Blütenreines Happy End

Detlev Landmesser

Stand: 20.04.2007, 20:27 Uhr

Stattliche 1,8 Prozent Plus hat die Woche gebracht. Dank der Kurserholung in Asien bügelte der Dax die Verluste der beiden Vortage vollständig aus. Dabei halfen die Bankaktien und Siemens kräftig mit.

Mühelos sprang der deutsche Leitindex wieder über die 7.300-Punkte-Marke. Der L-Dax ging mit 7.332,19 Punkten ins Wochenende. Die Börsianer hatten vor allem ein wenig um die Verfassung der chinesischen Märkte gebangt, waren aber durch deren kräftige Erholung beruhigt worden. Der Schanghai Composite Index legte knapp vier Prozent zu.

An den US-Aktienmärkten ging es bis zum Abend ebenfalls stabil nach oben. Der Dow Jones markierte im Verlauf weitere historische Höchstkurse. Die meisten aktuellen Quartalszahlen konnten überzeugen, darunter die von Caterpillar und McDonald's. Dem weltgrößten Pharmakonzern Pfizer gelang dies allerdings nicht. Am Donnerstag nach Börsenschluss hatte schon die glänzende Bilanz von Google die Börsianer erfreut. Weniger gut kam dagegen das tiefrote Zahlenwerk des weltweit zweitgrößten Chipherstellers AMD an.

Den neuerlichen Kursschub am Ölmarkt ignorierten die Börsianer dagegen erfolgreich. Der Mai-Futurepreis auf leichtes US-Öl lag am Abend wieder über 63 Dollar pro Barrel. Die Marktakteure sorgen sich, dass ein knappes Ergebnis der Wahlen in Nigeria am Wochenende neue Gewalt auslösen und so die Ölförderung des Opec-Mitglieds beeinträchtigen könnte.

Freitagsgerücht diesmal um SG

Am Nachmittag gerieten die Banktitel in Bewegung. Die Deutsche Bank gewann über vier, die Commerzbank 3,6 Prozent. Händler verwiesen auf Gerüchte um ein Gebot für die französische Société Générale von der HVB-Mutter UniCredit. Am Markt wurde ein Preis von 175 Euro je Aktie genannt. "Nach der Geschichte um ABN Amro sorgt so etwas natürlich für neue Fantasie im Bankensektor", sagte ein Marktteilnehmer. Am späten Nachmittag bestritten die Franzosen Fusionsgespräche mit der UniCredit.

Siemens-Aktie schießt über 90 Euro
Gut vier Prozent ging es auch mit dem Dax-Schwergewicht Siemens nach oben. Zum einen wirkte sich der Rücktritt von Siemens-Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer positiv auf die Aktie aus. Jetzt habe Vorstandschef Klaus Kleinfeld mehr Spielraum zur Umgestaltung des Konzerns, meinte ein Händler. Zudem stützte ein Pressebericht die Aktie, wonach Siemens seine ehrgeizigen Renditeziele im abgelaufenen Quartal erreicht hat.

Wohlwollen für SAP-Bilanz
Auch die SAP-Aktie war nach Vorlage der Quartalszahlen gut aufgelegt. Zwar zeigten sich Analysten ein wenig enttäuscht. Doch konnte der Softwarekonzern seine Marktanteile ausbauen. Börsianer erklärten das Kursplus außerdem mit Nachholbedarf des Dax-Titels. Zudem würden wieder leichte Übernahmespekulationen am Markt gespielt.

Eon: Russland statt Spanien?
Leichte Abschläge gab es bei der die Eon-Aktie. Nach Angaben aus Branchenkreisen will der Energiekonzern nehmen dem italienischen Rivalen Enel für einen 25-prozentigen Anteil des russischen Energieunternehmens OGK-5 bieten. Beide Firmen hätten bereits 97 Millionen Dollar hinterlegt, um an der Auktion am 6. Juni teilzunehmen, hieß es in den mit der Transaktion vertrauten Kreisen am Freitag.

Kaufen die Mitarbeiter Chrysler auf?
Die Aktie von DaimlerChrysler legte um ein Prozent zu. Das "Wall Street Journal Europe" hatte berichtet, die Beschäftigten wollten den Verkauf der US-Sparte Chrysler an Finanzinvestoren verhindern und eine eigene Übernahmeofferte starten. Sie strebten eine Mehrheitsbeteiligung von bis zu 70 Prozent an. Das wolle man sich durch Zugeständnisse bei den Gesundheitskosten erkaufen, schrieb das Blatt. Angeblich sucht nun auch US-Millardär Kirk Kerkorian das Gespräch mit den Beschäftigten.

VW will China-Anteil aggressiv verteidigen
Berücksichtigt man die heute geflossene Dividende von 1,25 Euro, lag auch die VW-Aktie im Plus. Volkswagen will bis zu 20 Prozent mehr Autos in China verkaufen. Die Wolfsburger hoffen damit, den gegenwärtigen Marktanteil von 17 Prozent zu halten.

IWKA erleichtert
Im MDax setzte sich IWKA an die Spitze. Der Anlagenbauer hat den Verkauf seiner großen Geschäftssparte Verpackungstechnik abgeschlossen und sich damit weitgehend von seinen Schulden befreit. Durch den Verkauf des profitablen Geschäftsbereichs seien IWKA mehr als 195 Millionen Euro zugeflossen, teilte IWKA mit. Dabei entstand auch ein Buchgewinn. Die rund zwei Dutzend Firmen umfassende Sparte hatte jahrelang für heftigen Streit mit dem kritischen US-Großaktionär Guy Wyser-Pratte gesorgt und zwei Vorstandschefs das Amt gekostet.

Analysten mögen SGL Carbon
3,7 Prozent Plus gab es für SGL Carbon nach einem positiven Analystenkommentar. Die HSBC hat das Kursziel von 26 auf 30 Euro angehoben und die Aktie mit "Overweight" bestätigt. Die Analysten rechnen mit starken Zahlen im ersten Quartal. Zudem seien die Geschäftsaussichten kurz- und langfristig sehr solide.

Verdient der Depfa-Chef zu viel?
Am Tag der Hauptversammlung in Dublin konnte die Aktie der Depfa-Bank gut ein Prozent zulegen. Depfa-Chef Gerhard Bruckermann stellte auf dem Aktionärstreffen die Erhöhung der Ausschüttungsquote auf europäisches Niveau in Aussicht. Für 2006 gibt es eine Dividende von 40 Cent je Aktie, was einer Ausschüttungsquote von etwa 26 Prozent entspricht. Viele europäische Großbanken schütten rund die Hälfte ihres Gewinns aus. Bruckermann selbst geriet wegen seines Gehalts in die Kritik. Der belgische Fonds Deminor forderte dessen Offenlegung. Bruckermann verwies dagegen darauf, dass die Depfa irischem Recht unterliegt. In Deutschland müssen börsennotierte Gesellschaften die Vorstandsgehälter individualisiert offen legen, können sich aber mit einer Drei-Viertel-Mehrheit der Hauptversammlung davon befreien lassen. Seit Jahren wird in Finanzkreisen spekuliert, Bruckermann sei der bestbezahlte Banker Deutschlands und verdiene sogar mehr als Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann.

Bauer stärkt sich
Die "SDax-Perle" Bauer führte den Kleinwerteindex an. Der bayerische Tiefbau- und Maschinenbaukonzern verleibt sich den Grundwasserspezialisten GWE aus dem niedersächsischen Peine ein. Mit der Brunnen- und Beregnungsfirma will Bauer sein neues Geschäftsfeld Ressourcen erweitern. Über die Vertragsdetails und den Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden, teilte das Unternehmen mit.

EMS unglücklich mit Börsen-Kosten
Außerhalb der Indizes fiel das Papier von EMS mit einem Kursverlust von knapp zwölf Prozent auf. Das Unternehmen hat das Geschäftsjahr 2006 trotz einer Umsatzsteigerung mit einem Fehlbetrag von 6,7 Millionen Euro abgeschlossen. Das war aber erwartet worden. Zugleich kündigte EMS an, vom Prime Standard in das Börsensegment General Standard wechseln zu wollen - aus Kostengründen.

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Treffen der Handelsberater von EU und USA zur Beilegung des Handelsstreits.