Bernanke hilft nur kurz

Stand: 07.12.2009, 20:04 Uhr

An einem durchaus ereignisarmen Montag, mitsamt skeptischen Aktionären, die dem Dax ein Minus von einem halben Prozent bescherten, setzte Ben Bernanke am Abend ein Signal. Die Zinsen werden niedrig bleiben, sagte der amerikanische Notenbankchef und zerstäubte damit gewichtige Investorensorgen.

Die Furcht vor steigenden Zinsen hatte die Börse an den vergangenen Tagen etwas gehemmt. Heute war es im Dax ebenso. Der deutsche Leitindex verhielt sich zurückhalten, und der Rückgang beim Industrieauftragseingang, der überraschend stark war, verunsicherte die Börse umso mehr.

Die Wall Street konnte am Nachmittag nur schwach dagegen halten. Immerhin sorgte Notenbankchef Ben Bernanke am Abend für etwas Optimismus. Bernanke widersprach Befürchtungen, dass die Fed nach den guten Arbeitsmarktzahlen am Freitag die Zinsen bald wieder anheben könne. Nein, so Bernanke, die Zinsen werden noch lange niedrig bleiben, vor allem, weil die Risiken einer hohen Arbeitslosigkeit weiter beständen.

Die Wall Street dankte es ihm jedoch nur kurz. Als der Parketthandel in Frankfurt beendet wurde, notierten Dow Jones & Co. nur knapp über der Nulllinie.

Volkswagen ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
136,70
Differenz relativ
-0,58%

Volkswagen kauft die Hälfte von Porsche
Die Volkswagen-Aktie verhielt sich verhältnismäßig unauffällig. Am Nachmittag teilte der Wolfsburger Konzern mit, dass er sich mit 49,9 Prozent an Porsche beteiligt habe. 3,9 Milliarden Euro habe die Beteiligung gekostet, hieß es. Vergangene Woche hatten die VW-Aktionäre einer Kapitalerhöhung um 135 Millionen Vorzugsaktien zugestimmt, mit der die Komplettübernahme von Porsche, die insgesamt fast 16 Milliarden Euro kosten soll, gestemmt wird.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
54,73
Differenz relativ
-1,01%
BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
81,17
Differenz relativ
-0,77%

Absatzzahlen beflügeln Daimler
Die Daimler-Aktie legte im Tagesverlauf 1,3 Prozent zu. Neben einer Beschäftigungsgarantie, die Vorstandschef Dieter Zetsche den Beschäftigten im Stammwerk Sindelfingen machte, beflügelten auch die neuesten Absatzzahlen. Demnach hat Daimler im November 16 Prozent mehr Autos verkauft, die Aktie klettert um mehr als ein Prozent. Leicht im Minus hingegen schloss BMW. Der Konzern hatte für China jedoch ein deutliches Absatzplus bekannt gegeben. Im November verkaufte BMW 40 Prozent mehr Autos in China als vor einem Jahr.

BASF erwartet ein gutes Quartal
An der Dax-Spitze notierte die Aktie von BASF mit einem Plus von 1,5 Prozent. BASF-Vorstandschef Jürgen Hambrecht hatte am Wochenende in einem Interview gesagt, der Konzern erwarte für das vierte Quartal ein besseres Ergebnis als er bisher prognostiziert hatte. Man werde wohl das Niveau des dritten Quartals erreichen, sagte Hambrecht.

Siemens: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
110,04
Differenz relativ
-0,04%

Siemens runtergestuft
Die Siemens-Aktie schloss 1,6 Prozent schwächer. Hier belastete eine Analystenstudie von Morgan Stanley. Die Experten hatten den Wert auf "Equalweight" heruntergestuft und das Kursziel gesenkt. Die Analysten halten die Randbereiche des Siemens-Konzerns für wenig gewinnträchtig, sie dürften das Ergebnis weiter belasten. Am Abend gab Siemens bekannt, dass der Telekom-Manager Hamid Akhavan ab Februar 2010 die Leitung des Telefon- und Netzwerkanbieters Siemens Enterprise übernehmen werde.

Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
77,01
Differenz relativ
-0,05%

K+S und Bayer unter Druck
Auch die Aktien von K+S und Bayer gehörten am Montag zu den Verlierern im Dax. Während bei K+S die Investoren offenbar ihre Gewinne der vergangenen Woche einstrichen, belastete bei Bayer die Nachricht, dass der Pharmakonzern in diesem Jahr keine weiteren Anstrengungen unternehmen wird, das Blut verdünnende Mittel Rivaroxaban in den USA zuzulassen. Man werde der zuständigen Behörde FDA in diesem Jahr keine weiteren Informationen zukommen lassen, so Bayer in einer Mitteilung.

SMA Solar: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
30,18
Differenz relativ
+0,80%

Weiter nach oben mit SMA
Die Marke von 100 Euro durchbrach die SMA Solar-Aktie. 102.57 Euro betrug der heutige Höchstkurs des neuen Shootingstars aus dem TecDax, der sich heute abermals an die TecDax-Spitze setzte. Anleger griffen beherzt zu, nachdem die Citigroup ihr Kursziel für SMA Solar von 82 auf 110 Euro angehoben hatte.

Zwei Verlierer im TecDax
Nicht unter den Gewinnern im TecDax waren Dialog Semiconductor und Bechtle. Die Aktie des Softwareunternehmens Bechtle gab sogar erheblich nach, weil Vorstandschef Thomas Ohlemotz in einem Interview die Umsatzprognose für 2009 etwas nach unten korrigierte. Und Dialog-Semiconductor-Chef Peter Tan Boon hat 119.000 eigene Aktien verkauft. Offenbar nahmen das einige Investoren zum Anlass, ebenfalls Aktienbestände zu veräußern.

Stada und Lanxess unter der Lupe
Positive Analystenkommentare unterstützten die Kurse von Stada und Lanxess. Der Pharmakonzern Stada werde, schrieben Experten von BNP Paribas, von einem starken Generikamarkt profitieren. BNP startete die Bewertung von Stada mit "Outperform" und dem Kursziel 30 Euro. Lanxess-Aktien legten im Handelsverlauf um bis zu 2,7 Prozent zu. Die Analysten von Chevreux urteilten, Lanxess werde von der Erholung des Autoreifenmarktes profitieren, das Kursziel erhöhte Chevreux von 27 auf 31 Euro.

SKW meldet großes Interesse
Die Papiere von SKW Metallurgie legten um 4,3 Prozent zu. Die Firma meldete erhebliches Interesse an der laufenden Kapitalerhöhung. Diese sei deutlich überzeichnet, so SKW.

Deutz ist optimistisch
In einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters äußerte sich Deutz-Vorstandschef Helmut Leube posititiv zum Geschäftsverlauf. "Wir haben die Talsohle nicht nur erreicht, sondern durchschritten", sagte Leube und erklärte, dass sich die gestiegene Nachfrage im kommenden Jahr auch im Umsatz widerspiegeln werde. Die Aktie schloss unverändert.

Repower baut in den USA
Das Windkraftunternehmen Repower meldete einen Auftrag aus den USA. Die Tochtergesellschaft der französischen EdF habe weitere 70 Windkraftanlagen bestellt, teilte Repower mit. 2011 sollen die Turbinen mit einer Leistung von rund zwei Megawatt geliefert werden. Bislang hat Repower 390 Windkraftanlagen mit insgesamt 800 Megawatt in den USA verkauft.

Wilde Arcandor-Kurse
Einen Kursgewinn von mehr als 16 Prozent verzeichnete die insolvente Arcandor-Aktie. Die notwendige Kursfantasie entfachte der Insolvenzverwalter der Karstadt-Häuser, die nach dem Insolvenzantrag im Juni offenbar aktuell wieder Gewinne erwirtschaften. Was die Aktionäre davon haben könnten, ist allerdings schleierhaft, mit etwa 0,2 Euro ist die Aktie sowieso nur noch etwas für Kurzfristanleger.

Scan Energy gibt sich mit weniger zufrieden
Der Börsenkandidat Scan Energy hat wegen schwacher Nachfrage seinen Angebotspreis gesenkt. Statt für 9 bis 13 Euro soll es die Scan Energy-Aktien jetzt schon für 8 Euro geben, teilte das Unternehmen mit. Der erste Handelstag im Prime Standard soll nun am Mittwoch statt finden.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Freitag, 17. August

Unternehmen:

Grand City Properties: Q2-Zahlen, 7:00 Uhr
Volkswagen: Absatz 07/18
Maersk: Halbjahreszahlen
Schindler: Halbjahreszahlen, 6:30 Uhr

Konjunktur
Deutschland: Verarbeitendes Gewerbe 06/18, 8 Uhr
EU: Verbraucherpreise 07/08 endgültig, 11:00 Uhr
USA: Frühindikatoren 07/18, 16 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen 08/18 vorläufig, 16 Uhr