Bernanke gibt dem Markt keinen Zucker

Stand: 01.08.2012, 20:30 Uhr

Nein, Ben Bernanke tut es nicht. Der Chef der amerikanischen Notenbank gibt keine geldpolitischen Stimuli. Das kratzt die Finanzmärkte aber nicht groß. Mario Draghi ist momentan wichtiger.

Selbst für Anleger in den USA ist Europa derzeit interessanter. Vielleicht startet der Chef der Europäischen Notenbank Mario Draghi ja morgen seine Liquiditätsoffensive. Die Finanzmärkte rechnen fest damit. Dagegen beließ es Helicopter-Ben alias Ben Bernanke heute um kurz nach 20 Uhr bei dem lauwarmen Versprechen, dass die US-Notenbank Fed die Entwicklungen beobachte und bei Bedarf zusätzliche konjunkturstimulierende Maßnahmen ergreifen werde.

An den Finanzmärkten hatte man damit schon gerechnet. Deshalb gab es auch kaum Reaktion. In Amerika zuckte der Leitindex Dow Jones kurz abwärts. Nachdem er zuvor ins Plus gedreht war, kehrte er nach Bernankes Rede zurück in negative Gefilde. Er notiert momentan 0,2 Prozent im Minus bei 12.983 Punkten.

In Deutschland hat der Dax zuvor den elektronischen Xetra-Handel mit einem Minus von 0,3 Prozent beim Stand von 6.754 Punkten beendet. Der L-Dax bewegte sich nur im Nachkommabereich. Aber das war, bevor Bernanke das Ergebnis der zweitätigen Sitzung des geldpolitischen Ausschusses der Fed (FOMC) bekannt gab.

Gestörter Handel an der Wall Street
Für Irritationen sorgten an der Wall Street außergewöhnlich hohe Handelsumsätze bei zahlreichen Aktien. In den ersten 45 Minuten war der normale Handel zeitweise gestört, mehrere Papiere wurden vorübergehend an der New York Stock Exchange ausgesetzt. Der Grund für den Vorfall war zunächst unklar. Die Nyse kündigte eine Prüfung an.

Händler spekulierten, die Probleme seien durch computergestützte Systeme des Finanzdienstleisters Knight Capital verursacht worden. Das Unternehmen war zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Knight-Aktien verloren 20 Prozent.

Arbeitsmarkt hui, Einkaufsmanager pfui
Gemischte Nachrichten kamen von der US-Konjunktur: Die Firmen schufen im Juli überraschend viele Jobs. Der US-Einkaufsmanager-Index schrumpfte hingegen den zweiten Monat in Folge und blieb leicht unter der Schwelle, die Wachstum signalisiert.

Neues von Mastercard und Time Warner
Quartalszahlen geraten beinahe in den Hintergrund. Der weltgrößte Kreditkartenanbieters Mastercard hat abgelaufenen Quartal die Umsatzerwartungen verfehlt. Das belastet die Aktie.

Time Warner verbuchte wegen schwächerer Geschäfte in der Film- und Fernsehsparte einen Gewinnrückgang. Die Aktie stieg heute dennoch.

Burger King : Gewinne satt mit Salat
Gut läuft es dagegen für die kürzlich an die Börse zurückgekehrte Hamburger-Kette Burger King. Sie lockt mehr Gäste an mit einer Kopie des McDonald's-Erfolgsrezept: Kaffee und Salat. Der Umsatz ging zwar zurück, weil Burger King Umsatz an Franchise-Nehmer abgab. Aber der Gewinn sprang um 60 Prozent in die Höhe.

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Schlappe Autoverkäufe in Amerika
Die hohe Arbeitslosigkeit und das schwache Verbrauchervertrauen schlagen bei den großen US-Autobauern General Motors und Ford direkt zu Buche. Beide Konzerne wiesen für Juli niedrigere Absatzzahlen als vor einem Jahr aus. Dagegen konnte der kleinere Rivale Chrysler kräftig zulegen. Gefragt waren dagegen nach wie vor Autos von ausländischen Herstellern. Volkswagen verzeichnete ein Absatzplus von 27 Prozent und Toyota von 26 Prozent. BMW steigerte den Absatz nur um vier Prozent - und das lag nur am Mini, dessen Verkauf um 24 Prozent in die Höhe schnellte.

BMW verunsichert seine Aktionäre
BMW präsentierte heute zudem seine Quartalsbilanz - und patzte damit: Ein Gewinneinbruch von 28 Prozent auf rund 1,3 Milliarden Euro im zweiten Quartal drückte die BMW-Aktie drei Prozent in die Tiefe. Daimler und Volkswagen gerieten in den Abwärtssog.

HeidelbergCement wieder gesucht
Gestern haben Anleger die guten Quartalszahlen von HeidelCement zu Gewinnmitnahmen genutzt. Heute stiegen sie wieder ein, die Aktie des Baustoffkonzerns war die stärkste im Dax. Das lag an den vielversprechenden Worten von Unternehmens-Chef Bernd Scheifele. der erwartet, dass die gute Baukonjunktur in Deutschland noch eine Weile anhält und HeidelCement weiter von der Euroschwäche profitiert.

Henkel hebt Gewinnprognose an
Für Henkel war das vorige Quartal das beste der Firmengeschichte. Trotz der Konjunkturkrise steigerte der Konsumgüterhersteller Umsatz und Gewinn im zweiten Quartal kräftig. Zudem hob Konzern-Chef Kasper Rorsted die Gewinnprognose für das Gesamtjahr an. Die Aktie verbuchte heute 1,7 Prozent Tagesgewinn.

Fresenius: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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42,01
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Fresenius-Familie bleibt auf Kurs
Gut laufen die Geschäfte auch für den Medizin- und Krankenhauskonzern Fresenius und seine Dialysetochter FMC.Umsatz und Gewinn stiegen bei beiden im Dax notierten Konzernen. Fresenius kann auch Kosten für die gescheiterte Übernahme des Krankenhauskonkurrenten Rhön verkraften. Beide Aktien zeigten heute aber trotz der gut ausgefallen Geschäftszahlen Schwäche. Das sei weitgehend eingepreist gewesen, hieß es an der Börse.

Deutsche Telekom: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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15,11
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Zwei Milliarden Dollar für die Telekom?
Die Deutsche Telekom machte auch ohne Zahlen von sich reden. Laut einem Zeitungsbericht steht sie kurz vor dem Verkauf ihrer Mobilfunkmasten in den USA. Das könnte mehr als zwei Milliarden Dollar einbringen.

Nochmal Schub für EADS
Im MDax preschen die Aktien von EADS mit vier Prozent Plus an die Indexspitze. Das ist der Nachhall der jüngst veröffentlichten starken Quartalsbilanz. UBS und Citigroup erhöhten nun ihre Kursziele für die Aktien.

Dürr macht Freude
Dürr lieferte heute sein Zahlenwerk - und das gefiel ebenfalls an der Börse. Der auf die Herstellung von Lackieranlagen für die Autoindustrie spezialisierte Maschinenbauer trotzte der Euro-Schulden-Krise. Auftragseingang, Umsatz und Gewinn stiegen überraschend und deutlicher als Experten erwartet hatten.

MDax-Verlierer Boss und Tui
Auf der Verliererseite im MDax stand Hugo Boss. Gestern schon tat der Modekonzern Anlegern nicht den Gefallen, die Jahresziele anzuheben - trotz starkem zweiten Quartal. Nun sagte Finanzvorstand Mark Langer auch noch, dass das zweite Halbjahr eine Verlangsamung des Wachstums mit sich bringt.

Auch die Tui-Aktie verlor. Gestern war sie gestiegen, als bekannt wurde, dass Konzernchef Frenzel seinen Posten früher abgibt als gedacht. Ob die Börse nun realisiert, dass mit einem neuen Chef nicht automatisch alles besser wird? Zumal der Neue keine Ahnung hat vom Tourismus, Friedrich Joussen ist Chef von Vodafone Deutschland.

Drillisch prescht vor
Im TecDax preschte die Drillisch-Aktie acht Prozent vor und damit an die Index-Spitze. Der Mobilfunkanbieter aus dem TecDax überraschte mit vorläufigen Zahlen für das zweite Quartal: Die fielen überraschend gut aus. Drillisch legte sowohl beim Umsatz als auch beim Betriebsergebnis zu.

Kontron saniert sich
Tec-Dax-Kollege Kontron ist ebenfalls gefragt. Der Hersteller von Computersteuerungen beginnt seine Sanierungsrunde mit dem Verkauf einer US-Tochter. Anteile an der AP Papro wurden für 7,5 Millionen Euro an das örtliche Management verkauft. Kontron hatte jüngst mit einer Gewinnwarnung die Analysten enttäuscht.

Praktiker lässt 'Helfer' abblitzen
Im SDax setzt die Aktie der angeschlagenen Baumarktkette Praktiker ihre Talfahrt fort. Das Management lässt das von der österreichischen Bank Semper Constantia vorgelegte Finanzpaket abblitzen. Praktiker-Chef Kay Hafner zweifelt an der Verlässlichkeit der Zusagen, die ihm die Investoren um die Fondsmanagerin Isabella de Krassny und den Geschäftsmann Clemens Vedder gaben.

Übernahmegerüchte treiben Nokia
Auf europäischer Ebene stand der angeschlagene finnische Handy-Hersteller Nokia im Fokus. Es gab Gerüchte, der chinesische PC-Hersteller Lenovo plane eine Übernahme. Die Nokia-Aktie schoss zeitweise um 17 Prozent in die Höhe. Lenovo bezeichnete die Gerüchte als "Witz".

SocGen schreibt ab
Aus Europas Bankenwelt gab es heute eine neue Bilanz, die von Société Générale. Frankreichs zweitgrößte börsennotierte Bank bekam wie die deutschen Institute die Folgen der Eurokrise zu spüren. Die Sorgensparte Investmentbanking zehrte am Gewinn, der im zweiten Quartal um 42 Prozent schrumpfte. Das liegt vor allem an Abschreibungen auf faule Wertpapiere.

Schneider Electric hilft Siemens-Aktie
Gut lief es dagegen für Schneider Electric. Der französische Elektronikkonzern steigerte Umsatz und Ergebnis prozentual zweistellig. Analysten hatten mit geringeren Steigerungen gerechnet. Das belebt die Schneider-Aktie - und auch die Aktien des deutschen Konkurrenten Siemens.

Zhongde Waste im Niedergang
Das chinesische, in Frankfurt notierte Unternehmen Zhongde Waste schwächelt. Mit seinen Müllverbrennungsanlagen kamen nur 1,2 Millionen Euro im ersten Quartal in die Kasse, der Umsatz halbierte sich. Der Verlust weitete sich aus. Laut Zhongde gibt es Verzögerungen bei der Fertigstellung von Müllverbrennungsanlagen.

Wird EZB-Chef Draghi liefern?
Morgen ist der Terminkalender wieder voll, eine Flut von Quartalsbilanzen stehen an. Doch spätestens am Nachmittag werden die Finanzmärkte die Zahlen zur Seite schieben und ihr Augenmerk auf die Europäische Notenbank richten. Wird sie ihr Anleihekaufprogramm wieder aufleben lassen, um damit den kriselnden Euro-Staaten wie Spanien und Italien helfen?

EZB-Chef Mario Draghi hat das angedeutet. Seither sind die Erwartungen gewaltig: "Die EZB muss unbedingt liefern, um den geschürten Erwartungen gerecht zu werden", schreiben Analysten des Frankfurter Bankhauses Metzler. "Wegen der hohen Erwartungen wird Draghi kaum mit leeren Händen vor die Öffentlichkeit treten wollen", kommentiert Christoph Balz von der Commerzbank. Allerdings sei keine der Optionen problemlos umsetzbar. "Außerdem will die Notenbank den Druck auf die Politik aufrechterhalten, ihre Reformversprechen einzulösen. Draghi werde daher wohl eher "die Handlungsbereitschaft der EZB betonen als viele konkrete Schritte verkünden", meint Balz.

Auch Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank, hält es für möglich, dass die EZB es zunächst bei markigen Worten belässt: "Mit etwas Glück könnte eine verbale Intervention ausreichen, um diese Welle der Euro-Schuldenkrise zu beenden."

Renditen auf Erholungskurs
An den Märkten reichten die Worte in der Tat. Die Renditen an den Anleihemärkten sind nach Draghis Worten gefallen, die zehnjährigen spanischen Bonds sind von den langfristig untragbaren 7,6 Prozent auf inzwischen 6,7 Prozent gefallen. Aber was, wenn Draghi nicht liefert? Springen die Renditen dann wieder an?

Der Weidmann-Schock
Wie nervös die Finanzmärkte sind, zeigte die heutige Marktreaktion auf Jens Weidmann. Der Bundesbank-Chef, bekannt für seinen Contra-EZB-Kurs, sprach sich gegen Anleihekäufe aus. Der Dax fiel daraufhin innerhalb von Minuten 50 Punkte in die Tiefe bis auf 6.741 Punkte. Erst kurze Zeit später wurde klar, dass es sich um ein altes Interview von Juni handelt und keineswegs um eine Reaktion auf die Aussagen von Draghi vergangene Woche.

Tagestermine am Montag, 17. Dezember

Unternehmen:
Hennes & Mauritz: Q4-Umsatz, 08:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Handelsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 11/18 (vorl.), 11:00 Uhr
USA: Empire-State-Index 12/18, 14:30 Uhr
USA: NAHB-Index 12/18, 16:00 Uhr