Beruhigender Wochenausklang

Detlev Landmesser

Stand: 17.10.2008, 20:22 Uhr

Wie viel Rezession steckt in den Kursen drin? Am Freitag setzte sich die Ansicht durch, dass es mehr als genug sei. Der Dax beendete die turbulente Handelswoche mit einem Plus von mehr als drei Prozent.

Auf Wochensicht stehen damit bei dem deutschen Leitindex plus 5,22 Prozent zu Buche. Der L-Dax ging mit 4.887,08 Punkten ins Wochenende.

Zu dem Plus mag auch beigetragen haben, dass das Rettungspaket der Bundesregierung wie erhofft im Eiltempo von Bundestag und Bundesrat abgesegnet wurde. Vor allem aber setzte sich an der Wall Street bis zum Abend die Rally des Vortages fort. Angeführt wurde die Kursbewegung von der Google-Aktie, die nach den hervorragenden Quartalszahlen des Suchmaschinenbetreibers zeitweise über neun Prozent im Plus lag.

Am Freitag meldete sich auch der meist beachtete Investor der Welt zu Wort. Warren Buffett rät Kleinanlegern mitten in der Krise zum Kauf amerikanischer Aktien. Er selbst investiere sein privates Geld bereits nach dem Motto: "Sei ängstlich, wenn andere gierig sind, und sei gierig, wenn andere ängstlich sind." Die meisten großen US-Konzerne würden in den nächsten fünf, zehn und 20 Jahren Rekordgewinne einfahren, schrieb der Multimilliardär in einem Beitrag für die "New York Times".

Verbrauchervertrauen bricht dramatisch ein

Von der amerikanischen Wirtschaft kamen indes wieder unverkennbare Rezessionssignale. Der von der Universität Michigan und Reuters erhobene Index für das Konsumentenvertrauen brach im Oktober so stark ein wie noch nie. Das Barometer sank von 70,3 auf 57,5 Punkte. Das ist der niedrigste Wert seit Juni. Volkswirte hatten lediglich mit einem Rückgang auf 65,5 Punkte gerechnet. Sein Rekordtief markierte der seit 1952 berechnete Index im Mai 1980 mit 51,7 Zählern. Auch die Zahl der Hausbaubeginne sank im September um 6,3 Prozent auf 817.000 Einheiten und lag damit unter den Erwartungen. Die Baugenehmigungen gaben um 8,3 Prozent auf 786.000 nach.

Der Euro konnte davon nur wenig proftitieren und schwankte weiter zwischen 1,34 und 1,35 Dollar. "Selbst derart schlechte Zahlen werden am Devisenmarkt derzeit nicht widergespiegelt, da ein erheblicher Bedarf an Dollar-Liquidität besteht", sagte Folker Hellmeyer, Chef-Analyst der Bremer Landesbank.

Krise flackert bei ING auf
Gegen den Branchentrend erging es der ING-Aktie schlecht. Der niederländische Finanzkonzern verlor in Amsterdam mehr als 27 Prozent an Wert. Auslöser waren Medienberichte, ING müsse seine Kapitalbasis stärken. Der Konzern versuchte vergeblich, diese Bedenken zu entkräften.

Telekom und Eon vorn
Die europaweite Technologie-Rally spülte zum Ende des Computerhandels die T-Aktie an die Dax-Spitze. Ebenfalls mehr als zehn Prozent gewann die Eon-Aktie. Die slowakische Regierung hat angeboten, den 2002 privatisierten Anteil des Gaskonzerns SPP von Eon und der französischen GDF zurückzukaufen.

Daimler und BMW schlugen sich ebenfalls überdurchschnittlich. Während die Daimler-Aktie eine Kurszielsenkung von Morgan Stanley von 42 auf 28 Euro ignorierte, profitierte BMW von Goldman Sachs. Die Analysten änderten ihr Anlageurteil von "Neutral" auf "Buy". Das Kursziel senkten sie allerdings von 33 auf 29 Euro. Die derzeit historisch niedrige Bewertung der Aktie stelle eine Chance dar, schrieben die Analysten.

Kurswende bei VW?
Für die VW-Stammaktie ging es zur Abwechslung einmal abwärts. "Der massive Kursanstieg von VW war ja schon länger nicht mehr fundamental zu erklären", kommentierte ein Händler. "Das Volumen ist zuletzt auch angezogen. Es sieht nach einer erfolgreichen Short-Attacke aus, zumal der Chart nun auch angeschlagen ist."

MAN erwartet Nfz-Rezession
MAN-Chef Hakan Samuelsson hat seine vorsichtigen Erwartungen für den Nutzfahrzeugmarkt im kommenden Jahr konkretisiert. Das Marktvolumen werde vielleicht um zehn Prozent oder mehr unterhalb des Wertes von 2008 liegen, sagte der Top-Manager der "Financial Times". Am Freitag feierte der Traditionskonzern sein 250. Jubiläum.

K+S fährt Achterbahn
Erneut fiel die K+S-Aktie durch heftige Schwankungen auf. Erst legte der Dax-Titel um 8,6 Prozent zu, um dann um bis zu 10,7 Prozent ins Minus zu stürzen. Händler machten dafür unter anderen die enttäuschenden Ergebnisse des norwegischen Düngemittelherstellers Yara verantwortlich.

Hochtief kommt in den USA voran
Die amerikanische Hochtief-Tochter Turner hat einen Auftrag zum Bau zweier Krankenhäuser im Bundesstaat Tennessee erhalten. Das Auftragsvolumen belaufe sich auf umgerechnet 167 Millionen Euro, teilte Hochtief am Nachmittag mit. Damit habe Turner in diesem Jahr Krankenhaus-Aufträge im Gesamtvolumen von rund 745 Millionen Euro gewonnen, hieß es. Die Kliniken sollen im Jahr 2010 fertiggestellt werden.

Wacker baut Kapazitäten aus...
Auch das gibt es in Zeiten der Krise: Der Chemiekonzern und Halbleiter-Zulieferer Wacker Chemie investiert in den Ausbau seiner Polysilicium-Kapazitäten 860 Millionen Euro. Für 760 Millionen Euro werde am Standort Nünchritz eine neue Produktionsanlage errichtet, teilte der MDax-Konzern am Abend mit. Für weitere 100 Millionen Euro soll die bereits bestehende Anlage in Burghausen ausgebaut werden.

...Solarworld ebenfalls
Auch Solarworld erweitert seine Kapazitäten. Die Kapazität der Solarzellenfabrik des TecDax-Konzerns im US-Bundesstaat Oregon soll von 100 auf 500 Megawatt ausgeweitet werden.

Biotest auf Kurs
Das Pharma- und Diagnostikunternehmen Biotest hat in den ersten drei Quartalen 2008 seinen Umsatz rund ein Drittel auf 323 Millionen Euro gesteigert. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) wuchs um 60 Prozent auf 43,9 Millionen Euro.

Cash.Life warnt
Angesichts der neuerlichen Gewinnwarnung kam die Aktie von Cash.Life noch recht glimpflich davon. Der Finanzdienstleister hat seine Jahresprognose für das Gesamtjahr einkassiert. Der Umsatz soll nur noch mindestens 190 Millionen Euro erreichen. Bisher hatte Cash.Life 220 bis 240 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Wegen Wertberichtigungen rechnet Cash.Life nur noch mit einem Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) zwischen fünf und sieben Millionen Euro. Bisher strebte das Unternehmen zwölf bis 14 Millionen Euro an.

Tagestermine am Dienstag, 13. November

Unternehmen:
Fraport: Verkehrszahlen 10/18, 7:00 Uhr
Grammer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Bauer: Neun-Monats-Zahlen, 7:00 Uhr
1&1 Drillisch: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Cewe Stifung: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Evotec: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr (Call: 14:00 Uhr)
Innogy: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Tom Tailor: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
United Internet: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Ströer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Areal Bank: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Hello Fresh: Q3-Zahlen, 7:15 Uhr
Medigene: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
VTG: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
HHLA: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Uniper: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Jenoptik: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Nordex: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Bayer: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
Bilfinger: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
OHB: Neun-Monats-Zahlen, 8:00 Uhr
Vodafone: Halbjahreszahlen, 8:00 Uhr
Home Depot: Q3-Zahlen, 15:00 Uhr
Wüstenrot & Württembergische: Q3-Zahlen
Nemetschek: Kapitalmarkttag

Konjunktur:
Italien: Frist der EU-Kommission zur Überprüfung des Haushaltsentwurfs läuft aus
Deutschland: Verbraucherpreise 10/18 (endgültig), 8:00 Uhr
Deutschland: Insolvenzen 8/18, 8:00 Uhr
Deutschland: Erwerbstätigkeit Q3/18, 8:00 Uhr
Großbritannien: Arbeitslosenzahl 10/18, 10:18
Deutschland: ZEW-Konjunkturerwartungen 10/18, 11:00 Uhr