Marktbericht 20:00 Uhr

Kurssprünge an den Aktienmärkten Billiggeld-Versprechen macht Anleger glücklich

Stand: 01.08.2013, 17:53 Uhr

Mit neuem Schwung sind die Aktienmärkte in den Börsenmonat August gestartet. Starke Konjunkturdaten und die fortgesetzte lockere Geldpolitik der Notenbanken schoben die Kurse deutlich an. Die Wall Street ging wieder auf Rekordjagd.

Die ganze Woche über hatten die Anleger darauf gewartet. Dann endlich meldeten sich die Notenbanken aus Amerika und Europa zu Wort - und bekräftigten eigentlich nur das, was sie schon immer gesagt hatten: die Geldpolitik bleibt für einen längeren Zeitraum locker. Das reichte, um die Anleger in Kauflaune zu bringen.

Der Dax beendete seine mehrtägige Kriechtour und schoss um 1,6 Prozent nach oben auf knapp 8.411 Punkten. Im späten Handel bröckelten etwas die Kursgewinne. Der europäische Leitindex EuroStoxx50 zog um 1,5 Prozent an. An der Wall Street gab es neue Höchststände. Der Dow erreichte mit 15.650 Punkten ein neuerliches Allzeithoch. Der breit gefasste S&P-500-Index schaffte erstmals den Sprung auf über 1.700 Punkten. Die Nasdaq legte knapp ein Prozent zu.

EZB und Fed bleiben locker

Die Märkte dürften auf unbestimmte Zeit weiter am Tropf der Notenbanken hängen. Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), bekräftigte am Nachmittag, dass die Leitzinsen für einen längeren Zeitraum niedrig bleiben werden - mindestens bis 2014. Die Politik des billigen Geldes werde die "schrittweise Erholung der Konjunktur im Laufe dieses Jahres und 2014" anschieben, betonte der Italiener.

Auch in den USA drohen vorerst keine Entzugserscheinungen. Die Fed werde weiter Monat für Monat für bis zu 85 Milliarden Dollar Staatsanleihen und Immobilienpapiere kaufen, bis sich die Lage am Arbeitsmarkt substanziell verbessert habe.

US-Konjunktur zieht an

Die neuesten Daten deuten aber auf eine zunehmende Erholung der US-Konjunktur hin. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sanken um 19.000 auf 326.000. Das ist der niedrigste Stand seit fünfeinhalb Jahren. In der Industrie hellte sich die Stimmung überraschend deutlich auf. Der stark beachtete Einkaufsmanager-Index für die Industrie stieg im Juli auf 55,4 Punkte und damit den höchsten Stand seit zwei Jahren. Volkswirte hatten nur mit einem kleinen Anstieg auf 52,0 Zähler gerechnet. Sollte sich der Index in den kommenden Monaten auf diesem Niveau behaupten, dürfte das Wirtschaftswachstum in den USA im zweiten Halbjahr locker bei über drei Prozent liegen. Einziger Dämpfer waren die um 0,6 Prozent gesunkenen Bauausgaben. Ökonomen hatten mit einem Plus von 0,4 Prozent gerechnet.

Bessere Stimmung in China und Europa

Auch in China und Europa werden die Aussichten immer besser. Der chinesische Einkaufsmanagerindex (PMI) stieg unerwartet auf 50,3 Punkte. "Es scheint sich eine Stabilisierung im Reich der Mitte anzubahnen", meinte ein Vermögensverwalter aus Singapur. In der Euro-Zone beendete die Industrie ihre zweijährige Durststrecke und schaltete wieder auf Wachstum. Der Einkaufsmanagerindex der Industrie kletterte auf 50,3 Punkte.

Euro fällt

Die Aussagen Draghis drückten den Euro nach unten. Die europäische Gemeinschaftswährung notierte am Abend bei knapp über 1,32 Dollar. Am Vortag war der Euro noch auf ein Sechs-Wochen-Hoch von 1,3344 Dollar geklettert. Die Ölpreise zogen kräftig an. Ein Barrel der Nordseesorte Brent verteuerte sich um 1,58 Dollar auf 109,28 Dollar. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte WTI stieg um über zwei Dollar auf 107,49 Dollar.

Guter Tag für Bankaktien

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,94
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Europaweit waren vor allem Bankenwerte gefragt. Der Branchenindex legte um über zwei Prozent zu. Die Aktien der Société Générale gewannen gut zehn Prozent nach den Quartalszahlen. Im Sog des guten Marktumfelds kletterten die Papiere der Commerzbank mit einem Plus von über vier Prozent an die Dax-Spitze. Das Geldinstitut sieht erste Erfolge beim Umbau seines Privatkunden-Geschäfts. In den ersten fünf Monaten seien 59.000 neue Kunden gewonnen worden. Vom Ziel, bis 2016 rund eine Million Neukunden anzulocken, ist die Commerzbank aber noch meilenweit entfernt.

Ist der Boden erreicht bei K+S?

K+S

K+S: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
18,18
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Nach dem dramatischen Kurseinbruch der letzten zwei Tage erholte sich die Aktie von K+S etwas. Sie legte um knapp zwei Prozent zu. Am Morgen hatte noch eine negative Studie der UBS den Kurs des Düngemittelherstellers belastet. Aus charttechnischer Sicht ist die Aktie extrem angeschlagen.

BMW muss Gang zurückschalten

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
82,61
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Zwei Dax-Konzerne legten am Donnerstag Quartalszahlen vor - und enttäuschten. Der Autobauer BMW litt unter der Absatzflaute in Europa. Die Pkw-Sparte verdiente 13 Prozent weniger, die Ebit-Marge sank auf 9,6 Prozent. Konzernweit stieg aber das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) um knapp neun Prozent auf 2,07 Milliarden Euro. Der Umsatz stieg nur minimal auf 19,55 Milliarden Euro. Die Aktie büßte rund 0,8 Prozent ein.

Bremsspuren bei Conti

Auch der Autozulieferer Conti konnte die Anleger mit seiner Bilanz nicht überzeugen. Die Aktie verlor 0,84 Prozent und war Schlusslicht im Dax. Conti sieht zwar ein Ende der Talfahrt auf dem europäischen Automarkt, von einer Trendwende könne man aber noch nicht sprechen. Der Umsdatz werde im dritten Quartal voraussichtlich stagnieren. Für das Gesamtjahr bekräftigte Conti aber das Ziel von 34 Milliarden Euro Umsatz und einer bereinigten Ebit-Marge von über zehn Prozent. Im zweiten Quartal stiegen die Erlöse um gut vier Prozent auf 8,54 Milliarden Euro. Die Erholung des Reifenersatzgeschäfts verlaufe langsamer als erwartet.

VW hinkt in den USA hinterher

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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147,68
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+2,21%

Auch andere deutsche Autobauer müssen einen Gang zurückschalten. VW verkaufte in den USA im Juli drei Prozent weniger Fahrzeuge. Damit blieben die Wolfsburger klar hinter der Konkurrenz zurück. Toyota setzte 16 Prozent mehr Autos ab. Die drei US-Autokonzerne GM, Ford und Chrysler verbuchten ebenfalls zweistellige Zuwächse. Kleiner Trost: Die VW-Tochter Audi konnte den Absatz um knapp zwölf Prozent steigern.

Metro macht wieder Gewinne

Der Handelskonzern Metro hat sich nach einer langen Durststrecke wieder aus der Verlustzone gekämpft und seinen Ausblick für das Rumpfgeschäftsjahr bekräftigt. Im zweiten Quartal verbuchte das Unternehmen einen Nettogewinn von 33 Millionen Euro. Im Vorjahresquartal war noch ein Verlust von 18 Millionen Euro angefallen. Die Aktie war mit einem Plus von über acht Prozent der mit Abstand größte Gewinner im MDax.

Dürr bleibt optimistisch

Der Anlagen- und Maschinenbauer Dürr setzte im zweiten Quartal mit 589,2 Millionen Euro weniger um als im Vorjahreszeitraum. Der Vorstand gab sich aber weiter zuversichtlich, im zweiten Halbjahr die Umsatzdelle auszubügeln. Vor Zinsen und Steuern wuchs das Ergebnis von 42,7 auf 46,4 Millionen Euro. Unter dem Strich blieben mit 29,7 Millionen Euro deutlich mehr hängen als noch vor einem Jahr. Die Dürr-Aktie stieg 2,5 Prozent.

ProSiebenSat.1 hebt Prognose an

Der TV-Konzern ProSiebenSat.1 blickt nach einem starken zweiten Quartal optimistischer in die Zukunft. Beim Umsatz rechnet das Unternehmen jetzt mit einem Plus im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich. Bislang hatte er einen Anstieg zwischen zirka vier und sechs Prozent in Aussicht gestellt. Im zweiten Quartal kletterte der Umsatz um 11,4 Prozent auf 624,8 Millionen Euro. Unter dem Strich verdiente ProSiebenSat.1 knapp 91 Millionen Euro.

Bittere Botschaft von Südzucker

Am MDax-Ende rangierte indes Südzucker. Die Aktie verlor 1,5 Prozent. Die Prognose eines operativen Ergebnisses von 825 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2013/14 werde anspruchsvoller, warnte Südzucker-Vorstandschef Wolfgang Heer auf der Hauptversammlung. Nach dem vorangegangenen Rekordjahr wäre dies ein Rückgang um 15 Prozent. Grund seien die Belastungen aus der Übernahme des britischen Biosprit-Produzenten Ensus durch die Südzucker-Tochter Cropenergies.

Aurubis rutscht in die roten Zahlen

Wegen niedriger Metallpreise ist Europas größter Kupferkonzern Aurubis im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2012/13 überraschend in die Verlustzone gerutscht. Der Verlust vor Steuern betrug acht Millionen Euro. Für das vierte Quartal rechnet Aurubis wieder mit einer besseren oiperativen Entwicklung. Weitere Bewertungsverluste seien nicht absehbar. Die Aktie drehte kurz ins Minus, erholte sich dann aber wieder.

Bauer kippt Gewinnprognose

Eine Gewinnwarnung gab's nach Xetra-Schluss vom Tiefbaukonzern Bauer. Wegen eines Verlusts von 7,9 Millionen Euro im ersten Halbjahr stellt der SDax-Unternehmen für das Gesamtjahr nur noch einen Gewinn von 20 Millionen Euro in Aussicht. Bisher waren 30 Millionen angepeilt gewesen. Das Umsatzziel von 1,5 Milliarden Euro bleibt bestehen.  

Evonik rudert zurück

Der Gewinn des Spezialchemiekonzerns Evonik ist im zweiten Quartal wegen der raueren Konjunktur eingebrochen. Konzernchef Klaus Engel senkte nach dem schwachen Quartal die Prognose für das Gesamtjahr und kündigte an, den Sparkurs zu verschärfen. Der Ruhrkonzern erwartet für das Gesamtjahr nunmehr einen Umsatz von 13 Milliarden Euro und damit auf Vorjahreshöhe. Die operativen Ergebnisse dürften unter dem Vorjahresniveau liegen. Die Aktie schloss dennoch knapp drei Prozent höher.

Investitionen zehren am Gewinn von Drägerwerk

Zu den größten TecDax-Verlierern gehörte Drägerwerk mit einem Minus von drei Prozent. Wegen hoher Investitionen in die Forschung & Entwicklung hat der Medizin- und Sicherheitstechnik-Hersteller im zweiten Quartal weniger verdient als noch ein Jahr zuvor. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) ging um ein Fünftel auf 39,4 Millionen Euro zurück. Unter dem Strich blieb ein Gewinn von 23,0 Millionen Euro übrig - ein Minus von 17 Prozent.

Großauftrag für Manz

Die Aktie von Manz legte um gut 14 Prozent zu. Der schwäbische Hightech-Maschinenbauer  hat einen Großauftrag von einem führenden chinesischen Hersteller von OLED-Displays erhalten. Das Auftragsvolumen beträgt über neun Millionen Euro. Manz fährt zunehmend seine Solaraktivitäten herunter und setzt auf das Geschäft mit Leuchtdioden (OLED).

Telegate bleibt in der Verlustzone

Die Aktien von Telegate verloren hingegen fast vier Prozent. Das Unternehmen hat im ersten Halbjahr weniger umgesetzt als im Vorjahreszeitraum. Die Erlöse schrumpften um gut ein Fünftel auf 37,1 Millionen Euro. Operativ verringerte sich der Verlust (Ebitda) um 34 Prozent von minus 3,2 Millionen Euro auf minus 2,1 Millionen Euro.

Zahlenfestival aus dem Ausland

Aus dem Ausland kam ebenfalls eine Flut von Quartalszahlen. Die wichtigsten von ihnen hier auf einen Blick:

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Dienstag, 18. September

Unternehmen
Stihl: Jahreszahlen, 11:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Rede von EZB-Präsident Mario Draghi in Paris, 9:15 Uhr
USA: NAHB-Index 9/18, 16:00 Uhr