Bloß keine Freude aufkommen lassen...

von Detlev Landmesser

Stand: 09.03.2007, 20:16 Uhr

Die Börse gleicht derzeit einem löchrigen Eimer: Kaum fließt frisches Geld hinein, tun sich neue Lecks auf. Am Abend waren dies neue Sorgen um den US-Immobilienmarkt.

Denn der Hypothekenanbieter New Century steht nach Einschätzung von Analysten kurz vor einer Insolvenz, was die US-Börsen im Verlauf ins Minus driften ließ. Der L-Dax schloss bei 6.714,23 Punkten. New Century gehört zu den größten Anbietern zweitklassiger Hypothekendarlehen, die Kreditnehmern mit schlechter Bonität Geld leihen. Eine Insolvenz von New Century könnte den gesamten Markt in Mitleidenschaft ziehen. In den USA ist die Entwicklung auf dem Immobilienmarkt besonders eng mit der Konsumnachfrage verbunden.

Erleichtert hatten die Investoren dagegen die Konjunkturdaten des Tages aufgenommen: In der US-Wirtschaft (ohne Landwirtschaft) gab es im Februar 97.000 mehr Stellen als im Januar, was im Rahmen der Erwartungen lag. Die Zahlen für die beiden Vormonate wurden zudem um insgesamt 55.000 nach oben revidiert. Gleichzeitig sank die auf einer anderen Erhebung beruhende Arbeitslosenquote im Februar überraschend von 4,6 auf 4,5 Prozent.

Außerdem ging das US-Außenhandelsdefizit im Januar deutlicher als erwartet zurück. Der Fehlbetrag sank auf 59,12 von revidiert 61,45 Milliarden Dollar im Dezember. Experten hatten mit einer Handelslücke von 59,7 Milliarden Dollar gerechnet.

Die US-Indexfutures waren daraufhin nach oben geschnellt und hatten den Dax binnen weniger Minuten ins Plus gezogen. Doch vor dem Wochenende hielt sich die Kauflaune in engen Grenzen.

VW nicht zu bremsen

Erneut schaffte es die VW-Aktie auf die Pole Position im Dax. Auf der Bilanz-Pressekonferenz erhöhte der Autokonzern seine Ergebnisprognose. 2007 soll das operative Ergebnis über dem des vergangenen Jahres liegen. 2008 will der Konzern dann einen Vorsteuergewinn von "mindestens" 5,1 Milliarden Euro erreichen. Für 2006 hatte VW-Chef Martin Winterkorn am Freitag eine deutliche Steigerung des operativen Ergebnisses der Kernmarke VW auf 1,42 Milliarden Euro vermeldet.

Zum Engagement von VW bei MAN und Scania und einer möglichen Dreierfusion im Lkw-Bereich äußerte sich Winterkorn nur vage. Eine Einbringung der VW-Lkw-Aktivitäten in ein Dreier-Bündnis sei denkbar, so der VW-Chef. Erst Anfang der Woche hatten die Wolfsburger ihre Beteiligung an Scania erhöht. Die MAN-Aktie war ebenfalls weiter gefragt.

Adidas bleibt am Ball
Zeitweise schob sich die Adidas-Aktie an die Dax-Spitze. Der Deutsche Fußballbund (DFB) hatte mitgeteilt, ein neues Angebot von seinem jahrelangen Hauptsponsor erhalten zu haben. Das Präsidium habe beschlossen, die Verhandlungen mit Adidas fortzusetzen. Adidas und der DFB streiten sich seit Wochen, ob die seit den 50er Jahren bestehende Zusammenarbeit bereits bis 2014 verlängert wurde oder nicht. Hintergrund ist ein lukrativeres Angebot von Branchenprimus Nike, der für die Ausrüstung der deutschen Fußball-Nationalmannschaft mit insgesamt 500 Millionen Euro für acht Jahre gut sechs Mal so viel bezahlen will wie Adidas derzeit überweist.

Lufthansa hat flügge Tochter
Die Aktie der Lufthansa baute ihre Kursgewinne nach der Vorlage der Verkehrszahlen für Februar aus. Gegenüber dem Vorjahresmonat stieg die Zahl der Fluggäste um 7,1 Prozent auf 3,82 Millionen. Die Gesamtauslastung legte um 0,7 Prozentpunkte auf 71,1 Prozent zu. Zudem profitiert die Kranich-Aktie von aggressiven Wachstumsplänen der Tochter-Gesellschaft German Wings. Diese will die Passagierzahlen vor allem bei Geschäftsreisenden steigern und einen Umsatz von 600 Millionen Euro 2007 erreichen.

EADS besser als befürchtet
Um rund 94 Prozent sackte der Gewinn bei EADS im vergangenen Jahr ab. Allerdings hatten Analysten gar nicht mehr mit schwarzen Zahlen bei dem Luft- und Raumfahrtkonzern gerechnet. Wegen der Krise bei Airbus brach der Jahresüberschuss 2006 von 1,8 Milliarden Euro auf 99 Millionen Euro ein. Die übrigen Konzernbereiche konnten die Verluste bei Airbus knapp wettmachen. Den Umsatz konnte die Airbus-Mutter um 15 Prozent auf 39,4 Milliarden Euro steigern. Dennoch hielt die Skepsis gegenüber dem von politischen Machtspielen beeinflussten Titel weiter an - der MDax-Titel verlor über vier Prozent.

Krones mit Branchenfantasie
Klarer MDax-Gewinner war die Aktie des Anlagenbauers Krones. Nach Händlerangaben profitiert das Papier weiter von der Übernahme des Konkurrenten Klöckner-Werke durch Salzgitter. Zudem war die Aktie in einer Studie der Citigroup am Donnerstag positiv erwähnt worden.

Conergy macht Frischgeld flott
Die Conergy-Aktie führte die Gewinnerliste im TecDax mit fast sieben Prozent Plus an. Der Solarmodul-Hersteller hatte seine gestern angekündigte Kapitalerhöhung noch am Abend erfolgreich abgeschlossen. Mit den rund 150 Millionen Euro Erlös will das Unternehmen die weitere Expansion vorantreiben, möglicherweise auch mit Übernahmen.

Erneut Großauftrag für Nordex
Auch die Nordex-Aktie war gefragt. Der Windturbinen-Hersteller Nordex hat drei neue Aufträge in Großbritannien erhalten. Die Orders der britischen RWE-Tochter hätten insgesamt ein Volumen von rund 90 Millionen Euro, meldete das TecDax-Unternehmen. Darunter befinde sich das größte bisher in Südengland genehmigte Projekt an Land, der Windpark "Little Cheyne Court". Den Park aus 26 Turbinen will Nordex bis Anfang 2009 schlüsselfertig ans Netz bringen.

Analystenlob für Epcos
Die Epcos-Aktie gewann im TecDax gut zwei Prozent. Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat eine Kaufempfehlung für die ehemalige Siemens-Tochter ausgesprochen. Der Hersteller elektronischer Bauteile sei an der Börse nun attraktiv bewertet, hieß es zur Begründung.

Mehr Dividende von der Software AG
Die Software AG will ihren Aktionären für 2006 eine höhere Dividende zahlen. Das Management schlägt eine Ausschüttung von 0,90 Euro pro Aktie vor. 2005 hatte Deutschlands zweitgrößter Softwarehersteller 0,80 Euro gezahlt.

Ahlers will Dividende verdreifachen
Der Herrenausstatter Ahlers kündigte sogar eine Verdreifachung der Dividende an. Die Aktionäre sollen für das Geschäftsjahr 2005/06 je Stammaktie 2,95 (Vorjahr: 0,95) Euro erhalten je Vorzugsaktie und 3,00 (1,00) Euro. Das Herforder Unternehmen will die Anteilseigner damit am Gewinn aus dem Verkauf der Eterna-Gruppe beteiligen. Durch den Verkauf hatte Ahlers einen außerordentlichen Gewinn von 78 Millionen Euro verbucht.

Graphit Kropfmühl verweigert Dividende
Dagegen will Graphit Kropfmühl seine Aktionäre davon überzeugen, auf eine Gewinnausschüttung zu verzichten. Die Mittel will man lieber in die weitere Umstrukturierung der Graphit-Sparte stecken, teilte das Unternehmen am Freitag. Der Graphit-Spezialist hat 2006 ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 3,15 Millionen Euro erzielt. Wegen Einmal-Effekten konnte der Nettogewinn aber nur knapp im positiven Terrain gehalten werden.

SM Wirtschaftsberatungs AG im Aufwind
Die im General Standard notierte Aktie der SM Wirtschaftsberatungs AG legte kräftig zu. Das hauptsächlich in der Immobilienverwaltung tätige Unternehmen meldete für die AG einen Jahresüberschuss von 2,45 Millionen Euro, was einer Steigerung von über 200 Prozent entspricht.

Hanseyachts bekommt frische Brise
Am Freitag zog erneut ein Börsenneuling auf dem Parkett ein. Das Werftunternehmen Hanseyachts startete in den General Standard. Der Ausgabepreis lag bei 33 Euro, der erste Kurs wurde mit 36 Euro festgestellt; zum Handelsschluss in Frankfurt lag das Papier bei 34,35 Euro.

Tagestermine am Montag, 22. Oktober

Unternehmen:
Philips Quartalszahlen Q3, 7 Uhr
Ryanair Halbjahreszahlen, 7 Uhr
Halliburton Quartalszahlen Q3, 12.45 Uhr
Munich Re Rückversicherertreffen Baden-Baden, 9.30 Uhr
Hannover Rück Rückversicherertreffen Baden-Baden, 12 Uhr
Hasbro Quartalszahlen Q3

Konjunktur:
Deutschland Monatsbericht Bundesfinanzministerium 0.01 Uhr
Deutschland Monatsbericht Bundesbank 10 Uhr

Sonstiges:
Bundesverband öffentlicher Banken Pressegespräch zu bevorstehendem Banken-Stresstest
Stahlgipfel u.a. mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier