Ben, das Zinsorakel

von Karsten Leckebusch

Stand: 05.06.2007, 20:10 Uhr

Die schlechte Stimmung in den USA hat den deutschen Aktienmarkt am Dienstag belastet. US-Notenbankchef Ben Bernanke warnte vor der Inflation und schickte prompt die Aktienmärkte auf Talfahrt. Im späten Handel sackte der Dax noch weiter ab.

Der L-Dax beendete den späten Parketthandel bei 7.871 Punkten und damit fast 50 Zähler unterhalb des Xetra-Schlusskurses. Am Nachmittag hatte US-Notenbankchef Ben Bernanke gesagt, es bestehe weiterhin die Gefahr, dass die derzeit erhöhte Kerninflation in den USA nicht zurückgehe. Die Risiken wiesen nach oben, obwohl die Kerninflation im Laufe der Zeit abnehme, warnte Bernanke.

Die Börsianer schlossen daraus, dass die Fed die Leitzinsen erst mal nicht senken werde. Für die Börse ist die eine schlechte Nachricht, die Wall Street öffnete schwach und baute ihre Verluste im Laufe des Tages weiter aus. Selbst der überraschend gute amerikanische ISM-Dienstleistungsindex, der am Nachmittag veröffentlicht wurde, hatte keinen Einfluss auf die negative Kursentwicklung.

Die Gewinner im Dax
Papiere der Commerzbank legten 0,7 Prozent zu. Offenbar glauben einige Börsianer, dass die amerikanische Citigroup Interesse am zweitgrößten deutschen Geldinstitut hat. Gerüchteweise sei die Citigroup bereit, 44,50 bis 45 Euro je Commerzbank-Papier zu zahlen. Die Aktie war bei Xetra-Handelsschluss 37,27 Euro wert.

Bayer verteuerte sich um 0,3 Prozent. Neben vagen Übernahmegerüchten wurde die Aktie des Pharmakonzerns auch von der Charttechnik und einer positiven Medikamentenstudie getrieben, erläutern die Experten. Papiere des Reisekonzerns Tui verloren 0,7 Prozent. Die EU-Kommission hatte der Fusion von Tui und First Choice zuvor unter Auflagen zugestimmt. Tui muss sich wie erwartet von "Budget Travel" trennen, um den englischen Reiseveranstalter übernehmen zu können.

Linde-Aktien stiegen um 0,3 Prozent. Auf der Hauptversammlung des Gasekonzerns bekräftigte Vorstandschef Wolfgang Reitzle zwar die mittelfristigen Ergebnisziele, gab aber keine konkrete Prognose für das laufende Jahr. Immerhin dürfte es eine moderate Erhöhung der Dividende geben, so der Linde-Chef.

... und die Verlierer
Aktien des Schuhherstellers Adidas verloren 1,7 Prozent. Großinvestor Mike Ashley hat sich nach Medienberichten komplett von seinen Adidas-Aktien getrennt.

DaimlerChrysler verbilligte sich trotz einer an sich guten Nachricht um 1,1 Prozent. Weltweit hat der Autohersteller im Mai 2,9 Prozent mehr Autos ausgeliefert. Vor allem die E-Klasse komme bei den Kunden gut an, teilte die Mercedes-Pkw-Gruppe mit.

Charts und Analysten
Im MDax legte die Aktie des Pharmakonzerns Merck um 5,5 Prozent zu. Neben positiven Studienergebnissen stützte die Charttechnik: Die Merck-Aktie habe bei 100,40 Euro eine "markante" Marke überwunden und könne jetzt bis auf 109,60 Euro steigen, orakelten die technischen Analysten. Dass Merck wahrscheinlich in den Dax auf- und Altana in den MDax absteigt, hatte kaum Einfluss auf den Börsenkurs. Indexbewegungen werden gewöhnlich mit langer Vorlaufzeit eingepreist.

Auch die Aareal Bank stieg vergleichsweise kräftig um 2,2 Prozent. MorganStanley honorierte eine der "besten Restrukturierungsstorys" bei deutschen Banken und nahm das Papier mit einem Kursziel von 46 Euro wieder auf die Beobachtungsliste.

Bei den Technologiewerten profitierte der Solarkonzern Conergy von einem Analystenkommentar der Citigroup. Die Experten erhöhten das Kursziel auf 70 Euro und bestätigten den Titel mit "Buy". Conergy-Aktien stiegen um 7,2 Prozent. Die Aixtron-Aktie legte um 6,3 Prozent zu. Händler verwiesen auf die Charttechnik. Die Aktie habe bei 5,80 Euro den Abwärtstrend unterbrochen und könne nun wieder steigen.

Nitol beliefert Ersol
Der Solarkonzern Ersol hat mit der russischen Nitol-Gruppe einen Vertrag zur Siliziumversorgung geschlossen. Bis 2012 wird Nitol das Erfurter Unternehmen mit Silizium versorgen. Dies sei ein weiterer Schritt zum Ausbau der Kapazitäten, sagte Ersol-Vorstand Jürgen Pressl. Die Aktie verteuerte sich um 1,2 Prozent.

Ein neuer Dax: Der ÖkoDax
Einige der im TecDax notierten Solar- und Windwerte sind seit Dienstag im neu geschaffenen Öko-Index der Deutschen Börse vertreten. Der Öko-Dax umfasst die zehn gewichtigsten deutschen Unternehmen, deren Ziel die Gewinnung von Energie aus Wind, Wasser, Sonne und Biomasse ist. Dem ÖkoDax gehören neben Conergy auch Solarworld, Q-Cells, Repower, Ersol, Solon, Nordex, Verbio, CropEnergies und Schmack Biogas an.

Mehr Aufträge für Jungheinrich
Von seiner aktuellen Zwischenbilanz profitierte der Gabelstaplerhersteller Jungheinrich. Das SDax-Unternehmen rechnet mit einem Umsatzplus von neun Prozent in diesem Jahr. Außerdem seien die Orderbücher gut gefüllt, der Auftragseingang legte in den vergangenen vier Monaten um zehn Prozent zu. Die Aktie verteuerte sich um 0,5 Prozent.

Tagestermine am Montag, 17. Dezember

Unternehmen:
Hennes & Mauritz: Q4-Umsatz, 08:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Handelsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 11/18 (vorl.), 11:00 Uhr
USA: Empire-State-Index 12/18, 14:30 Uhr
USA: NAHB-Index 12/18, 16:00 Uhr