Bessere Stimmung, steigende Kurse

Stand: 23.11.2007, 20:00 Uhr

Freundliche Vorgaben von der Wall Street und deutliche Kurszuwächse an den meisten europäischen Aktienmärkten haben auch dem Dax auf die Beine geholfen. Der deutsche Leitindex konnte seine Verluste der Woche nahezu vollständig ausgleichen.

Die Stimmung an den Aktienmärkten hat sich zum Wochenende deutlich aufgehellt. Europaweit konnten die teils herben Verluste der vergangenen Tage wieder weitgehend wett gemacht werden. Händler sprachen von einer vorsichtigen Erholung, besonders der großen Finanzwerte. Geholfen hat den Märkten auch die Kurserholung in New York. Dort wurde wegen des Brückentags nach Thanksgiving zwar nur bis 19 Uhr unserer Zeit gehandelt, doch gewann der Dow Jones Index 181 Punkte auf 12979 Zähler. Das sorgte auch beim Dax für Auftrieb. Der deutsche Leitindex kletterte im Abendhandel auf 7614 Punkte, 52 mehr als am Donnerstag.

Größter Tagesgewinner in Frankfurt war erneut die Postbank, nachdem Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller am Vormittag noch einmal sein Interesse an dem Institut bekräftigt hatte. Davon profitierten auch die Titel der Post. Deutlich erholt zeigten sich zudem die in den vergangenen Wochen besonders kräftig gebeutelten Werte aus der zweiten Reihe. Zum Xetra-Schluss kletterte der M-Dax um 200 Punkte auf 9287 Zähler. Papiere der Bonner Mittelstandsbank IKB legten gar um 11,8 Prozent zu, obwohl das angeschlagene Institut nicht mit weiteren Hilfen der anderen Banken und Sparkassen rechnen kann. Der solarwertlastige TecDax konnte dagegen nur sechs Punkte zulegen.

Auch der Euro unterbrach bis zum Nachmittag seinen Höhenflug. Nachdem er in der Spitze bis auf 1,4966 Dollar geklettert war, gab er bis zum späten Nachmittag wieder bis auf 1,4804 Dollar nach. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs am Mittag auf 1,4809 (Donnerstag:1,4829) Dollar festgesetzt. Gestopppt wurd der Euro vor allem durch den schwachen Handel in den USA. Hilfestellung leistete auch EZB-Präsident Jean-Claude Trichet. Er verurteilte die "brutalen Wechselkursbewegungen" der vergangenen Tage.

K+S senkt erneut Prognose

Der Düngemittel- und Salzhersteller K+S hat wegen der Dollarschwäche die Gewinnprognose zum dritten Mal in Folge gesenkt. Die Abschwächung des US-Dollar zum Euro belaste das operative Ergebnis um weitere 25 Millionen Euro, teilte die im MDax gelistete Gesellschaft am Freitag mit. Die zuletzt auf 300 Millionen bis 310 Millionen Euro gesenkte Prognose für das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Effekten aus der Absicherung von Wechselkursrisiken (EBIT I) 2007 dürfte sich entsprechend reduzieren. Die Aktie verliert gut vier Prozent.

Versatel will VDSL-Netz aufbauen
Papiere von Versatel haben am Nachmittag positiv auf die Pläne eines eigenen schnellen VDSL-Netzes reagiert und mehr als zwei Prozent gewonnen. "In Regionen, wo wir einen hohen Marktanteil haben, werden wir ein eigenes Glasfasernetz bauen", sagte Vorstandschef Peer Knauer. Ein Analyst bewertete den Schritt positiv. "Wie auch andere Anbieter will Versatel damit Druck auf die Deutsche Telekom ausüben, um sich in eine günstigere Position bei Preisverhandlungen über die Nutzung des Telekom-Netzes zu bringen.

Volvo-Zahlen helfen MAN
MAN helfen gute Lkw-Absatzzahlen des schwedischen Konkurrenten Volvo. Diese hätten Befürchtungen zerstreut, in der Branche könne der Absatz stagnieren. Zudem hatte MAN-Chef Hakan Samuelsson in einem Interview angekündigt, man werde prüfen ob sich der Konzern innerhalb seiner "Kernkompetenzen ausdehnen" könne. Bislang hatte MAN eine Reihe von Geschäftsbereichen verkauft und auf eine Fusion mit der schwedischen Scania und der Lkw-Tochter von VW gedrängt. Die Aktie steigt um 3,9 Prozent.

Siemens hochgestuft
Auch Aktien von Siemens liegen deutlich im Plus. Bei Siemens wirkt eine Kaufempfehlung der WestLB. Die Analysten haben den Titel von "Add" auf "Buy" hochgestuft und das Kursziel nach einer Überprüfung von 114 Euro auf 116 Euro angehoben. "Das überwiegt die Nachricht, dass Siemens den Anteil an Areva NP erhöhen will", sagte ein Händler dazu.

Lufthansa verschmilzt Germanwings und Tuifly
Ein befriegendes Kursplus verbucht auch die Kranich-Aktie, nachdem bekannt wurde, dass die Gespräche über eine Fusion der Fluglinien Germanwings und Tuifly "weit gediehen" seien. Lufthansa und Tui sollen danach jeweils 40 Prozent an dem Unternehmen halten. 20 Prozent soll der Eurowings-Mehrheitseigner Albrecht Knauf erhalten. Germanwings ist eine Tochter der Eurowings, die wiederum zu 49 Prozent der Lufthansa gehört.

Im MDax setzen sich Gea und Heidelbergcement deutlich erholt. Auch die Norddeutsche Affinerie und Fraport konnten bis zu sechs Prozent zulegen.

IKB bekommt keinen Nachschlag
Der angeschlagene Mittelstandsfinanzierer kann offenbar nicht mit weiterer finanzieller Hilfe der Banken rechnen, die ihn im Sommer vor der Pleite bewahrt hatten. Das schreibt die "Börsen-Zeitung". Dies sei bei einem Treffen der Institute am Donnerstag klar geworden. Die Aktie steigt dennoch um bis zu 13 Prozent.

Gerüchte um GPC Biotech
Nach einem kräftigen Kurssprung am frühen Nachmittag mussten die einer ungewissenen Zukunft entgegen gehenden Titel von GPC Biotech ihre Gewinne wieder abgeben. Grund für die heftigen Kursbewegungen waren Gerüchte, dass SAP-Mitbegründer und Großaktionär Dietmar Hopp, seine Anteile an der Firma weiter aufstocken wolle. Ein Sprecher Hopps dementiert jedoch. "Herr Hopp hat in den vergangenen Tagen keine weiteren Anteile an GPC Biotech erworben und auch keine Anteile verkauft", hieß es.

EM.Sport-Aktie von Hedgefonds angetrieben
Papiere der ehemaligen EM.TV klettern ebenfalls deutlich. Das "Handelsblatt" hatte berichtet, dass die US-Investmentgesellschaft Marcap derzeit ihre Beteiligung sowohl an EM.Sport Media als auch an der Schweizer Highlight Communications kontinuierlich aufbaue. Marcap hält derzeit bereits rund fünf Prozent an EM.Sport.

GfK auf Einkaufstour
Das Marktforschungsunternehmen GfK will international expandieren. Gegenüber dem "Handelsblatt" sagte GfK-Chef Klaus Wübbenhorst, man sei in Asien, Lateinamerika, aber auch den USA noch nicht stark genug. Bei der Branchenkonsolidierung wolle das SDax-Unternehmen aber ein Wörtchen mitreden.

Daltrup bohrt Börse an
Zum geplanten Börsengang des Bohrspezialisten Daldrup & Söhne gibt es neue Details. Das Unternehmen will knapp 20 Millionen Euro mit seinem IPO erlösen. Die knapp fünf Millionen Aktien sollen zu 13 bis 14,50 Euro angeboten werden. Alle neuen Papiere stammen aus einer Kapitalerhöhung. Die Erstnotiz im Entry Standard der Deutschen Börse ist für den 30. November geplant.

FJH in der Gewinnzone
Der Spezialist für Versicherungssoftware hat im abgelaufenen Quartal aus einem Verlust von 0,4 Millionen Euro einen Gewinn in Höhe von 1,2 Millionen Euro gemacht. Der Umsatz lag bei 15,3 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr peilt das Unternehmen nun ein Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) in Höhe von 5,5 Millionen Euro und einen Umsatz von mehr als 61 Millionen Euro an.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 24. September

Unternehmen:
Lonza Group: Kapitalmarkttag
Deutsche Börse: Regeländerungen für die Indizes MDax, TecDax und SDax sowie die Indexänderungen werden wirksam

Konjunktur:
Deutschland: Ifo-Geschäftsklimindex 9/18, 10:00 Uhr
USA: CFNA-Index 8/18, 14:30 Uhr

Sonstiges:
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