Bernanke beruhigt die Märkte

Stand: 24.02.2009, 20:01 Uhr

Schlechte Konjunkturdaten konnten den Börsen nichts anhaben. US-Notenbankchef Ben Bernanke sieht Licht am Ende des Tunnels und schob damit die Wall Street kräftig an. Auch der Dax beendete den Handel einigermaßen versöhnlich.

Im späten Handel legte der LDax noch deutlich zu und schloss um 20 Uhr bei 3.940 Punkten. Zuvor hatte der Xetra-Dax noch ein Prozent auf 3.896 Zählern verloren. Im Tagesverlauf hatte der Index allerdings noch sehr viel höhere Verluste verzeichnet, die freundliche Wall Street sorgte am Nachmittag für Rückenwind.

Was die amerikanischen Anleger dann auch am Abend ermutigte, waren zuversichtliche Äußerungen von Fed-Chef Ben Bernanke. Nicht nur versprach er vor dem Bankenausschuss des Senats, dass die Fed die Überlebensfähigkeit aller großen Banken sicher stellen werde, was den Bankaktien auf die Sprünge half. Außerdem erwartet der Notenbankchef, dass die US-Wirtschaft sich spätestens im kommenden Jahr wieder erholen wird. Zumindest wenn die Konjunkturmaßnahmen der Regierung greifen.

Die wirtschaftliche Zukunft mag also ein paar Lichtblicke bieten, die Gegenwart tut dies noch nicht. Da waren die neuen Verbrauchervertrauensdaten des Forschungsinstitutes Conference Board. Der wichtige Verbrauchervertrauensindex, der vor allem die Neigung der Amerikaner zum Geldausgeben misst, brach überraschend um 12,5 Punkte auf 25,0 Punkte ein. Erwartet hatten die Analysten einen Wert von 35,5 Zählern.

Und der neueste Ifo-Geschäftsklimaindex, der bereits am Morgen bekannt gegeben wurde, fiel mit 82,6 Punkten schwächer aus als erwartet.

Morgan Stanley setzt BMW ans Dax-Ende
Ein Analystenkommentar von Morgan Stanley setzte der BMW-Aktie kräftig zu. Sie schloss 4,6 Prozent schwächer. Morgan Stanley hat die Papiere von "Overweight" auf "Underweight" herabgestuft und verwies auf eine angeblich "unattraktive Bewertung". Anleger sollten mit einem Kauf der Aktie lieber abwarten, bis sie deutlich unter 10 Euro notiere.

Rekordjahr bei der Deutschen Börse?
Die Aktie der Deutschen Börse legte im Handelsverlauf um 1,3 Prozent zu. Der Konzern veröffentlicht am Dienstag Abend seine Jahreszahlen, und Anleger hoffen auf gute Zahlen: 2008 profitierte der Börsenbetreiber wohl von der Finanzkrise und dürfte bei Umsatz und Ergebnis neue Rekorde erreicht haben.

RWE vereinfacht Konzernstruktur
Der Energiekonzern RWE hat sich eine neue Organisationsstruktur gegeben. Die beiden größten Regionalversorger, RWE Rhein Ruhr und Westfalen Weser Ems zusammenlegen und die bisherige Zwischenholding RWE Energy auflösen. Zudem gab RWE bekannt, für 2008 eine Dividende von 4,5 Euro zahlen zu wollen. 2007 hatte der Konzern noch 3,15 Euro je Aktie ausgeschüttet. RWE-Aktien stiegen um 0,6 Prozent.

Versicherer leiden unter AIG
Die Aktien der beiden im Dax notierten Versicherer Allianz und Münchener Rück verloren je vier Prozent. Die Anleger reagierten damit auf Gerüchte, wonach der amerikanische Versicherungsgigant AIG ein weiteres Mal kurz vor der Pleite gerettet werden muss. Die AIG, so die Spekulationen, soll im vergangenen Quartal etwa 60 Milliarden Dollar Verlust gemacht haben, und benötige nun, zusätzlich zu den bereits gewährten 150 Milliarden Dollar Staatshilfen, weiteres Geld zum Überleben.

Solarbilanzen im TecDax
Die beiden Solarkonzern Solon und Q-Cells stellten ihre Jahreszahlen vor. Solon traf mit 62 Prozent Umsatz und 70 Prozent mehr Gewinn zwar gerade so die Prognose, gab aber keine Prognose für das laufende Geschäftsjahr ab. Dies beunruhigte die Anleger, die Aktie verlor 5,3 Prozent.

Q-Cells schnitt mit einem Umsatz von 1,25 Milliarden Euro und einem Ergebnis von 205 Millionen Euro leicht besser ab als erwartet, senkte aber das Umsatzziel für 2009. Trotzdem stieg die Aktie um 7,6 Prozent. Dies lag vor allem daran, dass am Markt Gerüchte gehandelt wurden, wonach Q-Cells und die norwegische Solarfirma REC fusionieren wollten. "Ein Zusammenschluss wäre durchaus sinnvoll", sagte ein Analyst.

Drägerwerk im Problemjahr 2009
Der Medizin- und Sicherheitstechnikhersteller Drägerwerk hat das vergangene Jahr mit einem Rückgang beim operativen Ergebnis von 14 Prozent beendet. Immerhin stieg der Umsatz leicht auf 1,92 Milliarden Euro. Allerdings erwartet Drägerwerk nun, dass in diesem Jahr auch der Umsatz leicht rückläufig sein wird. Die Aktie verlor zwölf Prozent.

Conti unter Druck
Die Aktie des Autozulieferers und Reifenhersteller Continental schloss 11,2 Prozent schwächer. Der fränkische Schaeffler-Konzern, der Conti übernehmen will und unter anderem deshalb in tiefen finanziellen Schwierigkeiten steckt, hat sich am Morgen bereit erklärt, 75 Prozent seiner Anteile zu verkaufen. Dies zeige, in welch prekärer Lage das Unternehmen stecke, urteilten Analysten.

Demag hat einen neuen Chef
Der Kranhersteller Demag Cranes hat seinen Vorstandschef ausgewechselt. Aloysius Rauen werde am 1. Mai das Amt übernehmen, teilte das MDax-Unternehmen am Montag Abend mit. Der bisherige Konzernchef, Harald Joos, trete Ende März zurück. Grund seien "unterschiedliche Auffassungen". Die Aktie verlor 5,7 Prozent.

Grammer erwartet schwaches Jahr 2009
Der Autozulieferer Grammer erwartet wegen der Autoabsatzkrise einen Umsatzrückgang um 25 bis 30 Prozent sowie einen operativen Verlust im ersten Halbjahr 2009. 2008 hat Grammer noch, wie geplant, auf etwa dem Niveau des Vorjahres, also 2007, abgeschlossen. Die Aktionäre sind wegen des schwachen Ausblicks enttäuscht, die Aktie verlor 10,2 Prozent.

DIC erreicht seine Ziele, Immo-Aktien gefragt
Nur etwas besser gelaunt waren die Aktionäre des Immobilienunternehmens DIC Asset. Die in den vergangenen Monaten stark gebeutelte Aktie verlor weitere 0,4 Prozent. Im vergangenen Geschäftsjahr habe man, teilte DIC Asset mit, einen Gewinn von etwa 25 Millionen Euro erzielt, und damit die Erwartungen im vierten Quartal erfüllt. Ansonsten waren im SDax Immobilienaktien durchaus gefragt: Colonia, Deutsche Wohnen, Patrizia und Alstria legten sämtlich zwischen 9 und knapp 15 Prozent zu.

Millionenverlust bei Home Depot
Der weltgrößte Baumarktkonzern Home Depot hat im vergangenen Quartal die Wirtschaftskrise deutlich zu spüren bekommen. Der Konzern gab einen Verlust von 54 Millionen Dollar bekannt, im vergangenen Jahr erwirtschaftete Home Depot noch einen Gewinn von 671 Millionen Dollar. Die Erlöse schrumpften um 17 Prozent auf 14,6 Milliarden Dollar. Der Konzern erwartet, dass 2009, wie auch das vergangene Jahr, schwierige Marktbedingungen vorhält.

Milliardenverlust bei Tomtom
Der Navigationsgerätehersteller Tomtom hat für das vierte Quartal einen herben Verlust bilanziert. Der Nettoverlust belief sich auf 989 Millionen Euro, teilte das niederländische Unternehmen mit. Der Grund für den erschreckend hohen Verlust sei eine Abschreibung in Höhe von einer Milliarden Euro auf den im vergangenen Jahr übernommenen Digitalkartenhersteller Tele Altas, teilte Tomtom mit. Jetzt befürchtet der Konzern, Kredite für den Kauf des Konkurrenten möglicherweise nicht wie geplant zurückzahlen zu können.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Freitag, 17. August

Unternehmen:

Grand City Properties: Q2-Zahlen, 7:00 Uhr
Volkswagen: Absatz 07/18
Maersk: Halbjahreszahlen
Schindler: Halbjahreszahlen, 6:30 Uhr

Konjunktur
Deutschland: Verarbeitendes Gewerbe 06/18, 8 Uhr
EU: Verbraucherpreise 07/08 endgültig, 11:00 Uhr
USA: Frühindikatoren 07/18, 16 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen 08/18 vorläufig, 16 Uhr