Bernanke macht dem Dow Beine

Stand: 21.03.2007, 21:01 Uhr

Mit einem Hochsprung hat der Dow auf die US-Zinssignale reagiert. Notenbank-Chef Ben Bernanke ließ die Leitzinsen mit 5,25 Prozent unverändert, machte aber Hoffnung auf eine Zinssenkung. Der L-Dax in Frankfurt zeigte mit einem Plus von 1,4 Prozent, was in ihm steckt.

Die US-Notenbank begründete ihre Zins-Entscheidung damit, dass die Wirtschaft «in den kommenden Quartalen weiterhin mit gemäßigtem Tempo wachsen» werde. Zwar bestehe nach wie vor ein gewisses Risiko der Preissteigerung, doch werde sich der Inflationsdruck «mit der Zeit wahrscheinlich mäßigen», hieß es in einer Erklärung. Die Märkte deuteten dies offensichtlich als Signal für eine mögliche Zins-Senkung. Der hohe Energieverbrauch halte das Risiko allerdings aufrecht. In Frankfurt lag der L-Dax am Schluss mit 6.787 Punkten 1,36 Prozent höher.

Metro schmierten ab

Im Dax hatten Metro für miese Stimmung gesorgt. Metro-Aktien brachen zuletzt um rund drei Prozent weg. Dabei hatte der Handels-Konzern im abgelaufenen Geschäftsjahr sein Ergebnis nicht zuletzt wegen des guten Weihnachtsgeschäftes um 9,9 Prozent auf 1,91 Milliarden Euro gesteigert. Der Nettogewinn sei von 531 Millionen auf 1,056 Milliarden Euro gestiegen, teilte Metro mit. Die Zahlen waren aber aus der Sicht der Investoren keine große Überraschung gewesen. Das operative Ergebnis war sogar etwas niedriger als von Analysten erwartet ausgefallen.

BMW und VW legten Zwischenspurt ein
Aktien von BMW bauten ihre Kursgewinne den Tag über aus. Händler sprachen von einem charttechnischen Kaufsignal. "Bei 42 Euro hat die Aktie die 200-Tage-Linie nach oben durchbrochen - das ist ein klares Signal", sagte ein Börsianer. Überdies habe BMW gegenüber seinen Konkurrenten Nachholbedarf. Während VW- und DaimlerChrysler-Aktien seit Jahresanfang rund 20 Prozent gestiegen sind, haben BMW bislang ein Jahres-Minus von fünf Prozent verbucht. Charttechnik lieferte auch den Papieren von Volkswagen außergewöhnliche Schubkraft. VW habe bei einem Kurs von 107 Euro eine wichtige Hürde genommen und so Anschlusskäufe ausgelöst.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) untersucht die Begleitumstände bei der Übernahme des britischen Urlaubskonzerns First Choice durch den Dax-Konzern Tui. Der Konzern habe möglicherweise gegen die Ad-hoc-Pflicht des Wertpapierhandelsgesetzes verstossen und sich zu spät geäußert, so der Vorwurf. Im Extremfall droht Tui eine Geldbuße von bis zu einer Million Euro.

Steigt Lufthansa bei Iberia ein?
Gerüchte über eine mögliche Übernahme der Fluggesellschaft Iberia durch Lufthansa halten an. Wie bereits vor einem Monat spekulierten Aktienhändler nun auch wieder, dass Lufthansa ein Angebot für den spanischen Konkurrenten vorlegen könnte. Genannt wurde ein Preis von 3,90 Euro je Aktie. Die Papiere legten in Madrid wegen der Marktgerüchte zeitweise um fünf Prozent zu. Iberia erklärte daraufhin, es habe kein Angebot vorliegen. Der Konzern zeigte sich angesichts der erwarteten Konsolidierung der europäischen Luftfahrtbranche aber offen für Allianzen. Lufthansa lehnte eine Stellungnahme ab. In Konzernkreisen hieß es aber, die Gesellschaft stehe weiterhin zu der Aussage von Konzernchef Wolfgang Mayrhuber. Dieser hatte vor zwei Wochen erklärt, Lufthansa plane weder eine Beteiligung noch eine Übernahme von Iberia


Bau-Aktien polarisieren
Aktien des Baukonzerns Bilfinger Berger kletterten um rund sechs Prozent, womit sie bis zum Ende ihren Spitzenplatz im MDax verteidigten. Der Konzern hatte neben einem Rekordumsatz im vergangenen Jahr den Ausblick auf 2007 bekräftigt und sich auch für 2008 grundsätzlich optimistisch gezeigt. Branchenkollege Hochtief verbilligte sich um 1,7 Prozent. Für Unruhe hatte der Einstieg des spanischen Baukonzern ACS bei Hochtief gesorgt.

Patrizia Immobilien hat im vergangenen Jahr wie erwartet den Geschäftsgewinn verdoppelt. Der Überschuss stieg 2006 auf 32,4 Millionen Euro. 2007 will Patrizia den Überschuss abermals steigern, allerdings nur um die Hälfte. Dieser Ausblick schmeckt den Aktionären nicht, die Aktie knickte um 2,6 Prozent ein. Der Maschinenbauer Gea hat ebenfalls die Jahresbilanz vorgelegt. 2006 erwirtschaftete der Konzern einen Umsatz von 4,346 Milliarden Euro, 28,2 Prozent mehr als 2005. Das Konzernergebnis aus dem fortgeführten Geschäft betrug 187,4 Millionen Euro, inklusive nicht fortgeführtem Geschäft und Rückstellungen verbuchte Gea allerdings einen Verlust in Höhe von 475,6 Millionen Euro.

Auch der Autozulieferer Leoni könnte mit der Jahresbilanz nicht überzeugen. Für 2007 erwartet das MDax-Unternehmen ein EBIT zwischen 120 und 125 Millionen Euro und damit einen leichten Gewinnrückgang, erst 2008 soll das Ergebnis wieder signifikant wachsen. Leoni verbilligte sich um über vier Prozent.

Pfleiderer zahlt mehr, ....
Der Möbel- und Bauzulieferer Pfleiderer will seinen Aktionären für das abgelaufene Geschäftsjahr 2006 eine höhere Dividende ausschütten. Der Vorstand und Aufsichtsrat werden der Hauptversammlung am 19. Juni 2007 eine Dividende von 0,25 Euro pro Aktie vorschlagen, teilte das im MDax notierte Unternehmen mit. 2005 hatte Pfleiderer seinen Aktionären eine Dividende in Höhe von 0,15 Euro je Anteilsschein gezahlt.

.... auch Rheinmetall stockt Dividende auf
Der Autozulieferer und Rüstungskonzern Rheinmetall will seine Dividende von 0,90 auf 1,00 Euro je Aktie steigern. Der Überschuss ist wegen eines verbesserten Zinsergebnisses und einer sinkenden Steuerquote im vergangenen Jahr um vier Prozent auf 123 Millionen Euro geklettert, teilte der Konzern mit. Für 2007 stellte der Vorstand weiteres Wachstum in Aussicht.

Fraport heben ab
Der Bund hat seinen Anteil am Flughafenbetreiber Fraport wie angekündigt von 6,5 auf Null vermindert. Dadurch erhöht sich der Streubesitz von 21 auf knapp 28 Prozent. Fraport-Aktien reagierten mit einem dicken Kursplus von rund drei Prozent. Nach Angaben der Fraport ging der 6,5-Prozent-Anteil des Bundes an mehrere Investoren.

Software AG schlägt Brücke nach Israel
Das TecDax-Unternehmen übernimmt seinen israelischen Vertriebspartners SPL Software. Damit setzt der nach SAP zweitgrößte deutsche Softwarehersteller seine Strategie fort, den Vertrieb in die eigenen Hände zu nehmen. Der Kaufpreis für 80 Prozent der SPL-Anteile betrage umgerechnet 46 Millionen Euro, sagte Software-AG-Chef Karl-Heinz Streibich am Mittwoch. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet das Unternehmen nun einen zusätzlichen Umsatz von 20 Millionen Euro und zusätzliche Gewinne von zwei bis drei Millionen Euro. Infolge des Zukaufs rechnet der Konzern für 2007 mit einem schnellen Wachstum: Die Firma erhöhte ihre Umsatzprognose für 2007 auf ein Plus von 14 Prozent, das sind vier Prozentpunkte mehr als bislang. Die Rendite soll unverändert 24 Prozent betragen. Software-Aktien schraubten sich im Abendhandel fast zwei Prozent hoch.

Gelungene Börsenpremiere
Aktien des Immobilienunternehmens Polis erlebten einen vorzeigbaren Börsenstart. Nach einem Ausgabepreis von 14,50 Euro schlossen sie den Premierentag mit 14,65 Euro ab. Der Hersteller von Rußpartikelfiltern Twintec hat kurz vor dem geplanten IPO alle Aktien an den Mann gebracht. Twintec hat insgesamt 2,275 Millionen Aktien zu je elf Euro angeboten, macht einen Bruttoerlös von 16,5 Millionen Euro.

In den USA liefern zwei Großkaliber Kaufgründe. Wie beispielsweise die US-Investmentbank Morgan Stanley. Sie hat ihren Gewinn im ersten Quartal um 60 Prozent gesteigert. Das Ergebnis aus dem fortgesetzten Geschäft habe 2,56 Milliarden Dollar oder 2,40 Dollar pro Aktie betragen, teilte das Unternehmen mit. Analysten hatten im Schnitt vor Sonderposten 1,88 Dollar pro Aktie erwartet. Die Nettoeinnahmen stiegen um 29 Prozent auf den Rekordwert von elf Milliarden Dollar. Analysten hatten in einer Reuters-Umfrage im Schnitt nur 9,4 Milliarden Dollar erwartet. Morgan-Stanley-Aktien kosteten am Abend über sechs Prozent mehr.

Oracle wächst dank Übernahmen
Der amerikanische Softwarekonzern und direkte SAP-Konkurrent Oracle hat im vergangenen Quartal Umsatz und Gewinn stärker als erwartet gesteigert. Der Nettogewinn kletterte im dritten Geschäftsquartal um knapp 240 Millionen Dollar auf 1,03 Milliarden Dollar, der Umsatz legte um 27 Prozent auf 4,41 Milliarden Dollar zu. Oracle profitierte vor allem von Zukäufen; in den vergangenen drei Jahren gab der Konzern 23 Milliarden Dollar für Übernahmen aus. Oracle-Aktien lagen zuletzt fast drei Prozent vorn.

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