Marktbericht 20:03 Uhr

Notenbanken beflügeln Dax & Co Beste Börsenwoche seit vier Jahren

Stand: 23.10.2015, 20:03 Uhr

Was für eine Woche! Der Dax legte in den letzten fünf Tagen fast sieben Prozent zu. Am Freitag näherte er sich gar den 11.000 Punkten. Die lockere Geldpolitik in Europa, der schwache Euro und eine erneute Zinssenkung in China sorgten für ein Kursfeuerwerk.

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Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die "Billiggeld-Rally" geht weiter – und wie! Weltweit waren die Anleger zum Wochenschluss in Feierlaune. Der EuroStoxx50 legte am Freitag um 2,2 Prozentb zu und verzeichnete ein Wochenplus von knapp fünf Prozent. Der französische Cac40 stieg um 2,5 Prozent. Noch besser erging es dem Dax. Der deutsche Leitindex kletterte um fast drei Prozent nach oben auf 10.794 Punkte, den höchsten Stand seit zwei Monaten. Mit einem Plus von 6,8 Prozent war es die beste Börsenwoche für den Dax seit Dezember 2011.

Gute Stimmung an den US-Börsen

Der Funke sprang auf die Wall Street über. Der Dow Jones stand zwei Stunden vor Handelsschluss 0,8 Prozent im Plus. Die Nasdaq gewann sogar zwei Prozent - angetrieben von starken Zahlen der Hightech-Riesen Microsoft, Amazon und Alphabet (Google).

Start frei für die Jahresend-Rally?

Hörfunk-Moderatorin Ulla Herrmann
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Börse 20.15 Uhr

Jetzt glauben viele Anleger an eine mögliche Jahresend-Rally. "Die Hoffnung auf noch mehr billiges Geld wird nun wieder zur treibenden Kraft an den Aktienmärkten", meint Andreas Paciorek vom Brokerhaus CMC Markets.

EZB könnte noch expansiver werden

Besonders die Europäische Zentralbank (EZB) könnte in den nächsten Monaten noch aktiver werden. Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) hatte am Donnerstag die Tür für eine noch größere Geldflut in der Eurozone weit geöffnet. Im Dezember werden die Währungshüter eine Ausweitung der Anleihenkäufe prüfen.

China dreht an der Zinsschraube

Auch die chinesische Notenbank wird immer lockerer. Überraschend senkte sie am Mittag die Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte auf 4,35 Prozent sowie den Mindestreservesatz um 0,5 Prozentpunkte. Das nährte die Hoffnung der Anleger auf eine Belebung der Konjunktur im Reich der Mitte.

Rohstoffpreise ziehen an

Die Zinssenkung in China beflügelte nicht nur die Aktien, sondern auch die Rohstoffpreise. Gold verteuerte sich um über ein Prozent auf 1.179 Dollar je Feinunze. Die Preise für Kupfer und Zink legten um jeweils 1,7 Prozent zu. Nordseeöl der Sorte Brent kostete mit 48,65 Dollar je Fass bis zu 1,2 Prozent mehr.

Euro fällt auf 1,10 Dollar

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Als weitere Stütze für die europäischen Aktienmärkte erweist sich der schwache Euro. Die europäische Gemeinschaftswährung sackte bis zum Abend auf 1,10 Dollar ab. Donnerstagfrüh hatte der Euro noch bei 1,1338 Dollar notiert. Die Renditen europäischer Staatsanleihen gingen weiter in die Knie. Die Rendite zweijähriger italienischen und spanischer Bonds rutschte erstmals in den negativen Bereich.

US-Hightech-Riesen glänzen

Starke Quartalsergebnisse lieferten die Hightech-Konzerne Microsoft, Google und Amazon. Die Aktien legten bis zu zehn Prozent zu. Amazon hat die Anleger mit einem überraschenden Gewinn von 79 Millionen Dollar begeistert. Am Markt war ein Quartalsverlust erwartet worden Alphabet, der frischgebackene Mutterkonzern der Suchmaschine Google, hat die Erwartungen ebenfalls übertroffen. Der Gewinn kletterte von 2,74 auf 3,98 Milliarden Dollar. Ebenfalls besser als erwartet schnitt Microsoft ab. Der Windows-Konzern hat im vergangenen Quartal 4,62 Milliarden Dollar verdient.

Guter Tag für konjunktursensible Werte

Im Dax waren zum Wochenschluss besonders konjunkturabhängige Titel gefragt, die vom schwachen Euro profitieren. Die Aktien von HeidelbergCement gewannen fast fünf Prozent. Der Zementhersteller muss sich für die geplante Übernahme des Wettbewerbers Italcementi weniger Geld leihen als ursprünglich gedacht.

Autoaktien auf der Überholspur

Auch die Autowerte waren begehrt- dank des schwächeren Euro. Die Titel von VW stiegen um fast vier Prozent, die Aktien von Daimler um 3,5 Prozent. In das positive Bild passten gute Zahlen von Volvo und Michelin. Der Reifenhersteller Michelin profitierte vor allem von einer starken Reifen-Nachfrage für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge. Der schwedische LKW- und Baumaschinen-Hersteller Volvo verdiente dank seines Sparprogramms mehr und stimmte auf brummende Geschäfte in Europa ein. Die Aktien von Volvo und Michelin schlossen fester.

Nachholpotenzial bei Bayer?

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Bayer zählte ebenfalls zu den Top-Gewinnern im Dax. Der Kurs zog um über vier Prozent an. Einige Anleger kauften sich über das Dax-Schwergewicht in den deutschen Markt ein, meinte ein Händler. Zudem habe sich das Chartbild aufgehellt. "Bisher ging die Erholung an der Bayer-Aktie vorbei, nun wittern Anleger Nachholpotenzial", sagte Chartexperte Franz-Georg Wenner vom Index-Radar.

Nur K+S im Minus

Einziger Dax-Verlierer waren die Aktien des Dünger- und Salzproduzenten K+S. Ihnen ging nach einem kräftigen Vortagesanstieg die Luft aus. Sie verloren fast zwei Prozent. Anleger befürchten geringere Einnahmen der Kalidünger-Produzentren. Die großen Verbraucher in China und Indien drängen auf Preisabschläge.

FMC auf Einkaufstour

Die Dax-Firma FMC steigt mit einem Zukauf in den israelischen Markt ein. Der Dialysespezialist erwirbt für rund 80 Millionen Euro den Dialysebetreiber Nephromor. Die Fresenius-Tochter ist in dem Land noch nicht aktiv, wird damit aber gleich zum Marktführer.

Puma immer besser in Form

Die Neuausrichtung von Puma macht sich zunehmend bezahlt. Im abgelaufenen Quartal steuigerte der Sportartikelhersteller den Umsatz um knapp vier Prozent. Vor allem Sportschuhe waren gefragt. Bei der Konzernmutter Kering brummt das Geschäft im Luxussegment mit den Marken Gucci oder Yves Saint Laurent. Der französische Konzern steigerte die Erlöse um zwölf Prozent. Die Aktie von Kering legte rund fünf Prozent zu, die Puma-Aktie trat auf der Stelle.

Hornbach leidet unter Aktienplatzierung

Neuigkeiten gab's auch aus dem SDax: Die Eigentümerfamilie der Hornbach Holding trennte sich von der Hälfte ihrer Aktien. Platziert wurden eine Million Inhaberstammaktien oder 6,25 Prozent des Grundkapitals. Das drückte Hornbach-Aktien zunächst vier Prozent ins Minus, zum Xetra-Schluss reduzierten sich die Verluste auf 1,2 Prozent.

Grammer-Zukauf kommt gut an

Investoren fanden Gefallen an dem Zukauf der SDax-Firma Grammer. Die Aktie stieg um knapp drei Prozent. Der Autozulieferer erwirbt die auf Oberflächentechnologie, Kunststoff- und Metalltechnik spezialisierte Reum-Gruppe mit 950 Mitarbeitern und rund 130 Millionen Euro Jahresumsatz.

Aufatmen bei Air Berlin

Um sieben Prozent schnellten die Aktien von Air Berlin hoch. Die Bundesregierung hat die gemeinsam vermarkteten Codeshare-Flüge von Air Berlin und ihrem Partner Etihad bis Mitte Januar genehmigt, teilte ein Sprecher am Freitagabend mit. Es sollten so keine Nachteile für Passagiere entstehen, die bereits Tickets gekauft hätten, hieß es zur Begründung. Ab dem 16. Januar dürfen jedoch die umstrittenen 31 Strecken nicht mehr angeboten werden. Die Fluggesellschaften hätten nun Zeit, eine alternative Lösung zu finden.

Moeller-Maersk warnt

Unter den Auslandswerten fiel negativ Moeller-Maersk auf. Die dänische Groß-Reederei bekommt die weltweite Konjunkturabkühlung zu spüren und schraubt deswegen ihre Gewinnprognose herunter. Das Containerschiffahrts-Geschäft trübte sich in den vergangenen Wochen ein und schmälerte den Profit. 2015 werden daher wohl nur etwa 3,4 Milliarden Dollar Gewinn hängen bleiben. Das drückte die Maersk-Aktie deutlich nach unten.

Ericsson schlapp im Netzwerk

Auch beim schwedischen Telekomzulieferer Ericsson lief es im abgelaufenen Quartal nicht rund. Das Unternehmen hat nur dank der schwachen schwedischen Krone die schlappe Nachfrage für Netzwerkausrüstung verdaut. Der Umsatz ohne Währungseinflüsse sowie Zu- und Verkäufe sank dagegen um neun Prozent und verfehlte damit die Erwartungen der Analysten. Die Aktien gaben rund fünf Prozent nach.

Procter & Gamble schrumpft, aber verdient mehr

Aus den USA meldete am Mittag der Pampers-Hersteller Procter & Gamble Quartalszahlen. Wegen der Trennung von mehreren Marken, darunter Wella, und wegen des starken Dollars schrumpften die Umsätze um zwölf Prozent. Der Gewinn stieg dagegen um fast ein Drittel. Das beruhigte die Anleger. Die P&G-Aktie legte um rund vier Prozent zu.

Kellogg knabbert Diamond Foods an

In der Nahrungsmittelbranche bahnt sich derweil eine neue Fusion an. Der Cornflakes-Konzern Kellogg will laut einem Medienbericht den Kartoffelchips-Hersteller Diamond Foods für mehr als 1,5 Milliarden Dollar übernehmen. Kellogg könnte zwischen 35 und 40 Dollar je Aktie zahlen. Die Aktien von Diamond sprangen um gut fünf Prozent nach oben.

nb

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 15. Oktober

Unternehmen:
Total: Trading Statement Q3, 8.30 Uhr
Bank of America: Quartalszahlen Q3, 12.45 Uhr
Rio Tinto: Quartalszahlen Q3, 23.30 Uhr

Konjunktur:
Japan: Industrieproduktion August, 6.30 Uhr
Deutschland: Monatsbericht Bundeswirtschaftsministerium
USA: Einzelhandelsumsatz / Empire State Index, 14.30 Uhr
USA: Lagerbestände, 16 Uhr