Besser als gedacht

Detlev Landmesser

Stand: 09.02.2007, 20:21 Uhr

Ganz unverhofft lieferte der Dax am Freitag ein neues Sechs-Jahres-Hoch. Auch bei den Nebenwerten gab es viel Bewegung. Am Abend schob sich aber ein schon vergessener Störfaktor in den Vordergrund.

Die New Yorker Börsen gingen am Abend in die Knie, nachdem der Ölpreis erstmals seit mehr als einem Monat die Marke von 60 Dollar überschritten hatte. Zur Stunde notiert der März-Future für leichtes US-Öl der Sorte WTI wieder leicht darunter.

Mit 6.928,98 Zählern hatte der Dax am Morgen den höchsten Stand seit November 2000 erreicht. Der L-Dax beschloss die Woche bei 6.886,46 Punkten. Eigentlich hatten viele nach dem Durchhänger vom Donnerstag einen eher holprigen Wochenschluss erwartet. Der MDax konnte dagegen nicht über der am Donnerstag erreichten 10.000-Punkte-Marke schließen.

An der Wall Street hatten zunächst die Autotitel den Dow Jones beflügelt. Die Deutsche Bank hatte die Papiere von General Motors sowie von Ford jeweils von "Hold" auf "Buy" hochgestuft, was den Aktien kräftigen Auftrieb verlieh. Die Analysten begründeten ihre Entscheidung mit der Hoffnung, dass die Konzerne zu einer erfolgreichen Vereinbarung mit den Gewerkschaften über die steigenden Gesundheitskosten kommen.

Ein spektakuläres Börsendebüt gelang dem US-Hedge-Fonds Fortress. Das Papier schoss um fast 90 Prozent in die Höhe. Nach einem Ausgabepreis von 18,50 Dollar lautete die Erstnotiz in New York 35 Dollar.

Deutsche Bank rettet den Dow

Vor allem die Autowerte stützen den US-Standardwerteindex. Die Deutsche Bank hatte die Papiere von General Motors sowie von Ford jeweils von "Hold" auf "Buy" hochgestuft, was den Aktien kräftigen Auftrieb verlieh. Die Analysten begründeten ihre Entscheidung mit der Hoffnung, dass die Konzerne zu einer erfolgreichen Vereinbarung mit den Gewerkschaften über die steigenden Gesundheitskosten kommen.

DaimlerChrysler knapp unter 50 Euro
Auch im Dax führte mit DaimlerChrysler ein Autokonzern den Kurszettel an, auch BMW und Volkswagen legten deutlich zu. Zwar hatte der Branchenverband vor den negativen Folgen des schwachen Yen für die deutschen Autobauer gewarnt. Doch bei Daimler honorierten Investoren vor allem eine Heraufstufung durch die Citigroup. Aber auch der EADS-Deal (siehe unten) kam gut an.

SAP erholt
Auch die zuletzt gebeutelte SAP-Aktie lag gut im Rennen. Der Präsident des SAP-Konkurrenten Oracle habe erklärt, eine Abschwächung des Branchenwachstums sei nicht absehbar, sagten Händler. Weitere Börsianer verwiesen auf einen Aktienkauf des SAP-Finanzchefs. "Das ist zwar keine große Geschichte, aber ein Signal", meinte ein Börsianer. Finanzvorstand Werner Brandt hatte mitgeteilt, 2.000 Unternehmensaktien gekauft zu haben. Seit der weltweit führende Hersteller von Firmensoftware Mitte Januar über ein gedämpftes Wachstum in den USA berichtet hatte, hat die Aktie mehr als 15 Prozent an Wert eingebüßt.

Übernahmespekulationen bei Tui
Die Tui-Aktie wechselte im Verlauf das Vorzeichen - von Plus nach Minus. Kurstreibend wirkte laut Händlern zuvor die am Mittwoch bekannt gewordene Nachricht, dass sich die Frachtraten für asiatische Containerschiffe besser als erwartet entwickelt hätten. Die UBS erhöhte in Reaktion auf das gestiegene Transportvolumen für den Raum Europa-Asien die Aktien des dänischen Konkurrenten Moeller Maersk von "Reduce" auf "Hold". Dazu waren erneute Übernahmespekulationen um die Tui-Containersparte gekommen. Am Nachmittag teilte allerdings die Ratingagentur Moody's mit, ihr Rating für verschiedene Verbindlichkeiten des Konzern heruntergestuft zu haben. Die Rückstufung sei eine Reaktion auf den Strategieplan, den Tui am 15. Dezember vorgelegt hatte. Die vertikale Firmenstruktur von Tui sei mit einer wachsenden Konkurrenz aus dem Internet konfrontiert, die es Kunden ermögliche, ihre Reisen individuell zusammenzustellen.

Lufthansa gut gestartet
Die Lufthansa-Aktie konnte ihren Tagesverlust nach Vorlage der Verkehrszahlen im Januar leicht verringern. Die Zahl der Fluggäste sei im Vorjahresvergleich im Januar um 6,3 Prozent auf 3,9 Millionen gestiegen, die Auslastung um 1,7 Prozentpunkte auf 73,6 Prozent, teilte die Lufthansa mit. Die positive Entwicklung ziehe sich durch alle Verkehrsgebiete. Die verkaufte Flugstrecke erhöhte sich um 7,4 Prozent auf knapp 8,6 Milliarden Kilometer. Das Frachtgeschäft legte um 7,1 Prozent auf 131.000 Tonnen zu.

Hochtief ganz groß
Im MDax gehörte erneut Hochtief zu den größten Gewinnern. Händler verwiesen auf einen Artikel, wonach der Baukonzern ins Fadenkreuz von Finanzinvestoren geraten sei. "Diese Spekulationen über eine mögliche Zerschlagung verleihen den Titeln seit Tagen Auftrieb", sagte ein Börsianer. Zudem gab Hochtief bekannt, dass die Commerzbank ihren Anteil an dem Baukonzern aufgestockt hat.

Banken steigen bei EADS ein
Zum Mittag kam dann noch die Neuigkeit, dass DaimlerChrysler nun endlich seinen Anteil am Airbus-Mutterkonzern EADS von 22,5 auf 15 Prozent abgebaut hat. Die 7,5 Prozent gehen an ein Konsortium aus privaten und staatlichen Investoren. Dazu gehören unter anderem Allianz, Commerzbank und Deutsche Bank sowie über Förderbanken oder Beteiligungsgesellschaften die Länder Hamburg, Niedersachsen, Bayern, Baden-Württemberg und Bremen. DaimlerChrysler behält aber die Stimmrechte von 22,5 Prozent. Auf diesem Weg soll das Stimmengleichgewicht zwischen deutschen und französischen Aktionären bei dem Konzern bewahrt werden.

Übernahmekampf um Repower entbrannt
Bis zu 28,8 Prozent auf 145 Euro schoss die Aktie von Repower nach oben. Um den Hamburger Windanlagenhersteller ist eine Übernahmeschlacht entbrannt. Nachdem der französische Areva-Konzern im Januar eine Offerte unterbreitet hatte, legte am Freitag auch der indische Windturbinenhersteller Suzlon Energy ein Angebot vor. Suzlon bietet 126 Euro pro Repower-Aktie und damit 20 Prozent mehr als Areva. Die Franzosen hielten sich zunächst bedeckt, ob sie ihre Offerte aufstocken oder zurückziehen wollen. Areva ist seit 2005 Repower-Aktionär und hält inzwischen 29,99 Prozent der Anteile.

Nordex mit Repower-Bonus
Im TecDax profitierte die Nordex-Aktie von dem Repower-Rummel. Sie sprang zeitweise um mehr als zehn Prozent in die Höhe und setzte sich damit an die Index-Spitze.

Solarworld-Gerücht "totaler Unsinn"
Die Solarworld-Aktie konnte ihren Kursrutsch vom Nachmittag wieder ausgleichen. Offenbar war von interessierter Seite das Gerücht gestreut worden, bei dem Solarunternehmen könne es eine Gewinnwarnung geben. Dem widersprach Solarworld-Chef Frank Asbeck vehement: "Wir werden am Dienstag oder Mittwoch ein glänzendes Ergebnis präsentieren", sagte er zu Reuters. Das Gerücht sei "totaler Unsinn".

Cewe Color: M2 lässt nicht locker
Im Machtkampf um Cewe Color gab es ebenfalls Neuigkeiten. Der zweitgrößte Eigner des Fotoentwicklers, der US-Hedgefonds M2 Capital, hat seinen Anteil von zuvor 8,97 auf 10,2 Prozent erhöht. M2 Capital drängt Cewe Color zur Ausschüttung einer Sonderdividende und strebt eine außerordentliche Hauptversammlung an, auf der Management und Aufsichtsrat ausgewechselt werden sollen.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Freitag, 20. Juli

Unternehmen:
Faurecia: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Hermès: Q2 Umsatz, 07:00 Uhr
Rémy Cointreau: Q4-Zahlen
Thales: Q1 Umsatz, 07:30 Uhr
Stanley Black & Decker: Q2-Zahlen, 12:00 Uhr
General Electric: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Schlumberger: Q2-Zahlen, 13:00 Uhr
Honeywell: Q2-Zahlen, 14:30 Uhr

Konjunktur:
Japan: Verbraucherpreise für Juni, 01:30 Uhr
Deutschland: Juli-Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums, 08:00 Uhr
Deutschland: Erzeugerpreise im Juni, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Euro-Zone im Mai, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Farnborough: Fortsetzung der Internationalen Messe für die Luft- und Raumfahrt (bis 22. Juli)