Bernanke gibt kräftig Rückenwind

Stand: 19.06.2012, 20:01 Uhr

Beflügelt von der Hoffnung auf geldpolitische Lockerungen der US Notenbank Fed, sowie einer festen Wall Street, schießt der Dax in der Spitze auf 6.375 Punkte in die Höhe.

Die Fed gibt morgen Abend bekannt, ob sie die US-Konjunktur durch zusätzliche Maßnahmen stützen wird. Ben Bernanke, hat sich grundsätzlich dazu bereit erklärt, einen Zeitpunkt und Details zu den möglichen Maßnahmen bisher aber offen gelassen. Experten rätseln daher, ob es zur erneuten Lockerung der Geldpolitik kommt und die Fed mit neuen Staatsanleihekäufen bereits in die Vollen geht. Weitgehend einig sind sich Fachleute, dass die Fed den Korridor für ihren Leitzins bei null bis 0,25 Prozent belassen wird.

Die Erwartung an das zweitägige Treffen der Notenbanker hat die Anleger in ganz Europa beflügelt. Während der Dax mit einem satten Plus von 115 Punkten oder 1,84 Prozent bei 6.363 Punkten aus dem Handel geht, zieht der spanische IBEX-35-Index zog um mehr als zwei Prozent, das italienische Kursbarometer FTSE MIB um über drei Prozent an. Auch der Euro weitet seine Gewinne aus und steigt auf 1,271 Dollar, nachdem er am Morgen noch auf 1,257 Dollar gefallen war.

Wall legt kräftig zu
Beflügelt wird der Dax auch von den starken Vorgaben der Wall Street, wo der Dow Jones-Index mit Kurszuwächsen gestartet ist und bei Börsenschluss in Frankfurt gut 150 Punkte höher notiert als gestern bei 12.891 Zählern.

Analyst Uwe Streich von der Landesbank Baden-Württemberg führt die Kursaufschläge an den europäischen Börsen unter anderem darauf zurück, dass Anleger vor der Griechenland-Wahl in großem Stil auf fallende Kurse gesetzt hätten und nun umschichten würden. Das stütze die Kurse.

Zudem richtet sich die Hoffnung der Anleger auf das für Ende Juni geplante Gipfeltreffen der EU-Staats- und Regierungschefs. Dort könnte eine Wachstumskomponente beschlossen werden, um die Konjunktur in Europa zu stützen.

"Griechenland verlässt Eurozone"
Derweil malen die Vermögensverwalter der Deutschen Bank ein düsteres Szenario für die Entwicklung der Eurozone. Die Experten erwarten trotz des Wahlsiegs der Altparteien in Griechenland einen baldigen Austritt des Landes aus der Euro-Zone. "Ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone ist ein sehr wahrscheinliches Szenario", sagte der Chef-Anlagestratege (CIO) der Vermögensverwaltungssparte DB Advisors, Georg Schuh, am Mittag auf einer Konferenz in Frankfurt.

Im Moment gebe es keine überzeugende Lösung für die Probleme im gemeinsamen Währungsraum, auch wenn die Europäische Zentralbank (EZB) "noch ein paar Schüsse" an Notmaßnahmen freihabe. "Der Kapitalmarkt hat ein Auseinanderbrechen bereits eingepreist. Die Investoren sind da viel weiter als die Politik", mahnte Schuh. "Ich glaube, wir sind jetzt in der Endspiel-Phase."

Deutsche Post: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
30,68
Differenz relativ
-0,39%

FedEx drückt Deutsche Post
Aktien von Deutsche Post sind nach Zahlen von FedEx zunächst leicht ins Minus gerutscht, drehen dann aber im Zuge der allgemeinen Euphorie ins Plus. Der US-Konkurrent habe zwar die durchschnittlichen Gewinnerwartungen in seinem vierten Geschäftsquartal übertroffen, der Ausblick liege aber unter den aktuellen Analystenerwartungen, sagte ein Händler. Während der Logistikkonzern für sein erstes Quartal einen bereinigten Gewinn je Aktie (EPS) von 1,45 bis 1,60 Dollar in Aussicht gestellt habe, war der Markt im Durchschnitt von 1,70 Dollar ausgegangen. Die FedEx-Aktien verlieren vorbörslich mehr als ein Prozent.

SAP kommt voran
Dagegen kann die Aktie von SAP überdurchschnittlich zulegen. Grund sind gute Quartalsergebnisse des US-Softwareriesen Oracle und ein positiver Analystenkommentar von Goldman Sachs. Der kalifornische Konkurrent hat im vierten Geschäftsquartal seinen Umsatz um ein Prozent auf elf Milliarden Dollar gesteigert. Der Gewinn stieg um acht Prozent auf 3,5 Milliarden Dollar. Außerdem kündigte Oracle ein neues Aktienrückkaufprogramm in Höhe von zehn Milliarden Dollar an. Derweil hat Goldman Sachs die Aktien von SAP nach Zahlen von Oracle auf der "Conviction Buy List" mit einem Kursziel von 77,00 Euro belassen.

MAN mit VW-Fantasie
Zu den Favoriten im Dax gehört auch die MAN-Aktie. Händler verweisen auf Spekulationen um weitere Zukäufe des Großaktionärs VW. "Die Anleger positionieren sich für einen kommenden Beherrschungsvertrag und ein späteres Squeeze Out - daher steigen die Aktien wieder", meinte ein Marktteilnehmer. Die Wolfsburger hatten erst vor kurzem ihren Anteil an MAN auf über 75 Prozent ausgebaut. Außerdem hilft möglicherweise eine bestätigte Kaufempfehlung der DZ Bank.

Merck macht Genf dicht
Kräftig nach oben geht es auch mit der Aktie des Darmstädter Pharma- und Chemiekonzerns Merck. Der will seine Schweizer Sparte Serono am Standort Genf schließen. Etwa 500 der 1.250 Arbeitsplätze dort werden abgebaut, weitere 750 Stellen an andere Standorte verlagert. Damit sollen Doppelfunktionen abgebaut werden.

Analysten mögen Lufthansa
Ganz oben auf der Liste der Gewinner im Dax steht auch die Aktie der Lufthansa. Die britische Investmentbank HSBC hat die Einstufung der Papiere auf "Overweight" mit einem Kursziel von 11,00 Euro belassen. Der richtige Zeitpunkt für ein Investment in die Aktien von Netzwerkfluglinien sei gekommen, wenn sie keiner möchte, schrieb Analyst Andrew Lobbenberg in einer Branchenstudie vom Dienstag. Dies sei momentan klar der Fall. Der Experte sieht zusätzliches Potenzial in neuen Allianzen, möglichen Wasserstandsmeldungen zu Umstrukturierungen sowie in den kommenden Verkehrszahlen.

Pfeiffer Vacuum punktet
Im TecDax gehört die Aktie von Pfeiffer Vacuum zu den stärksten Werten. Ein Händler verwies auf positive Signale auf der Messe Achema (Ausstellungstagung für chemisches Apparatewesen). Der Markt sei offenbar nicht so schlecht wie befürchtet, und die Nachfrage entwickelte sich demnach wohl gut, hieß es an der Börse.

SMA erneuert sich
Größter Gewinner im TecDax ist die Aktie von SMA Solar. Der Wechselrichterhersteller nutzt die Branchenmesse Intersolar zur Vorstellung zahlreicher Neuentwicklungen wie intelligentem Energiemanagement. Die Präsentation beflügelt auch den Aktienkurs.

Norma steckt Ausstieg weg
Die Aktie des Auto- und Industriezulieferers Norma zeigt sich hart im Nehmen. Der Großaktionär 3i hat sich von weiteren 7,2 Prozent der Norma-Aktien getrennt, dennoch legt das Papier zu. Der Verkaufspreis lag bei 19,25 Euro und damit über dem derzeitigen Börsenkurs. 3i hält nun noch rund 28,3 Prozent an Norma.

Danone und die Eurokrise
Der französische Lebensmittelkonzern Danone leidet unter der schlechten Geschäftsentwicklung - speziell in Südeuropa. Das EuroStoxx-50-Mitglied deutete an, seine Preise senken zu wollen. Im Gesamtjahr rechnet Danone damit, dass die operative Ergebnismarge nicht mehr wie geplant auf dem Niveau des Vorjahres liege wird, sondern 0,5 Prozentpunkte darunter. Die Danone-Aktie bricht um mehr als sieben Prozent ein.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 15. August

Unternehmen:

Zur Rose Group: Halbjahreszahlen, 7:00 Uhr
Stratec: Halbjahreszahlen, 7:00 Uhr
ADO Properties: Q2-Zahlen, 7:00 Uhr
Leoni: Q2-Zahlen, 7:00 Uhr
LPKF: Halbjahreszahlen, 8:00 Uhr
Cisco Systems: Q4-Zahlen, 22:05 Uhr
MVV Energie: Q3-Zahlen
Vestas: Q2-Zahlen

Konjunktur
Großbritannien: Verbraucherpreise 07/18, 10:30 Uhr
USA: Produktivität Q2, 14:30 Uhr
USA: Empire State Index 08/18
USA: Einzelhandelsumsatz 07/18, 14:30 Uhr
USA: Industrieproduktion 07/18, 15:15 Uhr
USA: Kapazitätsauslastung 07/18, 15:15 Uhr
USA: Lagerbestände 06/18, 16:00 Uhr
USA: NAHB-Index 08/18, 16:00 Uhr
USA: Energieministerium Ölpreise (wöchentl.), 16:30 Uhr

Sonstiges:
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