Marktbericht 20:00 Uhr

Kursgewinne an den europäischen Börsen Bernanke erweist sich erneut als Kurstreiber

Stand: 17.07.2013, 20:00 Uhr

Bei seinem mit Spannung erwarteten Auftritt vor dem US-Kongress hat Fed-Präsident Ben Bernanke das getan, was er am besten kann: so vage wie möglich bleiben. Den Anlegern gefiel's. Der Dax nahm wieder Fahrt auf.

Was nun, Ben? Der Präsident der US-Notenbank hat mal wieder die Welt im unklaren gelassen, was er vorhat. Bei der halbjährlichen Anhörung vor den Vertretern des US-Repräsentantenhauses ließ er sich alle Türchen offen. Er bekräftigte zwar, dass die Anleihenkäufe Schritt für Schritt "später in diesem Jahr" zurückgefahren und Mitte 2014 beendet werden könnten. Doch letztlich hänge die Entscheidung über das Tempo des Kaufprogramms vom konjunkturellen Ausblick ab.

Eine baldige geldpolitische Wende schloss Bernanke aus. Auf absehbare Zeit werde die Strategie der Fed expansiv bleiben. Denn die Arbeitslosigkeit sei unverändert hoch und die Inflation niedrig."Es gibt auf keinen Fall einen vorab festehenden Kurs", erklärte Bernanke. Sollte sich der Arbeitsmarkt nicht so bessern wie erhofft, könnten die Notenpressen noch länger im bisherigen Tempo rotieren.

"Der Markt ist zufrieden"

Hörfunk-Moderatorin Ulla Herrmann
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Börse 15.00 Uhr

Anleger zeigten sich zufrieden, auch wenn Bernanke eigentlich nichts Neues sagte. "Der Meister der vorsichtigen Worte hat es wieder geschafft, einen Verbal-Spagat zu machen, und der Markt ist vorerst zufrieden", erklärte Händler Andreas Lipkow von Kliegel und Hafner. Der Dax beendete den Xetra-Handel rund 0,7 Prozent im Plus bei fast 8.255 Punkten. Der L-Dax schloss bei 8.249 Zählern. Auch an den anderen europäischen Aktienmärkten in Paris und London ging es aufwärts. "Bei den Anlegern scheint sich der Eindruck zu verfestigen, dass es noch eine Weile dauert, bis das Anleihenkauf-Programm zurückgefahren wird", meinte Helaba-Analyst Ulrich Wortberg.

Beige Book: Wirtschaft wächst nur zögerlich

Wenig neue Aufschlüsse gab am Abend das Beige Book der Fed. Nach Einschätzung der US-Notenbank wächst die Wirtschaft derzeit nur "mäßig bis zögerlich". Die Konjunkturerholung sei aber breit angelegt. Sowohl die Lage am Häusermarkt als auch die Konsumausgaben hätten sich positiv entwickelt. Der Stellenmarkt sei stabil geblieben oder habe sich verbessert. Bei langfristigen Einstellungen herrsche aber weiter Zurückhaltung, hieß es im Beige Book.

US-Baubeginne auf Ein-Jahres-Tief

An der Wall Street zeigten sich die Anleger etwas vorsichtiger. Der Dow verharrte zwei Stzunden vor Handelsschluß auf seinem Vortagesniveau. Die Nasdaq und der S&P 500 stiegen leicht um 0,3 Prozent. Als Stimmungsbremse erwiesen sich enttäuschende Immobiliendaten. So sanken die Baubeginne und Baugenehmigungen im Juni überraschend um fast zehn Prozent auf annualisiert 836.000. Das ist der niedrigste Wert seit fast einem Jahr. Volkswirte hatten mit einem deutlichen Anstieg von fünf Prozent gerechnet.

Positive Impulse von der US-Berichtssaison

Dagegen konnte die Bank of America die starke Berichtssaison der Geldinstitute fortsetzen. Sie steigerte ihren Gewinn um satte 70 Prozent auf 3,57 Milliarden Dollar - allerdings nur dank des harten Sparkurses. Die Einnahmen legten lediglich um drei Prozent zu. Die Aktien der Bank of America führen mit einem Plus von über zwei Prozent die Liste der Dow-Gewinner an. Einen kräftigen Satz nach oben machten die Aktien von Yahoo. Sie schossen um über sechs Prozent nach oben. Der Internet-Konzern setzte zwar erneut weniger um, konnte aber den Gewinn je Aktie um fünf Cent erhöhen. Vor allem die chinesische Beteiligung Alibaba glänzte.

Euro unter 1,31 Dollar

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Der Euro legte eine Berg- und Talfahrt hin. Zunächst hievten Bernankes Äußerungen den Euro nach oben, dann wieder nach unten. Die europäische Gemeinschaftswährung rutschte unter 1,31 Dollar. Auch der Goldpreis gab wieder nach. Das gelbe Edelmetall verbilligte sich auf 1.277 Dollar je Feinunze.

ThyssenKrupp weiter im Aufwind

Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Unter den Dax-Werten stand ThyssenKrupp ganz oben in der Anlegergunst. Mit einem Plus von über drei Prozent setzte die Aktie ihren kleinen Höhenflug fort und notierte auf dem höchsten Stand seit knapp vier Monaten. Der Konzern rechnet laut einem "Handelsblatt"-Bericht mit keinen weiteren wesentlichen Abschreibungen mehr auf die Stahlwerke in Übersee. Zudem profitierte die Aktie von guten Zahlen der schwedischen SKF, bei der vor allem das Autozuliefergeschäft brummte.

ASML treibt Infineon an

Deutlich im Plus waren auch die Aktien von Infineon. Sie stiegen um über zwei Prozent. Ein angehobener Ausblick des niederländischen Chip-Anlagenbauers ASML hob die Stimmung im gesamten Hightech-Sektor. Dieser hatte am Morgen von einer gestiegenen Nachfrage aus der Halbleiterbranche berichtet. Im zweiten Quartal haben die Niederländer den Gewinn mehr als verdoppelt. Die ASML-Aktie stieg um zwei Prozent. Seit Jahresbeginn hat sie schon gut 40 Prozent gewonnen.

RWE-Chef: "Es wird gefährlich"

Die RWE-Aktie schloss nur knapp im Plus. Vorstandschef Peter Terium hat mit drastischen Worten vor schweren Zeiten gewarnt. "Wir befinden uns in der größten Branchenkrise aller Zeiten", sagte er im "Manager-Magazin". Wegen des Strompreisverfalls seien 30 bis 40 Prozent der RWE-Kraftwerke in den nächsten Jahren im roten Bereich. Wenn sich nichts ändere, "dann wird es wirklich gefährlich".

L'Oréal drückt Henkel

Henkel VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Dax-Schlusslicht war die Commerzbank mit einem Minus von 1,4 Prozent, nachdem sich die Aktie zuletzt etwas erholt hatte. Der Konsumgüter-Hersteller Henkel gehörte nach leicht enttäuschenden Umsatzzahlen des französischen Konkurrenten L'Oreal ebenfalls zu den Verlierern.

Novartis hebt Prognose an

Die Aktien von Merck und Bayer konnten kaum von guten Geschäftszahlen des Schweizer Pharmakonzerns Novartis profitieren. Novartis steigerte seinen Umsatz im zweiten Quartal um ein Prozent auf 14,5 Milliarden Dollar und verdiente 2,55 Milliarden Dollar. Zudem erhöhte der Pharmariese seine Prognosen. Doch selbst das konnte die Anleger nicht überzeugen. Die Novartis-Aktie gab leicht nach.

Rational und Norma auf der Gewinner-Seite

Im MDax setzte die Aktie des Großküchen-Ausrüsters Rational ihre Erholung fort und legte über zwei Prozent zu. Auch Papiere des Autozulieferers Norma hielten sich gut- dank einer Kaufempfehlung durch die Berenberg Bank. Die Markterwartungen an das Unternehmen seien zu niedrig, hieß es. Die Norma-Aktien kletterten auf ein neues Rekordhoch von 30,88 Euro im Tagesverlauf.

Banken bleiben auf Gagfah-Aktien sitzen

Dagegen standen Immobilienaktrien auf der Verliererseite. Die Gagfah-Aktien büßten ein Prozent ein. Nach eigenen Angeban sind die Deutsche Bank und Goldman Sachs auf mehr als zwei Drittel der 40 Millionen Aktien sitzengeblieben, die sie platzieren wollten. Die DEutsche Bank hält demnach immer noch 6,4 Prozent, Goldman Sachs 6,3 Prozent an dem Wohnungskonzern. Nun bleibt ihnen nur noch die Möglichkeit, die Papiere nach und nach auf den Markt zu werfen oder andere Abnehmer für ihre Pakete zu finden.

Zooplus glänzt

Aus dem SDax ragten die Aktien des Tierbedarf-Händlers Zooplus heraus. Sie legten um sieben Prozent zu. Die Commerzbank hat ihre Kaufempfehlung vor der Vorlage vorläufiger Quartalszahlen in der kommenden Woche bestätigt. Die Experten gehen von einem guten Wachstum und einer Bestätigung der Prognose aus.

Brüssel belastet Kreditkarten-Anbieter

Die Aktien von Kreditkartenfirmen befanden sich am Mittwoch unter Druck. Pläne der Europäischen Kommission zur Kappung von Kreditkartengebühren drückten die Titel von American Express um vier Prozent nach unten. Die Papiere von Mastercard und Visa fielen lediglich um 0,2 Prozent. Zeitweise geriet auch WireCard im TecDax in den Negativ-Sog von Brüssel. Am Nachmittag erholte sich der Titel aber von seinen Kursverlusten und schloss minimal im Minus. Das Unternehmen erklärte, mit einer Deckelung der Gebühren kein Problem zu haben.

Mattel-Gewinn bricht ein

Kräftig abgestraft wurde der Spielzeughersteller Mattel für seine schwachen Quartalszahlen. Die Aktie sacklte um über fünf Prozent ab. Der Barbie-Puppen-Konzern erlitt einen Gewinnrückgang von 23 Prozent, der Umsatz legte nur um ein Prozent zu. Während die Barbie-Puppen erneut sank, verkauften sich die Monster-Figuren besser.

Icahn macht Druck vor Dell-Entscheidung

Einen Tag vor der mit Spannung erwarteten außerordentlichen Hauptversammlung von Dell versuchte Investor Carl Icahn, die Aktionäre auf seine Seite zu ziehen. er appellierte an die Anteilseigner in einem ofenen Brief, Dells Offerte zurückzuweisen. Die Aktionäre sollen entscheiden, ob sie das 24,4 Milliarden Dollar schwere Angebot von Michael Dell und der Beteiligungsgesellschaft Silver Lake annehmen. Beide wollen Dell von der Börse nehmen. Die Dell-Aktie gab knapp zwei Prozent nach. Möglicherweise wird die HV aber verschoben.

nb

Tagestermine am Donnerstag, 20. Dezember

Unternehmen:
Hornbach: Q3-Zahlen (endg.), 07:00 Uhr
Bank of New York Mellon: ao. HV, 12:00 Uhr
Blackberry: Q3-Zahlen, 13:00 Uhr
Nike: Q2-Zahlen, 22:15 Uhr
Konjunktur:
Japan: BoJ Zinsentscheid, 05:30 Uhr
EU: Leistungsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
GB: Einzelhandelsumsatz, 11/18, 10:30 Uhr
GB: BoE, Zinsentscheid, 13:00 Uhr
USA: Philly Fed Index, 12/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Wo), 14:30 Uhr
USA: Frühindikator 11/18, 16:00 Uhr