Bitter vermisst: die Wall Street

Stand: 31.05.2010, 17:42 Uhr

Den letzten Handelstag des Monats Mai hat der Dax alleine zu Ende bringen müssen. Ohne die Impulse von der Wall Street fand der deutsche Aktienmarkt seine Richtung nicht, immerhin schloss der Dax leicht im Plus, das Handelsvolumen war lächerlich gering.

Zumindest in einem Punkt stellte der Dax am Montag einen Rekord auf. Es wurden im Leitindex so wenige Aktien gehandelt wie noch nie in diesem Jahr. Gerade einmal 46 Millionen Aktien waren es, zu einem Wert von rund einer Milliarde Euro. Das war soviel oder besser so wenig wie zuletzt zwischen Weihnachten und Neujahr im vergangenen Jahr.

Obwohl wegen der geschlossenen Börsen in New York und London kein spannender Handelstag zu erwarten war, hätte es genau dies am Nachmittag noch einmal werden können. Die 6.000-Punktemarke rückte kurz in unmittelbare Reichweite, bevor der Dax wieder zurückschaukelte und 0,3 Prozent fester bei 6.964 Punkten schloss.

Die Bilanz für den Mai ist rückblickend gar nicht so erschreckend. Zwar war die Volatilität erstaunlich hoch - der Dax schwankte um fast 600 Punkte - doch letztendlich verlor der Leitindex im Mai gerade einmal zwei Prozent. Trotz Euro-, Griechenland- und Schuldenkrise.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
142,74
Differenz relativ
-0,88%

Am Montag etablierten sich an der Dax-Spitze, neben Infineon und SAP, die Aktien von Daimler und VW. Daimler profitierte von besseren Kurszielen, die von der Deutschen Bank und der Commerzbank herausgegeben wurde. VW-Papiere legten, ohne dass es kurzbewegende Nachrichten gab, 2,2 Prozent zu.

BASF: Hambrecht-Nachfolge geklärt
Der Chemiekonzern BASF hat seine Nachfolgefrage geklärt. Als Nachfolger von Vorstandschef Jürgen Hambrecht hat der Aufsichtsrat Kurt Bock bestimmt. Bock ist derzeit Finanzdirektor bei BASF und wird nach der Hauptversammlung am 6. Mai 2011 Hambrechts Amt übernehmen. Stellvertretender Vorstandschef wird Martin Brudermüller, der bereits jetzt im Vorstand des Dax-Konzerns sitzt.

Airbus: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
107,30
Differenz relativ
-0,06%

A380 soll bald Gewinne abwerfen
Der im MDax notierte Luft- und Raumfahrtkonzern EADS will das jahrelange Verzögerungsdebakel um den Großraumflieger A380 möglichst bald vergessen machen. Möglichst bald heißt dabei: in fünf Jahren. Denn dann soll der A380 erstmals Gewinne machen, sagte EADS-Chef Louis Gallois dem "Handelsblatt". Ein Unsicherheitsfaktor sei allerdings der Eurokurs. Die Aktie stieg leicht.

Douglas: Großaktionär erweitert
Erwin Müller, Eigentümer der Müller-Drogeriekette, hat seinen Einfluss beim Handelskonzern Douglas erweitert. In einem Zeitungsinterview sagte Müller, er besitze jetzt 5,5 Prozent der im MDax-notierten Firma. Gute Sache, finden die Anleger, die Douglas-Aktie legte 3,4 Prozent zu.

Gildemeister und die Japaner
Einen Kursgewinn von 2,5 Prozent verbuchte der auch im MDax notierte Maschinenbaukonzern Gildemeister. Die "Financial Times Deutschland" hatte berichtet, dass der japanische Wettbewerber Mori Seiki Gildemeister peu à peu übernehmen wolle, bereits jetzt besitzt Seiki angeblich zehn Prozent an dem Bielefelder Unternehmen. Aktionäre griffen zu, obwohl Gildemeister die Gerüchte prompt zurückwies.

Kuka-Roboter wieder mehr gefragt
Nach einer wirklich langen Durststrecke längs durch die Rezession wagt der Roboter- und Anlagenbauer Kuka wieder optimistische Aussagen. Der erfreuliche Trend aus dem ersten Quartal habe sich bis jetzt fortgesetzt, sagte Kuka-Vorstandschef Till Reuter in einem Zeitungsinterview. Nach der Erholung der Autoindustrie gebe es auch aus anderen Industriebranchen wieder erhöhte Nachfrage.

Drägerwerk modernisiert
Der im TecDax notierte Medizintechnikkonzern Drägerwerk meldet einen Großauftrag aus Hessen. Für den Krankhauskonzern GNH werde man für einen Zeitraum von zehn Jahren die medizintechnischen Gerätschaften modernisieren, teilte Drägerwerk mit. Der Auftrag habe ein Volumen von 60 Millionen Euro. Die Aktie schloss dennoch deutlich schwächer, sie verlor 3,1 Prozent.

Deutsche Wohnen berichtet
Der im SDax notierte Immobilienkonzern Deutsche Wohnen hat in seinem ersten Quartal deutlich besser abgeschnitten als vor einem Jahr. Wegen steigender Mieten und nicht mehr vorhandener Sondereffekte verdiente die Firma vor Steuern 9,1 Millionen Euro, nach 4,9 vor einem Jahr.

Arques verschiebt
Die kürzlich aus dem SDax abgezogene Beteiligungsgesellschaft Arques hat abermals den Veröffentlichungstermin für ihre Jahresbilanz 2009 verschoben. Wegen eines noch nicht abgeschlossenen Geschäftes werde man einen neuen Veröffentlichungstermin "in Kürze" mitteilen. Die Aktionäre sind derartiges von ihrer Firma bereits gewöhnt, die Aktie rutschte 4,3 Prozent ab.

Und noch drei kleine Bilanzen
Quartalsbilanzen lieferten am Montag Aragon und Procon Multimedia ab. Das Finanzvertriebsunternehmen Aragon erreichte einen Umsatz von 23,7 Millionen Euro, 65 Prozent als 2009. Außerdem schrieb die Firma aus dem Entry Standard leicht schwarze Zahlen, nach einem Ebit-Verlust von 0,8 Millionen Euro vor einem Jahr. Auch der Veranstaltungsausstatter Procon Multimedia berichtete über ein gelungenes erstes Quartal. Der Umsatz legte deutlich auf 24,4 Millionen Euro zu, das Betriebsergebnis erreicht 0,8 Millionen Euro, nach einem Verlust von 200.000 Euro vor einem Jahr.

Der Spezialist für technische Bildverarbeitung Isra Vision hat im ersten Geschäftshalbjahr ebenfalls sein Ergebnis verbessert. Der Gewinn vor Steuern stieg um fast ein Zehntel auf 4,6 Millionen Euro, der Umsatz ging leicht auf 27,3 Millionen Euro zurück. Das komplette Geschäftsjahr will Isra Vision jedoch mit leicht höheren Umsätzen beenden.

Dax-Chart realtime

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Unternehmen:
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Konjunktur:
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China: Industrieproduktion, Juni, 4 Uhr
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USA: Einzelhandelsumsatz, Juni, 14:40 Uhr
Sonstiges:
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