communications: Q3-Zahlen, 13:30 Uhr
Caterpillar: Q3-Zahlen, 13:30 Uhr
3M: Q3-Zahlen, 13:30 Uhr
McDonald`s: Q3-Zahlen, 14:00 Uhr
Texas Instruments: Q3-Zahlen, 22:01 Uhr
Logitech: Q3-Zahlen
Harley-Davidson: Q3-Zahlen
Biogen: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Erzeugerpreise 9/18, 8:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen 10/18 (vorab), 16:00 Uhr