Börse braucht Atempause

Stand: 11.09.2009, 20:10 Uhr

Ist der Dax doch ein bisschen zu schnell geklettert? Zwar sicherte sich das Börsenbarometer im Xetra-Handel noch die Höhe von 5.624 Punkten. Doch dem abendlichen L-Dax geht die Luft aus. Mit Mühe bleibt er über der Marke von 5.600. Die US-Börsen fallen sogar zurück.

Der Dow Jones liegt zur Stunde 0,4 Prozent im Minus. Das verwundert ein wenig, waren doch von der Uni Michigan die erhofften positiven Signale gekommen: Das für Anleger so wichtige Verbrauchervertrauen verbesserte sich deutlich, stärker sogar als erwartet. Der Konsumklima-Index von Reuters und der Universität Michigan sprang nach vorläufigen Berechnungen auf 70,2 Punkte von 65,7 Zählern im Vormonat und damit auf den höchsten Stand seit drei Monaten. Volkswirte hatten im Schnitt lediglich mit einem leichten Plus auf 67,3 Zähler gerechnet.

Genau ein solches positives Signal von den Konsumenten ersehen Anleger seit längerem. Schließlich macht der Konsum zwei Drittel der amerikanischen Wirtschaft aus. Die Zurückhaltung der Verbraucher gilt daher als eine der größten Gefahren für den Aufschwung. Doch die guten Daten aus Michigan konnten Börsianer heute nicht begeistern. Wie so oft müssen Gewinnmitnahmen als Erklärung herhalten, laut Händlern machen Anleger nach der fünftägigen Rally an der Wall Street nun zum Wochenende lieber Kasse, um sich ihre Gewinne zu sichern.

Neues Elf-Monatshoch

Schließlich ist noch lange nicht erwiesen, ob der sich anbahnende Aufschwung tatsächlich nachhaltig ist. Experten haben jedenfalls berechtigte Zweifel. Sie warnen: Die Euphorie ist verfrüht. Dies ist noch kein selbst tragender Aufschwung. Die Frage steht im Raum: Was passiert, wenn die weltweiten Konjunkturprogramme auslaufen? Bricht dann alles wieder zusammen?

Doch solche Sorgen will der Anleger derzeit nicht hegen. Der Dax hat heute zum sechsten Mal in Folge zugelegt. Er markierte im Tagesverlauf sogar ein neues Elf-Monats-Hoch von 5653 Zählern. Bis zum Ende des Xetrahandels behielt er immer noch ein Plus von einem halben Prozent und schloss bei 5624 Punkten - das ist Wochengewinn von 4,4 Prozent, die beste Wochenbilanz seit knapp zwei Monaten. Nur am Abend ließ sich der Index dann doch von der schlappen Wall Street einschüchtern. Der L-Dax schloss nochmal tiefer bei 5.606 Zählern.

Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
19,60
Differenz relativ
+1,34%

Reichlich Bewegung im Dax
In einem nachrichtenarmen Umfeld sorgten vor allem Analystenkommentare für Gesprächsstoff in den Handelsräumen. Insbesondere bescherte eine positive Sektorstudie von Goldman Sachs Stahlwerten Gewinne. Die Salzgitter-Aktie war heute stärkster Dax-Wert mit einem Plus von mehr als fünf Prozent. Auch die Titel des Stahlkonzerns ThyssenKrupp befinden sich unter den Top Ten.

Auf Platz 2 kam Dax-Wert Volkswagen. Der Autokonzern will mehrere Milliarden Euro in den chinesischen Automarkt investieren und dort seine Produktion erweitern.

FedEx treibt Post
Drittstärkster Wert im Dax war die Post-Aktie. Das Papier profitierte von positiven Nachrichten vonFedEx. Der US-Wettbewerber stellte für das erste Quartal einen überraschend hohen Gewinn von 0,58 Dollar je Aktie in Aussicht. Die Aktien des US-Paketversenders stiegen daraufhin an der Wall Street um rund acht Prozent und waren so teuer wie seit vergangenem Oktober nicht mehr. Die Papiere des Konkurrenten UPS legten rund vier Prozent zu.

Wilde Spekulationen um Metro
Schlusslicht im Dax wurden die Papiere von Metro, hier gab es handfeste Neuigkeiten und kursbelastende Gerüchte. Fakt ist: Die Großaktionäre haben ihren so genannten "Pool-Vertrag" gekündigt. Das heißt, sie sprechen bei Hauptversammlungen nicht mehr mit einer Stimme. Und das heißt auch, sie können beliebig Aktienpakete verkaufen - ohne Zustimmung der anderen. Das hat nun am Markt Sorgen geweckt, nun könnten Metro-Aktien im großen Stil platziert werden. Da sich die Beteiligten nicht äußerten, hielt sich das Gerücht hartnäckig.

Merck macht Studienfortschritte
Merck-Aktien legten dagegen deutlich zu. Der Pharma- und Spezialchemiekonzern berichtet über eine gelungene Phase-III-Studie des Mittel Cladribin gegen Multiple Sklerose.

BASFs Bauchemie quält sich aus dem Tal
Die BASF-Aktie schloss ebenfalls im Plus - nach anfänglichen Verlusten. Der Chemiekonzern hatte sich äußerst zurückhaltend optimistisch zum amerikanischen Bauchemiegeschäft geäußert. Der Markt habe sich stabilisiert, sagte der für die Bauchemie zuständige BASF-Vorstand John Feldmann. Es werde aber noch mehrere Jahre dauern, bis sich der Markt soweit erholt habe, dass er das Niveau von 2007 erreiche.

Takkt legt zu, Gerresheimer verliert
Im SDax fällt der Kursgewinn von rund drei Prozent bei der Takkt-Aktie auf. Die Bank of America/Merrill Lynch hatte die Aktie am Morgen auf "Buy" erhöht und das Kursziel auf elf Euro erhöht. Im MDax verlor die Gerresheimer-Aktie kräftig. Die Commerzbank hatte ihre Anlageempfehlung von "Buy" auf Hold" gesenkt.

Tagestermine am Montag, 22. Oktober

Unternehmen:
Philips Quartalszahlen Q3, 7 Uhr
Ryanair Halbjahreszahlen, 7 Uhr
Halliburton Quartalszahlen Q3, 12.45 Uhr
Munich Re Rückversicherertreffen Baden-Baden, 9.30 Uhr
Hannover Rück Rückversicherertreffen Baden-Baden, 12 Uhr
Hasbro Quartalszahlen Q3

Konjunktur:
Deutschland Monatsbericht Bundesfinanzministerium 0.01 Uhr
Deutschland Monatsbericht Bundesbank 10 Uhr

Sonstiges:
Bundesverband öffentlicher Banken Pressegespräch zu bevorstehendem Banken-Stresstest
Stahlgipfel u.a. mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier