Bilanzen, Zuversicht und Panik

von Karsten Leckebusch

Stand: 26.10.2007, 20:09 Uhr

Mehr als hundert Punkte konnte der Dax in der vergangenen Handelswoche gut machen, und auch den Freitag beendete der Leitindex mit einem Kursgewinn. Die begonnene Bilanzsaison trieb die Kurse an, wie bei Volkswagen. Aber sie ließ Anleger auch panisch verkaufen, wie bei Conergy.

Der Wolfsburger Automobilkonzern Volkswagen legte am Freitag seine Neunmonatszahlen vor. Mit einem Vorsteuergewinn von 4,7 Milliarden Euro übertraf der Konzern die Prognosen und die Anleger griffen zu. Die Aktie stieg bis zum Handelsschluss um 4,2 Prozent.

Ganz anders bei Conergy. Das TecDax-Unternehmen gab sowohl einen unerwarteten Quartalsverlust von 10,3 Millionen Euro sowie zusätzlich eine Gewinn- und Umsatzwarnung aus. Da der Konzern vor wenigen Tagen noch seine Ziele bestätigt hatte, fiel die Reaktion der Anleger fiel daher umso heftiger aus. Die Aktie fiel um 32 Prozent.

Gestützt auf Volkswagen-Kursgewinne beendete der Dax den Handel am Freitag mit einem Plus von 0,2 Prozent bei 7.949 Punkten, gedrückt durch Conergy fiel der TecDax um 1,1 Prozent wieder unter 1.000 Punkte.

Der US-Handel trug am Freitag nicht allzu viel zur allgemein freundlichen Börsenstimmung bei. Zunächst gab es unerfreuliche Konjunkturdaten: Der wichtige Verbrauchervertrauensindex der Uni Michigan fiel stärker als erwartet um 2,5 Zähler auf 80,9 Punkte und damit auf den tiefsten Stand seit Mai 2006.

Dann aber öffnete die Wall Street mit Gewinnen, im Nasdaq Composite legte die Microsoft-Aktie nach einer perfekten Bilanz vom Donnerstag abermals um mehr als zehn Prozent zu. Der LDax honorierte die gute Kursentwicklung in New York und legte noch um vier Zähler zu.

Erwartungsvoll
Noch besser als Volkswagen schloss die Continental-Aktie den Freitagshandel ab. Das Papier gewann 5,4 Prozent. Händler begründeten die nachrichtenlosen Kursgewinne mit der für kommenden Mittwoch erwarteten Konzernbilanz. Analysten erwarten abermals deutliche Zuwächse bei Umsatz und Gewinn.

Selbst die Deutsche Telekom schlug sich mit einem Kursgewinn von 2,5 Prozent außergewöhnlich gut. Am Morgen hatte ABN Amro das Kursziel für den Titel von 11 auf 12,50 Euro angehoben und die Empfehlung von "Sell" auf "Hold" angehoben.

Daimler schwach, Metro auch
Die Daimler-Aktie verlor im Handelsverlauf 1,2 Prozent. Zur Begründung verwiesen Börsianer auf höhere Rückstellungen für Prozessrisiken. Der Konzern ist in zahlreiche Rechtsstreitigkeiten verwickelt, unter anderem ermittelt die US-Börsenaufsicht gegen Daimler wegen möglicher Korruption im Ausland.

Auch der Einzelhändler Metro verbilligte sich, um 0,9 Prozent. Auslöser dürfte der dürftige aktuelle GfK-Konsumklimaindex gewesen sein. Der Index sank von 6,7 auf 4,9 Punkte im November. Die Stimmung der Verbraucher trübte sich zum vierten Mal in Folge ein. Die durchwachsene Bilanz des niederländischen Metro-Konkurrenten Ahold drückte wohl ebenfalls auf den Kurs.

Solarverlierer
Die Gewinnwarnung von Conergy belastete alle im TecDax notierten Vertreter der Solarbranche. Ersol-, Solarworld- und Q-Cells-Aktien verloren überdurchschnittlich. Lediglich Solon konnte sich ganz gut halten, nachdem die Citigroup das Kursziel von 56 auf 100 Euro angehoben hatte. Die Aktie gab lediglich 0,1 Prozent ab.

Freude bei Epcos-Aktionären
Die Epcos-Aktie, ebenfalls im TecDax notiert, stieg hingegen um 14,8 Prozent. Der Elektronikkomponentenhersteller steigerte im dritten Quartal sein Ergebnis um 27 Prozent auf 32,4 Millionen Euro und will die Dividende erhöhen. Epcos bestätigte auch die Prognose für das Gesamtjahr.

MDax schafft die Kurve
Der Index der mittelschweren Werte MDax beschloss den Freitagshandel mit einem winzigen Plus von 0,07 Prozent. Erheblich dazu beigetragen hatte die späte Kurserholung des Düngemittelhersteller K+S. Die Aktie stieg um elf Prozent. Um dies zu erklären, verwiesen Experten zum einen auf angebliche Käufe eines Großaktionärs. Andere Analysten rechnen damit, dass die Düngemittelpreise weltweit ansteigen, nachdem die Mine eines russischen K+S-Konkurrenten überflutet worden war.

Der Grafitspezialist SGL verlor hingegen 5,3 Prozent. Am Donnerstag hatte das Unternehmen seine Bilanz veröffentlicht, und dabei mit dem Ausblick und der Marge enttäuscht. Bei MTU belastete eine Analysteneinschätzung. Goldman Sachs senkte das Kursziel von 54 auf 50 Euro und nahm die Aktie von der "Pan Europe Conviction Buy List". Die Aktie verlor 4,2 Prozent.

Noch mehr Quartalszahlen
Aus dem TecDax legte der Netzwerkbetreiber QSC seine Bilanz vor. Das Unternahmen schnitt im dritten Quartal deutlich schlechter ab als erwartet und senkte daher prompt die Prognose für Gewinn und Umsatz. Demnach strebt QSC nur noch ein ausgeglichenes Ergebnis für 2007 an, nachdem vorher ein Plus von 15 Millionen Euro angepeilt war. QSC beteuerte zwar, dass der Konzern 2008 "definitiv" einen Nettogewinn ausweisen werde, die Aktie verlor trotzdem 7,3 Prozent.

Eine sehr erfreuliche Quartalsbilanz legte hingegen die Software AG vor. Das Ebit im dritten Quartal stieg um 27 Prozent, der Umsatz kletterte von 113,8 auf 157,8 Millionen Euro. Die Aktie verteuerte sich auch wegen der Bestätigung der Geschäftsprognose für dieses Jahr um 7,8 Prozent.

Das IT-Unternehmen Mensch und Maschine hat seinen Umsatz im dritten Quartal um 26 Prozent auf 49,2 Millionen Euro verbessert, das Ebit zog sogar um 51 Prozent an. Die Aktie legte um 1,1 Prozent zu. Die Solar-Fabrik verbilligte sich um 2,3 Prozent, obwohl das Unternehmen in den vergangenen neun Monaten ein Umsatzwachstum von 106 Prozent verbuchte. Außerdem hob die Solar-Fabrik die Umsatzprognose von 130 auf mindestens 140 Millionen Euro an.

Unbekannte Übernehmer wollen Tipp24?
8,6 Prozent gewann die Aktie des privaten Lottovermittlers Tipp24. Neben den Geschäftzahlen (Quartalsergebnis von 2,9 Millionen Euro) schob vor allem die Mitteilung, dass Tipp 24 offenbar ins Visier bisher unbekannter Investoren geraten sei, die Aktie an.

Geplante IPOs
Die Hamburger Hafen und Logistik AG HHLA hat die Preisspanne für den am 2. November angepeilten Börsengang bekannt gegeben. Demnach sollen die Aktien in der Spanne von 43 bis 53 Euro angeboten werden. Die Zeichnungsfrist begann am Freitag und endet am 1. November.

Das Explorationsunternehmen Global Oil & Gas AG will ebenfalls am 2. November an der Börse starten, allerdings nur im schwach regulierten Entry Standard. Aktien gibt es zwischen 13 und 17 Euro, die Zeichnungsfrist begann ebenfalls am Freitag.

Analystenkurse
Eine Abstufung drückte auf den Kurs von Grammer. Der SDax-Wert verlor 3,4 Prozent, nachdem Unicredit das Kursziel von 28 Euro auf 16 Euro senkte und die Empfehlung von "Buy" auf "Sell" änderte. Medion aus dem gleichen Index verbuchte hingegen ein Plus von 3,2 Prozent, nachdem die Credit Suisse das Kursziel von 17 auf 21,40 Euro anhob.

Combots verabschiedet sich von Combots
Der Softwareanbieter Combots gibt seinen gleichnamigen Kommunikationsdienst nach Millionenverlusten endgültig auf. Aufsichtsrat und Vorstand beschlossen, den Betrieb des "innovativen" Internet-Messengers einzustellen. Bereits im September hatte Combots angekündigt, sein einziges Produkt nicht weiter zu entwickeln, um die Verluste zu begrenzen.

Tagestermine am Mittwoch, 19. Dezember

Unternehmen:
Softbank: IPO der Mobilfunktochter in Tokyo
Ceconomy: Q4-Zahlen, 07:00 Uhr, und Bilanz-PK, 10:00 Uhr
General Mills: Q2-Zahlen, 13:00 Uhr

Konjunktur:
USA: Zinsentscheid der Fed, 20:00 Uhr, PK mit Fed-Chef Powell, 20:30 Uhr
Japan: Außenhandel im November, 00:50 Uhr
Deutschland: Erzeugerpreise im November, 08:00 Uhr
Großbritannien: Verbraucherpreise im November, 10:30 Uhr
USA: Leistungsbilanz Q3, 14:30 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser im November, 16:00 Uhr
USA: Wöchentlicher Ölbericht, 16:30 Uhr