Blödes Jubiläum!

Detlev Landmesser

Stand: 19.10.2007, 20:31 Uhr

Der 20. Jahrestag des "Schwarzen Montag" verläuft an der Wall Street äußerst ungemütlich. Nicht so in Deutschland, wo sich die Standardwerte recht erfolgreich gegen den Aufruhr an den Finanz- und Rohstoffmärkten stemmten.

Der L-Dax ging nur 0,53 Prozent tiefer mit 7.886,45 Punkten ins Wochenende. Die großen US-Indizes Dow Jones, S&P 500 und Nasdaq Composite verloren dagegen bis zum Abend durch die Bank mehr als 1,6 Prozent an Wert.

Die üblichen Sorgen um die Kreditkrise, der Rekordstand des Ölpreises und durchwachsene Unternehmenszahlen waren dafür verantwortlich. Vor allem die Ölpreis-Rally infolge der unsicheren Lage im Nahen und Mittleren Osten und knappen Vorräten bereitete den Investoren Kummer. Der Future-Preis für ein Barrel US-Öl der richtungsweisenden Sorte WTI stieg zwischenzeitlich auf ein neues Rekordhoch von 90,07 Dollar. Am Abend notierte der November-Future wieder unter 88,40 Dollar.

Der Euro notierte am Abend bei 1,4280 Dollar. Auch dieEuropawährung hatte im frühen Handel mit 1,4320 Dollar einen neuen Höchstand erreicht.

Signifikant für die Stimmung an der Wall Street war, wie die Börsianer mit 3M umsprangen: Obwohl der Mischkonzern nach einem Gewinnsprung seine Jahresprognose erhöhte, wurde das Dow-Schwergewicht niedergeknüppelt. Ähnlich erging es dem Baumaschinenhersteller Caterpillar, dessen kräftiges Gewinnplus unter den Markterwartungen blieb. Das Gewinnplus von McDonald's wurde dagegen einfach durchgewunken.

Schon am Donnerstagabend hatte der Internet Gigant Google ein glänzendes Zahlenwerk vorgelegt, während der zweitgrößte US-Chiphersteller AMD weiter rote Zahlen ausweisen musste. Das machte auch der Infineon-Aktie zu schaffen.

Übernahmefantasie trägt MAN weiter

AAn der Dax-Spitze wechselten sich VW und MAN ab, nachdem gestern eine schwedische Zeitung berichtet hatte, dass Scania unter Vermittlung von Volkswagen für MAN bieten solle. Außerdem erhöhte Goldman Sachs das Kursziel von MAN auf 152 Euro.

Banken heruntergestuft
Die Postbank-Aktie verlor über zwei Prozent, nachdem die Analysten von JP Morgan das Kursziel auf 55,70 Euro gesenkt und die Anlageempfehlung auf "Underweight" reduziert hatten. Auch bei der Commerzbank und der Hypo Real Estate. setzten die Experten den Rotstift an. Sie senkten die Kursziele auf 36,40 Euro beziehungsweise 51,90 Euro.

Noch mehr litt die Aktie der Aareal Bank im MDax unter der JP-Morgan-Studie. Die Analysten hatten das Papier auf "Underweight" reduziert und das Kursziel auf 35,80 Euro gekappt.

Stada nimmt weitere Hürde
Die Stada-Aktie gehörte zu den stärksten MDax-Titeln. Der Generikahersteller hat eine weitere Hürde im Zulassungsverfahren um sein EPO-Medikament Erythropoetin-zeta genommen. Erwartungsgemäß habe die EU-Arzneimittelbehörde EMEA eine so genannte "positive opinion" für EPO-Zeta erteilt, teilte Stada mit. Damit könne noch 2007 mit einer EU-weiten Zulassung von Epo-zeta für die Indikationen Dialyse und Onkologie gerechnet werden. Stada will Epo-zeta in Deutschland voraussichtlich im 1. Quartal 2008 einführen.

ProSieben unter 20 Euro
Schwer unter die Räder kam die Aktie von ProSiebenSat.1 Media. Ein Händler begründete den Kursrutsch von mehr als acht Prozent mit der derzeit schlechten Stimmung für den gesamten Mediensektor. Ein weiterer Börsianer führte zudem die Gewinnwarnung der britischen WPP Group an.

Commerzbank mag Gildemeister
Im SDax profitiert der Maschinenbaukonzern Gildemeister von einer Hochstufung. Die Commerzbank setzte ihr Kursziel auf 25 Euro nach oben. Die Geschäftsergebnisse des dritten Quartals dürften stark ausfallen, auch eine Anhebung des Ausblicks für das Geschäftsjahr 2007 wäre keine Überraschung, meinen die Analysten.

Itelligence überzeugt
Der Softwaredienstleister Itelligence hat im dritten Quartal die positive Entwicklung des ersten Halbjahres fortgesetzt. Der Umsatz stieg um 13,6 Prozent auf 47,4 Millionen Euro nach 41,7 Millionen Euro im Vorjahr. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) stieg um die Hälfte auf drei Millionen Euro, was einer Ebit-Marge von etwa sechs Prozent entspricht. Die Aktie stieg zeitweise um mehr als drei Prozent.

Integralis-Aktie haussiert
Deutlicher ging es mit dem Papier von Integralis nach oben. Am Nachmittag meldete der Sicherheits-Softwaredienstleister für die ersten neun Monate ein Umsatzplus von 15,6 Prozent auf 111 Millionen Euro. Das Ebit sei um 133,6 Prozent auf 2,1 Millionen Euro emporgeschnellt. Daraufhin erhöhte der Vorstand die Ergebnisprognose für 2007: Das bestehende Ebit-Ziel von 3,8 Millionen Euro für 2007 werde übertroffen. Die Experten von FiveT Capital, die auf kleine bis mittlere Titel spezialisiert sind, äußerten sich sehr angetan von dem Zahlenwerk. Sie trauen dem Titel innerhalb der nächsten sechs Monate einen Kurs von 7,00 Euro zu.

Maxdata sieht sich auf Kurs
Der Hardwarehersteller Maxdata hatte dagegen einen schwierigen Tag. Die Aktie gab nach Vorlage der Quartalszahlen deutlich nach. Im dritten Quartal setzte das Unternehmen 108,8 Millionen Euro nach 111,1 Millionen in der Vorjahresperiode um. Das Ebit habe minus 5,7 Millionen nach minus 5,8 Millionen Euro betragen. Damit trage das 2006 auferlegte Restrukturierungsprogramm weiterhin erfolgreich Früchte, teilte Maxdata mit. In den ersten drei Quartalen habe man den Verlust um rund 46 Prozent verringert. Im traditionell umsatzstärksten vierten Quartal werde sich die Ergebnissituation wohl weiter verbessern.

Tagestermine am Montag, 22. Oktober

Unternehmen:
Philips Quartalszahlen Q3, 7 Uhr
Ryanair Halbjahreszahlen, 7 Uhr
Halliburton Quartalszahlen Q3, 12.45 Uhr
Munich Re Rückversicherertreffen Baden-Baden, 9.30 Uhr
Hannover Rück Rückversicherertreffen Baden-Baden, 12 Uhr
Hasbro Quartalszahlen Q3

Konjunktur:
Deutschland Monatsbericht Bundesfinanzministerium 0.01 Uhr
Deutschland Monatsbericht Bundesbank 10 Uhr

Sonstiges:
Bundesverband öffentlicher Banken Pressegespräch zu bevorstehendem Banken-Stresstest
Stahlgipfel u.a. mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier