Bescheidener Wochenauftakt

Karsten Leckebusch

Stand: 12.02.2007, 20:05 Uhr

Die Börse wird zunehmend nervöser. Vor allem damit erklären es sich die Experten, dass die deutschen Aktienmärkte am Montag mit Verlusten schlossen. Denn handfeste Nachrichten gab es kaum, dafür aber Gewinnmitnahmen.

Auch die schwache Wall Street lastete am Nachmittag auf den deutschen Indizes, die Verluste weiteten sich noch weiter aus. Der Dax schloss 0,75 Prozent im Minus bei 6.859 Punkten.

An einem an sich nachrichtenarmen Handelstag kam die Neuigkeit des Tages von einem MDax-Unternehmen. Der Handels- und Reisekonzern KarstadtQuelle gab bekannt, dass die Tourismus-Tochter Thomas Cook und der britische Pauschalreiseanbieter MyTravel fusionieren werden. Das versetzte die Aktionäre in Kauflaune, die KarstadtQuelle-Aktie stieg um 5,1 Prozent. MyTravel-Aktien verteuerten sich sogar um 30 Prozent.

Dax-Konkurrent Tui hingegen verlor aufgrund dieser Nachricht 1,4 Prozent, Börsianer begründeten dies mit der neu entstehenden Konkurrenz. Mitte Mai will sich KarstadtQuelle übrigens einen neuen Namen geben, einen Kunstnamen, der die neuen Aufgabenfelder des Konzerns repräsentiere, wie Firmenchef Thomas Middelhoff sagte.

Die kleine Gewinnerliste im Dax führte der Chiphersteller Infineon an. Das Münchener Unternehmen ist offenbar auf der Kaufliste mehrerer Finanzinvestoren. Infineon dementierte diese Gerüchte, Konzernchef Wolfgang Ziebart konterte sogar, man sei selber auf Übernahmesuche in Japan. Anleger aber lieben Gerüchte, die Aktie stieg um 1,25 Prozent.

Bayer profitierte von einem Studienerfolg. Gemeinsam mit dem US-Partner Oynx hat der Konzern die Wirksamkeit des Krebsmedikamentes Nexavar nachgewiesen, die Aktie stieg um 0,7 Prozent.

Dax-Verlierer
Hinten im Dax notierten die Aktien der Deutschen Börse mit einem Abschlag von 2,2 Prozent. Es belastete die endgültig gescheiterte Übernahme der Londoner Börse LSE durch die NYSE. Außerdem beriet der Aufsichtsrat der Börse über einen Einstieg bei der Bombay Stock Exchange (BSE). Am Abend wurde bekannt, dass die Deutsche Börse sich mit fünf Prozent an der BSE beteiligen möchte.

Bei DaimlerChrysler sorgten unbestätigte Trennungsgerüchte am Morgen für leichte Kurszuschläge. Zunächst hieß es, Daimler könnte sich von Chrysler trennen, jetzt erwarten Händler zumindest eine massive Sanierung der kränkelnden US-Tochter. Der Konzern wird sich wohl am Mittwoch dazu äußern, dann legt er seine Jahreszahlen vor, die Aktie notierte am Nachmittag schwächer und schloss mit einem Minus von 0,9 Prozent.

MAN verlor 1,9 Prozent. Volvo-Chef Leif Johansson wies Gerüchte zurück, wonach der schwedische Autohersteller an MAN interessiert sei. Die Commerzbank verbilligte sich um 0,8 Prozent. Ein Börsenbrief hatte berichtet, dass die zweitgrößte Bank zwar ein Rekordergebnis abliefern werde, aber mit gut 1,6 Milliarden Euro Gewinn unter den Analystenerwartungen geblieben sei. Die Commerzbank berichtet am Mittwoch über das Geschäftsjahr 2006.

MDAX-Nachrichten
Der Finanzdienstleister AWD verteuerte sich um 4,8 Prozent. Für den Kursausschlag sorgten Gerüchte, wonach die Firma ihre Beraterzahl zum Jahresende deutlich erhöht habe. 6.037 Berater seien bei AWD Ende Dezember beschäftigt gewesen, erfuhr die Agentur dpa-AFX aus Kreisen. Das wären etwa hundert Berater mehr als Ende des dritten Quartals. AWD bestätigte die Gerüchte nicht, am Dienstag gibt die Firma ihre Geschäftszahlen bekannt.

Der Motorenbauer Deutz verlor wegen einer Gewinnwarnung eines wichtigen US-Kunden 2,1 Prozent. Deutz beschwichtigte und bekräftigte das weiterhin stabile Auftragsvolumen. Der Immobilienkonzern Gagfah verbilligte sich um 0,8 Prozent. Börsianer verwiesen auf die bald endende Haltefrist für Altaktionäre. Die Frist endet am 19. Februar, danach dürften eine Menge Aktien auf den Markt kommen. Wincor Nixdorf gab ebenfalls 1,7 Prozent ab, obwohl der Konzern möglicherweise die Dividende erhöhen will.

Die Zahlen von Depfa reichten ebenfalls nicht für ein Plus auf dem Kurszettel. Die Entwicklung im Neukundengeschäft sei am unteren Ende der Erwartungen, die Bank rechnet trotzdem mit weiterem Wachstum. Die Aktie verlor 1,7 Prozent.

Mit kräftigen Verlusten ging die Aktie von Premiere aus dem Handel. Allerdings hat das Papier in der vergangenen Woche sehr deutlich gewonnen, nachdem der Bezahlsender eine Bundesliga-Kooperation mit Konkurrent Arena bekannt gab. Die Meldung, dass Premiere an diesem Wochenende bereits 33.000 Bundesliga-Abonnements verkauft habe, half dem Aktienkurs nicht. Premiere verliert 2,5 Prozent.

Conergy deckt sich ein
Im TecDax legte die Aktie des Solarkonzerns Conergy 4,7 Prozent zu. Die Firma hat bei dem chinesischen Zulieferer Suntech Solarmodule für 270 Millionen Dollar bestellt. Damit habe man sich bereits die Hälfte der Module gesichert, die für dieses Jahr geplante Wachstum nötig seien, teilte Conergy mit.

Cewe will sich retten
CeweColor hat einen vakanten Posten im Aufsichtsrat neu besetzt. Für den Hedge-Fonds-Manager Sebastian Freitag kommt Otto Korte in das Kontrollgremium. Der neue Mann soll dem Vorstand im Streit mit dem US-Fonds M2 Capital den Rücken stärken. Die im SDax notierte Aktie verlor 3,2 Prozent.

Umsatzeinbruch bei Drillisch
Der Mobilfunk-Dienstleister Drillisch hat im vergangenen Jahr 15 Prozent weniger Umsatz erwirtschaftet. Der Erlös fiel um knapp 15 Prozent auf 282 Millionen Euro. Der Gewinn stieg allerdings um ebenfalls 15 Prozent auf 32 Millionen Millionen Euro. Drillisch hat damit nach eigenen Aussagen das beste Ergebnis der Firmengeschichte erzielt. Die Zahl der Drillisch-Kunden stieg im vergangenen Jahr um 62.000 auf 1,76 Millionen Kunden.

Unter ferner liefen
Funkwerk, ein Anbieter von Kommunikationssystemen, verbilligte sich nach Vorlage der Geschäftszahlen um 8,2 Prozent. Im vierten Quartal 2006 verdiente Funkwerk 8 Millionen Euro und setzte 78 Millionen Euro um.

9,8 Prozent hinzu gewann die Aktie von FJH. Der Anbieter von Versicherungssoftware legte eine gute Geschäftsbilanz vor. Zwar drückte eine Firmenwertabschreibung das Ergebnis erneut in die Minuszone, der Ausblick und die Auftragslage jedoch stimmen optimistisch.

Tipp24 profitiert ebenfalls von einer guten Bilanz. Das Glücksspielunternehmen begründete die Gewinnverdopplung im vergangenen Jahr unter anderem mit dem Rekordjackpot. Die Aktie legt um 2,7 Prozent zu.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 23. Juli

Unternehmen:
Daimler: Weltpremiere des ersten Elektroautos der neuen Marke EQ in Stockholm
Ryanair: Q1-Zahlen, 07:00 Uhr
Philips: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Julius Bär: Halbjahreszahlen, 07:00 Uhr
Hasbro: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Halliburton: Q2-Zahlen, 12:45 Uhr
Kering: Q2-Zahlen, 16:00 Uhr
Michelin: Q2-Zahlen, 17:45 Uhr
Luxxotica: Halbjahreszahlen, 17:45 Uhr
Alphabet (Google): Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
Amgen: Q2-Zahlen
AMD: Q2-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Bundesbank-Monatsbericht Juli, 12:00 Uhr
USA: CFNA-Index für Juni, 14:30 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser im Juni, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen in der Euro-Zone im Juli, 16:00 Uhr