Besser spät als gar nicht

Mark Ehren

Stand: 07.03.2007, 20:11 Uhr

Der deutsche Aktienmarkt hat sich im späten Handel auf dem Frankfurter Parkett gut geschlagen. Allerdings konnten die Anleger nicht mehr auf den neuesten Konjunkturbericht der amerikanischen Notenbank Fed reagieren.

Denn das so genannte "Beige Book" wurde wie üblich um Punkt 20 Uhr (MEZ) veröffentlicht. Sowohl Optimisten als auch Pessimisten dürften sich zunächst bestätigt sehen. Der Bericht deutet weder auf eine unmittelbare Rezessionsgefahr noch auf einen starken Konjunkturaufschwung hin. Laut der Fed wächst die US-Wirtschaft überwiegend moderat, auch wenn sich einige Bezirke schwächer entwickeln. Nach Meinung der Notenbanker beginnt sich der schwache Immobilienmarkt zu stabilisieren. Die amerikanischen Börsen reagieren zunächst kaum auf den Bericht.

Zuvor hatte in Deutschland der L-Dax den Handel bei fast 6.639 Punkten beendet. Das waren rund 21 Zähler mehr als der Xetra-Dax, der nur bis gegen 17.35 Uhr berechnet wird. "Die meisten Anleger glauben immer noch, dass es eine große zweite Welle nach unten geben wird. Deswegen zögern viele noch", urteilte Händler Markus Scharhag von Merck Finck.

Neuer Großaktionär hilft Tui-Aktie

Im Dax konnte sich insbesondere die Aktie des Reisekonzerns Tui konnte ganz groß in Szene setzen. Der Touristikunternehmer Hamed El Chiaty hat sich mit mehr als drei Prozent an Tui beteiligt. Damit will es der Ägypter nicht bewenden lassen und seinen Anteil in Kürze auf über fünf Prozent aufstocken. Tui begrüßte den Einstieg.

VW und MAN mit Scania-Fantasie
Die Aktien von VW und MAN gehörten praktisch den gesamten Handelstag zu den stärksten Dax-Werten, nachdem die Wolfsburger ihren Anteil am schwedischen Lkw-Bauer Scania aufgestockt hatten. VW hält nun 20,03 Prozent der Aktien und 35,31 Prozent der Stimmrechte. Gemeinsam mit dem Scania-Großaktionär MAN kommt man auf über 50 Prozent der Stimmrechte. Die geplante Dreier-Allianz von VW, MAN und Scania rückt damit in greifbare Nähe. Das sieht auch der Chef der MAN-Nutzfahrzeugsparte so. Ein solches Bündnis sei sinnvoll, bekräftigte Anton Weinmann. "Es ist nur eine Frage der Zeit, bis ein Zusammengehen zu Stande kommt."

Eon bleibt bei Endesa dran
Auch die Eon-Aktie setzte sich gut in Szene. Zum einen scheint sich die Endesa-Übernahme nun leichter zu gestalten. Denn Eon gab bekannt, dass man Endesa entgegen komme und nun die Stimmrechtsbeschränkung in den Endesa-Statuen akzeptiere. Des weiteren könnte Eon nach dem Abschluss des laufenden Übernahmeangebots pro Jahr bis zu sechs Prozent der Endesa Anteile erwerben, sagte Konzern-Chef Wulf Bernotat. Außerdem überzeugte der Versorger mit seiner Bilanz 2006. Umsatz und Gewinn wurden nämlich über die Erwartungen der Analysten hinaus gesteigert.

Kontron schwimmt im Geld
Der Kleincomputerhersteller Kontron will eine eigentlich noch bis November laufende Wandelschuldverschreibung über 29,1 Millionen Euro vorzeitig zurückzahlen. Angesichts der guten Liquidität will Kontron zudem verstärkt Aktien zurückkaufen. Das Unternehmen gab außerdem vorläufige Zahlen für 2006 bekannt. Demnach erwirtschaftete Kontron ein Umsatzplus von mehr 30 Prozent auf rund 400 Millionen Euro und ein überproportional gewachsenes Ergebnis. Die Kontron-Aktie war der größte Gewinner im TecDax.

Carl Zeiss Meditec hat Zukäufe im Visier
Seit Montag ist der Medizintechnik-Hersteller Carl Zeiss Meditec ebenfalls in dem Index notiert. Das Unternehmen will in Zukunft stärker wachsen. "Wir prüfen nach wie vor externe Optionen, die uns diesen Prozess möglicherweise beschleunigen", sagte Vorstandssprecher Ulrich Kraus der Nachrichtenagentur Reuters. Die Zeiss-Aktie konnte fast drei Prozent zulegen.

H&R Wasag verdoppelt Dividende
Im SDax bekam die Aktie von H&R Wasag kräftig Auftrieb. Der Spezialchemiekonzern hat seinen Gewinn 2006 dank der Vollauslastung seiner beiden Raffinerien fast vervierfacht. Den Aktionären stellte das Unternehmen aus dem niedersächsischen Salzbergen eine auf 60 Cent verdoppelte Dividende in Aussicht. Auch in den kommenden Jahren rechnet der Konzern mit einem deutlich Umsatz- und Ergebniswachstum.

Übernahmegerüchte treiben Kurse
Sowohl die Aktien des Baukonzerns Bilfinger Berger als auch des Medienunternehmens EM.TV profitierten von Übernahmegerüchten. Als möglicher Käufer für Bilfinger wurde die britische Balfour Beatty ausgemacht. Beim EM.TV wurden der Bezahlsender Premiere sowie die bereits an dem Unternehmen beteiligte schweizerische Highlight als mögliche Käufer genannt.

Thielert und kein Ende
Die Aktie von Thielert konnte ebenfalls zulegen. Der Hamburger Flugzeugmotoren-Hersteller Thielert hat juristische Maßnahmen gegen den ehemaligen Investor Marco Hahn und zwei seiner Beteiligungsgesellschaften Motent und Flymo eingeleitet. In der Klage wird Hahn Kursmanipulation und eine Schädigung von Thielert vorgeworfen. Die Klage lautet über 60 Millionen Euro.

Freenet-Großaktionär fordert Zerschlagung
Der Mobilfunkprovider Drillisch hat sich dafür ausgesprochen, das Festnetzgeschäft des TecDax-Mitglieds Freenet abzuspalten. "Man sollte aus der Vergangenheit lernen und sehen, wann man gute Werte realisieren kann", sagte Drillisch-Vorstandschef Paschalis Choulidis der Nachrichtenagentur dpa-AFX. Drillisch hält rund acht Prozent an Freenet.

Kleine Aktien obenauf
Die Aktien des Comic-Lizenzrechtehändlers United Labels machte einen Freudensprung. Das Unternehmen konnte im vergangenen Jahr seinen Umsatz um 12,6 Prozent auf 45 Millionen Euro verbessern. Die Gewinn verdoppelte sich nahezu auf 1,5 Millionen Euro.
Der IT-Dienstleister GFT schloss 2006 ebenfalls erheblich besser ab. Der Umsatz kletterte um 44 Prozent auf 174 Millionen Euro. Das Ergebnis je Aktie stieg sogar von vier auf 19 Cent. Auch die GFT-Aktie gewann ebenfalls kräftig.

Bwin schaut nach England
Der österreichische Internet-Wettanbieter Bwin verhandelt mit dem englischen Konkurrenten Sportingbet über eine Übernahme. Allerdings befänden sich die Gespräche noch in einem sehr frühen Stadium, teilte Bwin mit. Die Bwin-Aktie profitierte erheblich.

Zwei Unternehmen haben es geschafft
Nach der kurzfristigen Absage des IPO geht der Werkzeug-Logistiker Kromi doch noch an die Börse. Nachdem das Unternehmen seine Aktien mit einem Festpreis von 20 Euro angeboten hatte, griffen die Anleger zu. Das Papier feiert morgen sein Börsendebut im Entry Standard.

Auch der Börsengang des Yachtherstellers HanseYachts ist in trockenen Tüchern. Die in einer Preisspanne von bei 30 bis 36 Euro angeboten Aktien wurden zugeteilt. Der Ausgabepreis liegt bei 33 Euro. Der Handel wird am Freitag im Geregelten Markt (General Standard) starten.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 23. Juli

Unternehmen:
Daimler: Weltpremiere des ersten Elektroautos der neuen Marke EQ in Stockholm
Ryanair: Q1-Zahlen, 07:00 Uhr
Philips: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Julius Bär: Halbjahreszahlen, 07:00 Uhr
Hasbro: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Halliburton: Q2-Zahlen, 12:45 Uhr
Kering: Q2-Zahlen, 16:00 Uhr
Michelin: Q2-Zahlen, 17:45 Uhr
Luxxotica: Halbjahreszahlen, 17:45 Uhr
Alphabet (Google): Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
Amgen: Q2-Zahlen
AMD: Q2-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Bundesbank-Monatsbericht Juli, 12:00 Uhr
USA: CFNA-Index für Juni, 14:30 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser im Juni, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen in der Euro-Zone im Juli, 16:00 Uhr