Besser geht's nicht

von Detlev Landmesser

Stand: 01.02.2007, 20:23 Uhr

Ein Monatsauftakt nach Maß: Die deutschen Handballer im Finale, und der Dax mit neuen mehrjährigen Höchstständen. Auslöser der Kursgewinne war die Fed. Dann folgte eine Flut von Neuigkeiten und Gerüchten.

Die amerikanische Notenbank hatte am Mittwochabend zwar ihren Ton leicht verschärft und damit den letzten Hoffnungen auf baldige Zinssenkungen eine klare Absage erteilt. Doch legte sie sich auch nicht auf eine Fortsetzung des Zinserhöhungszyklus fest, was an den Weltbörsen fast euphorisch aufgenommen wurde.

Im Verlauf markierte der Dax mit 6.874,77 Punkten den höchsten Stand seit November 2000. Der L-Dax hielt sich bei 6.855,08 Zählern. Und das, obwohl die Wall Street im Verlauf schwächelte: Denn die aktuellen US-Konjunkturdaten fanden ein geteiltes Echo: So ist Konjunkturindex der US-Einkaufsmanager im Januar überraschend auf den tiefsten Stand seit knapp vier Jahren eingebrochen. Der Index fiel auf 49,3 Zähler nach 51,4 Punkten im Vormonat. Experten hatten im Schnitt mit einem leichten Anstieg gerechnet. Dagegen ist die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der vergangenen Woche unerwartet deutlich gesunken.

Die Aktie des Ölgiganten Exxon Mobil, der für 2006 einen Rekordgewinn von 39,5 Milliarden Dollar meldete, stützte dagegen den Dow Jones. Auch das Papier des Computerbauers Dell profitierte kräftig von der Rückkehr des Firmengründers Michael Dell auf den Chefsessel. Die Google-Aktie stand dagegen trotz fantastischer Zahlen unter Druck.

Eon kommt in Spanien voran

Am Abend baute die Eon-Aktie ihren Tagesgewinn auf knapp zwei Prozent aus. In die Übernahme der spanischen Endesa ist der Energieriese einen großen Schritt weiter. Der Rivale Gas Natural zieht sich aus dem Bieterkampf um Spaniens führenden Stromversorger zurück. Nach fast einem Jahr überlässt das spanische Unternehmen damit Eon das Feld. Die Entscheidung fiel einen Tag vor Ablauf der Frist zur Abgabe der endgültigen Angebote für Endesa.

Deutsche Bank überzeugt durch die Bank
Beim Dax-Schwergewicht Deutsche Bank war viel Bewegung, nachdem der Branchen-Primus Rekordgewinne und eine Traumrendite für das Jahr 2006 gemeldet hatte. Sechs Milliarden Euro blieben nach einem gewinnseligen Geschäftsjahr in der Kasse. Mehrere Analysehäuser bekräftigten inzwischen ihre Kaufempfehlung für den Titel.

Deutsche Post vorn
Mit einem starken Plus von 3,6 Prozent schob sich die "Aktie Gelb" an die Dax-Spitze. "Fundamental gibt es nichts Neues", sagte ein Händler und begründete die Kursgewinne mit charttechnischen Faktoren.

Henkel Vorzüge im Dax-Keller
Deutliche Einbußen erlitt die Henkel-Aktie. Dabei hatten die Jahreszahlen durchaus nicht enttäuscht. Der Konsumgüterkonzern steigerte den Nettogewinn auf 871 Millionen Euro nach 770 Millionen Euro im Vorjahr. Beim Umsatz toppte Henkel mit 12,74 Milliarden Euro die Vorhersage von 12,7 Milliarden Euro. Investoren sahen die Zeit gekommen, nach der guten Kursentwicklung der vergangenen Monate Gewinne mitzunehmen.

Übernahmeangebot für SAP?
Am Nachmittag kam Leben in die SAP-Aktie. Der zuletzt gebeutelte Tech-Titel legte um bis zu zwei Prozent zu, als Gerüchte die Runde machten, dass der US-Gigant IBM für SAP biete und bereit sei, 40 Euro je Aktie zu zahlen. Ein Unternehmenssprecher lehnte einen Kommentar ab. Aus Finanzkreisen hieß es dazu, eine Übernahme-Offerte sei nicht ernsthaft plausibel, da sich rund 30 Prozent der Aktien in festen Händen befänden.

Chrysler hängt Ford und GM ab
Die deutschen Autohersteller DaimlerChrysler, Volkswagen und Audi sind in den USA mit einem Absatzplus ins neue Jahr gestartet. Dagegen verbuchte Porsche einen Absatzrückgang. DaimlerChrysler verkaufte im ersten Monat des neuen Jahres in den USA mit 173.377 Pkw drei Prozent mehr Autos als vor Jahresfrist. Besonders gut schnitt die Marke Mercedes mit einem Absatzplus von 37 Prozent auf 17.069 Fahrzeuge ab. Die kriselnde US-Sparte Chrysler legte um ein Prozent auf 156.308 Fahrzeuge zu. Damit setzte sich Chrysler von den beiden US-Konkurrenten Ford und General Motors ab, die auf ihrem Heimatmarkt einen Absatzeinbruch von 19 beziehungsweise 19,7 Prozent erlitten. Gewinner auf dem US-Markt war erneut Toyota mit einem Absatzplus von 5,1 Prozent.

FMC und Amgen Hand in Hand
Das Papier des Dialyse-Spezialisten Fresenius Medical Care notierte ebenfalls fester. FMC hatte am Morgen eine Partnerschaft mit dem US-Biotechriesen Amgen im Bereich der Behandlung von Nierenerkrankungen angekündigt. Es solle eine Forschungsgruppe zum Thema eingerichtet werden, hieß es von Seiten des Dax-Unternehmens.

BASF will Schadenersatz
Die BASF-Aktie wiederum stieg, nachdem der Chemiekonzern Schadenersatzforderungen gegen Eon angekündigt hatte. Man prüfe einen solchen Schritt wegen des Stromausfalls in weiten Teilen Europas im November 2006. Nach einem Untersuchungsbericht der EU-Kommission ist Eon für diesen verantwortlich.

Wer verkauft da Allianz-Aktien?
Die Allianz-Aktie büßte am Nachmittag einen Teil ihres Tagesgewinns ein. Mehrere Aktienhändler berichteten von Gerüchten über eine Platzierung von Aktien des Finanzriesen. "Angeblich will eine bislang unbekannte Adresse zehn Millionen Allianz-Papiere zu je 153 Euro platzieren", sagte ein Händler in Frankfurt. Von der Allianz war zunächst kein Kommentar zu erhalten.

Telekom: Kursziel gekappt
Die T-Aktie ist nicht nur bei Ex-Werbefigur Manfred Krug in Ungnade gefallen, sondern auch bei der US-Investmentbank Bear Stearns. Die Experten haben das Kursziel für den Titel von 18,30 auf 15,30 Euro zurück genommen, bleiben allerdings bei ihrem Ratung "outperform". Die Nachrichtenagentur dpa-AFX meldete zudem, die Deutsche Telekom prüfe den Verkauf ihres Festnetzgeschäfts in Spanien und Frankreich.

Tui vor Verlustmeldung?
Bis zum Handelsschluss berappelte sich die Tui-Aktie nach zuvor deutlichen Einbußen. Die FAZ hatte berichtet, das Unternehmen habe im abgelaufenen Geschäftsjahr deutliche Verluste eingefahren. Diese hätten eine Größenordnung von 800 bis 900 Millionen Euro. Ein Tui-Sprecher wollte den Bericht nicht kommentieren.

Rheinmetall wird geadelt
Im MDax fand die Rheinmetall-Aktie reißenden Absatz. Mit über fünf Prozent Kurszuwachs wurde das Anlageurteil "outperform" belohnt, das die Credit Suisse erstmals ausgesprochen hat. Der Rüstungskonzern hatte am Mittwoch noch zwei kleinere Übernahmen bekannt gegeben.

Thomas Cook schiebt KarstadtQuelle an
Über drei Prozent Plus höher startete die KarstadtQuelle-Aktie in den Februar. Ein Grund war das Rekordergebnis der Konzerntochter Thomas Cook. Das Reiseunternehmen hat im Geschäftsjahr 2005/06 (bis Oktober) 171 Millionen Euro verdient. Im Jahr zuvor waren es noch 105 Millionen Euro. Man sei mit "gedämpftem Optimismus" ins neue Jahr gestartet, hieß es vom Unternehmen. Zudem teilte KarstadtQuelle den Verkauf der französischen Quelle-Tochter sowie des Geschäfte in Spanien an die Münchener Industrieholding Aurelius mit.

Techem-Übernahme gescheitert?
Zeitweise geriet die Techem-Aktie unter Abgabedruck. Die Online-Ausgabe der Wirtschaftswoche hatte gemeldet, die Übernahme des Energiedienstleisters durch die australische Macquarie-Bank und den Finanzinvestor BC Partners sei gescheitert. Es wurden nur zwischen 40 und 50 Prozent der Techem-Aktien angedient, hieß es im Wirtschaftsmagazin, das Stefan Zuschke, Partner bei BC Partners wie folgt zitierte: "Es sieht so aus, als ob unser Übernahmeangebot für Techem scheitert. Wir bedauern das sehr."

Conergy expandiert in Nordamerika
Im TecDax hob die Aktie von Conergy mit einem Plus von fast zehn Prozent ab. Der Solaranlagenbauer hat die Mehrheit am kanadischen Solarunternehmen ETI Solar übernommen. Nach Informationen von Branchen-Insidern bewegt sich der Kaufpreis im einstelligen Millionenbereich. Conergy sieht mit dem Schritt seine Position auf dem nordamerikanischen Markt gestärkt.

Prügel für Jenoptik
Am Nachmittag geriet Jenoptik ins Rutschen. In dem seit zehn Jahren andauernden Patentstreit mit dem US-Unternehmen Asyst Technologies hat die Jury dem Richter empfohlen, zu Gunsten von Asyst zu entscheiden und dem US-Unternehmen einen Schadenersatz von rund 57,6 Millionen Euro zuzusprechen. Ein gewisser Trost war da das außerdem mitgeteilte Ergebnis eines Schiedsverfahrens, dass der Freistaat Thüringen Jenoptik rund zehn Millionen Euro für den Neubau des Universitätsklinikums in Jena erstatten muss.

Epcos kann nicht punkten
Die stärksten Abschäge im TecDax erlitt aber Epcos. Die Quartalszahlen des Elektronik-Komponenten-Herstellers lagen zwar deutlich über den Vorjahresergebnissen, der Gewinn wurde von 0,8 auf 13,1 Millionen Euro hochgeschraubt. Doch für das angelaufene Quartal geht Epcos nur von "stabilen" Umsätzen und einem sinkenden operativen Ergebnis aus.

Rofin-Sinar wächst zweistellig
Auch die Aktie von Rofin-Sinar geriet nach Vorlage der Quartalszahlen in Bedrängnis. Der Laserhersteller ist mit einem Auftragseingang auf Rekordniveau ins neue Geschäftsjahr 2006/07 gestartet. Von Oktober bis Dezember sei der Umsatz im Jahresvergleich um 17 Prozent auf 111,7 Millionen Dollar geklettert. Doch stieg der Gewinn nicht im selben Maße: Nach Steuern blieben im ersten Quartal 11,5 Millionen Dollar in der Kasse nach 11,4 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum.

MPC verkauft HCI-Aktien weiter
Kurz nach dem Einstieg beim Wettbewerber HCI hat der Hamburger Fondsanbieter MPC einen Teil seiner Anteile weiter verkauft. Künftig halte MPC nur noch 15,1 statt 29,5 Prozent an HCI, teilte MPC mit. Zehn Prozent an HCI seien an die Peter Döhle Schifffahrts-KG verkauft worden, 4,4 Prozent an Corsair Capital. Diese habe weitere 5,6 Prozent der Anteile übernommen und sei damit wie Döhle mit zehn Prozent bei HCI beteiligt. Beiden im SDax notierten Emissionshäusern tat die Nachricht gut.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 23. Juli

Unternehmen:
Daimler: Weltpremiere des ersten Elektroautos der neuen Marke EQ in Stockholm
Ryanair: Q1-Zahlen, 07:00 Uhr
Philips: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Julius Bär: Halbjahreszahlen, 07:00 Uhr
Hasbro: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Halliburton: Q2-Zahlen, 12:45 Uhr
Kering: Q2-Zahlen, 16:00 Uhr
Michelin: Q2-Zahlen, 17:45 Uhr
Luxxotica: Halbjahreszahlen, 17:45 Uhr
Alphabet (Google): Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
Amgen: Q2-Zahlen
AMD: Q2-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Bundesbank-Monatsbericht Juli, 12:00 Uhr
USA: CFNA-Index für Juni, 14:30 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser im Juni, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen in der Euro-Zone im Juli, 16:00 Uhr