Bis zum nächsten Politik-Gipfel

Robert Minde

Stand: 05.12.2011, 20:05 Uhr

Hoch waren die Erwartungen im Vorfeld es heutigen deutsch-französischen Spitzentreffens. Aber die Börse hat nur verhalten reagiert, der erhoffte Befreiungsschlag war es nicht. Trotzdem schließt der Dax etwas höher.

Am deutschen Aktienmarkt regierte heute vorsichtiger Optimismus. Der Dax knüpfte mit einem moderaten Zuwachs von 0,4 Prozent auf 6.106 Punkte an die guten Vorgaben der Vorwoche an. Nachbörslich gab der L/E-Dax nach der überraschend bekannt gegebenen RWE-Kapitalerhöhung nach und schloss bei 6.094 Punkten.

Die hohen Erwartungen, die sich im Vorfeld des deutsch-französischen Gipfeltreffens aufgebaut hatten, wurden heute insgesamt nicht erfüllt.- aber die politische Spannung bleibt erhalten, denn der große EU-Gipfel am Wochenende steht bevor. "Ob der sich derzeit an den Märkten widerspiegelnde Optimismus gerechtfertigt ist, wird sich auf dem EU-Gipfel zeigen, sagte Gregor Kuhn von IG Markets. Der Händler warnte vor überzogenen Erwartungen. "Sämtliche Beschlüsse und Lösungspakete der vergangenen Euro-Gipfel hatten eine extrem kurze Halbwertzeit. Das Enttäuschungspotenzial ist also groß." Auch aus Italien kamen gute Nachrichten. Der neue Ministerpräsident Mario Monti hat sein Sparprogramm vorgestellt - und das kam gut an am Markt. ."Montis Sparpaket packt die Probleme an", sagte Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research.

Unternehmensmeldungen gab es nur vereinzelt, Tagessieger war ThyssenKrupp mit einem Zuwachs von knapp drei Prozent, Verlierer die Commerzbank, die nach volatilem Handel mit einem Minus von 4,1 Prozent aus dem Handel ging. Grund war ein "Spiegel"-Bericht, nachdem der Bund eine Verstaatlichung der Bank nicht mehr ausschließen will. Nachbörslich überraschte RWE mit der Bekanntgabe einer Kapitalerhöhung.

Wall Street hofft auf Europa
Hoffnungen auf eine Lösung der europäischen Schuldenkrise beflügeln zur Stunde die Wall Street. Der Dow-Jones-Index liegt zur Stunde bei 12.094 Punkten, ein Plus von 0,6 Prozent. "Der Markt ist sehr optimistisch, dass Europa endlich die Kurve kriegt und der Gipfel erfolgreich wird", sagte Oliver Pursche, Präsident von Gary Goldberg Financial Services. Die Börsianer ignorierten sogar die etwas schlechter als erwartet ausgefallenen Konjunkturzahlen. Sowohl die Industrieaufträge im Oktober als auch der ISM-Einkaufsmanagerindex für das Dienstleistungsgewerbe im November lagen unter den Erwartungen.

Verzweiflung am Geldmarkt
Allerdings bleibt die Lage weiter extrem angespannt, wie ein Blick auf die heutige Versteigerung sechsmonatiger unverzinslicher Schatzanweisungen des Bundes zeigt. Der Bund platzierte dabei ohne Mühe 2,675 Milliarden Euro zum Zins von 0,0005 Prozent. Die Emission war dabei 3,8-mal überzeichnet. "Gesucht wird schnell verfügbare Liquidität bei höchster Sicherheit", sagte UniCredit-Experte Kornelius Purps. Auch ein Sprecher der Finanzagentur des Bundes sprach von einer "starken Suche nach Qualität".

Zudem parken die europäischen Banken immer mehr Geld bei der EZB. Die Übernacht-Einlagen sind auf 333 Milliarden Euro gestiegen (nach 314 Milliarden Euro am Vortag) und dokumentieren besonders deutlich die Vertrauenskrise am Geldmarkt. Banken aus den Schuldenstaaten kommen schwerer an Geld um sich zu refinanzieren. Ihnen bleibt oftmals nur noch der Weg zur EZB. "Daran zeigt sich ganz klar die Umverteilungsproblematik, die wir noch von der Pleite von Lehman kennen", sagte ein Händler.

RWE beschließt Kapitalerhöhung
Der Energieriese hat nachbörslich eine Kapitalerhöhung bekannt gegeben. Insgesamt werden 80,4 Millionen neue Aktien im Wege eines beschleunigten Platzierungsverfahrens institutionellen Investoren angeboten. Davon werden 52,3 Millionen neu ausgegeben, wobei das Bezugsrecht für die Aktionäre für diese neuen Aktien ausgeschlossen wird. 28,1 Millionen eigene Stücke, entsprechend fünf Prozent des Grundkapitals, sollen verkauft werden.

Das Verfahren beginnt heute am 5.Dezember und wird voraussichtlich am 6. Dezember abgeschlossen. Der Angebotspreis und das Bezugspreis werden voraussichtlich ebenfalls morgen, den 6.12. bekannt gegeben. Dabei sollen sich der Angebotspreis für die Platzierung und er Bezugspreis entsprechen. RWE-Aktien geben nachbörslich vier Prozent auf 28,75 Euro nach.

Eon

Eon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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9,13
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Eon verkauft in Bulgarien
Unter den Unternehmen fallen Eon positiv auf. Der Energiekonzern verkauft die Tochter Eon Bulgaria für 133 Millionen Euro. Käufer ist die tschechische Energo-Pro. Damit setzt sich der Verkaufsreigen des Konzerns fort. Eon will sich insgesamt von Unternehmensteilen im Wert von 15 Milliarden Euro trennen, bisher setzte der Dax-Konzern Verkäufe von rund 9 Milliarden Euro um.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Streik bei der Postbank weitet sich aus
Insgesamt 3.500 Beschäftigte waren nach Angaben der Gewerkschaft Verdi heute im Streik bei der Deutsche-Bank-Tochter Postbank. Erstmals war auch das Filialgeschäft betroffen, einzelne Stellen blieben sogar geschlossen. Die Beschäftigten wehren sich gegen die Ausgliederung in Tochtergesellschaften, da sie Verschlechterungen bei den Sozialleistungen befürchten, etwa weniger Urlaub und geringere Gehälter. Die Tarifgespräche sollen morgen wieder aufgenommen werden. Mit den Ausgliederungen will die Konzernmutter Deutsche Bank Kosten sparen.

SAP mit Milliarden-Einkauf
Die am Wochenende angekündigte Milliardenübernahme von SAP beschert der Aktie Kursverluste. Die Walldorfer wollen für 3,4 Milliarden Dollar das Unternehmen SuccessFactors kaufen, das sich mit Thema Cloud Computing beschäftigt. Mit dem Schritt will SAP Marktführer im Bereich Mietsoftware werden.

ThyssenKrupp kommt voran
Der ThyssenKrupp-Konzern will die Hamburger Werft-Tochter Blom + Voss wohl noch in diesem Jahr verkaufen. Laut der der "Financial Times Deutschland" soll der Vertrag mit dem britischen Finanzinvestor Star Capital Partners innerhalb von 14 Tagen unterschriftsreif sein. Auch die Trennung von der Edelstahlsparte Fortschritte. Die Meldung hilft der am Freitag stark gebeutelten Aktie auf die Sprünge. Die Aktie legte drei Prozent zu auf 18,32 Euro.

Metro erwartet Angebot für Kaufhof
Der Wettbewerb um Kaufhof geht in die nächste Runde. Wie ein Metro-Sprecher heute mitteilte, ist der österreichische Unternehmer Rene Benko "im Bieterprozess am weitesten". Benko hat angekündigt, in den nächsten Tagen ein konkretes Angebot für Kaufhof abzugeben. Ebenfalls im Rennen sind der Karstadt-Besitzer Nicolas Berggruen sowie der ehemalige KarstadtQuelle-Chef Wolfgang Urban, die mit einem Konsortium im Rennen sind. Allerdings hat es bisher noch keine Prüfung der Bücher gegeben. Zuerst müsse die Seriosität des Angebots geprüft werden, bevor Einblick in die Bücher gewährt werde, erklärte Metro. Metro-Aktien legen leicht um 0,6 Prozent zu.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Daimler auf Rekordkurs
Daimler berichtet über den besten November in der Unternehmensgeschichte. Der Autobauer setzte im vergangenen Monat neun Prozent mehr Fahrzeuge ab als im Vorjahr und steuert auf ein Rekordjahr zu."Schon jetzt steht fest, dass wir unser Ziel, im Gesamtjahr mehr Fahrzeuge zu verkaufen als jemals zuvor, erreichen werden", sagte Mercedes-Manager Joachim Schmidt am Montag in Stuttgart. Insgesamt hat Daimler in diesem Jahr schon 1,231 Millionen Autos verkauft. Zugpferde waren die USA und China. Daimler legen um 2,4 Prozent zu und gehören damit zu den Tagesgewinnern.

Linde begibt neue Anleihe
Das Unternehmen hat nach Börsenschluss eine Anleihe im Volumen von 750 Millionen Euro erfolgreich am Markt platziert. Die Emission, die mit einem Kupon von 3,125 Prozent ausgestattet ist, war sechsfach überzeichnet. Linde will mit den Mitteln zur allgemeinen Unternehmensfinanzierung verwenden. Allerdings wird im April 2012 eine Anleihe über nominal 723 Millionen Euro fällig, so dass der zusätzliche finanzielle Rahmen überschaubar ist.

Positives bei Tui
Die Tui-Aktie kann die Avancen des Vormittags zwar nicht ganz verteidigen, legt aber zum Handelsschluss immerhin ein gutes Prozent zu. Die britische Tochter Tui Travel ist im abgelaufenen Geschäftsjahr wieder in die Gewinnzone zurückgekehrt. Der Gewinn lag bei 85 Millionen Pfund nach einem Vorjahresminus von 123 Millionen Pfund. Außerdem hilft ein Bericht der "Welt", laut dem die Reederei Neptune Orient Lines (NOL) aus Singapur einen neuen Anlauf nimmt, die Tui-Schifffahrtstochter Hapag-Lloyd zu kaufen.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"