Bloß nicht übermütig werden...

von Detlev Landmesser

Stand: 29.01.2009, 20:22 Uhr

Am Donnerstag musste der Dax den starken Kursgewinnen dieser Woche Tribut zollen. Diesmal blieben positive Impulse Mangelware, und viele Anleger strichen ihre jüngsten Gewinne ein.

Der L-Dax schloss 2,85 Prozent unter dem Vortagesniveau bei 4.402,57 Punkten. Besonders die zuletzt erholten Bankaktien mussten Federn lassen. Die Deutsche Bank, die am Mittwoch noch über ein Fünftel an Wert gewann, lag mit einem Minus von 6,4 Prozent am Dax-Ende.

An der Wall Street fielen die Kurse ebenfalls zurück. Mehrere gewichtige Bilanzen fielen schwach aus, darunter die von Ford mit einem dramatischen Jahresverlust von 14,6 Milliarden Dollar. Auch Dell, Eastman Kodak oder Eli Lilly konnten nicht überzeugen.

US-Konjunktur schwach, Euro auch

Der fünfte Einbruch der Auftragseingänge für langlebige US-Güter in Folge trug nicht zur Stimmungsaufhellung bei. Die Aufträge für Investitionsgüter gingen im Dezember mit 2,6 Prozent zum Vormonat deutlich stärker zurück als erwartet. Die Zahl der verkauften Neubauten fiel indessen im Dezember auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen 1963. Auf Monatssicht sei die Zahl um 331.000 Häuser gefallen, teilte das US-Handelsministerium mit.

Paradox mutete der Schwächeanfall des Euro nach den US-Daten an. Die Gemeinschaftswährung rutschte unter die Marke von 1,30 Dollar. Devisenhändler begründeten das mit einer nun wieder zunehmenden Risikoaversion sowie den geplanten staatlichen Rettungstaten. "Was die USA tun, ist weit mehr als die übrigen Staaten", meinte ein Marktteilnehmer.

Vom deutschen Arbeitsmarkt kam ebenfalls wenig Erbauliches. Im Januar waren 3,487 Millionen Personen arbeitslos gemeldet, das waren 387.000 mehr als im Dezember. Die Anzahl der Menschen ohne Arbeit stieg damit deutlich stärker als erwartet.

BASF gefragt
Die BASF-Aktie stemmte sich erfolgreich gegen den Trend. In einer Branchenstudie hatten die Analysten der Commerzbank am Mittwoch die Aktie zusammen mit Lanxess und K+S empfohlen.

Branchenmalus für Lufthansa
Um 4,3 Prozent ging es mit der Lufthansa abwärts. Mit Continental Airlines, US Airways und der Lufthansa-Beteiligung JetBlue meldeten am Donnerstag drei weitere US-Flugesellschaften rote Zahlen. Trotz der Entlastung bei den Treibstoffkosten erwartet die internationale Luftfahrtbranche düstere Zeiten. Der Luftfahrtverband IATA geht davon aus, dass 2009 eines der schwierigsten Jahre überhaupt in der Geschichte der Passagierluftfahrt wird. Der Tiefpunkt des Abschwungs sei noch lange nicht in Sicht. Insgesamt erwartet der Verband für das laufende Jahr bei den Fluggesellschaften einen Verlust von 2,5 Milliarden Dollar.

Telekom-Kundenzahlen unbefriedigend
Die T-Aktie büßte 3,7 Prozent ein. Die Deutsche Telekom schwächelt in der Sparte Mobilfunk. Die Zahl der Mobilfunkkunden stieg nach Angaben des Konzerns 2008 um 8,8 Prozent auf 39,1 Millionen, was Analysten als "unbefriedigend" bezeichneten. Beim schnellen Internet baute die Telekom ihren Marktanteil weiter aus. 2008 habe der DSL-Marktanteil bei 45 Prozent gelegen, im vierten Quartal hätten sich 50 Prozent aller Neukunden für die Telekom entschieden. Im Festnetz setzte sich hingegen der Schrumpfungsprozess fort, allein im vierten Quartal gingen der Telekom 685.000 Anschlüsse verloren.

Absatzflaute auch bei VW
Die VW-Aktie gehörte zu den schwächsten Dax-Titeln. Der Volkswagen-Konzern hat sich der Absatzkrise nicht entziehen können, aber laut Vorstandschef Martin Winterkorn besser abgeschnitten als die Konkurrenz. Ende Januar werde VW etwa 15 Prozent weniger Autos verkauft haben als vor einem Jahr, sagte Winterkorn der "Financial Times". Weltweit seien die Verkaufszahlen um etwa ein Viertel eingebrochen.

HRE ruft um Hilfe
Die Aktie der Hypo Real Estate rangierte mal wieder am MDax-Ende. HRE-Chef Axel Wieandt forderte einen schnellen Einstieg des Bundes bei der angeschlagenen Immobilienbank: "Die Hypo Real Estate hat nur mit Unterstützung des Bundes eine positive Zukunft", sagte Wieandt der "Süddeutschen Zeitung" (Freitagsausgabe). Finanzminister Peer Steinbrück hat auch eine Enteignung der HRE-Eigentümer nicht ausgeschlossen.

Wirecard fällt zurück
Im TecDax war Wirecard der schwächste Titel. Der Zahlungsabwickler hat nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr Umsatz und Ergebnis gesteigert. Nach vorläufigen Zahlen verbesserte sich der Jahresumsatz um 47 Prozent auf 196,8 Millionen Euro. Das operative Ergebnis stieg um 48 Prozent auf 49 Millionen Euro. Für 2009 erwartet Wirecard trotz wirtschaftlicher Risiken ein Gewinnwachstum von 10 bis 25 Prozent. Die schwache Performance erklärten Händler auch mit Gewinnmitnahmen, nachdem die Aktie vor den Zahlen allein seit Wochenbeginn bis zu 24 Prozent zugelegt hatte.

Piraten kapern MPC-Schiff
Auch das noch: Neben der Finanzkrise muss sich der Hamburger Fondsanbieter MPC nun wohl auch mit Lösegeldforderungen somalischer Piraten auseinandersetzen. Diese haben im Golf von Aden den deutschen Flüssiggastanker "Longchamp" gekapert, an dem MPC beteiligt ist.

Cewe Color im Plan
Die Aktie von Cewe Color gewann 3,3 Prozent. Der Fotokonzern hat seine eigenen Prognosen erreicht. Der Umsatz betrug nach vorläufigen Zahlen 415 bis 420 Millionen Euro, das Ergebnis vor Steuern und Restrukturierungen erreichte 20 bis 25 Millionen Euro. Cewe Color profitierte nach eigenen Angaben vom starken Weihnachtsgeschäft.

Pixelpark zehrt an Grundkapital
Einer der Exponenten der vorvergangenen Blase steckt in dramatischen Schwierigkeiten: Die Pixelpark AG zeigte einen Jahresverlust von mehr als der Hälfte des Grundkapitals an. Hintergrund sei neben Goodwill-Abschreibungen und sonstigen Rückstellungen der gestrige Insolvenzantrag der Emprise AG.

Deja-vu mit WCM?
Na so was: Die Ende 2006 in Insolvenz gegangene Beteiligungsgesellschaft WCM soll mit Hilfe ihres früheren Großaktionärs Karl Ehlerding wiederbelebt werden. Der einst gefürchtete Firmenjäger Ehlerding teilte der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag mit, Insolvenzverwalter Michael Frege habe die Sanierung der Gesellschaft eingeleitet. Fast alle Verbindlichkeiten der WCM AG seien abgetragen. Es bestünden noch einige Beteiligungen, die die Restabwicklung und Fortführung der Gesellschaft ermöglichten. Ehlerding plant nach eigener Auskunft gemeinsam mit einem Partner eine Kapitalspritze für das Unternehmen.

Tagestermine am Montag, 17. Dezember

Unternehmen:
Hennes & Mauritz: Q4-Umsatz, 08:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Handelsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 11/18 (vorl.), 11:00 Uhr
USA: Empire-State-Index 12/18, 14:30 Uhr
USA: NAHB-Index 12/18, 16:00 Uhr